Bearbeitungen von KMs Werken

Benutzeravatar
rodger
Beiträge: 6684
Registriert: 12.5.2004, 18:10
Wohnort: Mannheim
Kontaktdaten:

Beitrag von rodger » 18.10.2007, 23:28

Immerhin ist an Erfreulichem heute abend festzuhalten, dass wir hier doch im Großen und Ganzen, auch wenn wir völlig aneinander vorbeireden und wirklich auch genauso gut uns auf den Balkon stellen und in den Wind sprechen könnten, recht nett miteinander umgehen. Das ist nicht überall so. In einem Wagner-Forum (ein Blick über den Gartenzaun) las ich kürzlich wörtlich
Herrgottimhimmel! So viel Blödheit muss doch wehtun. Wie hält man das aus?
und
Tut das wirklich nicht weh im Kopf?
(der Teilnehmer whintze in Richtung des Teilnehmers Franz)

Fiel mir gerade noch ein, zum guten Schluß.

Nein, sowas machen wir nicht.

Gute Nacht.
Dernen
Beiträge: 524
Registriert: 8.6.2005, 22:53

Beitrag von Dernen » 19.10.2007, 0:07

rodger hat geschrieben:Immerhin ist an Erfreulichem heute abend festzuhalten, dass wir hier doch im Großen und Ganzen, auch wenn wir völlig aneinander vorbeireden und wirklich auch genauso gut uns auf den Balkon stellen und in den Wind sprechen könnten, recht nett miteinander umgehen. Das ist nicht überall so. In einem Wagner-Forum (ein Blick über den Gartenzaun) las ich kürzlich wörtlich
Herrgottimhimmel! So viel Blödheit muss doch wehtun. Wie hält man das aus?
und
Tut das wirklich nicht weh im Kopf?
(der Teilnehmer whintze in Richtung des Teilnehmers Franz)

Fiel mir gerade noch ein, zum guten Schluß.

Nein, sowas machen wir nicht.
BIst Du da ganz sicher? Und bitte mal den Link zum Wagner-Forum!
Benutzeravatar
giesbert
Beiträge: 613
Registriert: 13.5.2004, 10:52
Wohnort: München
Kontaktdaten:

Beitrag von giesbert » 19.10.2007, 1:12

Jutta Laroche hat geschrieben:Vitzliputzli war Huitzilopochtli. Das klingt für unsere Ohren kindlich, aber wir sind nun mal keine Azteken.
Eben. Der Herr Kandolf wollte einfach einen blöden Witz machen und die Geschichte vollends ins Lächerliche ziehen und hatte garantiert keine wie auch immer geartete Aufwertung durch krude aztekische Anspielungen im Sinn. Rodger hat da völlig Recht, die Bearbeitung ist unter aller Sau.

Nicht, dass es keine gelungenen (im Sinne von: Aus dem Mayschen Rohmaterial gut lesbare Abenteuer- und Jugendromane gestaltende) Bearbeitungen gäbe. Die einzige Kritik an den KMV-Ausgaben besteht schlicht darin, dass es nicht gesagt wird.

Einer meiner Lieblingstexte meiner Kindheit war "Allah il Allah", den ich sicherlich an die 10 bis 15 Mal gelesen habe. Und ich hab den Ueberreuter-Band noch hier: "TB 60. Ungekürzte Volksausgabe. 235. Tausend der Gesamtauflage. Hrg. von Dr. E. A. Schmid." Nicht den Hauch eines Hinweises auf eine Bearbeitung oder gar das Original. (Das hätte mich als Kind übrigens nicht von der Lektüre abgehalten.)

Dass "Deutsche Herzen..." ein eher problematisches Konglomerat und natürlich bei weitem nicht so leicht und eingängig zu konsumieren ist wie Kandolfs Bearbeitung eines Teilstücks (war er doch, oder?) steht auf einem ganz anderen Blatt.
Dernen
Beiträge: 524
Registriert: 8.6.2005, 22:53

Beitrag von Dernen » 19.10.2007, 1:38

Hallo Giesbert!

Kennst Du den besonderen Kunstgriff, den man sich in den frühen 60er Jahren bei der Moewig-Heftausgabe (http://141.30.89.80/~thomas/maybuecher/ ... p?_id=1623) geleistet hat? Da haben sie den Anfang von "Durch die Wüste genommen -bis zur Kbilli-Episode, und dann den "Allah il Allah"-Text reingenommen. Anschließend dann das Nil-Abenteuer aus "Wüste". Fand ich damals toll.

Grüße
Rolf
marlies

Beitrag von marlies » 19.10.2007, 3:12

snip from D E Brasch >>> jetzt muss ich beim Schreiben aufpassen <<< snap

yes please - :wink: - senior ladies can't always follow student humour :wink:

... interessanter thread ... da ist genug Platz fuer beides: 'originale' und 'Bearbeitungen' --- und warum nicht ein 'gegenseitiger' Hinweis in beiden Ausgaben?

Zum Beispiel: im Schlussmaterial einer Bearbeitung auf die relevante 'Originalfassung' hinweisen? und umgekehrt ... mittlerweile sollte jedermann nur einigermassen 'au fait' mit May 'wissen' dass sein Werk vielfach bearbeitet wurde; oder im Schlussmaterial von 'original Reprints' auf relevante 'Bearbeitungen' hinweisen. (Fuer bereits gedruckte Bestaende waere das jedenfalls zu spaet, aber fuer neue Drucke ... warum nicht?) Was spraeche dagegen? Wobei ich weder politische noch Konkurrenz-verwandte Punkte beachtet habe mit diesem meinem Vorschlag. (Da sind wahrscheinlich auch noch Punkte zu beachten an welche ich noch gar nicht dachte hier.) ... >>>gelegentlich ein wenig halblaut nachdenken<<< wie rodger so schoen sagte ... :wink:
Grafenberg
Beiträge: 55
Registriert: 13.5.2004, 6:59
Wohnort: Berlin

Beitrag von Grafenberg » 19.10.2007, 7:25

vielleicht ist hier mal die Politik gefragt !

Wie schon vor ca. 130 Jahren die ersten Gesetze zum Schutz des originalen Textes eines Autors gemacht wurden, wäre es schon lange Zeit auch den Konsumenten zu schützen :)

In jedem Buch, in dem nichts vermerkt wird, muss der original Text des Autors stehen, ansonsten muss vermerkt werden, was insgesamt gemacht wurde: z.B.
- der neuen Rechtschreibregeln angepasst
- Fremdwörter eingedeutscht
- bearbeitet / für die Jugend bearbeitet (hier darf aber eine gewisse Grenze der Änderungen nicht überschriten werden (evtl. ca. 10 % / 30%)
- stark bearbeitet ; bis hin
- hat außer den Namen so gut wie nichts mehr mit dem eigentlichen Autor gemein

Also wer von uns im Bundestag sitzt oder jemanden dort persönlich kennt,....

überlegend die Berufung zu wechseln

Thomas Grafenberg

Geschätsführer Förderverein Karl-May-Museum Radebeul e.V.
<Vereinszeitschrift : unser Museumsmagazin "Der Beobachter an der Elbe">
Benutzeravatar
Helmut
Beiträge: 888
Registriert: 13.11.2004, 13:50
Wohnort: Nürnberg

Beitrag von Helmut » 19.10.2007, 10:21

Am Beispiel von "Allah il Allah" nochmals zurück zu dem was ich vor einigen Seiten mal geschrieben hatte.
In z.B. der "Radebeuler Erstauflage" dieses Bandes aus dem Jahre 1931 steht eben noch deutlich
Bearbeitet
von
Dr. E. A. Schmid und Franz Kandolf
und auf der nächsten Seite
Diese vorliegende Reiseerzählung ist ein in sich völlig abgeschloßner Teil aus dem früheren Sammelwerk "Deutsche Herzen, deutsche Helden", das erstmals 1885 erschien. ...
Damals (z.B. 1931) war der Karl May Verlag in der Lage und willens, das jetzt hier (von einigen Seiten) eingeforderte zu leisten.
Warum sollte dies heute nicht mehr möglich sein?

Helmut
Benutzeravatar
rodger
Beiträge: 6684
Registriert: 12.5.2004, 18:10
Wohnort: Mannheim
Kontaktdaten:

Beitrag von rodger » 19.10.2007, 10:53

Diese vorliegende Reiseerzählung ist ein in sich völlig abgeschloßner Teil aus dem früheren Sammelwerk "Deutsche Herzen, deutsche Helden", das erstmals 1885 erschien. ...
Das steht heute noch so ähnlich drin:

"Die vorliegende Reiseerzählung spielt Anfang der 70er Jahre des 19. Jahrhunderts und ist ein in sich abgeschlossener Teil aus dem von Karl May in den Jahren 1885/1886 geschriebenen vierten Münchmeyer-Roman 'Deutsche Herzen, deutsche Helden' (Bd. 60 und 61-63 der Ges. Werke)"

Auf der Seite davor heißt es "Reiseerzählung von Karl May", der Hinweis auf Bearbeitung fehlt (der steht dafür aber z.B. auf der Internetseite des Verlags, bei Band 60 u.a.)

*

"Allah Il Allah" ist m.E. eine der gelungensten Bearbeitungen und zählt nach wie vor zu meinen Lieblingsbänden, was die Grünen angeht.
Benutzeravatar
rodger
Beiträge: 6684
Registriert: 12.5.2004, 18:10
Wohnort: Mannheim
Kontaktdaten:

Beitrag von rodger » 19.10.2007, 11:25

Man könnte doch bei einer Neuauflage / Neuausgabe von Band 60 (der ist mit ca. 430 Seiten relativ schmal, es wäre genug Platz) in Vorwort oder Anhang den Text abdrucken, den Dr. E.A. Schmid seinerzeit zur Erläuterung der Bearbeitung verfaßt hat (nachzulesen im KMV-Reprint von "Deutsche Herzen, deutsche Helden") und in dem es unter anderem heißt

"Im Fall der Erzählung "Deutsche Herzen - Deutsche Helden" erkannten wir, daß große Teile des früheren zweiten Kapitels ("Die Königin der Wüste") mit der Haupthandlung wenig zu tun hatten. Wir schälten den betreffenden Text deshalb heraus und verwandelten den Haupthelden (Oskar Steinbach, das ist, äußerlich betrachtet, ein Kara Ben Nemsi in wenig veränderter Gestalt) in den "richtigen" Kara Ben Nemsi. Es lag nahe, nunmehr dieses Buch (heute: Bd. 60 'Allah il Allah!', 1930) von der Er-Form in die Ich-Form überzuführen, um so mehr, als es zeitmäßig und bezüglich des Schauplatzes eine Lücke in Band 1 'Durch die Wüste' ausfüllt, nämlich zwischen dem tunesischen Abenteuer am Schott el Dscherid und den Nil-Kapiteln. Folglich mußten wir dem Helden auch den unvermeidlichen Hadschi Halef Omar hinzufügen, was nicht leicht war."

Das (nicht unbedingt der Text, aber: ihn in einer Neuausgabe informationshalber abzudrucken) "kommt gut", und dann wissen alle Bescheid.
marlies

Beitrag von marlies » 19.10.2007, 13:56

I could live with that.

zuzueglich Notierung anderer Bearbeitungen des Textes (siehe Tom). Solange man alles 'tracken' kann gibts fuer 'Bearbeitungen' keine Einwaende. Man hat die Wahl von verschiedenen Mechanismen - Vorwort / Nachwort / Appendix ... etc - das 'Bescheid wissen' scheint mir das Wichtige.
Hermann Wohlgschaft
Beiträge: 979
Registriert: 20.6.2004, 20:59
Wohnort: Günzburg

Beitrag von Hermann Wohlgschaft » 19.10.2007, 22:16

Meine erste ›Karl-May-Zeit‹ war das 10.-16. Lebensjahr (1953-1959). Alle 65 grünen Bände, die damals zu haben waren, habe ich unter Suchtdruck verschlungen. Merkwürdigerweise und ganz im Gegensatz zu Rüdiger Wick gehört Bd. 60 (Allah il Allah) zu den sehr wenigen May-Büchern, die ich langweilig fand. Meine absoluten Favoriten waren Winnetou I (mindestens 10 mal gelesen) sowie Der Derwisch, Schloß Rodriganda, Trapper Geierschnabel und Das Buschgespenst. Auch diese Bände habe ich ca. fünf bis sechsmal verschlungen. Ich fand sie ungeheuer spannend und aufregend, den Trapper Geierschnabel obendrein so lustig, dass ich mich vor Lachen gar nicht mehr kriegen konnte.

Wie gesagt, damals war ich 9 bis 15 Jahre alt. Von der tragischen Biografie Karl Mays hatte ich keine Ahnung. Heute interessieren mich die Kolportageromane fast ausschließlich als verschlüsselte Selbstbiografien. Folglich scheiden die bearbeiteten Fassungen des KMV – die ja autobiografisch gesehen ohne Erkenntniswert sind – für mich völlig aus. Aber das ist REIN SUBJEKTIV, auf meine persönliche Interessenlage bezogen, keine Frage!

Mit besten Grüßen an alle
Hermann Wohlgschaft
Benutzeravatar
giesbert
Beiträge: 613
Registriert: 13.5.2004, 10:52
Wohnort: München
Kontaktdaten:

Beitrag von giesbert » 20.10.2007, 0:47

Dernen hat geschrieben:Da haben sie den Anfang von "Durch die Wüste genommen -bis zur Kbilli-Episode, und dann den "Allah il Allah"-Text reingenommen. Anschließend dann das Nil-Abenteuer aus "Wüste". Fand ich damals toll.
Das kann man auch machen, ja, das ist gewissermaßen sogar angelegt in Mays Texten; das sind ja nur selten wirklich "durchkomponierte", geplant strukturierte Werke, sondern serielle Literatur, der die variationsreiche Neu-Organisation des Materials mehr oder weniger inhärent ist. Weshalb May ja auch problemlos sein eigenes Material mal hier mal da neu verklebt hat.

Ich kenne diese spezielle Collage jetzt nicht, hab damit aber auch kein Problem. Solange man als Leser weiß, woran man ist und kein Verlag behauptet, seine Bearbeitungen seien die "Originale".

"Als Leser" meint: Wenn man's wissen will, muss man's im Buch nachlesen können. Als jugendlicher Leser hab ich darauf nicht geachtet, mir wäre das wohl auch egal gewesen.

Obwohl -- wenn ich so darüber nachdenke - vielleicht auch nicht. Ich weiß es nicht mehr. Den Band "In Mekka" habe ich aber gar nicht erst angefasst, weil der ja erkennbar nicht von May war. Also irgendwie "drauf geachtet" hab ich wohl doch.
Benutzeravatar
giesbert
Beiträge: 613
Registriert: 13.5.2004, 10:52
Wohnort: München
Kontaktdaten:

Beitrag von giesbert » 20.10.2007, 0:51

Hermann Wohlgschaft hat geschrieben:Der Derwisch
Der steht hier noch rum, hab ich von meinem älteren Bruder übernommen. "Der Derwisch. Das Quelle-Buch" ("Einmalige Sonderausgabe für den Kreis der Quelle-Bücherfreunde mit Genehmigung des Verlags Joachim Schmid (Karl-May-Verlag), Bamberg".)

Ich hab als Kind immer darauf geachtet, dass auf den ersten Seiten das "Ich" auftaucht. Alles andere hat mich nicht so sehr interessiert (auch wenn ich dem "Spion von Ortry" ein paar wilde Träume verdanke).

Mein "erster May" muss wohl "Winnetou I" gewesen sein.
Dernen
Beiträge: 524
Registriert: 8.6.2005, 22:53

Beitrag von Dernen » 20.10.2007, 0:59

giesbert hat geschrieben: Ich hab als Kind immer darauf geachtet, dass auf den ersten Seiten das "Ich" auftaucht. Alles andere hat mich nicht so sehr interessiert (auch wenn ich dem "Spion von Ortry" ein paar wilde Träume verdanke).
Speziell den Band - wie die ganze "Ulanen"-Serie - las ich, als schon die Pubertät höchst lautstark an die Tür pochte, und mir plötzlich Liebes- geschichten nicht mehr völlig gegen den Strich gingen. Und im Konfirmandenunterricht gab es da eine Marion... Von wegen wilde Träume. Obwohl die gar nicht so wild waren. Seufz!
marlies

Beitrag von marlies » 20.10.2007, 1:38

da haben wirs mal wieder :lol: synchronicity-a-plenty :lol: ... zum thema:

Ich hatte im Winnetou II meine Lieblingsstelle mit dem Nacht-duell zwischen Old Shatterhand und Old Firehand wo Old Firehand dem Sharlih das Messer weg ringt (sich beide am anderen herumgrapschen muessen weils halt finschter isch) und am anderen Tag im Fort Niobrara sich beide dann von Angesicht zu Angesicht ganz bloed anschauen weil sie sich dann eben erkennen (oder so aehnlich). Das war viele Jahre meine Lieblingsstelle (irgendwann im letzten Jahrhundert mal) und erst vor 2 Jahren, als ich Winnetou II uebersetzte kam es mir komisch vor dass ich die 'Fort Niobrara' Stelle nirgends finden konnte - da war ich ganz schoen sauer dass man 'mich' damals (und fuer so lange) angeschwindelt hatte - das hatte der May gar nicht geschrieben :cry: :cry: :cry: - ich habe den May fuer etwas geliebt das gar nicht sein war - :cry: :cry: :cry:
Antworten