Melville-Biografie

Gast

Melville-Biografie

Beitrag von Gast » 27.5.2004, 13:26

Herman Melville (1819-1891) gehört nicht nur zu den bedeutesten Literaten des 19 Jahrhunderts, sondern neben J.F. Cooper und Washington Irving - um nur zwei zu nennen - zu den Autoren, die erste Schritte zu einer eigenständigen amerikanischen Literatur geschaffen haben.

Mit "Moby Dick", "Typee" und "Omoo" hat er zudem Meisterwerke der Abenteuerliteratur geschaffen.

Nunmehr ist im Verlag Böhlau - www.boehlau.at - eine sehr lesenswerte Biografie von Alexander Pechmann "Hermann Melville - Leben und Werk" erschienen, die ich jeden an Literatur interessierten sehr empfehlen kann.

Viele Grüße
Kurt
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rodger
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Beitrag von rodger » 27.5.2004, 21:54

Hallo Kurt,

Melville teilt mit anderen bedeutenden Schriftstellern das Schicksal, völlig unterschätzt zu werden, da er halt auch mal einen Roman geschrieben hat, den man, wenn man sich Mühe gibt, auch als Abenteuergeschichte konsumieren kann, und dies in aller Bewusstsein ist, anderes, bedeutsames von ihm kennt man in der breiten Öffentlichkeit nicht („Mardi“ z.B. ist ein eigen, gar unheimlich Ding). Auch dass Jack London ein Buch über Alkohol geschrieben hat und darin klügste Dinge sagt, werden die wenigsten wissen. Und „Moby Dick“ ist sowenig eine Abenteuergeschichte wie „Der alte Mann und das Meer“ eine über Fischfang ist. :lol:

Das von Dir empfohlene Buch werde ich mir besorgen. Eine rororo-Monographie über Melville fehlt meines Wissens.

Beste Grüße

Rüdiger

- Schade übrigens, daß das "Dichterforum" ersatz- und kommentarlos abgeschafft wurde. Jetzt muß man alles hier reinschmuggeln. -
Gast

Beitrag von Gast » 27.5.2004, 22:21

Hallo Rüdiger,

Melville selbst nannte seine beiden ersten Romane "Typee" (1846) und "Omoo" (1847) Reiseerzählungen und hatte bei seinem Verlegern das Problem keine Nachweise erbringen zu können, ob er tatsächlich das Beschreibene selbst erlebt hat.

Und "Mardi" lässt schon einen gewaltigen Sprung in Melvilles Schaffen erkennen.

Eine wirklich bemerkenswerte Biografie eines bedeutenden Dichters - ja ich denke man kann Melville einen Dichter nennen.

Allerdings ist mit 35,-- € das Buch nicht ganz billig, aber die Anschaffung lohnt.

Viele Grüße
Kurt

P.S. Von Ehrenfried Kluckert ist ebenfalls eine bemerkenswerte Biografie über Eduard Mörike erschienen, aber das kann ich in diesem Forum ja nicht bringen.
gavagai
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Re: Melville-Biografie

Beitrag von gavagai » 28.5.2004, 20:38

Kurt Altherr hat geschrieben:Herman Melville (1819-1891) gehört nicht nur zu den bedeutesten Literaten des 19 Jahrhunderts, sondern neben J.F. Cooper und Washington Irving - um nur zwei zu nennen - zu den Autoren, die erste Schritte zu einer eigenständigen amerikanischen Literatur geschaffen haben.
Hi Kurt, Rüdiger und Rodger und alle Mitleser,
völlig richtig. Rodgers Bemerkung, dass Melville (dazu mein Porträt http://www.lesekost.de/Us/HHL112.htm) unterschätzt wird, kann ich aber nicht teilen. Ich denke, er wird - völlig zurecht - mit Edgar Allan Poe als der bedeutendste Autor der USA im 19.Jhdt. voll anerkannt. (Satz ist mir mißlungen :cry: : zwei Autoren ein Superlativ; aber jeder wird verstehen, wie's gemeint ist). Vielleicht hat Rodger insofern recht, als er bei uns zusehr auf Jugendausgaben von Moby Dick zurecht gestutzt wird.
Moby Dick ist genial. Hier meine umfangreichen Seiten dazu: http://www.lesekost.de/Us/HHL109.htm. Man kann so schöne Verbindungen entdecken, wie Wolfgang Amadeus Mozart: Die Zauberflöte und Moby Dick or, The Whale http://www.lesekost.de/Us/HHL10903.htm oder nach einem Hinweis des PhilosophieProf. gleichen Namens mit mir: Moby Dick und Goethes Farbenlehre usw.
Wer Moby Dick noch nicht kennt und Angst vor der Komplexität und / oder Umfang hat, sollte zunächst ausgewählte Kapitel lesen. Ein Hilfe gibt http://www.melville.org/diCurcio/tryout.htm.
Mit "Moby Dick", "Typee" und "Omoo" hat er zudem Meisterwerke der Abenteuerliteratur geschaffen.
Wieder meine Zustimmung und Rezension von Typee http://www.lesekost.de/Us/HHL113.htm.
Für Einsteiger empfehle ich den genialen Kurzroman (?) Bartleby, the Scrivener http://www.lesekost.de/Us/HHLUS04.htm.
Nunmehr ist im Verlag Böhlau - www.boehlau.at - eine sehr lesenswerte Biografie von Alexander Pechmann "Hermann Melville - Leben und Werk" erschienen, die ich jeden an Literatur interessierten sehr empfehlen kann.
Ist das der Münchner Philosophiedozent Alexander von Pechmann?
Servus, tschau, bye
Herbert
gavagai
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Re: Melville-Biografie

Beitrag von gavagai » 28.5.2004, 20:45

gavagai hat geschrieben: Ist das der Münchner Philosophiedozent Alexander von Pechmann?
Hi,
man sollte zuerst selbst schauen und dann erst fragen. Antwort: nein, das sind zwei Doktoren unterschiedlicher Disziplinen.
Servus, tschau, bye
Herbert
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Beitrag von rodger » 5.12.2004, 23:06

Auch das 2004 im Carl Hanser Verlag erschienene Buch "Herman Melville. Ein Leben" ist sehr empfehlenswert. Auf fast 900 Seiten geht es um kommentierte Briefe und Tagebuchaufzeichnungen des wundersamen Mannes, seinem Lebensweg folgend. Das Buch ist auch von der Aufmachung her (Dünndruck, Lesebändchen, optischer Eindruck) zu loben.
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Beitrag von gavagai » 5.12.2004, 23:19

rodger hat geschrieben:Auch das 2004 im Carl Hanser Verlag erschienene Buch "Herman Melville. Ein Leben" ist sehr empfehlenswert.
Heisst das wirklich exakt so, wie das vom Autor Pechmann im Böhlau-Verlag oder meinst du Ein Leben. Briefe und Tagebücher. von Herman Melville, 885 S. München: Hanser? Vor Briefen und Tagebüchern scheuche ich zurück: entweder sie wurden zur Veröffentlichung geschrieben, dann sind sie wohl sehr subjektiv, oder nicht zur Veröffentlichung, dann frage ich mich, ob es korrekt ist, sie zu veröffentlichen.
Servus, tschau, bye
Herbert
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Beitrag von rodger » 5.12.2004, 23:45

Es handelt sich um ein und dasselbe Buch. Auf dem Umschlag steht "Herman Melville. Ein Leben".
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Beitrag von rodger » 20.12.2004, 0:28

Lieber Herbert,

ich entdecke gerade den Autor Melville für mich neu. Schrieb ich kürzlich an anderer Stelle, da seit längerer Zeit fast ausschließlich Karl May lesend, "Melville muß warten", so muß ich jetzt bei "Moby Dick" sagen, "Karl May muß warten". Da meine englischen Sprachkenntnisse nicht ausreichen, das Buch im Original zu lesen (und auch Deine Internetseiten daher für mich nur eingeschränkt nutzbar sind), benutze ich die Übersetzung von Alice und Hans Seiffert (Insel Taschenbuch). Würdest Du diese Übersetzung empfehlen, oder eine andere bevorzugen ?
Wie ist die Meinung anderer ?

Beste Grüße

Rüdiger Wick
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Beitrag von giesbert » 20.12.2004, 2:27

rodger hat geschrieben:benutze ich die Übersetzung von Alice und Hans Seiffert (Insel Taschenbuch).
Ich misch mich da einfach mal kurz ein;-)

Die Seiffert'sche Übersetzung ist die glatteste, am leichten lesbarste (was einerseits eine große Leistung, andererseits aber auch eine Verfälschung des Originals ist).

Allerdings ist Moby-Dick im Original alles andere als glatt oder leicht lesbar, das ist ein Monstrum an Text (und es geht ja auch um monströse Dinge).

Die derzeit wohl beste Übersetzung, die so sperrig und eigenwillig wie Melville selbst ist, stammt von Friedhelm Rathjen und ist bei 2001 erschienen. Die gilt manchen als unlesbar, ich hab sie vor kurzem gelesen und kann sagen, dass sie das nicht ist. Ganz im Gegenteil (wenn man bereit ist, zu stolpern und nach jedem Stolpern aufzustehen und weiterzulesen. Man kann natürlich liegen bleiben und auf den Stein schimpfen, der einen stolpern lies. Aber das bringt einen in der Regel nicht weiter).

Liest man sich manche Passagen laut vor, verlieren sie in der Regel alles Befremdliche; nicht, dass sie eingäng würden, aber man spürt geradezu, wie die Sprache wächst, ohne unverständlich zu werden. Rathjens Moby-Dick tastet sich bis an die Grenzen des Formulierbaren heran.

Zu dem Thema gab es im DeutschlandFunk vor kurzem eine Sendung, die im Netz nachgelesen werden kann (mit Textbeispielen, an denen ein wenig deutlich wird, wo das Problem aller Übersetzungen liegt):

http://www.dradio.de/dlf/sendungen/buechermarkt/328841/
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Beitrag von Ralf Grosskurth » 20.12.2004, 4:04

Das Erschütternde an dem angegebenen Beitrag des Deutschland-Funks ist, daß man hier von Holprigkeiten spricht, wenn sich die Sprache ein wenig davon entfernt, was eine End-68er-Sozialkundelehrerin an einem Nachmittag zu Papier bringen könnte.
Zumindest die angegebenen Beispiele sollten sich von jedem, dem das Alphabet auch nur vom Hörensagen her geläufig ist, doch flüssig lesen lassen.
Mir scheint, PISA I und II zeigten uns nur die Spitze des Eisberges.

Holprig?

Armes Deutschland, arme deutsche Sprache! Und - offensichtlich - arme deutsche Leser....
Mit freundlichen Grüßen,

Ralf Grosskurth
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Beitrag von rodger » 20.12.2004, 10:19

giesbert hat geschrieben: (1) Rathjens Moby-Dick tastet sich bis an die Grenzen des Formulierbaren heran.

(2) (mit Textbeispielen, an denen ein wenig deutlich wird, wo das Problem aller Übersetzungen liegt):
Dankeschön !

(1) Das klingt vielversprechend.

(2) Das ist mir vertraut, und da wandelt mich (theoretisch) die Lust an, mein Englisch aufzufrischen und das Original zu lesen, aber so konsequent bin ich denn doch nicht.

In der Schulzeit ging es mir allerdings mit Camus "Der Fall" so, das hatten wir in Deutsch und Französisch, und da ich einer von den Verrückten bin, die meinen, daß jedes Komma und jedes Wort wichtig ist, habe ich immer versucht, das im Original zu lesen, da mir die Unzulänglichkeit der Übersetzung klar vor Augen stand. - Und heute kann ich leider auch keine drei Sätze Französisch mehr sprechen.
Ralf Grosskurth hat geschrieben: ... wenn sich die Sprache ein wenig davon entfernt, was eine End-68er-Sozialkundelehrerin an einem Nachmittag zu Papier bringen könnte.
Über diese Formulierung freue ich mich morgen noch und nehme sie als verfrühtes Weihnachtsgeschenk dankbar entgegen.

:lol:
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Beitrag von rodger » 20.12.2004, 19:36

Kennt eigentlich jemand ein empfehlenswertes Literaturforum ?
Die wohltuend horizonterweiternden letzten Beiträge von Giesbert und Ralf machen Lust auf mehr.
Den von Giesbert per Link angeführten Text habe ich regelrecht aufgesogen, er sei Leuten empfohlen, die das mit den Bearbeitungen nicht so wichtig finden, und Korrekturlesern/Lektoren, die zwar die grammatikalischen Regeln beherrschen (im Gegensatz zu mir auch die neuen), aber wenig Gespür für Feinheiten haben.
Sandhofer
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Literaturforum

Beitrag von Sandhofer » 21.12.2004, 7:53

Hallo rodger!
rodger hat geschrieben:Kennt eigentlich jemand ein empfehlenswertes Literaturforum ?
Ja. Aber da ich mich schon dort 'rumtreibe, bin ich nicht sicher, ob das für Dich noch "empfehlenswert" ist .. :lol: :lol: :lol:

Was stellst Du dir denn so vor?

Grüsse

Sandhofer
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Beitrag von rodger » 7.1.2005, 20:34

Heute abend, NDR, 20.15:

Die deutschen Walfänger

"Jahrhunderte lang war es ein schmutziges und gefährliches, aber einträgliches Geschäft: Die Jagd auf Wale. Die rücksichtslose Verfolgung in den unermesslichen Weiten der Ozeane führte fast zur Ausrottung des größten Säugetieres auf unserem Planeten. Auch deutsche Walfänger hatten daran ihren Anteil."
Zuletzt geändert von rodger am 10.1.2005, 18:31, insgesamt 1-mal geändert.
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