Karl May in Wien

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klauswachowski
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Karl May in Wien

Beitrag von klauswachowski » 11.7.2005, 20:29

Bei Brigitte Hamann in "Hitlers Wien", einer ausgezeichneten historischen Arbeit, finde ich einen Abdruck des Plakats zu seinem Vortrag um 1907 oder so, kurz vor seinem Tod. Im antisemitisch verhetzten Wien schwärmt KM von einer rassisch vermischten friedlichen Gesellschaft und äußert seine hymnische Begeisterung für Berta Suttner, die berühmte Pazifistin.

leider kann man auch hier keine Garantie für Wirkung geben: Auch Hitler war von Karl May begeistert. Nur hatte er nicht sein Herz.
Hinter dem Spiegel die Nacht. Tritt aus ihr in den Spiegel.
K.A.

Beitrag von K.A. » 11.7.2005, 20:49

Hallo Herr Wachowski,

Karl May hielt diesen Vortrag am 22. März 1912 unter dem Motto "Empor ins Reich der Edelmenschen". Der Vortrag von May war der Völkerversöhnung und dem Frieden gewidmet. Bertha von Suttner - mit Karl May gut bekannt - besuchte natürlich den Vortrag.

Allein der Titel mußte jedoch gewisse Geister wie Antisemiten und Hitler auf den Plan rufen, wobei es nicht gesichert ist, ob Hitler den Vortrag tatsächlich besucht hat.

Viele Grüße
Kurt Altherr

P.S. Schön, dass Sie den Weg in dieses Forum gefunden haben.
Thomas Schwettmann

Beitrag von Thomas Schwettmann » 12.7.2005, 13:54

Hallo Kurt,

Da vermag ich dir nicht ganz zu folgen. Der Ausdruck "Edelmenschen" ist sicherlich nicht - und zum Zeitpunkt des Vortrages schon gar nicht - rassistisch oder antisemitisch besetzt. Ich bin zwar durchaus der Ansicht, daß sich Karl May in "Winnetou IV" mit seiner Idee der entindividualisierten gleichgekleideten Winnetous auf einen sehr seltsamen massenideologischen Weg begeben hat, den er schon mit der Shen-Idee in "Friede auf Erden" begonnen hat, was dazu führte, daß sich später gerade in diese beiden Bücher nationalsozialistisches Gedankengut hineinbearbeiten ließ. Dennoch, auch wenn Mays Edelmenschentum nicht ganz frei von seltsamen Zügen ist, als Modell für ein rassistisches Herrenmenschentum scheint es mir dann doch wenig brauchbar.

Viele Grüße
Thomas
K.A.

Beitrag von K.A. » 12.7.2005, 14:31

Hallo Thomas,

was den Umgang mit dem Antisemitismus abelangt, so muß doch im Jahre 1912 bzw. vor dem 1. Weltkrieg sehr zwischen dem "Deutschen Reich" und der Donaumonarchie mit seinen beiden Hauptstädten Wien und Budapest sehr differnziert werden, will sagen, dass die Weltanschauung eines Wieners eine gänzlich andere wie z.B. in Berlin war.
Österreich-Ungarn kann ja als eine Hochburg des Antisemtismus betrachtet werden. Im Vergleich zu anderen europäischen Staaten pflegte das "Deutsche Reich" relativ liberale Bezihungen zu seinen jüdischen Mitbürgern.

Es mag bei meiner Auffassung allerdings mitzuspielen, dass ich dabei nicht ganz den "Herrenmenschen" der sich in gewisser Weise mit dem Antisemitismus verknüpft, vergesse. Ferner ist davon auszugehen, dass bei Mays Vortrag nicht nur "Karl-May-Fans" anwesend waren, sondern durchaus Besucher, die sich sicher sehr für Mays "Edelmenschen" interessierten.

Mays "Edelmensch" war ganz sicher interpretationsfähig. Wer zudem noch Hamanns "Hitler Wien" kennt, weiß eigentlich, von was ich spreche und wie ich es meine.
Ferner möchte ich nochmals darauf hinweissen, dass die Teilnahme Hitlers an Mays Vortrag keineswegs gesichert ist. Hat Hitler allderdings den Vortag besucht und Mays "Edelmenschen" absolut wörtlich genommen, war ein weiterer Baustein in Hitlers Denken geformt.

Viele Grüße
Kurt
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Ralf Harder
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Beitrag von Ralf Harder » 18.7.2005, 0:23

K.A. hat geschrieben:Mays "Edelmensch" war ganz sicher interpretationsfähig. Wer zudem noch Hamanns "Hitler Wien" kennt, weiß eigentlich, von was ich spreche und wie ich es meine.
Ferner möchte ich nochmals darauf hinweissen, dass die Teilnahme Hitlers an Mays Vortrag keineswegs gesichert ist. Hat Hitler allderdings den Vortag besucht und Mays "Edelmenschen" absolut wörtlich genommen, war ein weiterer Baustein in Hitlers Denken geformt.
Claus Roxin:

"Sein 'Edelmensch', dieser uns heute fremd klingende Terminus, kommt nicht vom 'Übermenschen' Nietzsches her, und er ist erst recht nicht, wie von Ahnungslosen immer wieder kolportiert wird, eine Ausgeburt jenes berüchtigten 'Wesens', an dem die Welt 'genesen' sollte; er hat seinen Ursprung in der Weltfriedensbewegung, zu deren Pionieren auch May gehört, und dessen sollten wir mit Achtung gedenken."

Vorwort zum Jahrbuch der Karl-May-Gesellschaft 1971:
http://www.karl-may-gesellschaft.de/kmg ... 1971/7.htm

Mit besten Grüßen
Ralf Harder
K.A.

Beitrag von K.A. » 18.7.2005, 8:27

Hallo Herr Harder,

die Ausführungen von Herrn Prof. Dr. Roxin sind mir bekannt und diesen stimme ich vorbehaltlos los.

Wenn sie meinen vorhergehenden Text richtlg und gründlich lesen, werden sie eigentlich sehr schnell erkennen müssen, dass meine Ausführungen sich auf jenen Persoenkreis erstreckte, die May durchaus mißverstehen konnten oder wollten.

Und noch einmal. Es ist keineswegs gesichert, das Hitler den Vortrag besucht hat. Sie wissen ferner, dass Hitler auch andere Autoren, wie z.B. Alfred Rosenberg völlig falsch verstanden und interpretiert hat. Das gilt ergänzend für die Schriften Haushofers.

Viele Grüße
Kurt Altherr
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Ralf Harder
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Beitrag von Ralf Harder » 18.7.2005, 10:21

K.A. hat geschrieben:Wenn sie meinen vorhergehenden Text richtlg und gründlich lesen, werden sie eigentlich sehr schnell erkennen müssen, dass meine Ausführungen sich auf jenen Persoenkreis erstreckte, die May durchaus mißverstehen konnten oder wollten.
1912 dürfte allgemein klar gewesen sein, was mit "Edelmensch" gemeint war. Erst später - längst nach Mays Tod - gab es eine andere Deutung.
Und noch einmal. Es ist keineswegs gesichert, das Hitler den Vortrag besucht hat.
Das habe ich nicht bestritten.

Mit besten Grüßen
Ralf Harder
K.A.

Beitrag von K.A. » 18.7.2005, 11:25

Sie schreiben, Herr Harder, dass 1912 bekannt war, was mit "Edelmensch" gemeint war.

Natürlich bei der breiten Masse schon. Ich schreibe aber über eine gewisse Personenschicht, die um 1912 in Österreich-Ungarn ganz andere Intentionen zum "Edelmenschen" hatte, als im "Deutschen Reich". Sie wissen, dass man im Deutschen Reich in vielen Kulturbereichen wesentlich liberalere Positionen vertrat, als in Österreich.
Sie wissen, dass die Problematik des österreichischen Teils von Galizien, das Denken in Österreich in ganz andere Bahnen lenkte.

Es würde aber den Rahmen dieses Forum sprengen, dass jetzt detailliert zu erläutern, zumal es mit dem Thema Karl May wenig zu tun hat.

Viele Grüße
Kurt Altherr
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Ralf Harder
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Beitrag von Ralf Harder » 18.7.2005, 11:53

K.A. hat geschrieben:Ich schreibe aber über eine gewisse Personenschicht, die um 1912 in Österreich-Ungarn ganz andere Intentionen zum "Edelmenschen" hatte, als im "Deutschen Reich".
Woher wissen Sie das? Verwechseln Sie hier nicht Edelmensch mit Herren- oder Übermensch?
K.A.

Beitrag von K.A. » 18.7.2005, 12:28

Nein, ich verwechsle da nichts. Prof. Roxin, Sie und ich wissen ja sehr ausführlich, wie es mit Karl Mays "Edelmenschen" bestellt ist, welche Ziele und Ideen Karl May damit verfolgte.

Es geht mir ausschließlich um eine bestimmte Besuchergruppe des Vortrages am 22. März 1912, bei der Hitler dabeigewesen sein könnte.

Sie kennen ja auch den Herrn, der Hitlers Teilnahme bei Mays Vortrag bezeugte. Und genau um diese Besucherklientel geht es mir.

Viele Grüße
Kurt Altherr
klauswachowski
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Karl May und Hitler

Beitrag von klauswachowski » 24.7.2005, 21:10

Mein Erstaunen lag darin, dass selbst der allschwärmende Menschenfreund von einem Hitler verehrt werden konnte. Ich erinnere mich an die Bücher im Kabinett eines Onkels, der stramm braun erzogen wurde. Vielleicht ist alles, was schwärmt für jede Weltanschauungs-Soße nutzbar.

Ich, der ebenfalls von Karl May begeistert war, wie dieser - habe ich gehört- von Jean Paul? - konnte seine sich übersteigernde Liebe zum christlichen Gedanken der Nächstenliebe nicht mit dem Hass des Hitler zusammenbringen. Der erinnerte mich als Kind eher an die seltsame Figur des Old Wabble.

Das Problem jeder Weltanschauung ist das Hintansetzen des Individuums hinter das Bild, das ich mir von der Welt mache. Das Entpersonalisieren der Person. Wenn ich mich recht an die Romane Karl Mays erinnere, hat er doch sehr Psychologie und Einfühlen betrieben. Dass er ins Schwärmen kam, ist nicht schlimm. Es waren Romane. Und seine Weltanschauung hatte den Vorteil der ursprünglichen Naivität für sich.

Dass auch sie einmal hätte gefährlich werden können wie andere Weltanschauungen des Mitleids (nicht nur des Hasses) -das weißt Hannah Arendt nach-, mag sein. Sie ist nicht verwirklicht worden. So steht das Werk -hoffentlich- unbeschmutzt da wie andere Werke von ebenso problematisch weltanschauenden Autoren und Volkslehrern.
Hinter dem Spiegel die Nacht. Tritt aus ihr in den Spiegel.
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rodger
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Beitrag von rodger » 24.7.2005, 21:28

Grau, teurer Freund, (usw.; den Mann zitier' ich nicht gern)

Würde es irgendein kritisches Licht beispielsweise auf Schweinebraten, Weizenbier oder Filterkaffee werfen, sollte Hitler solches gemocht haben ?
(Ich kenne seine Ernährungs-Vorlieben nicht, und sie interessieren mich auch nicht)

Das ist doch alles, m.E., mit Verlaub und mit Kleist, Geschwätz, gehauen nicht und nicht gestochen, oder, schlichter und norddeutsch, dumm Tüch.

Nichts für ungut.

:wink:
Dernen
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Beitrag von Dernen » 25.7.2005, 11:46

[quote="rodger"]
Würde es irgendein kritisches Licht beispielsweise auf Schweinebraten, Weizenbier oder Filterkaffee werfen, sollte Hitler solches gemocht haben ?
(Ich kenne seine Ernährungs-Vorlieben nicht, und sie interessieren mich auch nicht)

Hitler war Vegetarier.

Grüße

Rolf
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