Eine erstaunliche Bearbeitung


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Geschrieben von rodger am 30. April 2004 15:41:15:

Bei Karl May heißt es in „Von Bagdad nach Stambul“ bei der Ankunft in Damaskus:

Damaskus gewährt im Innern keineswegs den Anblick, welchen man von außen erwartet. Zwar fehlt es der Stadt nicht an ehrwürdigen Bauten, aber die Straßen selbst sind entsetzlich gepflastert, krumm und eng, und die meist fensterlosen, äußeren Lehmwände der Häuser sehen häßlich aus. Auch hier wird die Straßen- und Wohlfahrtspolizei, wie in den meisten orientalischen Städten, von Aasgeiern und räudigen, verkommenen Hunden besorgt. Die Wasserfülle der Stadtumgebung begünstigt die Entstehung schädlicher Miasmen, welche die Stadt der Ommijaden in einen bösen Ruf gebracht haben.

Stattdessen steht in einer früheren Ausgabe der Gesammelten Werke an dieser Stelle (jetzt nicht mehr):

Die eigentliche Stadt wird vom Barada durchflossen, von dem viele Kanäle und Rinnsale abgezweigt sind. Eine große Volksmenge drängt sich durch die berühmten Basare oder genießt in den baumbeschatteten Kaffeehäusern den belebenden Trank. Die Wasserfülle der Stadtumgebung begünstigt die Anlage von großen Obsthainen. Dem Araber, der sich das Paradies als Baumgarten eingerichtet denkt, erscheint deshalb Damaskus als Abglanz der himmlischen Gärten.
(zitiert nach der Taschenbuchausgabe „Klassische Meisterwerke“, S. 178 unten. Im Impressum heißt es „Der Inhalt dieses Buches entspricht dem Band 3 der grünen Originalausgabe“.)

Das hätte doch der Fremdenverkehrsverband nicht schöner hingekriegt. - Karl-Heinz Eckardt weist zwar in seinem Buch „Mit Kara Ben Nemsi durch den Orient“ darauf hin, daß Mays Angaben an dieser Stelle nicht stimmten, aber bitte, es gibt doch so etwas wie eine dichterische Freiheit, und den Charakter eines Textes mehr ins Gegenteil verkehren als es hier geschah, kann man ja wohl nicht. Überhaupt wird man natürlich Karl May überhaupt nicht gerecht, wenn man nur faktenorientiert denkt und Erbsenzählerei betreibt.




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