Karl May richtig lesen

andrea
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Beitrag von andrea » 8.8.2005, 14:10

Leutz, ihr macht mich fertich - vor Lachen. :lol: :lol: :lol:

Warum gibt es hier keinen Smilie mit Lachtränen :?:

andrea
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KMV Lektorat
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Beitrag von KMV Lektorat » 29.8.2005, 12:48

Hg/12.08.2005

Diskussionsbeitrag für Internetforum Stiftung -Entwurf



Thomas Schwettmann schrieb hier im Forum:
„Karl May hat sich - jedenfalls soweit mir bekannt - nie geäußert, daß die 33 Fehsenfeldbände einer Bearbeitung bedürfen (...) Drastische Veränderungen (...) sind in keinster Weise von May jemals gewünscht worden.“
May hat sich dazu ganz im Gegenteil gegenüber F. E. Fehsenfeld sehr klar geäußert, bspw. in einem Brief vom 14.2.1902:
„Die bisherigen Bände werden eine Umstellung und Bearbeitung erfahren.“
Knapp zwei Jahre später (Brief vom 27.1.1904 an Fehsenfeld) wiederholte May sein Ansinnen noch deutlicher:
„Ich habe die bisherigen Bände von heute an vorzunehmen, um ihren Wortlaut bezüglich des Zusammenhanges mit den kommenden Werken zu prüfen.“
Herr Schwettmann irrte sich also, oder es ist ihm eben tatsächlich nicht anders bekannt. – Beide Zitate finden sich auf S. 48 des Sonderbandes „Der geschliffene Diamant“, der sich in ausführlicher Form mit der ganzen Problematik befasst und auf den seltsamerweise hier nie Bezug genommen wird.

Ein gutes Beispiel für Bearbeitungsgründe und ihre Sinnigkeit ist die in dieser Diskussion erwähnte Streichung von Hadschi Halef Omars schmutziger Kleidung. Halef wird später von May immer als ausgesprochen reinlich beschrieben, oft zur Unterscheidung gegenüber anderen Orientalen (bspw. „Wir hatten uns beide durch das Sitzen auf dem feuchten Boden beschmutzt. Das erzürnte Halef, der ungemein auf Sauberkeit hielt.“ - Ardistan und Dschinnistan I ---- „Als ich vorhin erwachte, sah mein Anzug sehr schlimm aus, und ich habe lange reiben müssen, um den Schmutz wegzubringen.“ - Durchs wilde Kurdistan).
Die Schilderung von Halefs ungepflegtem Äußeren beim ersten Auftritt passt also nicht zu seiner ansonsten stets anderen Charakterisierung in den folgenden Erzählungen, deshalb wurde diese Stelle sinnvollerweise bearbeitet.
May war sich der vielen inhaltlichen Widersprüche innerhalb seiner Werke durchaus bewusst und wollte Abhilfe schaffen. Da er durch seine permanente Überarbeitung, später durch die zeit- und kräfteraubenden Prozesse und Pressefehden, nie dazu kam, all das, was ihm vorschwebte, vor seinem Tod umzusetzen, musste der Verleger einspringen.

An endlosen und oft ausufernden Diskussionen in Internetforen teilzunehmen, fehlt uns vom Karl-May-Verlag Muße und Zeit, deshalb schalten wir uns nur selten in solche Debatten ein, aber manches kann einfach nicht unkommentiert bleiben

KARL-MAY-VERLAG
Lektorat
Roderich Haug
Thomas Schwettmann

Beitrag von Thomas Schwettmann » 29.8.2005, 13:50

Lieber Herr Haug!

Nun haben Sie geschickterweise den zweiten Teil meines Satzes ausgelassen, der meine sicherlich im Zusammenhang mit den vorherigen Beiträgen polemisch verkürzte Grundaussage einschränkt: (...) wobei er natürlich selber ein paar Jahre vor seinem Tode in der illustrierten Ausgabe noch Korrekturen (insb. zum Erscheinungsbild Marah Durimehs sowie die Hinzufügung der zweiten 'Ave Maria'-Strophe) angebracht hat.

Ich sehe daher keinen eklatanten Widerspruch, da die zitierten Briefe Mays allesamt vor dem Erscheinen der "Illustrierten" (ab 1908) datierten. daß May - wenigsten in Groben - den Wortlaut bezüglich des Zusammenhanges mit den kommenden Werke zu prüfen gedachte, steht außer Frage, wie die Revision der Beschreibung Marah Durimehs zeigt, hat er dergleichen auch im äußerst begrenzten Rahmen vorgenommen.

Über die Gründe, warum er dies nicht ausführlicher und über die Bände 1-9 hinaus gemacht hat, ob er also lieber mehr Bearbeitung der "Gesammelten" bis hin zur Ausmerzung kleinster logischher Details gewollt hätte und dies dann an Zeitmangel, vielleicht auch an der Einsicht der generellen Unvereinbarkeit seines bisherigen Werkles mit den kommenden Werkes gescheitert ist, darüber mag man trefflich spekulieren. Ich jedenfalls interpretiere aus der Art der erfolgten Eingriffen, daß diese milde Form der Revision exemplarisch für die Art der gewünschten Überarbeitung stehen, die May vornehmen wollte, wobei mit dem Orientzyklus und der Winnetou-Triologie ja gerade die Werke bearbeitet wurden, die mit "Silberlöwe III+IV/Ardistan I+II" bzw. "Winnetou IV" im engsten Zusammenhang stehen, insofern die fehlende Bearbeitung der anderen "Gesammelten" durchaus nicht so ungewöhnlich erscheint. Daß etwa überhaupt nur die "Illustrierten" revidiert wurden, mag seine Ursache allein darin haben, daß dort die Seiten sowieso neu gesetzt werden mußten, und Fehsenfeld bzgl. der normalen "Gesammelten "Ausgaben da zurückhaltend war.

Was den "Geschliffenen Diamanten" angeht, so möchte ich nicht wirklich nochmals eine Diskussion dazu lostreten, schließlich habe ich mich seinerzeit dazu ausführlich genug geäußert und meinen Standpunkt verständig gemacht:
-> http://www.karl-may-magazin.de/toastfor ... &tid=12932

In Bezug auf ihren Satz - Herr Schwettmann irrte sich also, oder es ist ihm eben tatsächlich nicht anders bekannt - zitiere aber hier nochmals gerne explizit meine dortige Anmerkung zu den erwähnten Briefen:

Zum Thema Bearbeitungen der Gesammelten Reiseerzählungen liest man dieses May-Brief-Zitat von 1902: 'Die bisherigen Bände werden eine Umstellung und Bearbeitungen erfahren' sowie 1904, daß er diese bei Neuauflage gründlich durchsehen wolle, 'um ihren Wortlaut bezüglich des Zusammenhangs mit den kommeneden Werken zu prüfen'. Leider geht Schmid in diesem Zusammenhang mit keinen Wort darauf ein, daß May tatsächlich die ersten neun Bände für die "Illustrierte Ausgabe" durchsah, und somit exemplarisch die Bearbeitungen vornahm, die ihn vorschwebten: Beispielsweise die Anpassung der Figur Marah Durimehs an das Spätwerk.

Ob und wie weit May seine Werke bearbeiten wollte, darüber läßt sich müßig streiten, auch darüber, ob dies legetim ist, dieses posthum zu tun, wobei zugegebenermaßen damals zur Radebeuler Zeit im Kleingedruckten des Impressum auf die Bearbeitung auch deutlich hingewiesen wurde.

Mit freundlichen Grüßen
Thomas Schwettmann
jwoebking

Beitrag von jwoebking » 29.8.2005, 17:32

K.A. hat geschrieben:Wer Karl May richtig lesen will, bedarf der Bamberger Ausgaben des Karl-May-Verlages.

Gewiß, die Werke Mays wurden bearbeitet, aber wie der Mitbegründer des Karl-May-Verlages, Dr. E.A.Schmid, zu berichten wußte, sind diese ganz im Sinne Karl Mays bearbeitet.
Das ist ganz einfach UNWAHR !!!!! Nicht im Sinne KARL MAYS wurden
die Bearbeitungen durchgeführt!!!
Eher trifft wohl die Vermutung zu, dass Mays Witwe sich Eigenmächtigkeiten aneignete, die NICHT im Sinne KARL MAYs gewesen sein dürften. ( Beinflusst von wem :twisted: auch immer!)
Und wenn ich Sätze lesen muss wie:
Wer Karl May richtig lesen will, bedarf der Bamberger Ausgaben des Karl-May-Verlages.
Das ist lächerlich. Und ich will es auch begründen!
War es im Sinne KARL MAYs, das Schicksal vom "Großen Wolf" (SCHATZ IM SILBERSEE) immer wieder zu verändern? Mal ertrinkt er, mal findet er ein anderes Ende, und ich glaube in einer Auflage überlebt er sogar!
Der KMV hat nur in einer Sache richtig entschieden, sonst gäbe es den KMV heute nicht mehr!!!!!
Ramnicul

Beitrag von Ramnicul » 31.8.2005, 20:32

KMV Lektorat hat geschrieben: Ein gutes Beispiel für Bearbeitungsgründe und ihre Sinnigkeit ist die in dieser Diskussion erwähnte Streichung von Hadschi Halef Omars schmutziger Kleidung. Halef wird später von May immer als ausgesprochen reinlich beschrieben (...)
So sehr ich diese Akribie hinsichtlich der logischen Bereinigung des Werkes von Karl May bewundere, so steht und fällt sie natürlich mit der Gründlichkeit, mit der sie angewendet wird.

Wie kommt es dann z. B., dass der Old Firehand in Winnetou II sich so grundlegend von dem, aus dem Schatz im Silbersee unterscheidet.
Zumindest in den beiden Ausgaben der Gesammelten Werke, die ich besitze (1951), ist das so.

Winnetou II: Old Firehand ist über 50 Jahre alt und Old Shatterhand stellt fest, dass Winnetou und Old Firehand, was ihr Alter angeht, eigentlich über keinerlei Berührungspunkte verfügen dürften.

Der Schatz im Silbersee: Old Firehand ist ca. 40 Jahre alt und unterscheidet sich- in seinem Auftreten- eigentlich nicht allzu sehr von Old Shatterhand.

In Winnetou II wird allerdings deutlich darauf hingewiesen, dass das Treffen zwischen OS und OF hier zum ersten Mal stattfindet. :shock:
Wenn ich mir das so besehe und dann noch zur Kenntnis nehme, dass der Karl-May-Verlag damit beschäftigt ist einige Werke rückzubearbeiten, geht mir eine klare Linie hinsichtlich des Wirkens der Verantwortlichen völlig ab. :?: :roll:
Überhaupt bleibt mir verschlossen, was der KMV mit seinen Hin- und Rückbearbeitungen- außer totaler Verwirrung bei der Leserschaft- erreichen möchte... :?
Poca

Beitrag von Poca » 2.9.2005, 14:55

Der Karl-May-Verlag bemüht sich mit den Rückbearbeitungen bei den "Gesammelten Werken" wieder möglichst an den Originaltext Karl Mays heranzukommen. Das ist natürlich ein sehr aufwändiges Unternehmen, wenn es denn überhaupt vollends, besonders bei den Kolportageromanen, überhaupt gänzlich gelingt.

Die Verwirrung der Leser dürfte nicht allzu groß sein, denn nur der intime Kenner des Mayschen Originaltextes wird sich an den Bearbeitungen stören.

Wir alle, die Karl May mögen, sollten lieber froh sein, wenn Karl May überhaupt noch gelesen wird, ob nun bearbeitet oder nicht.
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Beitrag von Redaktion » 2.9.2005, 15:40

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