"Im Lande des Mahdi"

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Rene Grießbach
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"Im Lande des Mahdi"

Beitrag von Rene Grießbach » 2.7.2011, 21:58

Wie sich doch die Zeiten ändern - beziehungsweise die Geschmäcker ...
Vor einigen Jahren hatte ich die Mahditriologie mal gelesen und fand sie einfach nur langweilig. Jetzt nach langer Zeit habe ich mich doch mal wieder drangewagt und diesmal finde ich sie sogar gut. Sehr eigenartig, der Roman ist ja derselbe, hat sich nichts dran geändert. Wie ich mir die Änderung meiner Meinung erklären soll - keine Ahnung :shock:
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rodger
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Re: "Im Lande des Mahdi"

Beitrag von rodger » 2.7.2011, 22:19

Ging mir oft schön ähnlich, bei May wie auch bei anderen Autoren. Dürfte damit zusammenhängen daß sich halt die eigene Befindlichkeit ändert ... Spontan denke ich an Mays Gleichnis vom Zauberteppich, da geht es nicht nur um "Et in terra pax" sondern darüber hinaus allgemein um das Buch als Spiegel der Seele oder des Innenlebens des Lesers ... je nachdem wie man hineinguckt sieht man immer neue und andere Dinge darin ...

Was die "Mahdi" - Trilogie betrifft, finde ich den zweiten und dritten Band deutlich schwächer als den ersten. Sehr beachtenswert ist aber im dritten die Schilderung längerer völliger Hilflosigkeit und Aussichtslosigkeit, wie wir sie so sonst bei May eher nicht erleben ...
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rodger
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Re: "Im Lande des Mahdi"

Beitrag von rodger » 2.7.2011, 22:26

Die Sache mit Schillers Glocke im Sudan nicht zu vergessen, auch im dritten Band, für mich [auch, zusätzlich] ein (freilich überzeichnetes) Gleichnis über das Selbstverständnis des Schriftstellers gegenüber seinem Publikum ... sie verstehen absolut nichts aber er kommt großartig an ... und macht sich sein Späßchen darüber ... (besser als nur drunter zu leiden ...)

:D

(Hermann Hesse hat sich übrigens des öfteren ähnlich geäußert, sich ein wenig über seinen Erfolg gewundert und sinngemäß in etwa mitgeteilt 'wo sie mich doch gar nicht verstehen [können]' ...)
tragophil
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Re: "Im Lande des Mahdi"

Beitrag von tragophil » 4.7.2011, 3:38

Ich les zur Zeit zwar zäherweise Satan und Ischariot (Was ein 'Familien'-Buch - mehr noch als der Surehand, will mir scheinen!)- aber den Mahdi hatte ich mir vor inzwischen fast schon vier Jahren mal vorgenommen... Und als ich gerade raussuchte, was ich damals darüber schrieb (Wenns interessiert: http://tragophil.myblog.de/tragophil/art/172269128) hab ich schon wieder leicht anders darüber gedacht... Insofern kann ichs nur bestätigen. Und muß doch nochmal in meiner inzwischen erworbenen Urfassung schauen, ob das Ende da auch so kitschig christlich ist - ich befürchte fast. Wobei mich die Trennung von einem gar nicht so "Bösen", aber eben "Für-das-Gute-Grausamen" damals nachhaltig beeindruckt hatte. In diesem Fall ist übrigens auch die Vethake-Hörspiefassung gar nicht so übel ;)
"So scheint mein Rohr besser zu sein als das Eurige, obgleich es viel kleiner ist."
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"Der Deutsche pflegt zwar albern, aber auch ehrlich zu sein."
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rodger
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Re: "Im Lande des Mahdi"

Beitrag von rodger » 4.7.2011, 11:46

tragophil, im Blog, hat geschrieben:auch die Persienreise (Im Reiche des silbernen Löwen u.a.) ist bereits geschehen.
Nein.

8)
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Helmut
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Re: "Im Lande des Mahdi"

Beitrag von Helmut » 4.7.2011, 16:43

Vor zwei Jahren habe ich auch angefangen "Im Lande des Mahdi" (natürlich den KMG-Reprint :wink: ) zu lesen, nach einem halben Jahr war ich mit dem ersten Teil durch, seitdem "stockts", obwohl ich nicht sagen würde, dass mich die Lektüre weniger "fasziniert" hätte, als so manch anderes von May.
siehe auch:
http://karlmay.agerth.de/maybuecher/pho ... 493,page=1


Helmut
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Re: "Im Lande des Mahdi"

Beitrag von rodger » 4.7.2011, 21:47

tragophil hat geschrieben:zäherweise Satan und Ischariot
Von ein paar Höhepunkten und einigen reizvollen Passagen abgesehen in der Tat eines der schwächeren, faderen Werke.
das Ende da auch so kitschig christlich
Habe ich nicht so empfunden. (Weder da noch dort.)
Hörspiefassung
Ein sehr hübscher Verschreiber ...

:lol:

(Gilt nicht speziell dieser Hörspie[l]fassung, die ich nicht kenne, und auch nicht allen, aber etlichen ...)

:D
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Re: "Im Lande des Mahdi"

Beitrag von rodger » 4.7.2011, 22:05

Noch ein paar Anmerkungen zu Stellen aus dem Blog
wer ist dieser Murad Nassyr
Münchmeyer. Nahezu Eins zu Eins. (bei Pedehr - Fehsenfeld u.a. ist es nicht Eins zu Eins, da ist die Schnittmenge kleiner)
Karl May stand durchaus im Kontext einer Zeitgeisthaltung, und manches Vorurteil gegenüber dem praktizierten Islam und manches Rassedenken ist sehr fragwürdig
Islam ist bei Karl May nicht durchgehend [Islam] und nicht nur Islam ... In diesem Werk z.B. steht er u.a. auch für Koportage ...
Immer wieder steigt für mich (durch das Theologiestudium geschärft?) die Symbolsprache oder doch zumindest die biblisch anmutende Motivarbeit auf.
Ein sehr interessanter Hinweis. Karl Mays Erzählungen sind halt Gleichnisse ... Und die Geschichten in der Bibel sind auch Gleichnisse ... zeitlos gültig ...
eine wahre Fundgrube für Diplomarbeiten gegeben, sofern sie noch nicht geschrieben sind...
Ob Diplomarbeiten oder nicht das bleibt sich gleich ... genügt schon wenn's ab und zu mal einer erkennt / versteht ... Andererseits, da Diplom- und andere Arbeiten in Sachen May sehr häufig dazu neigen, sich in trocken "wissenschaftlichen" Erbsenzählereien zu erschöpfen, wäre eine Arbeit dieser Art mal eine angenehme Abwechslung ...
Man muß vielleicht als Leser ein bißchen historischen Abstand einhalten
Ach wo ... bei ein paar Kleinigkeiten halt im Hinterkopf am Rande die andere Zeit realisieren. Bis auf wie gesagt ein paar Kleinigkeiten spielt es keine Rolle. Man ist ja flexibel im Hirn und kann die Dinge übertragen.
taucht eine erstaunliche Tiefsinnigkeit auf
Schön daß es mal einer bestätigt.
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Re: "Im Lande des Mahdi"

Beitrag von Hermann Wohlgschaft » 4.7.2011, 23:23

rodger schreibt: Bei der Spiegelung Murad Nassyr - Münchmeyer ist die Schnittmenge weitaus größer (fast 1 : 1) als z. B. bei Pedehr - Fehsenfeld. Eine feine Beobachtung, der ich spontan zustimmen möchte.
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Rene Grießbach
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Re: "Im Lande des Mahdi"

Beitrag von Rene Grießbach » 4.7.2011, 23:27

Apropos Fehsenfeld.
Ich glaube, irgendwo mal gelesen zu haben, dass Fehsenfeld sich im Reis Effendina wiederspiegeln würde.
So in dem Zusammenhang, dass sie erst so was wie befreundet waren und dass sich das dann ins Gegenteil umkehrt. (Bin noch nicht wieder im dritten Band, krame deshalb in de Erinnerung)
Wie seht ihr das?
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Re: "Im Lande des Mahdi"

Beitrag von rodger » 5.7.2011, 0:08

Trifft sicher nicht zu (kommt [entstehungszeitlich] nicht hin und paßt nicht (u.a. hatte Fehsenfeld ganz offensichtlich überhaupt nicht die Härte des Reis)). Kürschner wurde auch genannt (statt Fehsenfeld). Ich bin mir in Sachen Reis Effendina nicht sicher, weiß auch zuwenig vom Verhältnis May / Kürschner (darüber ist meines Wissens auch nicht allzuviel bekannt). Aber die Sache mit Münchmeyer paßt wirklich, salopp ausgedrückt, wie die Faust aufs Auge. Ich hatte beim letzten Lesen immer die beiden vor Augen (May und Münchmayer) (und dachte wirklich nur noch am Rande an die andere Leseebene Sklavenhandel ...), und wenn sie z.B. da in Kairo Bier trinken gehen, war ich gedanklich in Dresden ...
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Re: "Im Lande des Mahdi"

Beitrag von rodger » 5.7.2011, 0:16

'rodger' hat geschrieben:weiß auch zuwenig vom Verhältnis May / Kürschner (darüber ist meines Wissens auch nicht allzuviel bekannt).
Was das menschliche Miteinander betrifft, meine ich. Die Zahlen und Fakten kann man nachschlagen. (Und was das menschliche Miteinander angeht, kann man eben in Sachen Kürschner nicht allzu viel nachschlagen, aber durchaus in Sachen Münchmeyer ...)
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Re: "Im Lande des Mahdi"

Beitrag von rodger » 5.7.2011, 0:35

Die schöne im Band »Ich« wiedergegebene Spiegelungs-Theorie in Mays Reis Effendina einen »symbolischen« Joseph Kürschner zu sehen und im Mahdi-Roman einen verschlüsselten Bericht über den Streit mit dem »Guten Kameraden«, läßt sich also nicht länger aufrecht erhalten. 1896 hatte Kürschner mit dem »Guten Kameraden« überhaupt nichts mehr zu tun, und der Streit hat auch nicht stattgefunden.
lesen wir unter

http://www.karl-may-gesellschaft.de/kmg ... 972/93.htm

Mag sein, daß der Reis Effendina nicht Kürschner ist ... Aber auszuschließen ist es nicht ... Man kann auch 1896 über etwas schreiben, was nicht mehr aktuell ist, und was für ein Streit [worüber auch immer] stattgefunden haben mag, das weiß man ja nicht ... Außerdem muß nicht einmal ein Streit stattgefunden haben, um einen Streit zu schildern, den man sich mit dem Betreffenden gut vorstellen kann bzw. als latent vorhanden gespürt hat ...

(Wenn ich z.B. in zehn Jahren eine kleine Erzählung schreibe, in der ich einem gewissen Herrn was um die Ohren haue (so recht aus dem tiefsten Herzensgrund und keineswegs nur in übertragenem Sinne ...), oder auch er mir, weil er halt meine Ansichten in Sachen Gartow für läppisch hält und ich seine, dann ist das eine Form der Verarbeitung ... (na klar trage ich das in zehn Jahren noch mit mir herum ...) ich könnte genauso gut eine Erzählung schreiben in der wir gemeinsam ein Bier bzw. eine Apfelschorle trinken gehen, und uns dabei einig sind, daß wir unsere Ansichten vielleicht weiterhin gegenseitig für (s.o.) halten, aber trotzdem friedlich und mit einem gewissen unter Mitmenschen üblichen Grundrespekt miteinander umgehen, das wäre eine andere Form der Verarbeitung. Auch wenn in zehn Jahren weder das eine noch das andere passiert sein wird. ("Dergleichen geschah nicht auf Erden" ...))

:D
Zuletzt geändert von rodger am 5.7.2011, 9:50, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: "Im Lande des Mahdi"

Beitrag von rodger » 5.7.2011, 0:42

Und mein Alterswerk "Lu Fritsch - eine gulaschpsychologische Studie" schreibe ich auch erst in ca. 25 Jahren. Dann möchte ich die Erbsenzähler mal sehen die aufgrund der Entstehungszeit irgendwelche dusseligen Schlußfolgerungen ziehen ...

:lol:
markus
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Re: "Im Lande des Mahdi"

Beitrag von markus » 5.7.2011, 1:00

Und im Anhang käme ich drin vor, denn aus "Krüger-Bei" (steht für so vieles "Aufdemschlauchstehen") lerne ich nie.

:lol:
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