Eine sinnvolle Bearbeitung


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Geschrieben von rodger am 28. April 2004 16:54:08:

Ich lese gerade IN DEN CORDILLEREN und stolperte im ersten Kapitel über das urplötzliche und bezugslose Erscheinen eines gewissen Pena, den der Ich-Erzähler offenbar bestens kennt und den er gleich auf vergangene gemeinsame Erlebnisse anspricht.

»Ihre Stimme kommt mir freilich bekannt vor.«
»Nicht wahr? Ja, ja! Wollte soeben heim, weil ich dachte, daß Sie kommen würden, und nun treffe ich Sie da mitten im Chaco!«
»Heim - weil Sie dachten - - daß ich kommen würde? Ah, jetzt geht mir das Licht auf! Sie sind Sennor Pena?«
»Endlich, endlich kommt er auf meinen Namen!« rief der Mann jetzt. »Willkommen, Sennor, willkommen!«
Er gab mir die Hand, welche ich ihm kräftig schüttelte, und drückte mir die meine, daß ich hätte schreien mögen. Dabei rief er lachend:
»Also Sie haben mich wirklich nicht erkannt? Sie wollen zu mir und kennen mich nicht? Das ist im höchsten Grade lustig! Und hier treffe ich Sie! In der Wildnis, während ich überzeugt war, daß Sie den sehr zahmen Weg per Diligence von Buenos Ayres aus einschlagen würden? Das ist noch spaßhafter!«
»Wie es scheint, kommt Ihnen jetzt alles sehr spaßhaft vor, während Sie sich droben in Mexiko stets in sehr ernster Stimmung befanden!«
»Da hatte ich alle Veranlassung, ernst zu sein, Sennor!«
(Zitatende)

Pena ? Mexiko ? Wie ? Was ? Es war schier zum Verzweifeln. Ich erinnerte mich nicht im geringsten, blätterte bis zur ersten Seite zurück und dann auch noch in den Band davor, kein Pena weit und breit. Nachschlagen im Figurenlexikon ergab, daß er nur im Cordilleren-Band vorkommt. Ich forschte dann auf den auch für Probleme dieser Art vorzüglichen Seiten der Karl May Gesellschaft und wurde in der Sekundärliteratur bei Walther Illmer fündig, „Karl May auf halbem Wege“. Dort heißt es

„Auf Seite 281 taucht der Name Pena auf, den der Erzähler bis dahin gelassen verschwieg. [ ...] - ... der regelrecht in die Handlung hineingeschleuderte Pena ... “

Und ich hatte schon gedacht, ich hätte was überlesen oder überblättert.

Riecht das ganze nicht nach einer Streichung durch den „Hausschatz“-Redakteur Keiter?

In der Bamberger Bearbeitung ist an der betreffenden Stelle eine kurze, hilfreiche Erklärung eingefügt, im Stil Mays, Irritationen vermeiden helfend:

„Jetzt ging mir ein Licht auf. Ich war diesem Mann vor einiger Zeit in Mexiko begegnet. Wir hatten uns einander angeschlossen, hatten Freud und Leid miteinander geteilt und mancherlei Abenteuer gemeinsam bestanden. Nun lief er mir hier so unvermutet in den Weg.“

Wenn die Bearbeitungen immer so zweckdienlich und sinnvoll wären und auch umfassend präzise dokumentiert würden (wie das ja nun mittlerweile zumindest teilweise geschieht), hätte ich kaum Einwände.





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