Re: Diamant


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Geschrieben von Ernst Wälti am 16. November 2003 12:01:37:

Als Antwort auf: Re: Diamant geschrieben von Ralf Großkurth am 16. November 2003 03:41:35:

Hallo Herr Grosskurt,
Ich kann Ihren Ausführungen zustimmen. Wenn einige von May benutzte Fremdwörter durch deutsche ersetzt werden, so kann man damit leben, obgleich ein bestimmtes Zeitkolorit dabei verloren geht.
Da hier schon auf die Bearbeitung von "Am Jenseits" als gelungen bezeichnet wurde, habe ich begonnen die Fehsenfeldausgabe mit der 93. -100. T. Radebeulerausgabe zu vergleichen, denn der Bearbeiter Max Weiss rühmt sich, 100 Seiten eingespart zu haben. Ehrlich gesagt, hier läutet bei mir die Alarmglocke. Gerade bei einem Werk , das das Alterswerk einleitet, einfach so Text einzusparen, dürfte fragwürdig sein. Max Weiss hat geschrieben: "Die Beanstandung des Pleonasmus, der Tautologie, ermüdender Breite und unnötiger Wiederholungen muss auch diesem Roman (wie allen im Alter geschriebenen Büchern Mays) gemacht werden; diese Zeilenfüller wirken direkt abstossend. Ich habe also nach meinen bisherigen Grundsätzen alles Hässliche gestrichen, ohne dass dabei auch nur ein Gedanken verlorengegangen wäre... (zitiert in Hermesmeier und Schmatz: Karl-May-Bibliografie).
Eigentlich eine ziemlich arrogante Aussage! Das Alterswerk Mays lässt sich eben nicht zu abenteuerlichen Jugendbücher zurechtfeilen. Als ich Am Jenseits in der Fehsenfeldfassung las, fand ich nichts Hässliches. Da ich die Vergleichslesung erst begonnen habe, möchte ich hier nur ein scheinbar kleines Beispiel herauspflücken, das eine gewisse Ignoranz des Bearbeiters beleuchtet:
Fehsenfeldtext: An dieses Gespräch musste ich jetzt hier am Bir Hilu denken. Hatte Winnetou sich getäuscht? Waren "diese Krieger des grossen, guten Manitou" Phantasiegestalten, Gebilde seiner eigenen Anima? Das konnte ich bei seiner beispiellos scharfen Beobachtungsgabe doch wohl kaum annehmen! (Ich benutze eine Schweizer Keyboard ohne Doppel ss.)
Bearbeiteter Radebeuler Text (S.289): An diese Gespräch musste ich hier am Bir Hilu denken. Hatte Winnetou sich getäuscht? Waren diese "Krieger des grossen, guten Manitou" Gestalten und Gebilde seiner Phantasie? Das konnte ich bei seiner beispiellos scharfen Beobachtungsgabe doch kaum annehmen!
Wenn ein "wohl" gestrichen wird, damit kann man sich abfinden. Doch die Anima wurde auch liquidiert. Ist doch nur eine Kleinigkeit, nicht? Eben nicht! Und damit bescheinigt der Bearbeiter seine Ignoranz des Alterswerks. Ein Bearbeiter, der nämlich die spiritistische Literatur nicht kennt, wie zum Beispiel die Werke von Carl du Prel, die in Mays Bibliothek zu finden sind, sollte lieber die Finger vom Bearbeiten lassen. Du Prel vertratt die Hypothese einer doppelten humanen Existenz: Der Mensch ist hier ganz irdischer Mensch, zugleich ist er aber im Jenseits transzendentales Subjekt. May hat dieses Gedankengut Du Prels in seinem Buch "Am Jenseits" umgesetzt. Ich könnte dies belegen, aber es würde hier jeglichen Rahmen sprengen. Anima als die weibliche Seite der Seele des Mannes, als die kreative Kraft, wurde von May hier bewusst hingesetzt und ist kein Pleonasmus (siehe die Werke C.G. Jungs).
Man höre auf am Werk Mays herumzupfuschen!
Mit herzlichem Gruss
Ernst Wälti




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