Der Geruch der Pferde

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rodger
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Der Geruch der Pferde

Beitrag von rodger » 24.9.2014, 15:51

Da drüben rechts riecht es nach Pferden, nach Pferden, welche sich bewegen. Das ist nämlich etwas ganz anderes, als Pferde, welche unbeweglich stehen. Ueber stillstehenden Pferden liegt der Geruch dick und unbeweglich; man kann die Nase, sozusagen, hineinstoßen. Sobald aber die Pferde sich bewegen, kommt auch er in Bewegung, wird feiner und flüssiger und leicht davongetragen. So unglaublich es klingen mag, der Westmann merkt aus der Dichtheit oder Dünne dieses Geruches, ob er stehende oder laufende Pferde vor sich hat. Natürlich ruhige Luft vorausgesetzt.
(Old Death in Winnetou II)

Findet Ihr das unrealistisch ? Ich nicht ...
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giesbert
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Re: Der Geruch der Pferde

Beitrag von giesbert » 26.9.2014, 15:14

Ich find's wegen "Natürlich ruhige Luft vorausgesetzt." vor allem: komisch.
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rodger
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Re: Der Geruch der Pferde

Beitrag von rodger » 26.9.2014, 15:27

einigermaßen einverstanden :wink: ; andererseits, mir fiel (mangels Erfahrung mit Pferden) die Saunakabine ein, wenn da die Leute nach dem Aufguß hinauslaufen riecht es auch anders als wenn sie still dahocken. Natürlich ruhige Luft vorausgesetzt. Mit einem Ventilator wäre es vielleicht etwas anderes. :mrgreen:
markus
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Re: Der Geruch der Pferde

Beitrag von markus » 17.10.2014, 14:47

Was ist an "Natürlich ruhige Luft vorausgesetzt." komisch?
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rodger
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Re: Der Geruch der Pferde

Beitrag von rodger » 17.10.2014, 14:58

das ist so ähnlich bei "Ich meine natürlich das Du der Westläufersprache", darüber amüsieren sich einige Leut' ja auch wie Bolle, sehen sie darin offenbar eine Art Mayschen Offenbarungseid in Sachen Glaubwürdigkeit und Seriosität, eine unfreiwillig komisch mißlungene Ausrede. Man könnte es indes auch als Maysches Entgegenkommen in Richtung derer sehen, die mental manchmal sozusagen etwas unflexibel sind und an irgendwelchen sogenannten Fakten kleben, um die es halt gar nicht geht ...

:D
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Re: Der Geruch der Pferde

Beitrag von markus » 17.10.2014, 15:03

Ist mir auch zu hoch. :o
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rodger
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Re: Der Geruch der Pferde

Beitrag von rodger » 17.10.2014, 15:31

May hat es bzw. Ähnliches bei anderer Gelegenheit mal so ausgedrückt:
Für diejenigen Leser, welche sich nicht mit dem innern, psychologischen Schluß einer Erzählung begnügen, sondern gern auch jedes äußere Fältchen ausgeplättet haben wollen
May will mit seinem Du [der Westläufersprache] halt herüberbringen, daß das Verhältnis zweier Personen, um die es geht, sich dahingehend entwickelt hat, daß sie sich innerlich nähergekommen sind [und daher nun duzen]. Daß die Geschichte in Amerika spielt und das dort so eigentlich gar nicht geht, vergißt er dabei, ist ja auch nebensächlich ... um das innere Verhältnis der Personen geht es, darum, daß es zwischen ihnen nun anders 'schwingt' als zuvor.

Und in Sachen Geruch der Nebenlebewesen fügt er halt freundlicherweise ein "Natürlich ruhige Luft vorausgesetzt" an, etwaigen Zweiflern [und [vielleicht] dem Zweifler in ihm selber] etwas entgegenkommend.

:D
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Re: Der Geruch der Pferde

Beitrag von rodger » 17.10.2014, 15:46

Aber um auf die Komik zurückzukommen, die so ein kleines Entgegenkommen ja durchaus haben kann:

Es gibt einen Witz, da sagt einer, sein [,äh,] ausgestreckter Zeigefinger sei so lang, daß sieben Krähen nebeneinander darauf Platz hätten. Als bei seinem Gegenüber Zweifel aufkommen, fügt er [vermeintlich] etwas kleinlaut hinzu: Naja, die siebte Krähe sitzt vielleicht nicht so bequem …

:D

(immer noch zu hoch ? oder niedrig genug ?)

:wink:
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Re: Der Geruch der Pferde

Beitrag von Doro » 18.10.2014, 14:28

In der Generation meines Vaters gab es noch die Form, seine Eltern, bzw. Schwiegereltern mit IHR anzureden, sehr bezeichnend für die Nähe zwischen den Personen. Nähe zwischen zwei Personen hat ja mitunter nicht unbedingt mit der Nähe (räumlich/zwischenmenschlich) zwischen Ihnen zu tun (auf verwandtschaftlich oder kennen bezogen) sondern eher auf eine Nähe herzens- oder seelenverbundener Art (auch eine Art von Zwischenmenschlich 8) ) *verschwurbel, verschwurbel :lol:
Insofern macht's für mich schon Sinn, das Näherkommen in Verbindung mit dem Du ist sehr gut nachzuvollziehen.
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Re: Der Geruch der Pferde

Beitrag von rodger » 19.10.2014, 10:22

Z.B. kann ich ja mit Dir (wie gesagt: zum Beispiel) "verwandter" sein als mit realen Verwandten. Ich meine (mit der Verwandtschaft in Anführungszeichen) natürlich die Verwandtschaft der Westläufersprache. Ruhige Luft vorausgesetzt. (Zu letzterem fällt mir nun wiederum noch jemand anders ein, aber das nur am Rande.)

:D
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Re: Der Geruch der Pferde

Beitrag von Doro » 19.10.2014, 11:34

Das is wahr, wobei, bestimmt nicht in Bezug zur Westläufersprache ... :lol:

Und, unruhige Luft vorausgesetzt, kann mensch das Geräusch der Autos hören.
Wer in der Nähe einer Autobahn wohnt, weiß was ich meine ... 8)
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Re: Der Geruch der Pferde

Beitrag von rodger » 19.10.2014, 12:03

Innere Verwandtschaft, inneres Du ... Für die Bewußtlosen, Begriffsstutzigen, Dummbaddeligen oder wie immer wir sie nennen wollen :D schreibt einer dann vielleicht freundlicherweise "Du der Westläufersprache", damit auch sie es verstehen. :D (Heinrich Breloer meinte ja auch in seiner 'Buddenbrook'-Verfilmung den Hanno bei einer Bootsfahrt ins Wasser fallen lassen zu müssen, damit das mit dem Typhus vielleicht plausibler herüberkommt ... Im Original fällt keiner ins Wasser, das braucht es auch nicht, mit dem Typhus und anderem hat es die Bewandtnis, daß er ggf. ganz ohne äußere Einwirkung von innen kommt ...) (Das mögen Mediziner 'wissenschaftlich' anders sehen ...)

Zu "damit auch sie es verstehen" oben: das funktioniert indes nicht, weil sie halt völlig anders ticken ... sie dünken sich überlegen und lachen sich eins ... so geht's halt im Leben, aneinander vorbei. [Macht nichts.]

Die 'Blutsbrüderschaft' ist mir noch eingefallen zum Du der Westläufersprache, das letztere (wenn man so will eine schwächere oder Vorläuferform der Blutsbrüderschaft) verstehen sie nicht, das erstere verstehen sie alle, weil sie halt die Filmszene kennen, in der zwei mit bedeutungsschwangeren Gesichtern ihre Arme aneinanderdrücken ... also großes Gewese davon gemacht wird ... dabei wird im Original "Rio Pecos-Wasser mit einigen Blutstropfen, die man nicht schmeckte" getrunken, unterschwellig ironisch distanziert formuliert ... es geht halt nicht um äußere Umstände ...
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Re: Der Geruch der Pferde

Beitrag von rodger » 19.10.2014, 12:22

Schränken wir freundlicherweise ein bzw. präzisieren: freilich wird ihn jemand darauf hingewiesen haben, oder aber auch er ist selber darauf gekommen, daß das mit dem "Du" so wie geschrieben eigentlich nicht geht in Amerika, und daraufhin entschloß er sich zu dem von einigen als komisch empfundenen Zusatz. Dieses Entgegenkommen, ob verunglückt und komisch oder eben auch nicht, wäre indes halt gar nicht nötig gewesen, wenn man es denn immer mit verständigen 8) Lesern zu tun hätte ... das hat man halt aber nicht ...

8)

(interessante Angelegenheit, nicht ? in der Tat. Auch wenn ich vielleicht der einzige bin, der sich damit beschäftigt ...)

:D
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Re: Der Geruch der Pferde

Beitrag von Doro » 19.10.2014, 12:33

rodger hat geschrieben: Zu "damit auch sie es verstehen" oben: das funktioniert indes nicht, weil sie halt völlig anders ticken ... sie dünken sich überlegen und lachen sich eins ... so geht's halt im Leben, aneinander vorbei. [Macht nichts.]
....
Dieses Entgegenkommen, ob verunglückt und komisch oder eben auch nicht, wäre indes halt gar nicht nötig gewesen, wenn man es denn immer mit ....

(interessante Angelegenheit, nicht ? ...)

:D
Wohl wahr, wobei, dieses DU mit der Westläufersprache nicht wirklich was zu tun hat, sondern mit dem Herzen ...
Das mit dem Verstehen ist halt gar nicht immer so einfach, auch und vor allem nicht bei der Verwandschaft :wink:

Da gibt's ein Lied, mir fällt grad der Titel ned ein, wenn ich's finde kram ich's mal raus, ahhh ... noch besser, der kleine Prinz:
Die Sprache ist die Quelle aller Missverständnisse ...
so sie denn nicht von Herz zu Herz sondern durch Worte transportiert wird (letzteres von jemand Unqualifiziertem hinzugefügt) 8)

so gemeint von einem der Dösbaddeligen :D
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Re: Der Geruch der Pferde

Beitrag von rodger » 19.10.2014, 12:40

Doro hat geschrieben: Wohl wahr, wobei, dieses DU mit der Westläufersprache nicht wirklich was zu tun hat, sondern mit dem Herzen ...
Man könnte sagen, das Du der Westläufersprache ist das Du des Herzens, steht dafür ...
Die Sprache ist die Quelle aller Missverständnisse ...
"Wenn wir imstande sind, uns so mißzuverstehen, warum haben wir dann das Wort Liebe überhaupt erfunden" heißt es in der "Zoogeschichte" von Edward Albee. Die Geschichte von Jerry und dem Hund. ("Könn'semalnachlesen.")
so gemeint von einem der Dösbaddeligen
Du bist manchmal vielleicht etwas wirr, aber nicht dösbaddelig. :D Scheinst Dich aber aufgrund offenbar optimierungsfähigen Selbstwertgefühls immer angesprochen zu fühlen, wenn einer unbotmäßig über andere herzieht ... :D
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