Re: Der Held wird zu oft gefangen


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Geschrieben von Thomas Schwettmann am 06. Mai 2004 13:13:16:

Als Antwort auf: Der Held wird zu oft gefangen geschrieben von Tom am 06. Mai 2004 06:59:28:

Hallo zusammen, hallo Tom!

Lieber gefangen als gehangen!

Man sollte nicht vergessen, daß Karl May die meisten seiner Erzählungen ursprünglich für Zeitschriften, insbesondere den 'Hausschatz' geschrieben hat. Zwar hat er dabei nun keine wirklichen 'Cliffhanger' eingebaut, dennoch liest ein Leser, der einen Roman über ein Jahr lang nur in kleinen Häppchen jeweils einmal in der Woche zu Gesicht bekommt, natürlich anders, als jemand, der homogen ein Buch durchlesen kann. Dies verlangt vom Autor, daß praktisch in jeder Folge etwas 'geschieht', was die Spannung aufrecht erhält. Ein Mittel dazu ist natürlich, daß die Hauptperson insgesamt zu häufig in Gefangenschaft gerät, oder sich auch andere Unwahrscheinlichkeiten zu stark häufen, damit der Leser jeweils aktuell gut 'unterhalten' wird. Entsprechend leidet manchmal auch die athmosphären Beschreibungen bei May. Eine derart ausführliche, meisterhafte Präriebeschreibung wie in Sealsfields 'Kajütenbuch' hätte sich May beispielsweise gar nicht leisten können, weil dann praktisch eine Fortsetzung lang gar nichts 'passiert' wäre. Nicht umsonst hat man deshalb den Eindruck, daß Bände wie 'Winnetou I' und 'Old Surehand I & III' zu den kompositorisch besten gehören, was Karl May geschrieben hat, wurden diese doch direkt als Buch konzepiert.

Viele Grüße,
Thomas



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