Re: Pleiten Pech und Pannen in Winnetou II


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Geschrieben von Kurt Altherr am 05. Mai 2004 18:33:25:

Kurt Altherr am 05. Mai 2004 18:33:25:

Als Antwort auf: Pleiten Pech und Pannen in Winnetou II geschrieben von Tom am 05. Mai 2004 17:55:44:

Hallo Thomas,

das ist nicht ärgerlich, das ist halt Karl May pur. Mit Logik - und das ist Karl May gegenüber jetzt nicht abwertend gemeint - ist dem Autor nicht beizukommen. Bei Deinen intensiven Textstudien ist Dir das sich auch schon mehrfach aufgefallen.

Viele Grüße
Kurt


Hallo @ all!
Vor einiger Zeit bin ich in den letzen beiden Kapiteln von Winnetou II auf eine ziemliche Pannenserie gestoßen. Da hatte der meines Erachtens sonst sehr gute Schriftsteller Karl May ein paar kräftige Aussetzer.
Also es geht um folgendes: Old Shatterhand und Winnetou rasten da zusammen mit einigen Gefährten, die sich jedoch verdächtig benommen haben. Plötzlich merken die beiden, dass sie belauscht werden. Winnetou sagt, dass er den Lauscher beschleichen möchte.
Das ist eine große Unvorsichtigkeit, denn der Lauscher ist im Vorteil, da er den anderen auf sich zukommen sieht.
Es kommt, wie es kommen musste: Winnetou wird niedergeschlagen und gefangen genommen. Old Shatterhand wundert sich schon, wo Winnetou so lange bleibt. Nach langer Zeit sieht er einen Mann mit Santillodecke (wie sie Winnetou ja hatte) auf sich zukommen. Er denkt nichts anderes als dass das ja Winnetou sein muss, der den Lauscher unschädlich gemacht hat. In seiner Sorglosigkeit (oder soll ich das Überheblichkeit nennen?) schaut er gar nicht mal richtig hin. Und dann wird er auch noch niedegeschlagen und gefangen genommen.
Winnetou mit seinem sprichwörtlichen Supergehör und Old Shatterhand mit seinem fast schon sagenhaften Scharfsinn werden also nur so im Vorbeigehen im Handstreich überwältigt. Und zwar von Santer, dem Mörder Intschu tschunas und Nscho tschis.
Nebenbei bemerkt: Ich habe nichts dagegen, wenn in einem Abenteuerbuch die Helden auch mal gefangen genommen oder verwundet werden. Das macht sie menschlicher und realistischer. Aber dies sollte dann doch auf eine weniger läppische Art geschehen.
Es geht noch weiter:
Eigentlich müssten Old Shatterhand und Winnetou sich jetzt furchtbar ärgern, dass sie ihren Todfeind auf diese ganz andere Art als sie sich das gedacht hatten wiedersehen müssen. Aber davon wird nichts beschrieben. Es wird vielmehr so hingestellt, als ob sie obwohl sie Gefangene sind, immer noch das Heft des Handelns in der Hand haben. Das ist ebenfalls sehr unrealistisch.
Dann erfinden Old Shatterhand und Winnetou noch dieses sagenhafte Goldversteck. Und siehe da: Santer, der Goldgierige beißt an und lässt die zwei frei, in der Erwartung, dass sie gleich zu diesem Goldversteck reiten. Er will ihnen heimlich folgen, um dann das Gold und die Blutsbrüder zu bekommen. Auch das ist unrealistisch. Welcher vernünftig denkende Mensch wird einen solchen Vorteil, nämlich die beiden schlimmsten Todfeine gefangen zu haben, aus irgendeinem Grund aufgeben? Zumal er wenn diese beiden frei sind, ständig ernsthaft um sein Leben fürchten muss und sich nie sicher fühlen kann. Das halte ich ebenfalls für vollkommen unwahrscheinlich.
Aber die Serie von Pleiten, Pech und Pannen geht ja noch weiter. Old Shatterhand und Winnetou werden frei gelassen. Sie wissen, dass Santer ihnen folgen wird. Sein Gehilfe Rollins reitet mit ihnen mit. Nach einer Weile sagen sie Rollins, dass sie ihn und Santer durchschaut haben und nehmen Rollins gefangen. Doch dann lassen sie Rollins gefesselt ohne Aufsicht liegen und reiten Santer und seinen drei Spießgesellen ein Stück entgegen.
Das ist für mich der nächste dicke Hund. So jemanden knebelt man doch und nimmt ihn mit, damit er unter Aufsicht ist!
Jemand mag noch so gut gefesselt sein, es kann wenn er unbeaufsichtigt ist, trotzdem viel eintreten, wodurch er plötzlich frei werden kann. In diesem Fall ist es Sam Hawkens, der einen Ausritt gemacht hat und Rollins in Unkenntnis der wahren Sachlage befreit.
Und dann kommt der Oberhammer: Old Shatterhand und Winnetou sehen in der Ferne einen Reiter in die Richtung galoppieren, aus der Santer kommen muss. Sie meinen noch: "Er reitet einen Braunen und braun war ja Rollins` Pferd."
An dieser Stelle gibt es doch nur eins, und dadurch wäre die Sache noch zu retten gewesen: Hatatitla besteigen und losgaloppieren hinter dem vermeintlichen Rollins her. Aber nein: Old Shatterhand wird von Winnetou an die Stelle zurückgeschickt, an der sie Rollins zurückgelassen haben. Er soll nachsehen, ob der noch da ist. Aber dieser Rollins ist tatsächlich weg. Old Shatterhand sagt dies Winnetou. Jetzt wäre die letze Chance gewesen, Santer noch schnell entgegenzureiten und ihn vielleicht doch noch zu fassen. Aber Winnetou sagt: "Nochmal etwas warten."
Die Erwarteten kommen nicht. Da endlich galoppieren die Blutsbrüder los. Aber dann ist plötzlich die Spur verwischt und der Abend kommt...
Ich finde diese Serie von Ungereimtheiten fast schon ärgerlich.
Wie geht es euch damit?
Lieber Gruß
Tom



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