Aussprüche
namhafter Persönlichkeiten über Karl May
Hermann Bahr (Dramatiker)
Wer so viel Haß, Neid, Verleumdung, Wut, Liebe, Bewunderung und Streit erntete wie Karl
May, verdiente es schon um dieser Kraft willen, gehört zu werden ... [Neue Freie Presse,
Wien, 10.3.1912]
Kamuran A. Bendir Khan
(Professor für kurdische Sprachen)
Kein anderer als Karl May ist es gewesen, der einst die von den Kurden bewohnten Gebiete
als "wildes Kurdistan" bezeichnet hat. [Vertraute der Pranke. Bilddokumentation
Kurdistan, Hamburg 1966, S. 9]
Kurt Biedenkopf
(Politiker)
Bei Karl May erinnere ich mich an den größten Verlust, der mir je widerfahren ist. Als
wir 1945 über Nacht Schkopau verlassen mußten und von der Militärkommandantur nach
West-Deutschland transportiert wurden, da durften wir nur einen einzigen Koffer mitnehmen.
Meine gesamte Karl-May-Sammlung - etwa 30 bis 40 Bände - mußte ich zurücklassen.
[Mittelbayerische Zeitung vom 22./23.2.1992]
Ernst Bloch (Philosoph)
Es gibt nur Karl May und Hegel - alles dazwischen ist eine unreine Mischung. [Zitiert
nach: Westfälische Rundschau vom 11.3.1978]
Norbert Blüm (Politiker)
Utta Danella (Schriftstellerin)
Ich meine, Karl May ist ein Schriftsteller von großem Talent, mit beneidenswerter
Phantasie und von erstaunlicher Intuition. Nicht alle seine Bücher sind gleich gut, viele
seiner Romane sind zu sehr dem Geschmack seiner Zeit verhaftet, also für uns heute schwer
zu lesen. Aber die Reiseerzählungen, sei es Amerika oder Orient, Winnetou und Old
Shatterhand, Kara Ben Nemsi und seine Umgebung sind immer noch große Klasse. Das hat ihm
bisher keiner nachgemacht. [Aus einem Privatbrief an den Schriftsteller Erich Heinemann
vom 14.11.1973]
Marion Gräfin Dönhoff
(Schriftstellerin)
Verantwortung zu tragen, das wurde uns nicht gepredigt, das ergab sich einfach in der
Gemeinschaft. Unsere Spielgefährten waren Dorfkinder, und es war klar, daß wir es waren,
die für zerbrochene Fensterscheiben oder abhandengekommenes Werkzeug die Schelte bekamen
- dafür sorgten schon die Handwerker, die keineswegs glimpflich mit uns umgingen. Petzen,
sich drücken und einwenden, das waren nicht wir, das war der und der, das wäre ganz
gegen unsere an Karl May geschulten Begriffe von Edelmut und Fairneß gewesen. [Kindheit
in Ostpreußen, Berlin 1991, S. 75f.]
Marie Luise Droop
(Übersetzerin, Filmautorin)
Wer Karl May persönlich kennt, seine schönen, tiefen Augen gesehen, aus denen sich
zuweilen Flammen lösen, begreift, daß er nicht als Schriftsteller, sondern vor allem als
Mensch zu werten ist, falls man ihm gerecht zu werden wünscht. [Zitiert nach Mitteilungen
der Karl-May-Gesellschaft Nr. 37, S. 14]
Heiner Geißler (Politiker)
Karl May hat wie kaum ein anderer Schriftsteller bei Millionen Jugendlichen durch seine
phantasievolle Erzählweise erste tiefe Eindrücke von Abenteuer, fremden Ländern,
Menschen und Sitten hinterlassen. Ob "Von Bagdad nach Stambul" oder "Durchs
wilde Kurdistan", seine Helden Kara Ben Nemsi und Hadschi Halef Omar haben viele
junge Menschen fasziniert. Karl May hat vielen jungen Menschen etwas sehr Wichtiges
vermittelt: Die Neugier auf Bücher. Wenn heute Abenteuer aus aller Welt unseren Kindern
und Jugendlichen "mundgerecht" vom Fernsehen in die Wohnstube gebracht werden,
finde ich dies manchmal schade; es fehlt dabei die Chance, sich die Szenen und
Landschaften mit Hilfe der eigenen Phantasie auszumalen. Die Spannung der geschilderten
Abenteuer, die lebendige Darstellung der Ereignisse, die Information über fremde Länder
und Menschen machten das Faszinierende an den Karl-May-Büchern aus. Aber auch der Beitrag
zur Völkerverständigung, die Anerkennung von Minderheiten, das Erwecken von Sympathie
und Hilfsbereitschaft für bedrängte und benachteiligte Menschen dürfen ebenfalls nicht
gering eingeschätzt werden. Die Karl-May-Bücher haben bis auf den heutigen Tag ihre
Anziehungskraft aus guten Gründen nicht verloren. [Grußwort. Pressemappe
Karl-May-Spiele, Bad Segeberg 1983]
Hans-Dietrich Genscher (Politiker)
Ich habe alle Bände von Karl May gelesen und hätte als kleiner Junge in Halle niemals
erträumt, einmal selbst soviel zu reisen wie Karl May in seiner Phantasie. Mein
Lieblingsheld war Old Shatterhand - wegen der durchschlagenden Wirkung. [Mittelbayerische
Zeitung vom 22./23.2.1992]
Max von der Grün (Schriftsteller)
Wie arm sind doch die Jungen, die nie von Karl May gelesen haben. [Westfälische Rundschau
vom 11.3.1978]
Thea von Harbou (Schriftstellerin,
Filmautorin)
Wenn die zwei Worte "Erste Liebe" das Gefühl umgrenzen, das ein junges
Geschöpf zum erstenmal zu allen Höhen der Glückseligkeit und allen Tiefen der
Verzweifelung schleudert, dann galt meine erste Liebe Winnetou, dem großen Häuptling der
Apatschen. Diese Liebe kam in mein Leben, als ich zwölf Jahre alt war; und ich bin ihr
treu geblieben bis auf den heutigen Tag. [Die Woche, Weihnachtsheft, Berlin 1926]
Hermann Hesse (Schriftsteller)
Er ist der glänzendste Vertreter eines Typs von Dichtung, der zu den ganz ursprünglichen
gehört, und den man etwa "Dichtung als Wunscherfüllung" nennen könnte ...
Kürzlich las ich zum erstenmal zwei Bücher eines Autors, der seit Jahrzehnten der
gelesenste in Deutschland ist und den ich noch nicht kannte. Es ist Karl May. Von Leuten,
die etwas verstehen, war mir immer gesagt worden, er sei ein ganz übler Macher und
Schmierer. Es gab einmal eine Art Kampf um ihn. Nun, ich kenne ihn jetzt und empfehle
seine Bücher. Sie sind phantastisch, unentwegt und hanebüchen, von einer gesunden,
prächtigen Struktur, etwas völlig Frisches und Naives, trotz aller flotten Technik. Wie
muß er auf die Jugend gewirkt haben! Hätte er doch den Krieg noch erlebt und wäre
Pazifist gewesen! Kein Sechzehnjähriger wäre mehr eingerückt. [Hermann Hesse,
Gesammelte Werke, 12. Band, Schriften zur Literatur II, Stuttgart 1970, S. 356f.]
Theodor Heuß (Politiker)
Irgendwann trat die Knabenzeitschrift "Der Gute Kamerad" in unser Leben; ...
durch ihn kamen wir zu Karl May, der eben begonnen hatte, der Halbgott der Jugend, und
nicht bloß der Jugend, zu werden. Wir verschlangen von ihm, was erreichbar war, und
abonnierten die in Heften erscheinenden neuen Werke. Er bezauberte uns. Was frugen wir
nach Echtheit, nach Wirklichkeit! Es genügte, daß immer etwas los war, daß man in
fremden Ländern und Sitten mit sicherer Hand geleitet wurde, daß es Käuze gab, über
die man lachen konnte, Helden, für die man schwärmen durfte, Bösewichter, die man
verachten mußte. [Vorspiele des Lebens, Tübingen 1953, S. 155f.]
Maximilian Jacta (eigentlich Erich Schwinge,
Professor für Strafrecht)
Daß er [Karl May] trotz allem Mut und Entschlossenheit bewahrte und den Kampf um Stellung
und Ehre kompromißlos bis an sein Lebensende weiterführte - dies allein schon hebt ihn
über die Masse der Menschen hinaus und nötigt Respekt und Bewunderung ab. [Zu Tode
gehetzt. Der Fall Karl May. In: Berühmte Strafprozesse. Deutschland III. München 1972,
S. 49]
Curd Jürgens (Schauspieler)
Welche Rolle ich jetzt am liebsten spielen würde? Karl May! Nicht etwa als Parodie. Auch
nicht als blutigen Abenteuerschinken. Nein, so wie er sich selbst gewiß gesehen hat: als
einen liebenswürdigen Fernsüchtigen, den ein unwiderstehlicher Trieb aus Radebeul in die
Welt verschlug. [Zitiert nach Mitteilungen der Karl-May-Gesellschaft Nr. 13, S. 26f.]
Helmut Kohl (Politiker)
Karl Mays Reise- und Abenteuerromane habe ich als Schüler sehr gern gelesen, und das mit
wachsender Begeisterung. Die spannenden Handlungen zogen mich ebenso in ihren Bann wie die
durch ihre Originalität gewinnenden Helden. Winnetou ist mir wohl deshalb in so lebhafter
Erinnerung geblieben, weil mich die Freundschaft zwischen dem weißen Jäger Old
Shatterhand und Winnetou beeindruckte. Und kaum anders verhält es sich mit dem Roman
"Ardistan und Dschinnistan". "Die Erde sehnt sich nach Ruhe", heißt
es da, "die Menschheit nach Frieden, und die Geschichte will nicht mehr Taten der
Gewalt und des Hasses, sondern Taten der Liebe verzeichnen." Das entsprach den
Vorstellungen, mit denen ich als Schüler während des Krieges Karl May gelesen habe.
[Mittelbayerische Zeitung vom 22./23.2.1992]
Oskar Lafontaine
(Politiker)
Wir alle sind Winnetous Erben. Old Shatterhand, Winnetou, Kara Ben Nemsi, Hadschi Halef
Omar, der Hobble Frank und die Tante Droll: Welcher Junge kennt sie nicht, diese Helden
des 19. Jahrhunderts? Karl May, das ist ein Volksklassiker, der klassenlose deutsche
Schriftsteller des 19. Jahrhunderts. Seine Fangemeinde ist riesig. Zu ihr zählen Arno
Schmidt und Ernst Bloch, aber auch "Lieschen Müller und Egon Mustermann". In
der ehemaligen DDR war er von der Staatsmacht nicht gerne gesehen. Es wurde zum Abenteuer,
seine Abenteuerromane zu lesen. Er zog an - wie vieles Verbotene. Seine Lesebücher
gehören zum gemeinsamen emotionalen Bestand der Nation. Wiederentdeckt werden aber
müßte auch der andere Karl May. Der Karl May für Erwachsene, der Karl May von
"Ardistan und Dschinnistan". Hier fehlt der übertrieben missionarische deutsche
Ton. Nachdem er - lange Zeit nach den Reiseerzählungen - den Orient und Amerika
tatsächlich besucht hatte, war ihm die Phantasie versperrt. So begann er die Reise in das
Innere des Menschen. So paradox es klingt: Wirklich realistisch wurde er erst da, wo die
Phantasie mit ihm durchging. In der Symbolik seines Alterswerkes. Das zu lesen lohnt heute
wieder. [Mittelbayerische Zeitung vom 22./23.2.1992]
Heinrich Mann (Schriftsteller)
Ich hörte, daß Karl May der Öffentlichkeit so lange als guter Schriftsteller galt, bis
irgendwelche Missetaten aus seiner Jugend bekannt wurden. Angenommen aber, er hat sie
begangen, so beweist mir das nichts gegen ihn - vielleicht sogar manches für ihn. Jetzt
vermute ich in ihm erst recht einen Dichter! [Neues Wiener Tagblatt vom 20.11.1935]
Kurt Morawietz (Schriftsteller und erster
Horen-Herausgeber)
Wer zu den Anregern meiner literarischen Arbeiten zählt? Friedrich Gagerns
"Grenzerbuch" gehört dazu wie Gerrit Engelkes "Rhythmus des neuen
Europa", ebenso Schiller wie Karl May, in dieser Bandbreite. Ohne sie, namentlich
Karl May, sind meine Anfänge nicht denkbar. [In einem Interview des NDR-Fernsehens
Hamburg, Oktober 1990]
Rainer Ortleb (Politiker)
Von 1958 bis 1962 bin ich im sächsischen Radebeul zur Schule gegangen. Dort befindet sich
das Karl-May-Museum mit vielen Ausstellungsstücken aus dem Leben und Schaffen dieses
bemerkenswerten deutschen Schriftstellers. Wie viele Jugendliche habe ich seinerzeit seine
spannenden Bücher wie "Winnetou" oder "Durchs wilde Kurdistan"
ebenfalls geradezu verschlungen. Aber nicht weniger interessant ist es für mich gewesen,
auch durch Museumsbesuche den Menschen Karl May kennenzulernen, dessen Leben ja ebenfalls
recht abenteuerlich verlaufen ist. [Mittelbayerische Zeitung vom 22./23.2.1992]
Marcel Reich-Ranicki (Essayist,
Literaturkritiker)
Das Ergebnis einer für Schmidt nicht weniger bezeichnenden Marotte scheint ebenfalls sein
Buch "Sitara und der Weg dorthin" (1963) zu sein, eine - so der Untertitel -
"Studie über Wesen, Werk & Wirkung Karl Mays". Nicht etwa, daß es
überflüssig wäre, Werk und Wirkung des seit einem halben Jahrhundert höchst populären
Schriftstellers einmal genauer zu untersuchen. Indes ist fast die ganze Monographie dem
Nachweis einer einzigen These gewidmet, der eine angebliche Entdeckung Schmidts zugrunde
liegt: Karl May sei homoerotisch veranlagt gewesen ... Schmidts Begegnung mit der Welt der
Psychoanalyse muß, gelinde gesagt, sehr flüchtig gewesen sein. Während das Buch über
Fouqué skurril, doch seriös, aber schon des Themas wegen nicht gerade nötig ist, wäre
eine Monographie über Karl May gewiß nötig, nur daß mir diejenige von Arno Schmidt
skurril und unseriös zu sein scheint. [Die Zeit vom 13.10.1967]
Rafik Schami (syrischer Schriftsteller)
Bei Allah, dieser Karl Ben May hat den Orient im Hirn und Herzen mehr verstanden als ein
Heer heutiger Journalisten, Orientalisten und ähnliche Idiotisten. [Aus: Der Rabe Nr. 31,
Zürich 1991]
Peter Scholl-Latour (Journalist)
Mir fielen Taxis und Busse auf, die schwarz verhüllte Särge transportierten. Es gibt
keine sehnlichere Erfüllung für einen Schiiten, als im Umkreis der großen Imame
begraben zu sein. Die Pilgerstätten sind deshalb zu gewaltigen Nekropolen geworden. Schon
Karl May, der sich sehr gewissenhaft mit dem Orient befaßt hatte, schilderte die
Leichenkarawanen aus Persien, die mit ihren verwesenden Kadavern, entsetzlichen Gestank
und Pest verbreitend, durch die Wüste nach Kerbela zogen. [Allah ist mit den Standhaften.
Begegnungen mit der islamischen Revolution, Stuttgart 1983, S. 510]
Bertha von Suttner (Schriftstellerin,
Friedensnobelpreisträgerin)
Wer den schönen alten Mann an jenem 22. März (am 30. März, seinem Hochzeitstag, traf
ihn ein Herzschlag) sprechen gehört, durch ganze zwei Stunden, weihevoll,
begeisterungsvoll, in die höchsten Regionen des Gedankens strebend - der mußte das
Gefühl gehabt haben: In dieser Seele lodert das Feuer der Güte. [Wiener 'Zeit' vom
5.4.1912]
Georg Thomalla (Schauspieler)
Vielleicht klingt es anmaßend, wenn ich behaupte, daß ich niemals, auch nicht als Kind,
"Schund" gelesen habe. Aber es ist die reine Wahrheit. Mit Karl May begann's
(oder will den jemand als Schund bezeichnen, dann möge er sich bei mir melden ...)
[Zitiert nach Mitteilungen der Karl-May-Gesellschaft Nr. 13, S. 26f.]
Hans Wollschläger (Übersetzer,
Schriftsteller)
Über May wäre zu sagen: Er war ein Mensch, der ungezählten Millionen das Unglück
erleichtert, das Glück vermehrt hat, und er war letzten Endes auch ein großer
Schriftsteller. [Bücherjournal, ARD-Fernsehsendung 1978]
Diese ausgewählten Zitate wurden fast ausschließlich dem Buch "Dichtung als Wunscherfüllung - Aussprüche über Karl May" von Erich Heinemann, Ubstadt 1992, entnommen.