Indianer-Reservationen

 

Indianer-Reservationen in den USA

  1 St. Regis (Mohawk)
  2 Penobscot
  3 Passamaquoddy
  4 Onondaga
  5 Tonawanda (Seneca)
  6 Cherokee
  7 Oil Spring (Seneca)
  8 Choctaw
  9 Isabella (Ojibwa)
10 Big Cypress u.a. (Seminole)
11 Oneida
12 Grand Portage (Ojibwa)
13 Red Lake, White Earth u.a. (Ojibwa)
14 Sisseton (Dakota)
15 Fort Totten (Dakota)
16 Fort Berthold (Hidatsa, Mandan, Arikara)
17 Standing Rock, Cheyenne River (Lakota)
18 Pine Ridge, Rosebud u.a. (Lakota)
19 Omaha, Winnebago
20 Sauk, Fox, Kickapoo, Potawatomi
21 Osage
22 Fort Belknap, Fort Peck (Assiniboin, Atsina)
23 Tongue River (Cheyenne, Crow)
24 Blackfeet
25 Flathead
26 Wind River (Shoshoni, Arapaho)
27 Fort Hall (Shoshoni, Bannock)
28 Nez Percé
29 Uintah, Ouray (Ute)
30 Southern Ute, Jicarilla
31 Pueblos
32 Mescalero
33 Navajo, Hopi
34 San Carlos (Apache)
35 Papago
36 Mission Indians
37 Tule River (Yokuts)
38 Round Valley (Yuki, Pomo u.a.)
39 Hoopa Valley (Hupa, Yurok)
40 Pyramid Lake, Walker River (Paiute)
41 Warm Springs (Tenino, Paiute)
42 Yakima
43 Colville (Okanagan, Sanpoil, Spokane u.a.)

Die Karte der indianischen Stämme und Sprachfamilien leidet unter dem nicht auszuschließenden Mangel, daß sie unhistorisch ist. Jeder Stamm ist etwa in jenem Gebiet verzeichnet worden, wo er zuerst mit den Europäern in Kontakt gekommen ist: die Delaware an der mittleren Atlantik-Küste, wo sie im 17. Jh. ansässig waren, die Kiowa in der südlichen Prärie, in der sie im 19. Jh. umherschweiften. Einen zeitlichen Schnitt kann man kontinentweit nicht ansetzen, denn von vielen Stämmen kennt man ihre Wohnsitze im 17. Jahrhundert nicht genau oder kann überhaupt sagen, ob sie zu dieser Zeit schon als solche existiert haben. Demgegenüber saßen im 19. Jh. die Delaware längst nicht mehr am Atlantik, sondern ein Teil westlich des Mississippi in Kansas, ein anderer nördlich des Erie-Sees in Kanada.

Es hat also sehr starke Verschiebungen der Stämme gegeben, und diese haben als Grundursache, daß den Ureinwohnern von Europäern ein ganzer Kontinent weggenommen worden ist. In Nordamerika verblieben einzelnen Stämmen nur bestimmte, für sie reservierte Gebiete, eben die "Reservationen". In Kanada und im Südwesten sind sie oft ein geringer Bruchteil des alten Stammesterritoriums. Andererseits wurde im 19. Jh. speziell in den USA eine Politik betrieben, die Stämme durch aufgenötigte Landabtretungsverträge aus dem immer dichter besiedelten Osten in die Prärien westlich des Mississippi abzudrängen, die anfänglich als wertloses Land galten. Als "Trail of Tears", als Zug der Tränen, wird die zwangsweise Umsiedlung der Cherokee, Creek und anderer Stämme des Südostens bezeichnet, weil unzählige Menschen dabei durch Hunger, Krankheit, Strapazen, Altersschwäche, Banditenüberfälle umgekommen sind. Diese Politik hatte zur Folge, daß sich heute die meisten und größten Reservationen westlich des Mississippi befinden, in den US-Staaten North und South Dakota, Montana, Arizona und New Mexico.

Einen speziellen Fall bildete das "Indian Territory" im heutigen Oklahoma. Dort kam es infolge zahlreicher Umsiedlungsaktionen zur Anhäufung von Stämmen aus verschiedenen Gebieten. Zu den einheimischen Caddo-Stämmen und Osage kamen u.a. Cherokee, Creek, Seminole aus dem Südosten, Sauk, Shawnee, Miami sowie Gruppen der Potawatomi, Kickapoo, Delaware aus dem östlichen Waldland. Um 1870 wurden hier die Kiowa, Comanche sowie Teile der Cheyenne und Arapaho aus den südlichen Prärien angesiedelt. Zeitweilig waren hier sogar Kriegsgefangene aus ganz entfernten Gebieten untergebracht, so Nez Percé, Modoc, Chiricahua-Apache. Diese Anhäufung hatte intensive wechselseitige Kontakte zur Folge, und ohne diese wäre die Ausbreitung des Peyote-Kultes oder der "pan-indianischen" Powwow-Tanzfeste überhaupt nicht möglich gewesen. Heute sind indianische Ansiedlungen in Oklahoma rechtlich keine Reservationen mehr, weil deren Ländereien um 1900 auf die Mitglieder der Stämme aufgeteilt worden sind. Daß bei diesem "Aufteilen" die Stämme nochmals um riesige Ländereien geprellt wurden, ist leider traurige Tatsache.

Anderswo blieben die Reservationen bis heute erhalten, zum Glück für die Stämme, muß man sagen. Reservationen waren und sind keine Gefangenenlager, selbst wenn um 1900 die Behörden des "Bureau of Indian Affairs" die Indianer in fast allen Lebensbereichen bevormundeten und bei mangelnder Fügsamkeit drangsalierten. Der 1934 von der US-Regierung erlassene "Indian Reorganization Act" ermöglichte es den Stämmen, sich als Interessenverbände und Einrichtungen der lokalen Selbstverwaltung zu konstituieren, freilich immer unter Aufsicht des Bureaus. Trotzdem waren damit viele Reservationen zu sich selbst verwaltenden und allein der Bundesregierung unterstellten, also von den Einzelstaaten unabhängigen Gemeinschaften geworden.

Wirtschaftlich autark sind dagegen Reservationen so gut wie nie gewesen, denn dafür mangelt es oft an landwirtschaftlich nutzbarem Boden, an Invest-Geldern und vor allem an Arbeitsplätzen. Immer mehr Indianer haben deshalb während der letzten Jahrzehnte ihre Reservationen verlassen, und heute lebt etwa die Hälfte in Städten. Dort kommen nun die Angehörigen der verschiedensten Stämme zusammen, und sie entwickeln immer mehr einen "pan-indianischen" Lebensstil.

Aber auch die Reservationen sind nicht immer Stammes-Reservate, denn dazu haben sich die Behörden zu oft über die Stammesgliederung hinweggesetzt - kenntnislos oder auch absichtsvoll. So wurden Stämme auf mehrere Reservationen verteilt oder umgekehrt Angehörige verschiedener Stämme in einer Reservation zusammengeführt. Reservate der Ojibwa oder Chippewa existieren beispielsweise in den US-Staaten Michigan, Wisconsin, Minnesota, North Dakota und Montana sowie in den kanadischen Provinzen Ontario und Manitoba. Demgegenüber wohnen auf der Fort Berthold-Reservation in North Dakota Reste dreier Stämme, der Hidatsa, Mandan und Arikara. Selbst alte Feinde wie Arapaho und Shoshoni wurden in der Wind River-Reservation in Wyoming zusammengepfercht. Es dauerte eine Zeit, bis aus Feindschaft gegenseitige Duldung und schließlich Zusammenwirken werden konnten. Nicht immer ist das gelungen, wie Auseinandersetzungen zwischen Navajo und Hopi in den letzten Jahren zeigen.

Dr. Lothar Dräger


Mokassins

Indianer Nordamerikas

Karl-May-Museum Radebeul