Nummer 23

Der
Gute Kamerad

Spemanns Illustrierte Knaben-Zeitung.

4. Juni 1887

Der Sohn des Bärenjägers.

Von
K. May


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Der kleine Mann erzählte so lebhaft und drastisch, daß seine Zuhörer ganz Ohr waren und bei der Art und Weise, in welcher er seinen Unfall schilderte, in ein laut schallendes Gelächter ausbrachen.

»Ja, lacht nur!« brummte er. »Mir war es ganz und gar nich wie Lachen. Ich hatte das Gefühl, als ob alle Teile meines Körpers durcheinander geschtoßen worden seien. Es war mir ganz taub und dumm zu Mute, so daß ich für eenige Sekunden gar nich an das Offschtehen dachte.«

»Und der Bär?« fragte Jemmy.

»Was der in diesem Oogenblicke für finanzielle Schpekulationen in seinen Gedanken erörtert hat, das kann ich nich wissen. Ich hatte weder die nötige Zeit noch die gehörige Andacht, mich wie Mentor mit Telemach in Zwieschprache mit ihm zu setzen. Vielleicht aber war es ihm grad so salonwidrig zu Mute wie mir, denn er lag ganz ebenso schtille unter mir, wie ich schprachlos off ihm saß. Dann aber raffte er sich plötzlich empor, und das brachte mich zur Erkenntnis meiner persönlichen Verpflichtungen. Ich schprang off und rannte fort - er hinter mir her, ob aus gleicher Angscht wie ich oder in dem heißen Wunsche, die eenmal angeknüpfte Bekanntschaft mit mir fortzusetzen, das weeß ich nich. Eegentlich wollte ich hin nach der Thür und ins Haus hinein. Dazu war aber die Zeit zu kurz und der Bär mir zu nahe. Die Angscht verlieh mir die Schnelligkeet eener Schwalbe; es war, als ob sie mir die Länge meiner Beene verdoppelt und vervierfacht hätte. Ich schoß vorwärts wie eene Flintenkugel, um die Hausecke hinum und - - in die Lehmgrube hinein, grad bis unter die Arme. Ich hatte alles vergessen, Himmel und Erde, Europa und Amerika, alle meine Kenntnisse und den ganzen Lehm; ich schtak drin wie die Schabe im Bäckerteige und - - da that es neben mir eenen gewaltigen >slap<, wie der Amerikaner sich ausdrückt; ich erhielt eenen Schtoß wie vom


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Puffer eenes Bahnwagens, und der Lehm flog mir über dem Kopfe zusammen. Das Gesicht war ganz von demselben überzogen; nur das rechte Ooge war frei geblieben. Ich drehte mich um und - - schielte den Bären an, der infolge seines leichtsinnigen Temperamentes vergessen hatte, das Terrain, wie es sich schickt und gehört, zu inschpizieren, und mir also nachgeschprungen war. Nur sein Kopf war zu sehen, aber der sah ooch schauderhaft aus. Wenn meine zwee Gesichtsprofile ebenso belehmt waren wie die seinigen, so konnte freilich keener von uns beeden off die Hochachtung des anderen Anschpruch erheben. Wir blickten uns drei Sekunden lang eenander lieblich an; dann wendete er sich nach links und ich mich nach rechts, jeder in der lobenswerten Absicht, in eene freundlichere Umgebung zu gelangen. Natürlich ging bei ihm das Herausklettern schneller als bei mir. Schon hatte ich Angscht, daß er, der Grube entschprungen, schtehen bleiben werde, um mich zu belagern; aber kaum hatte er festen Fuß gefaßt, so sauste er von dannen nach der Richtung, aus welcher wir gekommen waren, und schwenkte um die Ecke, ohne mich nur eenes eenzigen Blickes zu würdigen. Farewell, big-muddy beast

Hobble-Frank war im Eifer des Erzählens aufgestanden und hatte seinen Bericht mit so entsprechenden Gestikulationen begleitet, daß seine Zuhörer lachten, wie diese einsame Gegend noch nie ein Lachen vernommen hatte. Ob einer auch aufhörte, er mußte immer wieder von neuem anfangen; es war zu komisch.

»Das ist allerdings ein höchst lustiges Abenteuer,« sagte endlich Old Shatterhand, »und das Beste bei demselben ist, daß es so ungefährlich für Sie ablief, freilich für den Bären leider auch!«

»Für ihn ebenso?« antwortete Frank. »Oho! Ich bin noch gar nich fertig. Als der Bär um die Ecke verschwunden war, hörte ich een Geräusch, wie wenn irgend een Möbelschtück umgeworfen wird. Ich beachtete es aber nich, sondern war nur bemüht, mich aus der Grube herauszuarbeiten. Das koschtete mich bedeutende Anschtrengung, denn der Lehm war gewaltig zähe, und ich kam nur dadurch frei, daß ich ihn im Besitze meiner Schtiefel ließ. Jetzt mußte ich mir vor allen Dingen das Gesicht reinigen. Ich ging also hinter das Haus, wo een Wässerchen vorüberfloß, dem ich alles freundlich anvertraute, was sich als überflüssig von meiner äußeren Individualität entfernen ließ. Dann eilte ich natürlich nach vorn, um an der Fährte zu sehen, nach welcher Richtung sich der Bär entfernt habe. Denn, daß er verschwunden sei, das nahm ich als ganz sicher an. Aber der Kerl war gar nich fort. Er saß dort unter dem Hickoryboome und - - leckte sich höchscht eifrig ab.«

»Den Lehm? Pah!« meinte Jemmy kopfschüttelnd. »Soweit ich die Eigenheiten dieser Tiere kenne, ist er sofort ins Wasser gegangen.«

»Das fiel ihm gar nich ein, denn er war gescheiter als Sie, Master Jemmy. Der Bär liebt bekanntlich Süßigkeeten. Und ist der Ahornzucker nich ebenso süß wie jeder andere Zucker?«

»Ich verstehe Sie nicht. Erzählen Sie weiter!«

»Nun, ich habe doch die hölzernen Bottiche erwähnt, in denen der Zuckersaft verdunschten sollte. Der Bär war von dem Abenteuer so wenig erbaut gewest, daß er nur daran gedacht hatte, in höchschter Eile davonzukommen. Eener der Bottiche hatte ihm im Wege geschtanden, und er hatte sich gar nich die Zeit genommen, um denselben zu biegen; er hatte im Gegenteele über ihn hinwegschpringen wollen, war aber, da een Bär ja nich wie een Tiger schpringt, nich drüber hinweg, sondern vielmehr hineingeschprungen und hatte ihn von den Unterlagen, auf denen er schtand, herabgerissen. Da der Saft bereits sehre dickflüssig war, so verbreitete er eenen schtarken Zuckergeruch, über welchen das leichtsinnige Tier den Schturz vom Boome, den Schprung in die Grube und mich sofort vergessen hatte. Anschtatt mein »farewell« zu beherzigen und die darin liegende Warnung zu reschpektieren, hatte sich der Bär unter dem Boome häuslich niedergelassen, um mit allem Behagen die Süßigkeet vom Lehme wegzulecken. Er war so sehr in diese angenehme Beschäftigung vertieft, daß er gar nicht bemerkte, daß ich mich längs der Wand nach der Thür hin schlich und dann in das Haus schlüpfte. Jetzt war ich in Sicherheet und nahm meine Flinte vom Nagel. Sie war natürlich geladen. Da der Bär off den Hinterpranken saß und ich so lange zielen konnte, wie es mir beliebte, konnte ich gar keenen Fehlschuß thun. Die Kugel traf das Tier genau an derjenigen Schtelle, an welcher nach Ansicht der Dichter die zarteren Gefühle schtecken sollen, nämlich grad ins Herz hinein. Der Bär zuckte zusammen, richtete sich weiter off, machte mit den Vorderpranken eenige Geschtikulationen und sank dann tot zu Boden. Er hatte infolge seines Leichtsinnes und seiner Genußsucht offgehört, als lebendes Wesen zu exischtieren. Das Schicksal schreitet schnell, und jeglicher Unverschtand findet seine gerechte Schtrafe, und wem nich schon das Morgenrot zum frühen Tode geleuchtet hat, der kann dann am Nachmittage bereits an der Ahornzuckerkrankheet verscheiden.«

»Das ist eine sehr ernste Nutzanwendung,« sagte Old Shatterhand. »Sie macht Ihnen alle Ehre. Ueberhaupt habe ich die Bemerkung gemacht, daß Sie sehr interessant zu erzählen verstehen. Ich habe noch keinen gehört, dem es so wie Ihnen gelungen wäre, den Stoff in ein so geistreiches Gewand zu kleiden.«

»Ist das etwa een Wunder? Denken Sie an den Moritzburger Schulmeester, der sein ganzes, außerordentliches Wissen off mich übertragen hat, und denken Sie ooch an die Leihbibliothek und an die Lieferungswerke, deren treuer Abonnent ich gewest bin! Dazu war ich zweeter Tenor in unserem Gesangvereine und Schpritzenführer bei der freiwilligen Feuerwehr und Rettungsschar. Und ooch schpäter hab' ich schtets die Ohren geschpitzt, wo und wenn es was zu lernen gab. Unter solchen Umschtänden wird man klassisch, ohne daß man's selber merkt, und nur die Devotion, mit welcher man von anderen behandelt wird, bringt eenen zur Erkenntnis, daß man sich weit über den Nullpunkt nach Fahrenheit und Reaumur erhoben hat. Der Geist des Menschen muß nach oben schtreben, denn nur dort zwischen den Schternen hören die zeitlichen und unterirdischen Kalamitäten off. Leider muß sich selbst eene ideale Natur, wie ich bin, mit ordinären Dingen befassen. Das ist der Kampf ums Dasein. Und da thue ich meine Pflicht und fürchte mich sogar vor dem größten Bären nich.«

»Nun, so gar sehr groß ist der Ihrige wohl nicht gewesen. Ein Grizzly kann nicht klettern. Was hatte er für eine Farbe?«

»Sein Fell war schwarz.«

»Und seine Schnauze?«

»War gelb.«

»Ah, so war es nur ein Baribal, vor welchem Sie gar keine Angst zu haben brauchen.«

»Oho! es war ihm anzusehen, daß er Appetit nach Menschenfleisch hatte!«

»Glauben Sie das nicht. Der Baribal frißt viel lieber Früchte als Fleisch. Ich mache mich anheischig, es ohne alle Waffen mit so einem dummguten Tiere aufzunehmen. Einige kräftige Faustschläge, und es würde davonlaufen.«

»Ja, das sind Sie! Sie schlagen ja, wie Ihr Name sagt, eenen Menschen mit der Fauscht nieder. Ich aber bin viel zarter besaitet und möchte es ohne Waffen nich versuchen. Uebrigens habe ich damals den Braten aus dem Pelz geschält und den letzteren gewaschen, ganz ebenso wie meinen Anzug, welcher durch den Lehm ganz feuerfescht geworden war. Die Reparatur der Wände ließ ich sein; ich mochte mit dem Inhalte der Grube nichts zu thun haben. Aber als der Norweger mit seiner Familie zurückkehrte, lagen die Bärenschinken im Pökel, und ich wurde außerordentlich gelobt, denn ich hütete mich gar wohl, sämtliche Umschtände des fatalen Abenteuers an die Oeffentlichkeet gelangen zu - - halt! Was läuft da?«

Er war, wie bereits erwähnt, während des Erzählens von seinem Platze aufgestanden. Einige Steintrümmer lagen nahe hinter ihm, auf welche er getreten war. Dadurch hatte er ein Tierchen aufgescheucht, dessen Aufenthalt unter den Steinen gewesen war. Es kam heraus, huschte blitzschnell über den Platz hinweg und fuhr in die Oeffnung eines hohlen Baumstumpfes, welcher in der Nähe stand. Die Bewegungen des Tieres waren so schnell gewesen, daß man nicht hatte sehen können, zu welcher Gattung es gehörte.

Einer war wie elektrisiert von dem kleinen Vorkommnisse, nämlich der Neger Bob. Er sprang auf, rannte nach dem Baumstumpfe hin und rief:


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»Ein Vieh, ein Vieh, haben hier laufen, haben sich verstecken in Loch! Massa Bob haben sagen, daß er fangen mit Händen das erste Tier, was er sehen. Massa Bob wird holen Vieh aus Baum heraus.«

»Vorsicht, Vorsicht!« warnte Old Shatterhand. »Du weißt ja gar nicht, was für ein Tier es gewesen ist!«

»O, es sein nur so klein!«

Er zeigte mit den beiden Spitzfingern die Länge des Tieres an.

»Ein kleines Geschöpf kann unter Umständen gefährlicher werden als ein großes.«

»Ein Opossum sein nicht gefährlich.«

»Hast du denn gesehen, daß es ein solches war?«

»Ja, ja. Massa Bob haben sehen Opossum ganz deutlich. Es sein fett, sehr fett und geben einen Braten sehr delikat, o, sehr delikat!«

Er schnalzte mit der Zunge und leckte die Lippen, als ob er den Braten bereits vor sich habe.

»Und ich denke, du irrst dich. Ein Opossum ist nicht so behend, wie dieses Tierchen war.«

»Opossum auch schnell laufen, sehr schnell. Warum Massa Shatterhand nicht gönnen Neger Bob den guten Braten!«

»Nun, wenn du gar so überzeugt bist, dich nicht geirrt zu haben, so thue, was du willst. Uns aber bleibe mit dem Gerichte vom Leibe!«

»Sehr gern vom Leibe bleiben! Massa Bob geben keinem Menschen vom Opossum. Er essen den Braten allein, ganz allein. Jetzt aufpassen! Er ziehen Opossum aus Loch heraus!«

Er streifte den rechten Aermel empor.

»Nicht so, nicht so!« sagte Old Shatterhand. »Du mußt das Tier mit der Linken ergreifen und in die Rechte das Messer nehmen. Sobald du die Beute ergriffen hast, ziehst du sie heraus und kniest schnell darauf. Dann kann das Tier sich nicht bewegen und wehren, und du schneidest ihm schnell die Kehle durch.«

»Schön! Das sein sehr schön! Massa Bob werden es so machen, denn Massa Bob sein ein großer Westmann und ein berühmter Jäger.«

Er streifte nun den linken Aermel auf, nahm das Messer in die rechte Hand und griff dann in das Loch hinein, erst vorsichtig und zögernd, bis er, als er nichts fühlte, den Arm weiter hinter schob. Dann aber ließ er plötzlich das Messer fallen, stieß einen lauten Schrei aus, zog heftige Grimassen und fuchtelte mit dem freien, rechten Arme in der Luft herum.

»Heigh-ho, heigh-ho!« rief er jammernd. »Das thun weh, sehr weh!«

»Was denn? Hast du das Tier?«

»Ob Massa Bob es haben? Nein, sondern es haben den Massa Bob.«

»O weh! Hat es sich in deine Hand verbissen?«

»Sehr, ganz sehr verbissen!«

»So zieh; zieh nur!«

»Nein, denn das thun sehr weh!«

»Aber drin lassen kannst du die Hand doch auch nicht. Wenn so ein Tier sich einmal verbissen hat, so läßt es nicht wieder los. Also zieh! Und wenn du es heraus bringst, so greifst du schnell auch mit der anderen Hand zu, um es festzuhalten, während ich ihm den Gnadenstoß versetze.«

Er zog sein langes Messer aus dem Gürtel und trat zu Bob an den Baum. Der Schwarze zog jetzt den Arm zurück, freilich nur sehr langsam und unter Zähnefletschen und schmerzlichem Wimmern. Das Tier ließ wirklich nicht los und wurde also bis an die Oeffnung des Loches gezogen. Jetzt that der Neger noch einen raschen Ruck. Das Tier kam heraus und hing mit dem Gebiß an seiner linken Hand. Er erfaßte es mit der Rechten schnell am hinteren Körperteile, in der Erwartung, daß Old Shatterhand nun schnell das Messer gebrauchen werde. Aber anstatt dieses zu thun, sprang der Genannte schleunigst zurück und rief:

»Ein Skunk, ein Skunk! Fort, fort, ihr Leute!«

Mit diesem Namen wird das amerikanische Stinktier bezeichnet. Es ist ein etwa 40 cm langes, zu den marderartigen Raubtieren gehörendes Säugetier, hat einen fast ebenso langen zweizeilig behaarten Schwanz und eine aufgeschwollene Nase an dem spitzen Kopfe. Das Fell ist schwarz und mit zwei schneeweißen, an den Seiten getrennt fortlaufenden und auf der Schulter zusammenfließenden Längsstreifen versehen. Es lebt von Eiern, kleinen Tieren, wird aber auch dem Hasen gefährlich, geht nur des Nachts auf Raub aus und bringt die übrige Zeit in Erdlöchern und hohlen Bäumen zu.

Dieses Tier verdient seinen lateinischen Namen Mephitis mit vollem Rechte. Es hat nämlich unter dem Schwanze eine Hohldrüse, aus welcher es, wenn es angegriffen wird, zu seiner Verteidigung eine außerordentlich schlecht riechende, scharfe, gelb ölige Flüssigkeit ausspritzt. Der Gestank derselben ist wahrhaft furchtbar und haftet mehrere Monate lang an den Kleidern, welche von dieser Flüssigkeit getroffen wurden. Da das Skunk den Feind aus ziemlicher Entfernung mit diesem mephitischen Safte zu treffen vermag, so hält sich jeder, welcher das Tier genau kennt, möglichst entfernt von ihm; denn wer von dem Safte getroffen wird, kann sehr leicht in die Lage kommen, wochenlang von aller menschlichen Gesellschaft ausgeschlossen zu werden.

Also anstatt eines Opossum hatte Bob ein solches Stinktier gefangen. Die anderen Männer waren alle von ihren Plätzen aufgesprungen und eilten davon.

»Wirf es weg! Schnell, schnell!« rief der dicke Jemmy dem Neger zu.

»Massa Bob nicht kann wegwerfen,« jammerte der Schwarze. »Es haben sich einbeißen in seine Hand und - - oh, au - - au, oh! Faugh, o shamefulness, pfui Teufel! Jetzt haben es Massa Bob anspritzen. O Tod, o Hölle, o Teufel! Wie stinken Massa Bob! Kein Mensch kann aushalten! Massa Bob müssen ersticken. Fort, fort mit Tier, mit Pestilenzviehzeug!«

Er wollte es von der Hand abschütteln, aber es hatte sich so in dieselbe verbissen, daß alle seine Mühe vergeblich war.

»Wart! Massa Bob dich schon herunter bekommen, du swine-fell, du stinking racker

Er holte mit der rechten Faust aus und versetzte dem Tier einen kräftigen Hieb auf den Kopf. Dieser Hieb betäubte den Skunk, trieb aber die Zähne desselben noch tiefer in die Hand des Negers. Vor Schmerz laut brüllend, riß dieser sein Messer vom Boden empor und schnitt dem Tiere die Gurgel durch.

»So!« rief er. »Jetzt haben Massa Bob gesiegt. Oh, Massa Bob sich nicht fürchten vor keinem Bären und vor keinem smelling beast. Alle Massers herkommen und sehen, wie Massa Bob haben tot gemacht ein reißend Tier!«

Aber sie hüteten sich wohl, ihm zu nahe zu kommen, denn er verbreitete einen so entsetzlichen Geruch, daß sich alle, die doch sehr entfernt von ihm standen, die Nase zuhielten.

»Nun, warum nicht kommen?« fragte er. »Warum nicht feiern Sieg mit Massa Bob?«

»Kerl, bist du toll!« antwortete der dicke Jemmy. »Wer kann dir zu nahe kommen! Du duftest ja noch viel schlimmer als die Pest!«

»Ja, Massa Bob riechen sehr schlecht. Massa Bob es selber auch schon merken! Oh, oh, wer kann aushalten diesen Duft!«

Er machte ein schreckliches Gesicht.

»Wirf doch das Vieh weg!« rief Old Shatterhand.

Bob versuchte, dieser Weisung nachzukommen; es gelang ihm nicht.

»Zähne sind zu tief in Massa Bobs Hand. Massa Bob können nicht aufmachen Maul von Vieh!«

Er zog und zerrte unter Ach und Oh an dem Kopfe des Skunks herum, aber vergeblich.

»Thunder-storm!« schrie er zornig. »Skunk können doch nicht ewig hängen bleiben an Hand von Massa Bob! Sein denn niemand da, kein gut, liebevoll Mensch, der wollen helfen armen Massa Bob?«

Das erbarmte den Sachsen. Sein mitleidiges Herz gab ihm das Wagnis ein, den Neger von seinem toten Feinde zu erlösen. Er näherte sich ihm, allerdings nur sehr langsam und sagte:

»Höre, liebster Bob, ich will's mal versuchen. Du duftest mir zwar sehre nach Geruch, aber meine Menschlichkeet wird's wohl überwinden. Aber ich mach' die Bedingung, daß du mich nich etwa berührst!«

»Massa Bob nicht kommen an Massa Frank!« beteuerte der Neger.


Ende des zweiundzwanzigsten Teils - Fortsetzung folgt.



Karl May: Der Sohn des Bärenjägers

Karl May - Leben und Werk