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Nachrichten aus der Villa »Shatterhand.«

  

   

Januar 1998

Liebe Freunde Karl Mays!

Es erreichen uns immer wieder Anfragen, was "die da im Karl-May-Museum das ganze Jahr über wohl so treiben". Ich möchte hier versuchen, diese Frage für einige Teilbereiche zu beantworten. Als "Kustos der Karl-May-Sammlung im Karl-May-Museum" ist man natürlich in erster Linie für alles, was mit Karl May zusammenhängt, verantwortlich. Das heißt: Archivierung, Katalogisierung, Sicherung, Reparatur/Restaurierung und Vervollständigung des Bestandes, und das alles ohne festes Budget – dazu aber später einige Ausführungen. Einen nicht unerheblichen Zeitaufwand nimmt die Beantwortung von Anfragen in Anspruch, kommentieren brauche ich das nicht, besser wie der Mayster in Freuden und Leiden eines Vielgelesenen könnte ich es sowieso nicht ausdrücken. Ich bitte an dieser Stelle jedoch nochmals darum, bei Anfragen wenigstens Rückporto beizulegen.

Hochinteressant ist es natürlich, in Beantwortung von Anfragen Recherchen in Mays Quellenwerken anzustellen, leider bleibt dazu die wenigste Zeit – eine exakte Auswertung würde eine Arbeitskraft über Jahre voll in Anspruch nehmen. Karl Mays Bibliothek ist eine unerschöpfliche Fundgrube und viele Schätze warten hier noch darauf, gehoben zu werden.

In einem früheren Bericht wies ich bereits auf die schlechte Erhaltung vieler Bücher hin. Eine der vordringlichsten Aufgaben dieses Jahres wird die schrittweise Restaurierung vor allem der Bücher sein, mit denen Karl May gearbeitet hat. Dazu gehören u.a. Julius Fröbel: "Aus Amerika"; Balduin Möllhausen: "Wanderungen durch die Prärien und Wüsten...", Polaks und Vamberis Beschreibungen über Persien oder auch eine ganze Reihe der Broschüren und Bücher über Babylon, mit denen sich May in Vorbereitung seines Dramas Babel und Bibel sehr intensiv beschäftigt hat. Auch hier sind wir auf Spendenmittel angewiesen. Der Freundeskreis des Karl-May-Museums konnte dieses Jahr 1700 DM als zweckgebundene Spende für solche Restaurierungsarbeiten zur Verfügung stellen. Das ist natürlich ein Tropfen auf den heißen Stein, aber immerhin ein Anfang.

Ich möchte hiermit alle May-Freunde aufrufen, mit Spenden für die Erhaltung und Restaurierung der Bücher in Karl Mays Bibliothek beizutragen, z.B. indem über bestimmte Bücher die Patenschaft übernommen wird.

Nähere Informationen unter:
http://www.karl-may-stiftung.de/aktion.html 

Ein weiteres unerschöpfliches Tätigkeitsfeld ist der bauliche Zustand der Museumsgebäude und des Grabmals Karl Mays. Bekanntlich wurde die Villa "Shatterhand." 1893/94, die Gruft 1901-03 und die "Villa Bärenfett" 1926 errichtet. 1998 können wir übrigens das 70-jährige Bestehen des Karl-May-Museums feiern. Und bei diesem Alter muß man natürlich auch mit Reparaturen rechnen, zumal in den vergangenen fünfzig Jahren doch einiges vernachlässigt wurde. Nachdem schon 1995 durch den Rückerwerb des mobilen Nachlasses in der Villa "Shatterhand." umfangreiche Baumaßnahmen erforderlich waren, mußten 1996 durch zwei Havarien die Heizungsanlagen in beiden Häusern erneuert werden. Gleichzeitig wurden die sanitären Einrichtungen den heutigen hygienischen Anforderungen entsprechend umgebaut, so daß wir jetzt auch eine Behindertentoilette bieten können. In diesem Zusammenhang wurden die Ausstellungsräume in der "Villa Bärenfett" beleuchtungstechnisch und farblich überholt und der Ausstellungskomplex "Indianer heute" neu gestaltet. Auch hierfür konnte der Freundeskreis Karl-May-Museum 700 DM zur Verfügung stellen. Die Kellerbereiche in beiden Häusern wurden in Eigenleistung zweckentsprechend vorgerichtet und dabei neue Depoträume geschaffen. Diese dienen der Unterbringung der bislang im Staatlichen Museum für Völkerkunde Dresden aufbewahrten ethnologischen Gegenstände, die in diesem Jahr zurückgeführt werden. Im Jubiläumsjahr soll unter Mithilfe der Freundeskreismitglieder der legendäre Zechkeller in der "Villa Bärenfett" wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden

Für 1997 erhielten wir zusätzlich die städtische Auflage, das Museum an die Kanalisation anzuschließen. Das bedeutete die Erneuerung der Abwasserleitungen und Umbinden der Klärgruben. Im gesamten Gelände wurde geschachtet, Bäume mußten gefällt, neue gepflanzt und somit der Garten neu gestaltet werden. Auch diese Arbeiten sollen 1998 abgeschlossen werden.

Manchmal kommt man sich vor wie Goethes Zauberlehrling – ein Ende der Baumaßnahmen ist nicht abzusehen: Durchgetretene Dielen, abgenutztes Parkett, löchrige Decken, bröcklige Schornsteine usw., usf. … und kein Geld.

Eine umfassende Darstellung der Finanzprobleme würde den Rahmen dieser Ausführungen sprengen; darüber kann zu einem späteren Zeitpunkt berichtet werden. Hier nur soviel: Als privates Museum muß sich das Karl-May-Museum in erster Linie von den Einnahmen aus Eintrittsgeldern und Souvenirverkauf erwirtschaften. Natürlich gibt es Zuschüsse aus dem Kulturraumgesetz in Sachsen, auch begrenzt von der Stadt oder der Denkmalpflege. Aber diese reichen nicht aus, alle notwendigen Maßnahmen zu erledigen. Es müssen also Prioritäten gesetzt werden, und dazu gehört in allererster Linie die Erhaltung des Museums. Allein die oben erwähnten Baumaßnahmen verschlangen eine 6stellige Summe. Aus diesem Grund immer wieder die Bitte um Spenden, um eben auch Dinge zu erledigen, die sonst liegenbleiben würden. Beispielsweise konnte 1997 die vor sechs Jahren begonnene Restaurierung des Grabmals beendet werden. Die Sanierung des Bauwerkes unter denkmalpflegerischen Gesichtspunkten kostete allein im vorigen Jahr 71.800 DM. Davon wurden die eine Hälfte aus Spendenmitteln, die andere Hälfte mit Fördermitteln der Denkmalpflege bestritten.

Soweit ein Bericht aus dem Karl-May-Museum in Radebeul. Ich hoffe, daß er diesen oder jenen anregt, das Museum zu besuchen und freue mich schon auf ein Wiedersehen, vielleicht bei einem Plausch am Kaminfeuer der "Villa Bärenfett" oder während einer Veranstaltung des Freundeskreises.

Hans Grunert

    


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