Leserunde: "Weihnacht!"

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rodger
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Re: Leserunde: "Weihnacht!"

Beitrag von rodger » 22.12.2010, 9:56

tragophil hat geschrieben:
Er empfand viele Religiöse als Mübareks - und zugleich (nicht wahr, Rüdiger?) war er selber ein ebensolcher.
Er kannte seine Pappenheimer und Mübareks ... auch aus sich selber. Sie begegnen einem im Innen und im Außen. Seine Gläubigkeit halte ich dennoch für authentisch. Nicht die plakativ aufgesetzte einiger Marienkalendergeschichten u.a., die nicht. Aber die auf glaubwürdigere, überzeugendere Art in Erscheinung tretende, z.B. an einigen Stellen in "Old Surehand" oder in den "Himmelsgedanken".
tragophil hat geschrieben:
Ansonsten sind wir da aber wohl recht dekor, wie der Philosoph Andi Brehme mal gesagt haben soll
Am besten gefällt mir Horst Hrubeschs "Wir müssen das Ganze noch mal Paroli laufen lassen", was ebenfalls ein guter Schlußsatz gewesen wäre.

:mrgreen:
Hermann Wohlgschaft
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Re: Leserunde: "Weihnacht!"

Beitrag von Hermann Wohlgschaft » 22.12.2010, 10:08

Zu des Ich-Erzählers (in ›Am Jenseits‹) - vermeintlicher oder echter, ich bin mir selbst nicht sicher - Bescheidenheit: Der Moralist La Rochefoucauld soll geschrieben haben: Wer bescheiden tut, will zweimal gelobt werden, zuerst für seine Werke und dann für seine Bescheidenheit. :wink:
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rodger
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Re: Leserunde: "Weihnacht!"

Beitrag von rodger » 22.12.2010, 10:16

Worum es ihm jeweils primär geht, wer im Zentrum seiner Aufmerksamkeit steht, verrät Karl May an einer Stelle in der Einleitung zu Winnetou I:
Ich? Ja, ich!
Aber wer das Menschheitsproblem mit sich herumschleppt, dem sei das zugestanden ...

:mrgreen:

(Entfernt vergleichbar äußerte sich übrigens Frau Unseld-Berkéwicz über Wolfgang Koeppen, wie mir gerade noch einmal einfällt, so in etwa nach dem Motto "Der darf das ..." ...)

:wink:
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Doro
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Re: Leserunde: "Weihnacht!"

Beitrag von Doro » 22.12.2010, 14:00

tragophil hat geschrieben:Ich will ja nciht klugscheißern... aber dann schreib da doch auch... =)
Mitnichten!
Hatte ich schon gemerkt, sorry :wink:
Und mich dann durch das Ausrufezeichen zu verbessern gedacht :roll: :mrgreen:
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Re: Leserunde: "Weihnacht!"

Beitrag von Doro » 22.12.2010, 14:01

Hermann Wohlgschaft hat geschrieben:Zu des Ich-Erzählers (in ›Am Jenseits‹) - vermeintlicher oder echter, ich bin mir selbst nicht sicher - Bescheidenheit: Der Moralist La Rochefoucauld soll geschrieben haben: Wer bescheiden tut, will zweimal gelobt werden, zuerst für seine Werke und dann für seine Bescheidenheit. :wink:
Die Kunst ist den Unterschied zu erfassen, was nicht immer sooo einfach ist.
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Re: Leserunde: "Weihnacht!"

Beitrag von tragophil » 22.12.2010, 14:44

Doro hat geschrieben:
tragophil hat geschrieben:Ich will ja nciht klugscheißern... aber dann schreib da doch auch... =)
Mitnichten!
Hatte ich schon gemerkt, sorry :wink:
Und mich dann durch das Ausrufezeichen zu verbessern gedacht :roll: :mrgreen:
Jaja... um mal eine Schülermutter meiner Mutter zu zitieren: Es kann nicht jeder zur Unität, mancher krepiert's einfach nicht.

Und ich hatte das Ausrufezeichen mehr auf mich selber bezogen, eitel wie ich bin =)
"So scheint mein Rohr besser zu sein als das Eurige, obgleich es viel kleiner ist."
[Der Schatz im Silbersee, 217.]

"Der Deutsche pflegt zwar albern, aber auch ehrlich zu sein."
[Der Sohn des Bärenjägers, 508.]
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Re: Leserunde: "Weihnacht!"

Beitrag von Wolfgang Sämmer » 21.7.2013, 19:21

rodger hat geschrieben: Und der Kantor sagt dann

"Direkte Fehler, sogenannte Begehungssünden, kommen in Ihrer Motette nicht vor; sie ist da sauber geschrieben. Aber die Übung fehlt, die Gewandtheit, die Inspiration. Denken Sie sich einen guten Sonntagsreiter und dann einen Schulreiter im Cirkus! Der Sonntagsreiter in der Komposition sind Sie; es fehlt Ihnen die hohe Schule; Sie kennen Ihr Pferd nicht und auch nicht die verschiedenen Hilfen, die Sie ihm geben müssen. So etwas will nicht nur angeboren, sondern auch gepflegt und geübt sein. Ein geübter Reiter der hohen Schule würde Ihre Motette ganz anders ein- und zugeritten haben. Verstehen Sie mich?"

Karl May uneinsichtig, Kritik nicht zugänglich ? Hahahihihoho ...
1897, zum Zeitpunkt der Niederschrift von „Weihnacht!“, war Karl May allerdings ein geübter Reiter der hohen Schule, ein geübter Reiter des Dichterrosses Pegasus, so daß er sich erlauben durfte, im Roman einem ausgewiesenen Kritiker mit folgendem Passus zu widersprechen:
Ich habe schon bei früheren Gelegenheiten einigemale gesagt, daß jemand leise gerufen habe. Ein berühmter Recensent schrieb mir, daß er so rücksichtsvoll sein wolle, mich nicht öffentlich sondern privatim darauf aufmerksam zu machen, daß es selbstverständlich ganz unmöglich sei, leise zu rufen; ein Ruf sei immer laut. Verehrtester Herr Kritikus, können Sie zu Ihrem Herrgott nicht sogar in Gedanken rufen? Ich lasse einen Flüsterruf zehn Schritte weit nach vorn hören, der aber hinter mir nicht drei Schritte weit vernommen wird. Wie oft hat mich Winnetou gerufen, ohne daß andere es zwei Meter davon gehört haben! Der letzte Ruf Sterbender auf Schlachtfeldern wird meist ein Hauchen, aber kein Schreien oder gar Brüllen sein. Hier liegt im Begriffe des Rufens mehr das Hastige als das Laute.
Karl May: „Weihnacht!“. Reiseerzählung. Historisch-kritische Ausgabe für die Karl-May-Gedächtnis-Stiftung. Karl Mays Werke. Hrsg. v. Hermann Wiedenroth und Hans Wollschläger. Abteilung IV: Reiseerzählungen; Bd. 21. Franz-Greno-Verlag, Nördlingen 1987, S. 388.
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Re: Leserunde: "Weihnacht!"

Beitrag von rodger » 30.7.2013, 13:34

Was Kritiker, auch "ausgewiesene", manchmal von sich zu geben geruhen, ist unsäglich ... auch "geübte Pegasus-Reiter der hohen Schule" sind davor nicht gefeit ... Ich las heute mit einiger Überraschung, daß Joachim Kaiser, eigentlich kein Dummer, 1971 alle Ernstes Hermann Hesse in Sachen Formulierungen hineinzureden sich verhob ... und einige Zeilen später erkennen ließ, Hesses Ironie in einigen Zeilen offenbar schlichtweg nicht wahrgenommen zu haben ... ('Materialien zu Hermann Hesses 'Das Glasperlenspiel'', Band 2, 1. Auflage 1974, S. 220)

Was nun May betrifft, seit letztem Jahr, der Presseartikelflut (hier wäre nun mal das 'neudeutsche' 'shit-storm' nicht unangebracht ...), lese ich nicht mehr alles ... und reagiere auch nicht mehr auf alles ... Das wäre insgesamt noch zu vervollkommnen will sagen noch konsequenter zu handhaben. :D
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