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 Betreff des Beitrags: Martin Albani
BeitragVerfasst: 22.1.2008, 14:20 
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Eine der angenehmsten, sympathischsten Figuren, die einem in Karl Mays Reiseerzählungen begegnen, ist Martin Albani in „Durch die Wüste“, in der herzerfrischenden Dschidda-Episode. Das ganze Buch atmet ja in diesem Bereich Lebensfreude, gute Schwingung, Hoch-Zeit, und da passt dieser Albani bestens hinein, gleichsam als archetypischer Vertreter einer Weltanschauung, Weisheit des lächelnden Lebens könnte man es nach einem Buchtitel nennen, oder simpler, Mensch bleiben, alle Fünfe gerade sein lassen, o.ä.

So

»Jetzt geh' i zum Soala Und kaf ma an Strick,
Bind 's Diandl am Buckl Trog's überall mit.«

Ein >G'sangl< aus der Heimat! Hier in Dschidda!


wird er eingeführt.

Kurz darauf stellt er sich als

„Violinist, Komiker, Schiffskoch, Privatsekretär, bookkeeper, Ehemann, merchant, Witwer, Rentier und jetzt Tourist nach Hause“

vor; der wunderbar-gallige Spruch „So steil sind die Karrieren“ fällt mir dazu ein.

Was thun Sie hier in Dschidda?«
»Nichts. Und Sie?«
»Nichts. Wollen wir einander helfen?«
»Natürlich, wenn es Ihnen nämlich recht ist!«


So sprechen die beiden eifrigen Menschen miteinander …

Dann gehen sie essen, Albani lädt zu sich ein:

„Hier ein Topf mit Apfelschnitten, gestern Abend in der Kaffeemaschine gekocht; es ist das Beste, was man in dieser Hitze genießen kann. Hier zwei Pfannkuchen, dort in der Tabaksbüchse gebacken - Jeder einen. Da noch ein Rest englisches Weizenbrot - ein Bißchen altbacken, geht aber noch. Sie haben gute Zähne, wie ich sehe. Dazu diese halbe Bombaywurst - riecht vielleicht ein wenig, thut aber nichts. In dieser Flasche ist echter, alter Cognac; wenn auch kein Wein, aber immer besser als Wasser; ein Glas habe ich nicht mehr, ist aber auch nicht nothwendig.“

Menschlichkeit und Lebensfreude zählen halt weit, weit mehr als „gehobenes Ambiente“, „Stil“ und was dergleichen mehr ist. „Wir aßen mit Lust“ heißt es dann auch kurz darauf. Und in Sachen Eigennutz, materielles Denken usw. gehen die beiden wie folgt miteinander um:

Sie rauchen?«
»Gern.«
»Hier! Es sind nur noch elf Stück; die theilen wir - Sie zehne und ich eine.«
»Oder umgekehrt!«
»Geht nicht.«
»Wollen es abwarten.«


Das sind „Kleinigkeiten“, aber sehr wesentliche, vielsagende. Das ist Karl May. Wie wir ihn von Gartow oder auch anderswo kennen.

Nach Schilderung des, sagen wir, bunten Lebenslaufs seines Gegenübers vermerkt Kara Ben May:

Der Mann gefiel mir. Er gab sich so, wie er war. Reich konnte er wohl nicht genannt werden; er machte auf mich den Eindruck eines Mannes, der grad so viel hat, als er braucht, und der damit auch herzlich zufrieden ist.

Die beiden reiten dann unter anderem noch in die Wüste und erleben Abenteuer; allein diese Kennlern-, Bewirtungs- und Eßszene gehört für mein Empfinden in all ihrer Schlichtheit zu den schönsten Stellen in Mays Gesamtwerk. Weil sich halt eine ganze Weltanschauung darin vermittelt.

Möglicherweise ist einer der zahlreichen Albanis in Mays Heimatort Vorbild für diese Figur, welcher genau, mag die Forschung herausfinden, hier tut es eher nichts zur Sache.

Warum nun diese kleine Würdigung des Martin Albani ? Nun, ich las heute etwas von wegen „Albani erfüllt die Funktion des "Comic Relief" eines Shakespeare'schen Narren“, und als ich das sah, habe ich gedacht, Nein, Martin Albani, die Schublade ist Dir nun wirklich zu klein, da kriegst Du ja keine Luft drin, wart', ich helf' Dir ein bisserl.

:wink:

*

Im vierten Band des Zyklus, in den Schluchten des Balkan, begegnen wir Albani noch einmal wieder. Nicht nur das geographische Umfeld, die ganze Farbe der Erzählerei ist anders geworden in diesem Buch, insgesamt dunkler, unfroher. Und so erscheint auch Albani nur noch eher als ein müder gewordener Schatten des früheren, Lebensfreude-geprägten; sang- und klanglos trennen sich in Menlik seine und des Ich-Erzählers Wege, und die Betrachtungsweise des letzteren ist auch nicht mehr so recht die, die sie einmal war:

Er war ein leichtlebiger, unvorsichtiger Mensch, und leider hat er nicht lange mehr gejodelt. Von dieser Reise ist er freilich glücklich zurückgekehrt, hat aber kurze Zeit darauf während des Badens im Meere seinen Tod gefunden.

Friede seinem Andenken.

:wink:


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BeitragVerfasst: 22.1.2008, 17:16 
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möglich wäre hier:
Mays Pseudonym auf seiner Flucht im damaligen Böhmen als Albin Wadenbach, nur wurde aus dem Vornamen der Nachnamen Albani. Es handelt sich also um May selber, was auch für die Hochstimmung in der Wüste und der späteren Niedergeschlagenheit im Balkan sprechen könnte.

viele Grüße

Thomas Grafenberg
Geschäftsführer Förderverein Karl-May-Museum
<unsere Vereinszeitschrift: das Museumsmagazin 'Der Beobachter an der Elbe'>


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BeitragVerfasst: 22.1.2008, 17:35 
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Jetzt wird’s kompliziert …

Ich bin zwar auch der Meinung, dass nahezu ALLE Figuren bei Karl May MEHR ODER WENIGER Selbst-Spiegelungen sind bzw. ANTEILE von ihm in sich haben (remember: Flickenteppich. Das Wort ist unschlagbar), aber in dem Fall dürfte er da schon einen Mitmenschen (im Außen) vor sich gesehen haben.

Wird auch schwierig, Gesang im Duett, Frotzelei hin und her, usw., und das alles mit sich selbst … Nun gehöre ich zwar auch zu denen, die immer ganz froh sind, wenn niemand da ist, weil, wie wir wissen, wer einsam ist der hat es gut weil keiner da der ihm was tut, und Karl May konnte sicherlich zeitweise (lange Zeit und oft) ebenfalls ein Lied davon singen, aber dennoch, der Albani ist, sozusagen, ein Denkmal für unkomplizierte Lebensfreude, und zwar im Außen gesehen, und es sind allenfalls Anteile, die die beiden verbinden. Die aber (die Anteile) sind durchaus wesentlich und grundsätzlich sowie (im Ausmaß) beträchtlich.

Mit albanischem Gruß

RW

:wink:


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BeitragVerfasst: 22.1.2008, 20:33 
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Was waren das eigentlich für famose Kaffeemaschinen damals? In "Winnetou II" findet man eine Stelle, die mich schon immer beschäftigt hat:

"Werde eine Biersuppe auf der Kaffeemaschine kochen, Euer Leibessen des Abends."

Weiß jemand genaueres, um welche Geräte es sich damals gehandelt hat? Eine sehr prosaische Frage, ich weiß, aber es interessiert mnich wirklich.


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BeitragVerfasst: 22.1.2008, 21:04 
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Das hatten wir schon mal in einem Forum und Helmut Moritz hat daraufhin in einem Leipziger Kaffeemuseum eine Art Maschine zum Kaffeekochen mit zwei Glasballons gefunden....

ta

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BeitragVerfasst: 22.1.2008, 21:05 
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Habe ich wohl übersehen. Kannste mir mal genauer sagen, wie und wo ich das finde?


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BeitragVerfasst: 22.1.2008, 21:18 
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Bücherforum => Lagerfeuer ="Lukullistan-Frage".

http://141.30.89.80/~thomas/maybuecher/ ... 5#msg-7985

Du hast in dem Thread sogar geantwortet. ;)

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BeitragVerfasst: 22.1.2008, 23:06 
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Was ich in meinem Leben schon alles gesagt oder geschrieben habe - woher soll ich das wissen? (Höchstens weiß ich, daß ich nie etwas lösche, auch nicht, wenn ich erkennbaren Blödsinn geschrieben habe.) Aber wie das mit der Maschine funktionieren soll, hat bisher noch niemand erklären können.


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BeitragVerfasst: 23.1.2008, 9:34 
Hi Rolf

>>>Aber wie das mit der Maschine funktionieren soll, hat bisher noch niemand erklären können<<<

eben nicht ... fuer mich heisst es, dass (W II - Mr Henry) eben nicht kochen kann und es von irgendeinem 'street slang' herkommen koennte fuer "ich kann zwar nicht kochen, aber Brot und Kaese hab ich allemal" -- oder vielleicht "Ich hab zwar kein Geld fuer ein 3-course dinner, aber Kaffee und Brot kann ich allemal auftischen". Oder sowas aehnliches, denn etwas anderes als Kaffe in einer Kaffeemaschine zuzubereiten ruiniert sie (auch alte Modelle).

Stand da nicht auch in einem vorherigen Forum (mir geht's wie Dir -- einmal gesagt und vergessen wo) dass (und an solche Zeiten kann ich mich eh erinnern) 'arme' Leute halt mit einem 'Chacheli' Milchkaffe, und eingeweichten Brot 'Moecken' eine Mahlzeit zusammenflicken mussten manchmal - sogar fuer 'dinner'.
:wink:


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BeitragVerfasst: 23.1.2008, 12:01 
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So wie ich das sehe, kann man die einfachen Kaffeemaschinen, die sog. Perculatoren, so ähnlich verwenden wie einen (einfachen) Dampfkochtopf. Damit lässt sich dann natürlich all dies Beschriebene herstellen.

Helmut


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BeitragVerfasst: 23.1.2008, 12:26 
@ helmut

Ich haette meinen Kaffee gerne ohne Fettaugen oder Ueberbleibsel von sonstigen Suppen Ingredienzen, danke, Bon Appetit.

:lol: :lol: :lol: :lol: :lol: :lol: :lol:


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BeitragVerfasst: 23.1.2008, 16:04 
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marlies hat geschrieben:
@ helmut

Ich haette meinen Kaffee gerne ohne Fettaugen oder Ueberbleibsel von sonstigen Suppen Ingredienzen, danke, Bon Appetit.

:lol: :lol: :lol: :lol: :lol: :lol: :lol:


Heiß auskochen, eventuell noch entkalken...schon ist die Maschine wieder wie neu :D


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BeitragVerfasst: 24.1.2008, 8:49 
:lol: :lol: :lol:
das kann aber auch nur wirklich dem muskoloeseren Geschlecht in den Sinn kommen :lol: :lol: :lol: :lol:

nee nee nee ... Suppentopf fuer Suppe - Kaffeemaschine fuer Kaffee - Howgh! :lol: :lol: :lol:

sonst kann man's ja gleich noch fuer's entrosten von Automotorteilen benutzen. :lol: :lol: :lol:

Spass beiseite ... solche Redensarten (eine Mahlzeit in der Kaffeemaschine kochen - oder so aehnlich) kommt (hier in Oz jedenfalls, von 'Diggern' [alten Soldaten etc] und aus frueheren Pionierzeiten) doch davon dass man als 'arme' Familie nicht gleich sagen will: 'bist jederzeit wilkommen zu einer Mahlzeit solange dir nur 'Kaffee und Brot' nichts ausmacht, ich habe nichts anderes'. Das wird doch im Falle 'Albani' schon mit: >>>Hier zwei Pfannkuchen, dort in der Tabaksbüchse gebacken <<< bestaetigt - oder? (Kautabak - und ganz sicher nicht 'Pfannkuchen' - woher nimmt er denn die Zutaten? sein Brot ist schon halbgrau und die Wurst laeuft auch schon bald selbst davon - da hat er sicher keine eier, mehl, salz etc um Pfannkuchen zu backen, und dann noch in einer Tabaksbuechse ... aber genug 'booze' hat er ...). Und im Deutschland von damals (May's Zeit) und sicher zum Teil auch noch heute ueberall (nicht nur in Germany) 'arme' Leute haengen ihre Armut nicht gerade an die Glocke, sondern 'vertuschen' sie unter 'so tun als ob' - etwas Galgenhumor, begleitet von solchen 'Redensarten' ...


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BeitragVerfasst: 24.1.2008, 9:14 
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Wenn Ihr alles zerredet habt und von Mays Text nichts mehr übriggeblieben ist, sagt Bescheid ..

:lol:

Zitat:
'bist jederzeit wilkommen zu einer Mahlzeit solange dir nur 'Kaffee und Brot' nichts ausmacht, ich habe nichts anderes'


"In Essen kann man siegen und in Siegen kann man essen"

(Schachfreund aus Siegen 1977 in Essen, beim Blick in den leeren Kühlschrank eines Schauspielschülers ...)

:wink:


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BeitragVerfasst: 24.1.2008, 11:58 
da 'draussen' gehts ernst genug zu und her ... a bissrl 'fun in here' ab und zu schadet nix - die Kaffeemaschine zeigts -- der May hatte einen gesunden Humor; aber eben: der Kuehlschrank von Albani und Mr Henry waren leer; der erste weil er dem Tabak und dem Cognac mehr zurechnete (wenigstens in DEM paragraphen), und der zweitere weil er eben nicht kochen konnte von wegen keine Haushaelterin (so lese ich wenigstens DEN Charakter - er war eben mehr mit 25-schuessigen Waffen beschaeftigt als mit 'kochen').
:lol: :lol: :lol: :lol:
Mahlzeit - habe eben 'Spagetti a la Escosura' genossen - und nicht in der Kaffeemaschine gekocht! :lol: :lol: :lol:


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