Diskussionsforen der Karl-May-Stiftung

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BeitragVerfasst: 29.5.2008, 16:24 
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@Marlies

Velo ? Veto ! - Veli Veti Fitschi. -

Zurück zum Thema.

Im großen literarischen Krämerladen muß doch Ordnung herrschen, damit, wenn der Bauer Tabak oder der Backfisch Bonbons verlangt, die Kritik in ihrer "Bücherschau" nur nach den betreffenden Kästen zu zeigen braucht. Wo nun da hin mit mir? Natürlich "Jugendschriftsteller", "Indianergeschichten"! Wie falsch, wie grundfalsch!

(Karl May)


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BeitragVerfasst: 30.5.2008, 2:00 
@ Markus :lol: hat mein Papa auch immer jesacht: 'Deutsche Sprak, schwere Sprak'.

@ rodger ... nu simma wieda bei den 'Schubladen' - der Spruch da von May ... der erinnert mich stark an meine Mutter; in den Zeitungen hats auch immer geheissen, 'die Asle, die kann man einfach nicht einordnen' (sie war Malerin)
... sodeli ... bei mir ist also alles genetisch!!

... Velo ... Latinisch/Schweizerisch fuer 'Fahrrad' ... da war doch schonmal sowas mit einem schw/lat Wort vor ein paar Monaten ... (geez, das Jahr ist auch schon wieder halb weg).

Bei dem May-Spruch da ... um dabei zu bleiben ... da stimmt was nicht ... 'heute' wuerde es sicher heissen '...wenn der Backfisch Tabak verlangt ...'

Sagt man heute noch 'Backfisch'? Eher teenager, oder? Somit ist das Sprachen-Veraenderungs-Thema auch wieder angesprochen. Wie sich die Sprache aendert so aendert sich unser 'Verhaeltnis zu ihr', die Art und Weise wie wir die Sprache handhaben und auch die Beurteilung deren die sich der oeffentlichen Beurteilung preisgeben durch das Schreiben und Verlegen eines Buches.

Nachschlagewerke die May benutzt hatte fuer seine 'Ideen' und die Beschreibung von exotischen Plaetzen etc sind genug da (Pierer, Gatchet etc etc).
Wonach richtete sich ein Autor oder ein Redakteur im Texttechnischen? Gab es damals auch 'Richtlinien' wonach man einen Text als schlecht/gut/ausgezeichnet beurteilen konnte im 'Handwerklichen'?
Angesprochen habe ich das Thema schon mal mit dem 'Ich zuerst und dann die anderen' wobei May groesstenteils 'Ich und die anderen...' schrieb anstatt '...die anderen und ich'. Das ist ein technischer Punkt ... genauso wie sein mix von 'Gegenwart und Vergangenheit' im gleichen Satz. Worte wie 'nun', 'jetzt', 'hier', 'dieses' sind schlecht platziert in einer Geschichte die vor 50 Jahren passierte und in der 'Vergangenheit' erzaehlt wird '... und nun gingen wir' vs '... und dann gingen wir' ...


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BeitragVerfasst: 30.5.2008, 6:26 
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Zitat:
Worte wie 'nun', 'jetzt', 'hier', 'dieses' sind schlecht platziert in einer Geschichte die vor 50 Jahren passierte und in der 'Vergangenheit' erzaehlt wird


Jetzt fängst Du auch noch an mit verblüffend schablonenhaften Aussagen daß es einem Schuhe und Strümpfe ausziehen kann und einem die Milch sauer wird (da habe ich gerade heute nacht woanders etwas gelesen …)

:wink:

Das Wechseln der Zeitformen ist ein Stilmittel, und kein schlechtes (wobei ich das Wort Stilmittel jetzt eigentlich ungern und nur der Einfachheit halber verwende, solche abstrahierenden Begriffe für Literarisches, Sprachliches können ja immer nur unzureichende Hilfsmittel sein).

Z.B. gibt es in „Durch die Wüste“ eine Szene (wo sie auf dem Nil vom Sandal verfolgt werden), in der er über längere Zeit durchgängig bewusst von der Vergangenheitsform in die Gegenwartsform wechselt und dadurch die Spannung, die Lebendigkeit der Schilderung erhöht. Das meinte man tatsächlich in der aktuellen Ausgabe des entsprechenden grünen Bandes wegbearbeiten zu müssen. Das ist aber schade, daß man einen Autor reduziert, beschneidet, nur weil man es sich selber (und dem Leser) nicht gestattet, daß der Bereich gängiger, schablonenhafter Regeln, wenn's angemessen erscheint, auch mal in kreativer Weise verlassen wird (ich warte immer noch auf eine bearbeitete Arno Schmidt – Ausgabe, in der alles „Abseitige“ entsprechend eingeebnet ist)

(Thomas Mann macht das ja auch, fällt mir gerade ein, "Er will es und will es nicht", vorher erzählt er auch in der Vergangenheitsform.)

(Bei Alfred Döblin steht, wenn ich mich recht erinnere, ich könnte den Klempner totküssen so lieb’ ich den Franz. Da stehen keine Anführungszeichen, und da steht auch z.B. nicht sie dachte bei sich, sie könne den Klempner totküssen, so sehr liebte sie den Franz (einen anderen !). Fällt mir gerade ein von wegen Zeiten, Regeln usw.)

Zitat:
Sagt man heute noch 'Backfisch'?


Warum nicht. Ich zumindest, wenn mir danach ist (da sind wir, wie gestern Markus, schon wieder beim Adenauer: „Ich sare datt !“ Vor allem KLANG es immer putzig, WIE der solche Sachen brachte, so mit einer Art abgeklärter Hinterfotzigkeit, nicht übel. - Und als er gestorben ist und sie weinend ums Bett standen hat er „Kein Grund zum Kriesche“ (oder auch Do jitt et nix to kriesche) gesagt, das finde ich auch sehr beeindruckend). Die Sprache, die Moden und ein paar äußere Umstände mögen sich ändern (also z.B. die Backfische Tabak statt Bonbons kaufen), die Dinge nicht. Die Backfische von heute sind die gleichen wie vor ein paar tausend Jahren (und alles andere auch), Du (Ihr alle) magst (mögt) wollen oder nicht.

Velo kenn' ich doch. In meiner Jugend gab's Velo Solex, man sagte nur Velo, Fahrräder mit Hilfsmotor, die waren schwarz und fuhren 25 kmh. Aber ich hatte weder so was noch jemals einen Backfisch.

:lol:


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BeitragVerfasst: 30.5.2008, 14:20 
Schreibstyl entschuldigt schludriges Schreiben nicht. Die Frage ist auch nicht 'Warum schrieb er so schluderig?' ... die Frage ist 'Warum kam er mit seiner Schludrigkeit durch?'

Obwohl May's Schludrigkeit seine 'signature' geworden ist sollte es mit 'Styl' nicht verwechselt werden. Er hat sich ja um 'Styl' nicht gekuemmert (hat er gesagt und warum soll man's ihm nicht glauben?) Was Du ansprichst mit Stylmittel (Zeitformen) kenn ich auch (auf English) (und 'by default' ist 'Styl' doch 'Schablone') ... nur, wenn (sagen wir mal) jemand da eine Geschichte ueber Dinosaurier erzaehlt - die ja bekanntlich ein paar Millioenchen Jahre vor uns lebten und sagt sowas wie: "... und jetzt kamen die Raptors ... " da schau ich mich mal schnell um, um sicher zu sein dass die Raptors 'jetzt' nicht hinter mir sind. Das ist nicht Styl, das ist schludriges Drehbuchschreiben. Nee ... die Raptors '... kamen 'dann', nicht 'jetzt'.

May wendet die 'Zeitformen' 'switch' auch gut an, wo er's bewusst tut, meistens beim Beschreiben von 'Umgebung' oder 'Landschaft' oder 'Voelker Traditionen' oder sowas aehnlichem.

(Zur Ergaenzung ... ich habe absolut nix gegen May's texttechnisch unpoliertes Schreiben - im Gegenteil - es gibt mir das sprachliche Interesse welches ich gerade deswegen habe an seinen Texten - wie zum Beispiel - wie often kann man 'es war ungefaehr gegen Mittag' wiederholen am gleichen Tag. Er war ein literarisches Phenomen und diese texttechnischen Suenden gehoeren dazu.)

Aber eben, wie wurden solche Textkonstruktionen zu seiner Zeit bewertet, waren sie 'normal', 'schrieb man so', war sein 'Styl' 'unvergleichbar' und 'unerreichbar' von anderen, oder was? Es muss schon so sein, sonst waeren da ausser 'Inhalt' Verurteilungen auch Kommentare gegen sein technisches Koennen, wie zum Beispiel die unvergleichbar hohe Anwendung von Ausrufezeichen, 'semi-colons' (Strichpunkt?), und Kommas - aber in meinen Wanderungen durch online sek-lit Plaetze hab ich nix gefunden in der Richtung, von anno dazumal (oder wenn's da war dann hab ich's wahrscheinlich ueberguckt da mein Focus woanders war).

Eh...Backfische vor ein paar tausend Jahren waren wahrscheinlich schon mittelaelterliche Eltern mit einer Lebenserwartung von 25-30 Jahren. Backfische vor 200 Jahren waren Menschen deren das taegliche 'Ueberleben' schon frueh ins Gesicht gekerbt war - wie Karl May - erst mit der Entdeckung von Oel in den mid-1800s ungefaehr, konnte die Art von Backfisch entstehen die es sich heute leisten kann nach Tabak zu fragen, anstatt in den Hoellenfabriken sich die Gesundheit zu ruinieren lassen, und ein Bonbon als etwas Besonderes ansah anstatt als etwas das, nebst Vitamin und Calcium Mangel, ihnen die Zaehne noch vollstaendig ruinieren konnte.

Da gibts wahrscheinlich jetzt Schlagsahne :lol: oder noch schlimmer - Butter :lol: :lol: :lol:


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BeitragVerfasst: 30.5.2008, 15:11 
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Karl Mays schludrige Art zu schreiben ist einer der Aspekte, die ihn so reizvoll machen …Wenn ein Nullachtfünfzehnseppl schludrig schreibt, ist es vermutlich eher langweilig, belanglos, aber bei May …

Wer da irgendetwas korrigiert macht immer etwas kaputt. Wenn er schreibt, ich und Winnetou oder ich und Sam Hawkens, ist das weder sonderlich sympathisch noch sonderlich schön, aber es sagt etwas über ihn aus. Und das ändern hieße ihn verfälschen.

Das mit den Dinosauriern in der Gegenwartsform schreiben, wäre vielleicht die einzige Möglichkeit, die Sache einigermaßen interessant zu machen …

8)

Aber über Geschmack sich auseinanderzusetzen ist eh sinnlos. Es gibt auch Leute, die verstehen es nicht, wie man Jägerschnitzel mögen kann. Ich hingegen verstehe nicht, wie man freiwillig in so einen Gourmet-Etepetetetempel (Nein, das ist kein Stottern, obwohl's nachvollziehbar wäre …) gehen kann, da vergeht mir bei dem Affentheater drumrum schon der Appetit …

Der Giesbert hat neulich geschrieben, bei Karl May gäbe es keine Struktur, er schriebe so in etwa nach dem Motto und dann und dann und dann und dann. Da ist etwas dran, habe ich mit kühler gewordenem Kopf festgestellt, und ich selber schreibe auch so, daher liegt es mir. Gefallen muß es nicht jedem, schon klar.

Zitat:
oder wenn's da war dann hab ich's wahrscheinlich ueberguckt da mein Focus woanders war


Geht mir ganz ähnlich. Hübsch formuliert.

8)

Bonbons, Tabak, Handys, weiß ich was; egal. Ein Backfisch ist ein Backfisch ist ein Backfisch.

8)

Lieber Leser, hast du schon einmal einen Kolbenhieb auf den Kopf bekommen, aber einen so recht aus dem tiefsten Herzensgrunde? Nicht? Wohl dir! Oder doch? Dann wehe dir!

Mir wenigstens war es gar nicht wohl, als ich hier am lieben Fleischwasser im Grase lag und meinen Kopf viel deutlicher fühlte, als es eigentlich nötig war. Ich habe schon früher irgendwo einmal das Gefühl beschrieben oder vielmehr zu beschreiben versucht, welches so ein Krafthieb hinterläßt; ich bitte also, auch zu schlagen, aber gefälligst nicht mit dem Kolben, sondern diese Stelle nachzuschlagen! Da lobe ich mir meinen Jagdhieb mit der Hand! Er erreicht ganz denselben Zweck ohne das belästigende Gefühl hinterher, als sei der Kopf ein gewaltiger, mit hunderttausend gefühlvollen Nerven angefüllter Kessel, an welchem fünfzig Kupferschmiede die Nieten verhämmern.


(Karl May, Weihnacht)

Wer so etwas abändert, verdient einen Kolbenhieb auf den Kopf, aber so recht aus dem tiefsten Herzensgrunde.

Aber ich spiel' mal Berta vom Alpenglühen, Oberstudienrätin von vorn und hinten (so heißen die pädagogischen Ehrengrade da unten), mir ist gerade danach:

An dieser Stelle den Leser anzureden, ist ganz unpassend. Auch vom "tiefsten Herzensgrunde" zu sprechen, wird der hier vorliegenden Angelegenheit in keinster Weise gerecht. Oder handelt es sich gar um ein Oxymoron ? Dann sollte das deutlicher gemacht werden.

Das vermeintliche Frage- und Antwortspiel wirkt albern, die sprachliche Form ist auch hier ganz unangemessen. Mit dem "lieben" Fleischwasser ist es wieder das gleiche, das paßt doch gar nicht, zu dieser schmerzlichen Befindlichkeit, mit der wir es zu tun haben.

"beschrieben oder vielmehr zu beschreiben versucht" ist in seiner selbstkritischen Selbsteinschätzung zwar angemessen, gehört aber in dieser Form nicht in einen Roman. Die Stelle mit dem "Schlagen" sprengt in ihrer sprachlichen Unbeholfenheit jedes Maß, da ja nicht anzunehmen ist, daß gerade das Absicht ist, bzw., ich das nicht merken würde. (dieser letzte, an M.Richling erinnernde Satzteil wurde später gestrichen; Anm.d.Red.) "Hunderttausend gefühlvolle Nerven" und "fünfzig Kupferschmiede" entsprechen nicht mehr neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen. (Dieser letzte Satz erwies sich nach einer Textanalyse als Fremdeinschub, möglicherweise vom akademischen Kollegen Knut Schwyzerkaas; Frau vom Alpenglühen pflegt sich in ihren Ausführungen doch eher an sprachlichen Erwägungen zu orientieren, die sie mit bemerkenswerter, konsequent durchgehaltener Nüchternheit und einem sicheren Gefühl für das Wesentliche betreibt; Anm.d.Red.)


(Wirklich heiß heute)


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BeitragVerfasst: 30.5.2008, 15:58 
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btw - ich weiß nicht, ob ich hier schon einmal darauf hingewiesen habe, aber ich hatte mal Gelegenheit, die zwei, drei Seiten Grizzly-Kampf aus Winnetou I Original / Bearbeitung zu vergleichen. Das Ergebnis fällt aus, wie eigentlich alle diese Vergleiche ausfallen: Das Original ist grammatisch fragwürdig und fehlerhaft, aber trotzdem besser als die ordentliche Bearbeitung. Auch wenn die von Hans Wollschläger stammt.

http://www.damaschke.de/notizen/index.php/barenjagd/

_________________
Giesbert Damaschke, München
http://www.damaschke.de/
http://www.karl-may-gesellschaft.de/


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BeitragVerfasst: 30.5.2008, 16:03 
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(virtuell in den Arm nehm')

:wink:


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BeitragVerfasst: 30.5.2008, 16:20 
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Ich habe gerade dieser Tage wieder Winnetou I gelesen und erneut ist mir bei vereinzeltem stichprobenartigen Nachschlagen (ich kann es immer noch nicht ganz lassen mit dem Vergleichslesen, obwohl ich eigentlich langsam die Nase voll davon habe) aufgefallen, dass manchmal die reizvollsten Dinge fehlen in der Wollschlägerschen „Rückbearbeitung“.

Da heißt es z.B. im letzten Kapitel

Ein Gang des Nachts durch den weglosen Urwald ist freilich für die Schönheit des menschlichen Angesichts eine höchst gefährliche Sache, weil sie anstößig in des Wortes eigenster Bedeutung ist.

Der Teil nach dem Komma fehlt im grünen Band, war dem Bearbeiter wohl zu albern. Ist aber gerade schön und lässt mutmaßen, ob die launige Bemerkung vielleicht in Erinnerung an ein sächsisches Walderlebnis b.A. entstand ..

Oder, mir bei früherer vergleichslesender Lektüre aufgefallen:

ich tat aber womöglich noch niedergeschlagener als vorher, kauerte am Wasser nieder und wusch mir die Stirne, wie Einer, welcher befürchtet, einen Schlaganfall zu bekommen, wenn er in das Wasser geht, ohne sich vorher abzukühlen.

Das ist doch wunderbar, vor einem Zweikampf auf Leben und Tod. Fehlt.

Oder große Teile von Nscho Tschis Anklagerede. Fehlen.

das war das Doppelgewehr Winnetous; ich kannte seinen Knall. Gott sei Dank! Er lebte also noch; denn wer tot ist, kann nicht schießen.

Auch von diesem launigen Zusatz ist die Wollschlägersche Rückbearbeitung "befreit", da ist nach „er lebte also noch“ Schluß.

(Es gibt jede Menge weiterer Beispiele. Ich habe jetzt nur die aufgeführt, die mir, ohne Bücher zur Hand, einfielen, und die Stellen aus dem Netz gefischt)


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BeitragVerfasst: 31.5.2008, 0:50 
<und wieder im pyjama, da mir der Karle wichtiger ist als Fruehstueck>

...eh ... da schmunzl ich aber ... Eloquence ist Eloquence:

>>>Das Original ist grammatisch fragwürdig und fehlerhaft, aber trotzdem besser als die ordentliche Bearbeitung.<<<

eben - mir kamen halt 'mehr, viel mehr' Worte in den Sinn ... :lol:

Apropos anstoessig: - eine Szene mitten in der Nacht - und schoen isse:

quote:
Die landschaftlichen Schönheiten, welche ich unterwegs zu bewundern hatte, will ich nicht beschreiben. Nie in meinem Leben habe ich mich so anstößig benommen wie in dieser Stunde. Die Bäume dort am See wissen ein Wort davon zu reden! An der Vorderseite voller Harz und an Gesicht und Händen zerstoßen und zerschunden, kam ich nach der angegebenen Zeit in unserm Lager an, wo man mich fragte, wo Winnetou sei.
end quote (Old Surehand III)

auch schoen ist diesda:
... die Beschreibungen von 'ruhig auf dem Wasser liegend' in einer reissenden Stroemung, und doch an der gleichen Stelle bleiben. Winnetou I zum Beispiel (Sam's Befreiung), mit dem gefangenen Pida ueber den Fluss schwimmen und im Nebel das Canoe mit Santer naeherkommen 'hoeren'. Winnetou sagt: "... Er wird uns wohl nicht sehen, weil wir ganz still auf dem Wasser liegen.« Und Santer entwischt weil: "... Kein Schwimmer, und wäre er der erste Champion der Welt, kann ein Boot einholen, welches durch Ruder im reißenden Wasser abwärts getrieben wird.

Das beschriebene Bild ist also: Winnetou, Shatterhand mit dem gefangenen Pida liegen still auf dem Wasser und bleiben an Ort und Stelle, waehrend Santer mit dem Canoe an ihnen vorbeisaust in 'reissendem Wasser'.

Dann schwimmen sie weiter auf die Insel zu, von der Stelle im Fluss wo sie sich vorher 'still auf dem Wasser' geparkt hatten.

Was isses nu? Stilles Wasser zum 'draufliegen' oder 'reissendes Wasser'?

Konnte Karl May schwimmen?

:lol:

Das ist es ja gerade ... Warum ist seine 'Schludrigkeit' 'besser' als 'ordentliche Bearbeitung'?

(und wegen dem 'fehlen' [@ rodger] - bei mir nich!!)


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BeitragVerfasst: 31.5.2008, 1:51 
@ Giesbert - zum Vergleich:

>>>The grizzly is a close relative of the extinct cave bear and a relic from prehistory. The animal can grow to more than two and a half metres and I have killed specimens that weighed almost a ton. Its physical strength is enormous and it can carry a stag, a foal or a bison heifer in its jaws and easily trot away with it. A rider can only get away if he’s got a very strong horse with a lot of stamina, if not, the bear surely catches him. Because of its gigantic strength, the absolute lack of fear and inexhaustible tenacity, killing a grizzly bear is considered to be an immensely daring feat among the Indians, of course.
So I ran into the scrub. The trail led through it and up to where the trees began. The bear had dragged the bull back to where it had come from; we hadn’t seen its footprints earlier because they had been erased as it dragged the heavy buffalo cadaver back over them.
<<< (copyright of translation M. Bugmann 2008)

Alles da (inklusive Zeitformen Wechsel [@ rodger]). Alt-Deutsche Masse haben auf Englisch keinen Sinn.


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BeitragVerfasst: 31.5.2008, 6:22 
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marlies hat geschrieben:

das Canoe mit Santer naeherkommen 'hoeren'.



Also wenn man es nicht auf den Ohren hat, dürfte es nichts allzu besonderes sein, ein Kanu kommen zu hören (ich könnte, merke ich gerade, jetzt noch allerhand Blödsinn hinzufügen, aber das muß diesmal nicht sein.)

Wenn Du damit schon Schwierigkeiten hast, was machst Du dann bei Wagner, bei dem fallen so Sätze wie "Hör' ich das Licht ?" oder "Zum Raum wird hier die Zeit". Bitte so lassen beim Übersetzen, wenn Du in Deine Wagner-Phase kommst.

:wink:

marlies hat geschrieben:

Was isses nu? Stilles Wasser zum 'draufliegen' oder 'reissendes Wasser'?



Wie meistens im Leben: beides (auch das ist ja nun wahrlich nichts besonderes, daß ein Fluß seichte, ruhige Stellen und Strömungsbereiche hat). Ein Flickenteppich, in dem Fall Flickenwasser.

:wink:

Witzigerweise habe ich die Stelle gestern gerade gelesen, Winnetou I vielleicht zum zehnten Mal im Leben, schätzungsweise. Aber so etwas würde mir nie auffallen, also die Beschaffenheit eines Flusses oder was auch immer, da achte ich nicht drauf. Bei der Sache mit dem Nebel habe ich etwas ganz anderes wahrgenommen, nämlich daß die Dinge spontan in Mays Phantasie entstehen, kommen und gehen, Santer verschwindet ja auch wieder im Nebel, da er bis zum Ende von Winnetou II erstmal sozusagen "ad acta" gelegt werden kann. Das sind Bilder, die vorm geistigen Auge auftauchen, beim Autor wie beim Leser (in "Und Friede auf Erden" beschreibt er das sehr schön, im Schlußkapitel). Die Wassertemperatur oder die ökölogische Situation des Flusses wäre vielleicht etwas für einen Aufsatz in einer der diversen Publikationen, aber wenn der Karl May sowas liest, dann schüttelt er immer den Kopf.

:wink:


Zuletzt geändert von rodger am 31.5.2008, 9:32, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 31.5.2008, 6:36 
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Die erwähnte Stelle in "Und Friede auf Erden" (bzw. deren Beginn, es geht dann noch eine ganze Weile weiter entsprechend hin und her zwischen Radebeul und Fernost) lautet:

Nun ist es heute an der Zeit, den damals ausgelassenen Schluß hinzuzufügen. Das ist eine Arbeit, die mir Freude bereitet, eine Arbeit, die mir jeden Werktag zum Feiertag machen würde. Und es ist doch heut nicht Wochentag, sondern Sonntag. Die Fenster sind geöffnet, und auch meine Balkontür steht offen, grad so gegen Süden wie damals die Fenstertür im Kratong zu Kota Radscha, als der malaiische Priester von uns Abschied nahm. Es ist ein ebenso heller, sonniger Morgen wie der damals auf Sumatra. Der Altan tragt ungezählte, blühende Pelargonien; auf den Tischen stehen herrlich duftende Reseden und Nelken, denn meine Frau, die immer engelsähnliche, weiß ganz genau, wie lieb mir Blumen sind. Von unten herauf steigen die köstlichen Grüße der Marschall Niel-, La france- und Kaiserin Augusta Viktoria-Rosen. Die Blätter der Oelweide flüstern leise. Im leicht geaserten Baumschlag des Ahorn flötet ein Kehlchen. Das Rankengefieder der chinesischen Glycinen steigt hoch am Hause und zu seiten meiner Fenster bis an das Dach empor, mit genau solchen Ferndurchblicken wie von meiner Wohnung aus auf der großen Sundainsel. Es ist mir, als ob ich mich heut in dieser Wohnung befände. Ich denke mich in sie zurück. Das Zimmer Raffleys nebenan steht offen. Ich trete hinein. Er sitzt mit dem Onkel und dem alten Heidenpriester am Tische. Der letztere ist gekommen, um uns Ade zu sagen

Das ist der Schlüssel. In dieser Weise sind auch die vorherigen Reiseerzählungen entstanden. (Und deshalb (da es alles sozusagen Phantasiereisen sind) ist es m.E. völlig müßig, sich in Sachen Karl May mit geographischen, geologischen, botanischen, geschichtlichen und sonstigen Einzelheiten detailliert auseinanderzusetzen.)


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BeitragVerfasst: 31.5.2008, 10:11 
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"Konnte Karl May schwimmen?", fragt Marlies.

Dies Frage kann eindeutig mit ja beantwortet werden. Man denke nur an die Befreiungsaktion Old Surehands, wo Old Shatterhands zusammen mit Old Wabble - der zudem beim schwimmen noch Probleme macht - eine sehr lange Strecke schwimmen mußten.

Karl May konnte also sehr gut schwimmen.

:wink: :wink: :wink:


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BeitragVerfasst: 31.5.2008, 12:40 
:lol: :lol: :lol: :lol: :lol: :lol:
sorry! daran bin ich schuld! Ich sollte doch zuerst fruehstuecken! :lol: :lol: :lol: Das mit dem 'hoeren des canoe im Nebel' ist schon gut, ist sogar sehr gut, ist sogar brilliant! Mit dem 'hoeren' hab ich ueberhaupt keine Schwierigkeiten - ich habe lediglich zwei ' ' Dinger ums Wort gekraenzt und kann eigentlich jetzt nicht mehr vollziehen, warum (wahrscheinlich um es herauzuheben da es so ausgezeichnet zur Nebelszene passte) ... oi je oi je oi je ... ich werd zuerst fruehstuecken nextes mal ... nein mit dem 'hoeren' im Nebel, das setzt sogar eine ganz 'eerie' Szene ... ich kann das sogar gradezu sehen, wie's canoe so geisterhaft aus dem Nebel heraus schaelt .. nur dann verdirbt mir der Konflikt zwischen, stillstehendem Wasser und reissendem Wasser zugleich, die Stimmung.

Und wenn jemand der Karl May nicht kennt sowas liest schuettelt der auch den Kopf (und legt das Buch weg) ... dessissess ... jedoch: es geht nach wie vor nicht um's 'Entbloessen' von May's schriftlichen Unzulaenglichkeiten (ist auch 100 Jahre zu spaet) sondern vielmehr darum dass er einen Fluss beschreiben konnte als stillstehend und reissend zugleich und NIEMAND hat ihm das uebelgenommen (alle 4 Maenner, Santer, Winnetou, Old Shatterhand und Pida waren im gleichen Stueck des Flusses - 3 'standen still', 1 canoete sausend mit dem reissenden Wasser dahin) - oder anders ausgedrueckt: ALLE haben es gelesen und keiner hats gemerkt - so gings auch mit anderen Dingern in texttechnischen Sachen. Da hab ich weder emotionelle noch 'judgmental' 'sentiments'; sondern ein rein 'linguistisches' Interesse ... ein Versuch dahinter zu kommen warum er mit all den 'Schludrigkeiten' 'durch kam'.

Das mit dem 'Grizzly-Text' Vergleich (Also ich sprang ins Gebuesch [woanders - siehe Giesbert]) ist schon ein Naeherkommen ... er schrieb so wie 'man' sprach, oder wie er sich dachte die 'Umgangssprache' sein koennte in den gegebenen Szenen.
Vielleicht war gerade das ein Teil des 'secret recipe' ... er schrieb so wie die Leute, welche ihn lasen, sprachen -- wie er selber gesprochen hat, ganz sicher, er gehoerte ja einmal dazu.
Manchmal kann ich geradezu 'hoeren' dass er schreibt wie er es vor einem Publikum erzaehlen wuerde mit all den Uebertreibungen und Gesten die einem 'Maerchenerzaehler' eigen sind (Haende gen Himmel werfen, Augen rollen, Kopf schuetteln, Achseln zucken etc)
Ich muss gestehen (noch ein Gestaendnis) dass ich Ferry's Waldlaeufer wahrscheinlich einmal las (so vor ungefaehr 45 Jahren) aber kann mich nicht mehr daran erinnern - war Ferry ein 'guter' Text Gestalter? Wenn ja, haette May da nicht auch davon sich was aneignen koennen? May las auch andere, 'gute' (oder wenigstens als 'gut' bewertete) Schriftsteller deren man keine 'Schludrigkeiten' (oder nur wenige) nachweisen kann (denk ich) - er hat viel von denen geborgt (left, right and centre), doch das eine, die 'gediegene Text Technique', nicht - wieso? (Ich nehme immer an dass Leute wie Moellhausen, Reid, Ferry [da waren noch mehr aber kommen mir ohne es abzugucken nicht in den Sinn, auch die Uebersetzer von Amerikanischen Buechern deren May sich bediente] sich mit 'solchen Schludrigkeiten' nicht auszeichneten).

@ Kurt ... dass Old Shatterhand mit Old Wabble gut schwimmen konnte heisst noch gar nicht dass Karl May schwimmen konnte ... auf Papier geht vieles 'ausgezeichnet'.
Dann kann man auch sagen, er war ein ausgezeichneter Reiter, Bogen/Pfeil Schuetze, Tomahawk werfer, Henry Stutzen Schuetze, Faehrtenleser, Ueberlebens 'artiste' in der Wildniss ... sprach 1200 sprachen ... ?


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BeitragVerfasst: 31.5.2008, 12:49 
>>>ist es m.E. völlig müßig, sich in Sachen Karl May mit geographischen, geologischen, botanischen, geschichtlichen und sonstigen Einzelheiten detailliert auseinanderzusetzen.<<<

Dann haette er sie nicht beschreiben oder in seine Texte miteinschliessen sollen ... dafuer sind Texte da--zum lesen, auseinandersetzen und LERNEN dabei! Sonst sind sie wie Windmuehlen ohne Wind -- sie stehen still. Texte sind nur dann lebendig wenn 'Auseinandersetzung' geschieht; ansonsten haben sie keinen Sinn und sind nur eine Ansammlung von Buchstaben die ein gutes Stueck Papier beflecken.

:wink:

Zusatz: 'es versteht sich ganz von selbst' dass nicht jeder sich mit jedem Text auseinander setzen kann, es kommt auf die Individualitaet des 'Lesers' an und die 'Chemistry' zwischen Leser und Autor. Aber einem Text 'Auseinandersetzung' generell zu verneinen kommt einem Todesurteil gegen den Text gleich.


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