Lieferung 11

Karl May

3. Februar 1883

Waldröschen
oder
Die Rächerjagd rund um die Erde.

Großer Enthüllungsroman
über die
Geheimnisse der menschlichen Gesellschaft

von

Capitain Ramon Diaz de la Escosura.


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Arbeit, welche er am wenigsten liebte, und darum lagen schwere Wetterwolken auf seiner Stirn, und aus seinen Augen hätte es gern aufgeblitzt, wenn er nur Jemand gehabt hätte, den diese Blitze treffen konnten.

Da klopfte es an die Thür.

»Herrrrrrein!« kommandirte der Herr Hauptmann.

Die Thür öffnete sich und der Forstgehilfe Ludewig trat ein. Er war die rechte Hand, das Factotum des Oberförsters und hatte dessen Licht- und Schattenseiten aus der ersten Hand zu empfinden. Er hatte in der Kompagnie des Herrn Hauptmannes gedient und war noch von dieser Zeit her an eine vollständig militärische Disciplin gewöhnt. Darum blieb er mit zusammengezogenen Absätzen an der Thür stehen, ohne zu grüßen.

»Nun?« knurrte der Oberförster.

»Guten Morgen, Herr Hauptmann.«

»'n Morgen! Verdammtes Zeug!«

»Was? Die Holzdiebe?«

»Holzdiebe! Dummkopf! Die Tabellen meine ich.«

»Ja, das ist verdammtes Zeug, noch viel schlimmer als die Holzdiebe. Ich bin froh, daß ich nicht Oberförster bin; da lassen sie mich mit den Tabellen in Ruhe.«

»Ha! Du und Oberförster!« knurrte der Hauptmann grimmig. »Würdest auch außer den Tabellen lauter Dummheiten machen!«

»Dummheiten? Ich? Straf mich Gott, Herr Hauptmann, das fällt mir gar nicht ein!«

»Was? Nicht? War das gestern keine Dummheit?«

»Was?«

»Drüben im Teiche!«

»Ach, daß ich dem Kurt schwimmen lernen wollte?«

»Ja. Ein fünfjähriger Bube und schwimmen! Wenn er nun ersäuft!«

»Aber er wollte es ja lernen!«

»Und Du hast es ihm gezeigt?«

»Ja.«

»Kannst Du es denn?«

»Nein.«

»Kerl! Du willst Schwimmstunde geben und kannst selbst nicht schwimmen? Das ist doch, hol' mich der Teufel, die allergrößte Dummheit die ich mir nur denken kann. Ich sage Dir, wenn einer von Euch Beiden ersäuft, und ich höre, daß es der Junge ist, so kannst Du Deine Seele Gott befehlen; wenn Du es bist, so habe ich nichts dawider! Was bringst Du?«

»Es ist ein Herr unten, der mit dem Herrn Hauptmann sprechen will.«

»Wer ist es?«

»Er will sich nur dem Herrn Hauptmann selbst nennen.«

»Dummheit! Hat er einen guten Rock an?«

»Ja. Und eine Brille auf.«

»Das zählt nichts bei mir. Heut zu Tage trägt jeder Windbeutel eine! Riecht er nach Schnaps?«


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»Hm! Ich habe ihn nicht angerochen.«

»Was? Nicht? Ein anderes Mal riechst Du ihn an! Verstanden? Schicke ihn herauf!«

»Zu Befehl, Herr Hauptmann!«

Ludewig entfernte sich, froh seine Lexion überstanden zu haben, und bald trat der Fremde ein.

Er war ein langer, dürrer Mensch, der eine große blauglasige Brille auf der Hakennase trug. Er trat ein, als ob er hier zu Hause sei und fragte in familiärem Tone:

»Sie sind der Herr Oberförster Rodenstein?«

Jetzt endlich hatte der Hauptmann eine triftige Veranlassung, seine Blitze an den Mann zu bringen. Er stand auf, öffnete die Thür und winkte hinaus:

»Treten Sie doch einmal zurück!« blitzte er den Mann an.

»Warum?«

»Warum? Nun sehr einfach, weil ich es wünsche!«

»Aber, ich sehe doch keinen -«

»Hinaus!!« unterbrach ihn der Hauptmann und zwar mit einer Stimme, welche den Fremden durch alle Glieder fuhr.

»Nun, wenn Sie es wünschen, so kann ich es ja wohl thun!«

Mit diesen Worten zog er sich bis vor den Eingang zurück.

»So ist's recht,« sagte der Oberförster. »Nun bitte, treten Sie nochmals ein und grüßen Sie, wie es jeder anständige Mann zu machen hat, selbst wenn er zu einem Tagelöhner kommt!«

Der Mann sperrte vor Erstaunen den Mund auf, nahm die Brille ab, putzte sie, setzte sie wieder auf und betrachtete ganz konsternirt den Hauptmann.

»Aber! Herr Oberförster, wie kommen Sie dazu, mir hier eine Lehre geben zu wollen, die -«

»Papperlapapp!« unterbrach ihn der Hauptmann. »Wie kommen Sie dazu, bei mir eintreten zu wollen, ohne mich zu grüßen!«

»Weil ich das Recht dazu habe.«

»Das Recht? Donnerwetter! Das Recht, bei mir einzutreten, ohne mich zu grüßen, habe nur ich selber!«

Da warf sich der Fremde in Positur und sagte mit wichtiger Miene:

»Und ich habe das Recht einzutreten, wo es mir beliebt.«

»Ah! Wer sind Sie denn?«

»Ich bin großherzoglich hessischer Polizei-Commissar. Verstanden, Herr Oberförster!«

»So? Was ist das weiter! Und selbst wenn Sie großherzoglich hessischer Polizei-Nudelmacher wären, müßten Sie dennoch grüßen. Verstanden!«

Er schob den Mann noch weiter hinaus in den Gang und zog dann die Thür zu. Es dauerte auch kaum eine Minute, so klopfte es.

»Herein!« sagte der Hauptmann.

Der Fremde öffnete und trat ein. Der höhnische Zug um seinen Mund sagte deutlich, daß die jetzige Demüthigung nur eine scheinbare und vorläufige sei.


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»Herr Oberförster,« sagte er, »ich habe meine guten Gründe, Ihnen nachzugeben. Ich wünsche Ihnen also einen guten Morgen.«

»Guten Morgen! Was weiter?«

»Darf ich Sie um eine amtliche Unterredung bitten?«

»Ich habe nicht viel Zeit übrig, machen wir es also kurz. Setzen Sie sich! Was wollen Sie?«

»Es wohnt eine gewisse Frau Sternau in Ihrem Hause?«

»Ja.«

»Mit ihrer Tochter?«

»Ja.«

»In welcher Eigenschaft?«

»Donnerwetter! In der Eigenschaft als Menschen wohnen sie hier bei mir. Punktum!«

»Ich muß Sie darauf aufmerksam machen, daß ich befugt bin, mir höfliche Antworten zu erbitten.«

»Die bekommen Sie ja auch, Herr großherzoglich hessischer Polizei-Commissarius!«

»Sind außer dieser Tochter noch Kinder da?«

»Kinder nicht, aber ein Sohn.«

»Was ist dieser?«

»Er ist Arzt.«

»Wo?«

»Hören Sie, mein Freund, ich habe weder Zeit noch Lust, ein Verhör mit mir anstellen zu lassen, dessen Grund und Zweck ich gar nicht kenne. Was ist es mit Doctor Sternau?«

»Er wird steckbrieflich verfolgt.«

»Steck - - brief - - lich - -!« rief der Hauptmann. »Wie kommen Sie mir vor!«

»Ich sage Ihnen die Wahrheit. Man verfolgt ihn polizeilich von Spanien aus.«

»Weshalb?«

»Wegen Mordversuchs, Diebstahls, Entführung und Mitgliedschaft mit einer Räuberbande.«

Es war ein eigenthümlicher Blick, den der Hauptmann auf den Commissar warf. Er sagte:

»Weiter nichts? Blos wegen solcher Lappalien?«

»Herr Oberförster, sind dies Lappalien!«

»Na, Sie scheinen mich also doch nicht zu verstehen; ich werde Ihnen daher meine Meinung sagen: Doctor Sternau ist ein braver Kerl wie nur irgend Einer. Ich könnte viel eher glauben, daß Sie selbst ein Mörder, ein Entführer oder das Mitglied einer Räuberbande seien, als er. Ihre Behauptung ist ein purer Unsinn, und mit Unsinn habe ich nichts zu schaffen. Sind Sie wirklich großherzoglich hessischer Polizei-Commissar?«

»Ja.«

»Haben Sie Ihre Legitimation mit? Ich kenne Sie nicht.«

»Herr, wie können Sie mir eine Legitimation abverlangen!« brauste der Mann auf.


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»Weil ein jeder Schwindler auf den Gedanken gerathen kann, sich für einen Polizei-Commissarius auszugeben. Gehen Sie, und kommen Sie nicht eher wieder, als bis Sie sich legitimiren können!«

»Wissen Sie auch, was Sie thun?!«

»Ja, das weiß ich ganz genau. Ich werde Sie nämlich hinauswerfen, wenn Sie nicht freiwillig gehen!«

»So werde ich wiederkommen, und zwar mit Unterstützung, und Sie zudem anzeigen wegen Widersetzlichkeit gegen die Obrigkeit. Sie dürfen sich keineswegs für einen selbstständigen Reichsfürsten halten!«

Da griff der Hauptmann zur Klingel, und Ludewig trat ein.

»Ludewig!«

»Ja, Herr Hauptmann!«

»Dieser Kerl hier wird hinausgesteckt, und wenn dies nicht rasch genug geht, so wird er hinausgeworfen und mit den Hunden über die Grenze von Rheinswalden gejagt!«

»Zu Befehl, Herr Hauptmann!« antwortete der Jäger schmunzelnd, denn ein solcher Auftrag war sehr nach seinem Geschmacke.

»Und wenn er sich noch einmal bei uns sehen läßt, ohne Legitimation zu besitzen, so arretirt Ihr ihn, oder, wenn er ausreißen sollte, so schießt Ihr ihm eine Ladung Schrot in die dürren Beine!«

»Zu Befehl, Herr Hauptmann!« Und sich zu dem Fremden kehrend, zeigte er mit gebieterischer Handbewegung nach der Thür und sagte in strengem Tone: »Allons, marsch, Bursche!«

Der Polizist fuhr vor diesem Tone zwar zurück, aber sein Auge leuchtete auf in grimmigem Trotze.

»Das werdet Ihr mir entgelten, Ihr alle Zwei!«

»Faß an!« gebot der Oberförster, zornig mit dem Fuße stampfend.

Sofort packte der Jäger den Mann bei der Schulter und warf ihn den Corridor vor und dann zur Treppe hinunter. Unten standen einige Jägerburschen müßig im Hofe. Sie sahen, daß es hier gute Arbeit für sie gab und griffen sofort zu. Der Polizist kam mit der Geschwindigkeit eines Eilzuges zum Schlosse hinaus. Draußen aber ballte er die Hände und schwur dem Oberförster grimmige Rache.

Im Schloßhofe stand ein kleiner Knabe in der kleidsamen, grünen Tracht eines Jägers. Es war Kurt Helmers, der fünfjährige Sohn des Steuermanns der »Jeffrouw Mietje«.

»Ludewig,« sagte er, »warum wird dieser Mann hinausgeworfen? Was hat er gethan?«

»Er hat dahier den Herrn Hauptmann beleidigt,« lautete die Antwort.

Da machte der Kleine ein höchst zorniges Gesicht und sagte:

»Da soll ihm doch das Wetter leuchten! Ich werde sofort einen Hinterlader holen und ihm Eins auf den Pelz brennen, daß er genug hat! Wer den Herrn Hauptmann beleidigt, den schieße ich todt!«

Der Jäger lächelte sehr zufrieden; er sah es gern, wenn sein kleiner Liebling Muth zeigte.

»Halt!« sagte er, als Kurt wirklich Miene machte, das Gewehr zu holen.


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»Auf Menschen darf man nicht so mir nichts dir nichts schießen. Aber ich weiß ein Viehzeug, welches Du schießen kannst.«

»Ein Viehzeug? Was für eins?«

»Einen Fuchs.«

»Einen Fuchs!« rief der Kleine, indem seine Augen funkelten. »Wo steckt denn der Kerl?«

»Hinten im Eichenbühl. Ich habe ihn gestern ausgefunden und werde nachher mit den Dächseln aufbrechen, um ihn abzuthun.«

»Darf ich mit?«

»Versteht sich, wenn Deine Mama es erlaubt.«

»Ich frage sogleich!«

Er rannte in höchster Eile dem Vorwerke zu. Dort war seine Mutter beschäftigt, das Geflügel zu füttern. Sie war eine brünette, sympathische Erscheinung, die mit den sie umgackernden und umflatternden Hühnern und Tauben einen allerliebsten Anblick bot. Der Kleine sprang mitten unter die Vögel hinein, So daß sie rechts und links auseinanderstoben, und rief mit fröhlicher Stimme:

»Mama, Mama, ich soll ihn todtschießen!«

»Wen denn, Du Wildfang Du?« fragte sie lächelnd.

»Den Fuchs, der uns die Hühner maust.«

»Wo ist er denn?«

»Im Eichenbühl. Der Ludewig hat ihn ausgefunden und geht nachher hin. Darf ich mit?«

»Ja, weil der Ludewig dabei ist.«

Der Kleine horchte auf, zog sodann eine schmollende Miene und sagte dann in stolzem Tone:

»O, den Ludewig, den brauche ich doch eigentlich gar nicht. So einen Fuchs schieße ich schon selber!«

Er ging in das Haus und kam bald wieder zurück, ein Gewehr über die Schulter gehängt. Es war ein Hinterlader mit Doppellauf, den der Oberförster eigens für den Knaben bestellt und ihm dann zum Geburtstag gegeben hatte. Kurt war für seine fünf Jahre körperlich und geistig ungemein entwickelt, und es machte dem Hauptmann ungemeine Freude, sein Geburtstagsgeschenk ganz über alle Erwartung vortrefflich angewendet zu sehen; denn der kleine Knabe war bereits ein Schütze, der sich sehen lassen konnte.

»Ich gehe, Mama,« sagte er.

»Aber doch nicht wieder in das Wasser, wie gestern,« erinnerte sie ihn.

»Warum nicht?«

»Jetzt im Winter, wo der Teich fest zugefroren ist. Man badet doch nicht unter Eis!«

»Du hast mich doch immer kalt gebadet. Und der Ludewig sagte, daß man sehr gesund und stark wird, wenn man sich auch im Winter badet. Wenn ich jetzt nicht schwimmen lerne, so kann ich es nachher nicht, wenn im Sommer die richtige Zeit des Badens kommt.«

»Aber Du kannst krank werden und sterben, mein Kind. Deine Mutter würde dann sehr weinen.«


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Da wurde sein hübsches, trotziges Gesichtchen schnell freundlich; er trat auf die Mutter zu, legte die Arme um sie und sagte:

»Nein, Mama, Du sollst nicht weinen; ich werde nicht in das Wasser gehen. Verlaß Dich darauf!«

Sie küßte ihn und nun schritt er so stolz von dannen, als sei er ein Fürst, der mit seinem glänzenden Gefolge zur Reiherbeize ausreite. Er kam grad zur rechten Zeit, den Ludewig mit noch einigen Forstläufern bereit zu finden. Sie führten einige Dachshunde an der Leine.

Ihr Weg ging durch den dichten Wald. Das Fragen des wißbegierigen Knaben hatte kein Ende, und die Bursche mußten sich Mühe geben, seinen Wissenstrieb zu befriedigen. Es war klar, in diesem Jungen stak eine Entwickelungsfähigkeit, die ihm, wenn keine Störung eintrat, eine nicht gewöhnliche Zukunft sicher stellte. Er gehörte sichtlich zu den von Gott hochbegnadeten Naturen, welche bestimmt sind, einen Lebensweg zu wandeln, der sich durch außerordentliche Stationen auszeichnet.

Es war ein milder, klarer Wintermorgen. Die Sonne meinte es gut; ihre warmen Strahlen hatten im freien Felde den Schnee hinweg geleckt, aber im tiefen Forste lag er noch immer wenigstens einen halben Schuh tief, und Kurt mußte tapfer stampfen, um mit den Andern vorwärts zu kommen. Sie erreichten den Eichenbühl und geriethen da bald auf die Fährte des Fuchses. Die Hunde zerrten gewaltig an den Leinen, mußten aber die Ungeduld zügeln, bis man den Bau umgangen und sich überzeugt hatte, daß der Fuchs ihn nicht verlassen habe. Allem Anscheine nach war es ein familienloser Einsiedler, der es vorzog, sein Winterquartier für sich allein zu behalten.

Nachdem die Nebenröhren verstopft worden waren, so daß nur der Haupteingang frei blieb, wurden die Hunde losgelassen. Sie verschwanden augenblicklich unter der Erde. Nun stellten sich die Schützen an. Kurt erhielt den Ehrenplatz seitwärts des Auslaufes, wo er sich stolz in Positur stellte.

»Schieß nur nicht etwa einen der Hunde!« warnte der Jäger Ludewig. »Das wäre ein ganz armseliger Schuß dahier.«

Er hatte nämlich die Gewohnheit, das Wort »dahier« übermäßig oft in Anwendung zu bringen, und zwar zumeist dann, wenn es ganz und gar nicht am richtigen Orte war.

Kurt zog eine sehr wegwerfende Miene und antwortete:

»Einen solchen Hundeschuß überlasse ich Euch!«

Um sich nicht zu ermüden, duckte er sich auf den Boden nieder, steckte sich einen Gabelzweig in die Erde und legte den Lauf seines Gewehres in die Gabel. Man hörte das Kläffen der Dachshunde unter der Erde; es blieb am Orte fest; sie hatten den Fuchs also gestellt. Ein zorniges Heulen bewies, daß er sich tapfer wehrte; es war ein alter Bursche, der den Hunden zu schaffen machte.

Da erhob sich unter der Erde ein wahrer Heidenspektakel, welcher sich durch verschiedene Gänge zog. Sie hatten den Fuchs gezwungen, den Kessel zu verlassen.

»Aufgepaßt, Kurtchen, jetzt kommt er!« mahnte Ludewig und richtete den Lauf seiner Büchse nach dem Haupteingange.

Kurt lag noch immer am Boden. Er hörte genau, nach welcher Richtung der Lärm sich zog. Ein schmerzliches Jauchzen war zu hören; einer der Dachsel war


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gebissen worden. Einen Augenblick später flog ein dunkler Gegenstand aus dem Loche heraus.

»Der Fuchs!« rief Ludewig.

Zugleich mit diesem Rufe krachte seine Büchse, und das Thier, zum Tode getroffen, überschlug sich. Zu ebenso gleicher Zeit aber war Kurt aufgesprungen und hatte den Lauf seines Gewehres nach einer ganz andern Gegend gerichtet; sein Schuß krachte mit demjenigen des Jägers, so daß es klang, als sei nur ein einziger gefallen.

»Ich habe ihn dahier!« rief Ludewig und sprang auf das Thier zu, welches er geschossen hatte; aber bereits beim zweiten Schritte blieb er erschrocken stehen. »Donnerwetter, was ist denn das!« fluchte er.

»Die Waldina!« antwortete einer der Burschen.

»Weiß Gott, die Waldina! Ich habe die Waldina dahier erschossen! Das ist ja nicht nur ein Hunde-, sondern sogar ein reiner Sauschuß! So Etwas ist mir noch gar nicht passirt dahier! Aber wie kann denn der Hund vor dem Fuchse ausfahren?«

»Weil er gebissen worden ist!« antwortete Kurt.

»Halt's Maul, Grünschnabel!« zürnte der auf sich selbst wilde Mann.

»Grünschnabel!« rief Kurt. »Oho! Was liegt denn da drüben hinter dem Rothbuchenbusche?«

Die Leute sahen nach der angedeuteten Richtung.

»Der Fuchs! Weiß Gott, der Fuchs!« rief Ludewig.

Allerdings war es der Fuchs, und die übrigen beiden Dachsel bei ihm, welche ihn am Felle zausten.

»Na, bin ich ein Grünschnabel?« fragte der Knabe.

»Du? Willst Du ihn etwa geschossen haben?«

»Wer denn sonst?«

»Geh fort! Das ist der Franz oder der Ignaz dahier gewesen!«

Der Knabe antwortete nur dadurch, daß er den Kopf stolz in den Nacken warf und eine Patrone hervorzog, um den abgeschossenen Lauf wieder zu laden.

»Nein, ich war es nicht,« sagte Franz. »Ich habe gar nicht geschossen.«

»Ich auch nicht,« erklärte Ignaz.

»Alle Wetter, so ist es der Teufelsjunge wirklich gewesen!« rief Ludewig. »Aber Kerl, wie kommst Du denn auf den Gedanken, dort hinüber zu zielen?«

»Weil ich hörte, daß der Fuchs da ausbrechen wollte, und weil ich gesagt habe, daß ich Euch den Hundeschuß überlassen werde.«

Der Jäger wurde vor Beschämung blutroth im Gesicht. Er hatte sich allerdings ganz gewaltig blamirt, ganz abgesehen davon, daß ein guter und bewährter Jagdhund nun hin war.

»Aber der Fuchs konnte doch eigentlich gar nicht heraus,« entschuldigte er sich. »Das Loch war ja verstopft worden!«

»Aber nicht gut!« sagte Franz. »Da schau her! Das Bischen Reißig thut es nicht; der Fuchs hat ja hindurchblicken können!«

»Verdammter Fall dahier!« meinte Ludewig, indem er sich verdrießlich und be-


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schämt hinter den Ohren kratzte. »Wie bringe ich es nun dem Herrn Hauptmann bei, daß ich die Waldina ermordet habe?«

»Sinne Dir das selber aus! Jetzt wollen wir uns vor allen Dingen den Fuchs ansehen!«

Sie traten hinzu und jagten die Hunde weg. Es war ein altes Thier, ein erfahrener Schlaukopf, der jedenfalls schon öfter im Baue angegriffen worden war und ganz genau wußte, daß am Hauptloche der Tod auf ihn lauere. Er war so klug gewesen, die Verstopfung des Nebenganges mit der Schnauze fortzuschieben und dann auszubrechen. Die Kugel des Knaben war ihm quer durch den Kopf gegangen, was allerdings nicht dem sichern Zielen sondern nur allein dem Zufalle zu verdanken war.

»Ja, es ist Deine Kugel gewesen, Junge,« erklärte Ludewig. »Du bist ein Teufelskerl! Schießt dahier mit fünf Jahren einen Fuchs, während ich alter Knabe einen braven Hund umbringe. Ich habe die fürchterlichsten Maulschellen verdient! Na, Gott genade mir, wenn es der Herr Hauptmann erfährt! Du aber, junge, sollst Deine Ehre haben. Komm her, ich werde Dir den Bruch auf den Hut stecken!«

Der Bruch heißt nämlich in der Jägersprache ein belaubter Zweig, welchen man sich auf den Hut steckt, um anzuzeigen, daß man ein zur hohen Jagd gehöriges Stück Wild geschossen habe. Ludewig brach einen Buchenzweig ab, an dem sich trotz des Winters noch die Blätter befanden, und griff nach Kurt's Hut, um den Zweig daran zu stecken. Der Knabe aber trat mit trotzigem Gesichte zurück.

»Ich brauche den Bruch nicht!« erklärte er.

»Warum nicht?«

»Du hast mir ja stets gesagt, daß der Bruch ein Ehrenzeichen ist!«

»Nun ja, das ist er auch dahier.«

»Aber ein solches Ehrenzeichen darf nur Einer tragen, der auch Ehre im Leibe hat!«

»Alle Teufel, ich begreife Dich nicht! Ich hoffe aber, daß Du Ehre im Leibe hast, Kleiner! Oder nicht?«

»Hat Einer Ehre, der sich ungestraft beleidigen läßt, he?«

Der kleine, fünfjährige Bube stand in einer Haltung da, als wolle er den Jäger auf die Mensur fordern.

»Ah, Du bist beleidigt worden?« fragte Ludewig erstaunt.

»Ja.«

»Von wem denn dahier?«

»Von Dir. Aber ich leide es nicht; ich lasse es nicht sitzen!«

»Ja, aber wie denn?«

»Hast Du mich nicht etwa einen Grünschnabel genannt, he? Du, Du! Der selber so schießt wie ein echter, richtiger Grünschnabel!«

Die andern Beiden wollten über diesen Zornesausbruch lachen, hielten ihre Heiterkeit aber zurück, als sie sahen, daß Ludewig ernst blieb. Ja, das Auge des Jägers glänzte sogar feucht; er war tief gerührt über das ehrenhafte, energische Auftreten seines Zöglings; er sagte sich ja, daß auch er sich einen Theil des Verdienstes zuzuschreiben habe, aus dem ungewöhnlich veranlagten Knaben einen tüchtigen Mann


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machen zu wollen. Darum trat er auf ihn zu, streckte ihm die Hand entgegen, nahm den Hut vom Kopfe und sagte mit vor Rührung unsicherer Stimme:

»Du bist ein tüchtiger Kerl, Kurt. Schau her! Ich nehm den Filz vor Dir ab, mein Junge. Willst Du mir den albernen Grünschnabel vergeben?«

Da glitt es sonnenhell über das offene Gesicht des Knaben; er schlug ein und antwortete:

»Ja, Ludewig. Komm her; ich gebe Dir einen Kuß, denn ich habe Dich lieb. Und nun sollst Du mir auch den Bruch aufstecken!«

Das geschah, und Kurt setzte den Hut ungefähr mit derselben Miene auf, mit welcher sich ein Kaiser bei einer hohen Festlichkeit die Krone auf den Kopf setzt.

»Und nun habe ich noch Etwas,« sagte er.

»Was denn?«

»Der Fuchs ist mein; den trage ich mir selbst zu Hause.«

»Oho, Du bist zu klein und schwach dazu!«

»Ich! Was fällt Dir ein! Es darf ihn kein Anderer tragen! Versteht Ihr mich!«

Zum Beweis, daß er nicht zu schwach sei, faßte er den Fuchs bei den Hinterläuften und hob ihn empor.

»Na gut, wir wollen es versuchen,« erklärte Ludewig. »Du hast auch diese Auszeichnung verdient, und wenn er Dir zu schwer wird, so nehmen wir ihn Dir ab.«

»Daraus wird Nichts!« widersprach der Knabe. »Ich gehe allein nach Hause.«

»Das geht nicht, mein Junge. Es ist zu weit.«

»Bin ich etwa nicht hierher gelaufen? Oder denkst Du, daß ich den Weg nicht kenne?«

»Du kennst ihn, Kleiner. Aber der Fuchs ist schwer; Du bringst ihn nicht bis nach Hause.«

»So ruhe ich mich aus.«

»Hm!« brummte Ludewig, der recht gut begriff, weshalb der Knabe seinen Weg ganz allein gehen wollte. Er konnte da seinen jagdstolzen Gedanken besser nachhängen und recht ungestört über den Triumph nachdenken, den er heut sich erworben hatte. »Hm! So ganz Unrecht hast Du nicht. Na, wir wollen es versuchen. Mir ist es Recht, wenn Du allein gehst; dann können wir Andern inzwischen einen Gang nach der Krähenhütte machen. Ich will Dir den Fuchs zusammenbinden und um die Schulter hängen. Ich, freilich, Donnerwetter, ich habe die Ehre, die todte Waldina nach Hause zu schleppen und dann die Grabrede anzuhören, die ihr der Herr Hauptmann halten wird!«

Er band die vier Läufe des Fuchses zusammen und hing das Thier dem Knaben so über, daß es ihm nicht gar zu schwer werden konnte. Dann meinte er schmunzelnd:

»So, Junge, nun steige mit Deinen Lorbeeren heim. Das ist Dein erster Fuchs, den Du geschossen hast, und ich hoffe, daß es mein letzter Bock ist. Zeit genug wäre es wahrlich dahier dazu!«

Er nahm den todten Hund auf und schritt mit den Gefährten davon. Der Knabe stand da und blickte ihnen nach, bis er sie nicht mehr sehen konnte; dann


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drehte er sich mit einem raschen Rucke um und schritt davon. Er war hier bekannt; er kannte fast jeden einzelnen Baum, und brauche also keine Sorge zu tragen, irre zu gehen. Er befand sich in einer so gehobenen Stimmung, daß er die Last des Fuchses fast gar nicht fühlte, obgleich ihm bereits nach kurzer Zeit der Schweiß von der Stirn herab über die Wangen lief. Es ging zwar langsam vorwärts, und als er die Hälfte des Weges zurückgelegt hatte, mußte er einmal ausruhen, aber das schadete ja nichts.

Er hatte höchstens noch zehn Minuten lang zu gehen, als er im Begriffe stand, aus einem Buchenstande heraus auf den freien Weg zu treten. Da hörte er Schritte und stand auch bald vor einem Manne, welcher langsam und wie in Gedanken versunken den Weg daher geschritten kam. Der Mann war fremd; er hatte eine ungewöhnlich hohe und stark gebaute Figur und trug einen langen Reisemantel. Kurt blieb stehen, blickte forschend an ihm empor und sagte sehr streng:

»Halt! Was hast Du hier zu suchen

Spätauflage

Er hatte diese Frage oft gehört, wenn er mit Ludewig durch den Wald gestreift war und dieser irgend einen Fremden oder eine Holzfrau getroffen hatte. Heute war zwar Ludewig nicht dabei, aber dieser Mann war ja fremd, und Kurt hatte einen Fuchs geschossen, war also nach seiner Meinung gerade ebenso viel werth wie Ludewig. Der Fremde blickte den Knaben erst erstaunt und dann mit einem herzlichen, wohlwollenden Lächeln an und antwortete:

»Sapperlot, wie hast Du mich erschreckt! Das klingt ja gerade, als ob Du der Herr Oberförster seist!«

Der Knabe rückte den Fuchs zurecht, stellte sich in eine imponirende Positur und sagte:

»Da fehlt auch nicht viel daran!«

»Oho!«

»Ja, es ist gerade so gut, als ob Dich der Herr Oberförster selber fragt. Was willst Du hier?«

Das Lächeln des Fremden war jetzt bereits mehr bewundernd als wohlwollend. Er antwortete:

»Ich will nach Rheinswalden. Ist es noch weit bis dahin?«

»Nein; es ist gleich dort hinter den Eichen. Ich werde Dich führen.«

»Schön! Soll ich Dir dafür den Fuchs tragen?«

»Gott bewahre! Fällt mir gar nicht ein!« erklärte Kurt mit energischem Kopfschütteln.

»Aber er ist schwer!«

»Mir nicht!«

»Ja, ich sehe wohl, daß Du stark bist. Wie alt bist Du denn? Acht Jahre?«

»Acht? Nein, das fällt mir auch nicht ein. Fünf!«

»Fünf?« rief der Fremde erstaunt, indem er die entwickelte Figur des Knaben betrachtete. »Das ist ja fast unmöglich!«

»Denkst Du etwa, daß ich Dich belüge?« fragte Kurt spitz.

»Nein. Aber, wahrhaftig, Du hast ja ein Gewehr!«

»Natürlich!« antwortete der Knabe stolz. Und mit herablassender Miene fügte


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er hinzu: »Willst Du es Dir vielleicht einmal betrachten? Hier ist es. Aber nimm Dich in Acht; es ist geladen!«

Der Fremde ergriff das Gewehr und meinte verwundert:

»Ah, das ist ja ein richtiger, wirklicher Hinterlader, extra für Deine Größe gefertigt!«

»Nun freilich! Du dachtest wohl, es wäre nur so eine Spielflinte für kleine Jungens?«

»Ja.«

»Na, da bist Du dumm! Mit so einer Flinte kann man doch im Leben keinen Fuchs todt schießen!«

»Du willst doch nicht etwa sagen, daß Du diesen Fuchs geschossen hast!«

»O ja, gerade das will ich sagen!«

»Du - Du?!« fragte der Mann, jetzt in höchster Verwunderung.

»Freilich! Ich werde doch keinen Fuchs schleppen, den ich nicht selbst geschossen habe!«

»Aber, da bist Du ja ein wahrhaftiger, kleiner Held!«

Der Knabe nickte dem Fremden freundlich zu; das Wort gefiel ihm; der Mann hatte damit sein Herz gewonnen, und darum sagte Kurt mit der Miene eines Gönners:

»Du willst wohl einige Zeit auf Rheinswalden bleiben?«

»Vielleicht.«

»Nun, dann kannst Du einmal mit mir gehen. Ich werde Dir zeigen, wie man einen Fuchs schießt.«

»Ich danke Dir, Du kleiner Mann!« sagte der Fremde. »Das sollst Du allerdings thun, und ich werde Dir dafür erzählen, wie man Bären, Büffeln, Löwen, Tiger und Elephanten schießt.«

Da blieb der Knabe erstaunt stehen und fragte:

»Hast Du solches Viehzeug geschossen?«

»Ja.«

»Hm, die Gestalt hast Du dazu!« sagte er mit Kennermiene. »Ich weiß Einen, der auch welche geschossen hat.«

»Wer ist das?«

»Der Herr Doktor Sternau.«

»Du kennst ihn?«

»Ja. Ich habe ihn noch nicht gesehen, aber die Felle von den Löwen und Bären, die er geschossen hat, die habe ich gesehen. Sie liegen in der Wohnung meiner lieben Frau Sternau. Das ist seine Mutter, und die hat mir viel erzählt von seinen Jagden. Ich will auch einmal ein so berühmter Jäger werden wie er!«

»Meinst Du? Ja, das Zeug dazu scheinst Du zu haben.«

»Laß mich nur erst so groß wachsen, wie Du bist! Ich kann schon reiten und schießen. Der Ludewig lehrt mich fechten und turnen; schwimmen lerne ich auch, wenn es warm wird. Aber, wenn Du meine Frau Sternau einmal sehen willst, so kann ich sie Dir sogleich zeigen.«

»Wo?« frug der Fremde, indem er schnell nach der Richtung herumfuhr, welche der ausgestreckte Arm des Knaben andeutete.


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»Siehst Du dort das Schloß?«

»Ja.«

»Und die vielen Glasscheiben, die nach dem Garten gehen?«

»Ja.«

»Das ist der Wintergarten. Siehst Du auch die beiden Damen darin?«

»Ja.«

»Das ist Frau Sternau und Fräulein Helene Sternau. Sie winden einen Strauß zusammen, den der Herr Hauptmann alle Tage bekommt.«

Das Gesicht des Fremden glühte freudig auf; sein Auge hing an den beiden Frauengestalten, als er fragte:

»Giebt es hier nicht ein Pförtchen im Zaune?«

»Ja. Aber Du bist ein Fremder, Du solltest eigentlich durch das große Thor eintreten!«

»Aber ich will ja zu Frau Sternau!«

»Da mußt Du Dich anmelden lassen!«

»Sie kennt mich bereits!«

»Gut?«

»O, sehr gut!«

»Hm, das ist etwas Anderes! Und weil Du mir gefällst, so werde ich Dir das Pförtchen zeigen.«

»So! Ich gefalle Dir?«

»Ja,« antwortete der Knabe treuherzig.

»Du mir auch. Wie heißest Du?«

»Kurt.«

»Ah, Kurt Helmers?«

»Ja. Du kennst meinen Namen?«

»Ja, sehr gut. Dein Vater ist Steuermann auf einem Schiffe, welches »Jeffrouw Mietje« heißt?«

»Wahrhaftig, Du weißt auch das!«

»Frau Sternau hat es mir geschrieben. Aber komm' schnell! Wo ist die Pforte?«

»Hier rechts, blos noch zehn Schritte hin.«

Der Fremde eilte in der angedeuteten Richtung fort, öffnete das Pförtchen und trat in den Garten. Er ging mit schnellen Schritten gerade auf den glasgedeckten Anbau zu, welchen der Knabe den Wintergarten genannt hatte. Die Außenthür zu demselben war nicht verschlossen. Er öffnete und trat ein.

Zwischen einer Gruppe von hohen Blattpflanzen, Palmen und immergrünen Exotica, zwischen denen reife Wintertrauben und Limonien glänzten, saßen zwei Frauen, die man sofort als Mutter und Tochter erkannte. Sie waren beschäftigt, ein Bouquet zu binden, und bildeten während dieser Arbeit und bei dieser Umgebung eine allerliebste Gruppe, auf welcher selbst das Auge eines Fremden mit Wohlgefallen hätte ruhen müssen. Sie waren Beide von feiner, schmächtiger Gestalt, und ihr ganzes Aeußere machte sofort den Eindruck, daß man es in ihnen mit Damen von feinster Geistes- und Gemüthsbildung zu thun habe. Sie hörten die


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Thür gehen und blickten auf. Beim Anblick der hohen, stolzen Gestalt des Fremden erhoben sie sich und Frau Sternau fragte, einen Schritt vortretend:

»Mein Herr, Sie suchen - - - ?«

»Mutter!«

Mit diesem einen, jubelnden Worte unterbrach sie der Fremde, und schon stand er bei ihr, schloß sie in die Arme und küßte sie herzlich auf den Mund. Sie erbleichte vor freudigem Schrecke, hing einige Augenblicke wie kraftlos in seinen Armen, ermannte sich jedoch schnell und rief:

»Karl! Ist's wahr! Mein Sohn, mein Karl! O, welche Ueberraschung!«

Er drückte sie mit der Rechten an sein Herz, streckte die Linke nach der Schwester aus und bat:

»Helene, Schwester, komm' herbei!«

»Mein Bruder!« frohlockte das Mädchen mit freudeglänzendem Angesichte. »Wir sprachen soeben von Dir. Welche Freude, welch' ein Glück! Wir glaubten Dich ja weit weg in Spanien!«

»Ja, ich habe Euch nicht geschrieben; ich wollte Euch überraschen; es sollte das ein nachträgliches Weihnachtsgeschenk werden.«

»Und das ist Dir vollständig gelungen, mein lieber, lieber Sohn,« sagte die Mutter.

Sie schmiegten sich innig an ihn und küßten ihn von beiden Seiten auf Lippen und Wangen. Sie bildeten mit ihm eine reizende, Glück und Freude strahlende Gruppe; er, der starke, hohe Mann, und sie, die schmächtigen Gestalten, denen man es nicht angesehen hätte, daß sie Mutter und Schwester von ihm seien.

Unterdessen war Kurt mit seinem Fuchse weiter gegangen und durch das Thor in den Schloßhof getreten. Dort stand der Knecht, der die Oekonomie des Oberförsters führte.

»Ah, habt Ihr ihn?« fragte er den Knaben, als er den Fuchs erblickte.

»Nein, ich habe ihn!« lautete die stolze, selbstbewußte Antwort.

»Du? Ja, das sehe ich! Wer hat ihn geschossen?«

»Die Großmagd!« antwortete Kurt, indem er mit der Miene eines ganz und gar beleidigten Don oder Lords nach dem Eingange des Schlosses schritt.

Er stieg in dem Bewußtsein, den Knecht nach Recht und Verdienst angedonnert und abgeblitzt zu haben, die Treppe empor und klopfte an die Thür des Oberförsters.

»Herein! « knurrte es grimmig von innen.

Der Herr Hauptmann befand sich noch ganz in der Stimmung, in welcher ihn der großherzoglich hessische Polizei-Kommissar verlassen hatte. Kurt trat ein, salutirte militärisch und sagte:

»Da ist der Kerl, Herr Hauptmann!«

Sofort klärte sich das Gesicht des Oberförsters auf. Er erhob sich, trat näher und rief:

»Ah, ein alter Kerl! Ein ganz alter, erfahrener Kerl! Er wird den Burschen zu schaffen gemacht haben.«

»Ja, den Burschen!« nickte Kurt lachend.

»Das sagst Du in einem solchen Tone! Was ist es?«


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»Den Burschen hat er zu schaffen gemacht, aber mir nicht!«

»Dir nicht! Alle Teufel! Kerlchen, ich denke doch, daß er schwer ist!«

»O, Herr Hauptmann, er war leicht zu tragen und auch leicht zu schießen.«

»So hast Du ihn vom Walde hereingeschleppt, Kleiner?«

»Ja.«

»Da soll doch der Teufel diese Faullenzer reiten! Hängen sie dem Jungen eine solche Last an den Hals und troddeln faul daneben her!« zürnte Rodenstein. »Ich werde ihnen einen Marsch blasen, daß ihnen Hören und Sehen vergehen soll!«

Da trat Kurt einen Schritt vor und sagte:

»Nein, Herr Hauptmann, Du wirst ihnen keinen Marsch blasen!«

»Nicht? Ah! Wer will mir das wehren, Patron?«

»Ich!«

»Du! Ja, Du wärst mir das Kerlchen dazu! Wie willst Du das denn eigentlich anfangen?«

»Ich habe sie ja gezwungen, mich den Fuchs tragen zu lassen!«

»Gezwungen? Ja, das ist auch etwas Rechtes, sich von einem solchen Knirps zwingen zu lassen!«

»Oho, Herr Hauptmann, ich bin kein Knirps! Und der Ludewig sagte auch, daß ich das Recht habe, den Fuchs nach Hause zu schaffen.«

»Ein Recht? Ein Recht hätte ja nur Der zu beanspruchen, der ihn geschossen hat!«

»Das habe ich ja!«

»Du - - -?« fragte der Oberförster, indem er erstaunt einen Schritt zurückwich.

»Ja, hier mitten durch den Kopf.«

»Alle Teufel! Es wäre diesem Mordskerlchen allerdings zuzutrauen. Zeige einmal her!«

Er nahm dem Knaben den Fuchs ab, um sich die Schußwunde genau zu besehen.

»Wahrhaftig, er ist's gewesen!« rief er. »Das Loch ist klein; es war eine Kugel aus Deinem Gewehre. Und mitten durch den Kopf! Kerl, Du bist ja der reine Spitzbube! Komm' her, ich nehme Dich bei den Ohren und gebe Dir einen Schmatz, der wie eine Haubitze knallen soll!«

Er nahm in seiner Freude den Knaben wirklich beim Kopfe und küßte ihn herzhaft ab. Kurt ließ sich das mit einer Miene gefallen, als ob er ein heiliges Anrecht auf diese kraftvolle und anerkennende Liebkosung habe, doch benutzte er den ersten freien Augenblick, um zu sagen:

»Da bist Du also mit mir zufrieden, Herr Hauptmann?«

»Ja, Wetterjunge, vollständig!«

»Nun, so kannst Du mir auch den hübschen, kleinen Revolver geben, den Du mir versprochen hast. Mit dem Gewehre hier kann ich nun schießen; ich muß es auch mit dem Revolver lernen.«

»Ja, Blitzkerl, Du sollst ihn haben, und zwar sogleich!«

Er öffnete ein Schubfach seines Schreibtisches und zog ein Etui heraus.

»Hier, nimm! Er ist sehr gut und auch fein - mit Silber ausgelegt. Hier


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hast Du auch einen Vorrath von Patronen. Der Ludewig mag Dir zeigen, wie er gehandhabt wird.«

Da faßte der Knabe den Oberförster bei den Ohren, zog seinen Kopf herab zu sich und gab ihm einige Küsse auf den Schnurrbart.

»Da, hast Du auch von mir einen Schmatz, Herr Hauptmann! Ich danke!«

»Junge,« rief der Hauptmann ganz gerührt, »Du bist ja ein ganz und gar verteufelter Beelzebub! Du sollst noch Etwas haben. Wünsche Dir Etwas!«

Der Knabe sann gar nicht lange nach; er sagte auf der Stelle:

»Gut, ich weiß Etwas.«

»Was denn?«

»Wirst Du es auch thun?«

»Ja, wenn es gut für Dich ist und auch keinem Anderen schadet.«

»Gieb mir Dein Ehrenwort!«

»Donnerwetter, das klingt ja ganz ernsthaft! Kerl, Du treibst mich auf's Nothrecht! Es ist doch nicht etwa etwas Dummes oder Schlimmes?«

»Nein, Du sollst nur jemand Etwas verzeihen!«

»Ah, hm! Da kommt wieder einmal das gute Herz zum Vorscheine! Wer ist es denn?«

»Das sage ich erst, wenn ich Dein Ehrenwort habe.«

»Kerl, Du bist ein Pfiffikus! Na, schadet es jemand, wenn ich verzeihe?«

»Nein.«

»Schön, so will ich Dir mein Ehrenwort geben. Nun aber auch heraus mit der Bitte!«

»Höre, Herr Hauptmann, zanke nicht mit dem Ludewig wegen dem Sauschuß, den er gethan hat!«

Der Oberförster runzelte die Stirn.

»Einen Sauschuß hat er gethan? Das glaube ich nicht. Er ist ein feiner Schütze.«

»Es ist aber doch wahr. Er sagte es selbst, daß es ein Sauschuß ist.«

»Hm! Was hat er denn geschossen?«

»Den Hund.«

»Den Hund!« rief der Oberförster. »Alles will ich glauben, nur das nicht!«

»Ja, den Hund,« wiederholte der Knabe, »die Waldina.«

»Die Waldina! Ah, wohl gar anstatt des Fuchses?«

»Ja.«

»Himmel heiliges - -! Ist das wahr, ist das möglich! Kerl, flunkere mich nicht etwa an!«

»Ich flunkere nicht, Herr Hauptmann! Also Du zankst ihn nicht aus?«

Der Oberförster schritt im höchsten Zorne im Zimmer auf und ab; er erging sich in den kräftigsten Waldmannsflüchen und Redensarten, beruhigte sich aber nach und nach und meinte dann:

»Junge, Du hast mich überrumpelt, Du hast mich geleimt, total geleimt! Ich sollte diesem Ludewig eigentlich ein Wetter auf den Hals puffen, daß ihm angst und bange würde, aber Du hast mich überlistet, Du hast mich von hinten herum gekriegt, und nun muß ich mein Wort halten. Ja, ich werde ihn nicht auszanken, aber Du


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nimmst Deinen Fuchs und packst Dich auf der Stelle, daß Du fort kommst! Ich mag Dich nicht wiedersehen, niemals, in meinem ganzen Leben nicht! Ich danke für einen Buben, der Einem erst den Revolver abschwatzt und hernach überlistet, daß Einem die Augen übergehen. Fort! Marsch! Hinaus!«

Er stand mit seinem grimmigsten Gesichte da und deutete mit hoch erhobenem Arme nach der Thür. Kurt schob sehr gleichmüthig den Revolver in die Tasche, hing sich den Fuchs wieder um, griff nach seinem Gewehre und sagte dann, indem er die hellen Augen furchtlos zu dem Oberförster erhob:

»Du denkst wohl, Du machst mir Angst, Herr Hauptmann? O, ich kenne Dich, ich kenne Dich!«

»Was, Du kennst mich?« donnerte Rodenstein. »Nun, dann wirst Du ja auch wissen, daß es alle mit Dir ist, vollständig alle. Du bist falsch, ganz und gar falsch!«

»Nein, ich bin nicht falsch! Du kannst gewaltig raisonniren, aber das klingt nur, als ob man sich fürchten müsse. Ich mache mir nichts daraus, denn ich weiß Etwas!«

»So! Nun, was weißt Du denn?«

»Daß Du mir gut bist!«

Das sagte er mit einer solchen treuherzigen, aufrichtigen Miene, und dabei glänzte aus seinem offenen, ehrlichen Auge selbst ein solcher Strahl von Liebe, daß sich der Oberförster zu ihm niederbeugte und ihn von Neuem in seine Arme nahm.

»Schlingel, Du hast Recht. Trolle Dich hinaus, sonst schwatzest Du mir noch Dinge ab, die ich gar nicht verantworten kann!«

Er schob den Knaben zur Thür hinaus und bemerkte dabei, daß draußen Helene Sternau soeben im Begriffe stand, anzuklopfen.

»Sie, Fräulein Helene?« sagte er. »Treten Sie herein! Was bringen Sie mir?«

»Zunächst Ihren Strauß, und dann eine Bitte, Herr Hauptmann.«

»Ich danke! Also eine Bitte? Na, Sie wissen ja, daß ich Ihnen nichts abschlagen werde. Aber was ist denn das? Ihr Gesicht leuchtet ja, als hätte der heilige Christ noch einmal bescheert!«

»Das hat er auch, mein bester Herr Hauptmann. Und darauf bezieht sich eben meine Bitte.«

»Nun, so bitten Sie einmal los!«

»Erlauben Sie der Mama, Ihnen meinen Bruder vorzustellen!«

»Ihren Bruder, den Herrn Doctor Sternau?« fragte er überrascht.

»Ja.«

»So ist er nicht mehr in Spanien?«

»Nein. Er ist eben jetzt angekommen.«

»Alle Teufel, das stimmt, ja, das stimmt,« sagte er langsam und nachdenklich.

»Wie?« fragte Helene. »Sie wissen bereits -«

»Nichts weiß ich, gar nichts,« sagte er rasch, um seinen Fehler wieder gut zu machen. »Aber ich bitte, ihn mir zu bringen. Ich bin sehr begierig, ihn kennen zu lernen.«

»Mama wird bereits unterwegs sein; ich bin ihnen nur schnell vorausgegangen, um sie anzumelden. Ah, da klopfen sie bereits. Darf ich öffnen, Herr Hauptmann?«


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»Freilich, freilich!«

Sie öffnete die Thür und Sternau trat mit seiner Mutter ein. Bei seinem Anblicke zeigte sich ein offenes Erstaunen auf dem Gesichte des Oberförsters.

»Wie,« fragte er, »dieser Herr ist Doctor Sternau, Ihr Sohn, Frau Sternau?«

Ueber das feine Gesicht der Dame flog ein schnelles Roth; es wäre wohl zwischen dieser Frage und ihrer Antwort eine Pause entstanden, wenn der Doctor nicht sofort das Wort ergriffen hätte.

Ich kam vor zehn Minuten an.

»Allerdings bin ich es, Herr Hauptmann,« sagte er. »Ich kam vor kaum zehn Minuten an und beeile mich, Ihnen von ganzem Herzen Dank zu sagen für die vielen Beweise von Güte und Freundlichkeit, welche Sie mir in den Personen meiner Mutter und Schwester erwiesen haben.«

Der Oberförster hielt sein Auge noch immer erstaunt auf den Sprecher geheftet, sagte aber abwehrend:

»Schnickschnack! Frau Sternau ist es, der ich zu danken habe. Sie giebt sich Mühe, aus mir alten Einsiedler einen genießbaren Menschen zu machen, und dafür sind Sie mir doch keine Anerkennung schuldig. Uebrigens sind wir ja verwandt, und so kann von Dank gar keine Rede sein. Nehmen Sie Platz und verzeihen Sie, daß ich Sie so überrascht betrachte. Ich habe mir von Ihnen eine so ganz andere Vorstellung gemacht.«

»Darf ich fragen, welche?« sagte Sternau, indem er sich zwischen Mutter und Schwester niederließ.

»Ich habe Sie mir gedacht als einen kleinen, schmächtig gebauten Mann mit feinen, geistreichen Gesichtszügen und einer goldenen Brille auf der Nase, nun aber -«

Er hielt zögernd inne, denn die Fortsetzung seiner Rede wollte sich nicht finden. Sternau fiel lächelnd ein:

»Nun aber tritt so ein Goliath vor Sie, ein Goliath ohne Brille und ohne geistreiches -«

»Halt, halt, so war es nicht gemeint!« wehrte Rodenstein ab.

»Nur um die Größe handelt es sich. Ich konnte mir nicht denken, daß so ein Enakssohn meine kleine Frau Sternau zur Mutter habe. Aber es ist mir um so lieber, einen Riesen in der Familie zu wissen. Sie sehen mir gar nicht so aus, als ob Sie um einer Lappalie wegen in Ohnmacht fallen würden, und so will ich aufrichtig sein und Ihnen sagen, daß Sie mir bereits angemeldet worden sind.«

»Ah!«

»Ja, heut Morgen.«

»Von wem?«

»Von der hochlöblichen Polizei.«

»Von der Polizei?« frug Frau Sternau ängstlich. »Was hat die mit uns zu thun?«

»O, es war gar ein großherzoglich hessischer Polizei-Commissar, der mich frug, ob ein Doctor Sternau bei mir wohne.«

Sternau nickte und sagte dann:

»Ich habe mir so Etwas gedacht.«


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»Wirklich?« fragte Rodenstein. »So giebt es also einen Grund für die Polizei, sich nach Ihnen zu erkundigen?«

Sternau lächelte überlegen und antwortete:

»Darf ich fragen, ob dieser Herr Commissar vielleicht einen solchen Grund angegeben hat?«

»Jawohl, sogar mehrere.«

»Welche?«

»Er sagte, Sie würden steckbrieflich verfolgt wegen Mordversuch, Diebstahl, Mitgliedschaft bei einer Räuberbande, und so weiter.«

»Herrgott, ich erschrecke!« rief die Schwester.

»Das ist ja unmöglich!« meinte die Mutter. »Kannst Du das erklären, mein Sohn?«

»Ja, meine Mutter,« antwortete Sternau. »Vorher aber erlaube ich mir, den Herrn Hauptmann nach der Antwort zu fragen, die er dem Manne von der Polizei gegeben hat.«

»O, diese Antwort war die allerdeutlichste, die er erhalten konnte: ich habe ihn sehr einfach hinauswerfen lassen.«

»Wirklich?«

»Ja, buchstäblich. Ich konnte mir nicht denken, daß Doctor Sternau, von dem ich so viel Rühmliches gehört und gelesen habe, Mitglied einer Räuberbande sei; auch jetzt, da ich Sie persönlich vor mir habe, bin ich vollständig überzeugt, daß meine Meinung die richtige ist, und so habe ich diesen Menschen, der mich übrigens hochmüthig von oben herab behandelte und sogar den Gruß vergaß, durch meinen guten Ludewig - alle Teufel, er hat aber heut einen wahren Sauschuß gethan - zur Thür hinaus und buchstäblich zur Treppe hinabwerfen lassen.«

Da streckte Sternau ihm die Hand entgegen und sagte:

»Ich danke Ihnen, Herr Hauptmann! Sie haben recht gehandelt. Ich hatte noch nicht Zeit, mit Mutter und Schwester über diese Angelegenheit zu sprechen. Sie selbst mußten auch von ihr unterrichtet werden, und so wartete ich diesen Augenblick ab, um alle drei dabei Interessirten zu gleicher Zeit aufzuklären. Haben Sie eine Viertelstunde der Muße für uns übrig? «

»Zehn Stunden und auch zwanzig, Herr Doctor! Sprechen Sie getrost!«

»Nun, es ist wahrlich ein Roman, den ich Ihnen zu erzählen habe, ein Roman, wie man ihn nicht sehr oft zu lesen bekommt. Hören Sie: Ich werde höchst wahrscheinlich die Tochter eines spanischen Grafen heirathen.«

»Donnerwetter!« rief der Hauptmann.

»Karl!« rief die Mutter.

»Du scherzest!« rief die Schwester.

»Hört!« bat der Doctor. »Ich machte in Paris die Bekanntschaft einer Dame von solcher Schönheit, daß ihr die sämmtliche Herrenwelt zu Füßen lag -«

»Eben diese Gräfin?« fragte Rodenstein.

»Ja. Ich erfuhr, daß sie Gräfin sei und Erbin von vielen Millionen; ich bewunderte also ihre wahrhaft königliche Schönheit, die Tiefe ihrer Geistesbildung und die Güte ihres Herzens, wagte aber natürlich nicht, ihr Huldigungen darzubringen, zu denen der arme Arzt nicht berechtigt sein konnte. Wir sahen uns aber


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trotzdem, und eines Tages sagten wir uns, daß unsere Liebe hoffnungslos sei, da sie gezwungen war, den Rücksichten ihres hohen Standes zu entsprechen.«

»Albernheit!« fiel der Hauptmann ein. »Man heirathet, wen man lieb hat! «

Sternau fuhr fort, ohne auf diese kräftige Bemerkung einzugehen:

»Sie reiste ab. Da, nach langer Zeit erhalte ich einen Ruf von ihr, nach Spanien zu kommen und ihren schwer kranken Vater in Behandlung zu nehmen. Er war blind und litt zu gleicher Zeit an einem lebensgefährlichen Steinübel. Ich reiste ab, kam in Rodriganda an und fand ihn unter der Behandlung von Aerzten, von denen ich jetzt überzeugt bin, daß sie bestochen waren, ihn todt zu kuriren.«

»Die soll der Teufel holen! « rief der Hauptmann.

»Ich jagte sie allerdings zum Teufel,« sagte Sternau.

»Und machten den Grafen gesund?«

»Ja. Ich operirte den Stein und das Auge; er wurde wieder sehend.«

»Nun, so ist die Geschichte ja abgemacht! Wenn Sie dem Grafen das Leben retten und das Licht der Augen wiedergeben, so ist es ja gar nicht anders zu erwarten, als daß er Ihnen seine Tochter zur Frau giebt! «

»Er hätte es ganz sicher gethan; aber er konnte nicht. Hören Sie weiter! «

Er erzählte nun in ausführlicher Weise seine Erlebnisse, berichtete von seinen Gedanken, erklärte ihnen die allerdings oft sehr kühnen Schlüsse, welche er gezogen hatte, und fesselte sie durch diesen Bericht so sehr, daß sogar der Hauptmann vergaß, mit seinen beliebten Kraftwörtern drein zu fahren. Am Ende aber wuchs die Entrüstung desselben doch so hoch, daß er sich nicht mehr halten konnte. Er sprang auf, rannte mit langen Schritten in der Stube umher und rief:

»Herrgott, welch' eine Gesellschaft von Kanaillen und Hallunken! Hätte ich sie da, o, hätte ich sie nur da! Ich schnitte ihnen die Hälse ab, ich köpfte sie, ich hing sie alle mit einander verkehrt auf! So sind Sie also glücklich über die Grenze gekommen?«

»Ja. Ich ging von da zunächst schleunigst nach Paris, um mich dem Gesandten vorzustellen, ihm Alles zu erzählen und um seinen Schutz zu bitten.«

»That er es?«

»Ja. Er war auch dabei, als ich die größten Kapazitäten des Irrenwesens versammelte, um ihnen den Fall vorzutragen und die Gräfin vorzustellen. Auch gab er mir hinreichend Winke darüber, was ich hier in Deutschland zu thun habe, um mich gegen Nachstellungen wehren zu können und das Erbe der Gräfin zu wahren.«

»Und diese selbst? Wo ist sie? Ist sie noch krank? Reden Sie, Doctor!«

»Sobald ich die deutsche Grenze überschritt, that ich alle die Schritte, zu denen mir der Gesandte gerathen hatte. Ich erstattete nach Spanien Anzeige über die verübten Verbrechen; ich sprach in Köln mit einem der berühmtesten Juristen Deutschlands, welcher mir die Versicherung gab, daß das reiche Erbe der Gräfin sicher ausgezahlt werde, sobald es nur gelinge, sie von ihrem Irrsinne zu hellen. Dann reiste ich mit ihr und den beiden treuen Begleitern nach Mainz, wo ich sie im Hotel zurückließ, um zunächst die Mutter und Schwester aufzusuchen.«

»In Mainz sind sie?« frug der Hauptmann ganz begeistert. »Alle Wetter, warum denn in Mainz? Habe ich etwa kein Herz, he? Habe ich keine Zimmer und keinen Bissen Brod für solche Leute, he? Wenn Sie nicht sofort nach Mainz


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fahren und sie mir nach Rheinswalden bringen, so gehe ich auf der Stelle selbst und heirathe Ihnen die Millionen-Gräfin vor der Nase weg; darauf können Sie sich verlassen! Haben Sie Gepäck mit?«

»Ja.«

»Viel? Geht es auf einen Wagen?«

»Es wird wohl gehen.«

Da riß der Hauptmann das Fenster auf und rief in den Hof hinab:

»Heinrich, spanne zwei Kutschen an und einen Leiterwagen! In einer Viertelstunde geht's nach Mainz!«

»Aber, Herr Hauptmann,« sagte Sternau, »ich muß aufrichtig -«

»Papperlapapp!« unterbrach er ihn. »Hier bin ich Herr im Hause! Machen wir die Sache kurz: haben Sie sich bereits entschlossen, wohin Sie die Gräfin bringen wollen?«

»Nein.«

»Ist Ihnen meine Oberförsterei gut genug oder nicht?«

»Von nicht gut genug kann ja gar keine Rede sein; ich denke nur -«

»So! Was denken Sie denn nur, he?«

»Daß wir Ihnen beschwerlich fallen wer-«

»Beschwerlich? Bleiben Sie mir mit Ihrem »beschwerlich« zu Hause! Sie ziehen nach Rheinswalden, und zwar noch heute, abgemacht! Sie, die Gräfin und Alimpo mit seiner Elvira sind vier Personen - eine Kutsche; ich, Frau und Fräulein Sternau sind drei Personen - die zweite Kutsche; wir haben also vollständig Platz und fahren mit. Pasta! Die Fremdenzimmer sind stets in Ordnung. Was ja noch zu thun sein könnte, das kann gethan werden, während Heinrich anspannt. Und nun, meine liebe Frau Sternau, sorgen Sie zu allernächst dafür, daß der Herr Doctor und Cousin Etwas zu essen bekommt. Gehen Sie, denn ich brauche Sie jetzt nicht mehr. Ich habe da mein altes Arbeitswamms an und muß mich in einen anderen Gottfried stecken. Sie sehen, Cousin, daß ich es ehrlich meine und nicht viel Federlesens mache; ich hoffe, daß Sie es ganz ebenso mit mir halten; dann werden wir auf das Prachtvollste mit einander verkommen!«

Nach einiger Zeit fuhren zwei elegant bespannte Kutschen zum Thore hinaus, und hinterher folgte ein leerer Leiterwagen. Es ging im Galopp nach Mainz, wo vor dem Portale zum Hotel »Englischer Hof« gehalten wurde. Die Zahl der herbei eilenden Kellner und Bediensteten bewies, welchen Eindruck Doktor Sternau während seines kaum eine Stunde währenden Aufenthaltes im Hotel bereits gemacht hatte. Die Insassen der Wagen stiegen aus und begaben sich nach den Zimmern, welche Sternau in Beschlag genommen hatte. In dem ersteren derselben trafen sie den Kastellan mit seiner Frau.

»Ah, das ist Mosjeh Alimpo mit seiner guten Elvira?« fragte der Hauptmann, als er die beiden dicken Leute erblickte.

Der Kastellan hörte die beiden Namen und schloß daraus, daß die Rede von ihnen sei; er machte daher eine tiefe Verbeugung und sagte:

»Mira! Yo soi Juan Alimpo é está ma buena Elvira - siehe da, ich bin Juan Alimpo, und diese ist meine gute Elvira!«


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»Ah, Sapperment, nun kann ich kein Wort Spanisch reden,« sagte der Hauptmann. »Daran habe ich noch gar nicht gedacht!«

»Nun, so sprechen Sie vielleicht etwas Französisch?« fragte Sternau.

»Zur Noth.«

»So können Sie sich mit diesen beiden Leuten zur Genüge verständlich machen. Sie sprechen Beide leidlich Französisch. Aber bitte, treten wir ein!«

Er öffnete das Nebenzimmer, und der Anblick, der sich ihnen hier bot, war ganz geeignet, sie Alle mit tiefster Rührung zu erfüllen.

Vor dem Sopha, vor welchem man vorsorglicher Weise ein weiches Kissen gelegt hatte, kniete Rosa. Sie hatte die weißen, zarten Hände gefaltet und blickte, während ihre jetzt blutleeren Lippen sich unhörbar bewegten, betend nach oben. Ihr eingesunkenes Gesicht war von einer überirdischen, geisterhaften Schönheit. Man sah es ihm an, wie hinreißend und bezaubernd sein Ausdruck gewesen sein müsse, als noch der Geist diese engelsreinen Züge bewohnte und beherrschte.

»Wie schön!« flüsterte vollständig bezaubert der Hauptmann. »O, man sollte diese Hallunken alle lebendig spießen und braten! Sie soll es bei mir haben wie im Himmel!«

»O mein Gott,« sagte Frau Sternau, indem ihr die hellen Thränen in die Augen traten. »Du armes, armes Kind! Beten wir zu Gott, daß er ihr noch Hilfe sende!«

Helene sagte gar nichts. Sie eilte zum Sopha, kniete neben Rosa nieder, umschlang sie liebevoll mit den Armen und weinte. Auch die Mutter trat hinzu. Die beiden Frauen richteten die Kranke empor und setzten sie auf das Sopha; sofort aber glitt sie wieder in ihre betende Stellung auf das Kissen nieder.

»Und Sie haben das Mittel noch nicht versucht?« fragte der Hauptmann.

»Nein,« antwortete Sternau.

»Warum nicht?«

»Es fehlte mir in Paris und unterwegs die passende Umgebung und die nothwendige Pflege.«

»Und Sie hoffen, daß es hilft?«

»Ich hoffe es, obgleich das Gift nun vollständig durch ihren Körper verbreitet ist. Ich werde morgen sofort die Behandlung beginnen.«

»Wissen Sie, worüber ich mich königlich freue, Doktor?«

»Nun?«

»Darüber, daß Sie das Gegengift gerade von diesem Cortejo genommen haben. Er muß in diesen wenigen Minuten fürchterlich gelitten haben.«

»Es giebt keine größere, keine furchtbarere Pein, keinen wüthenderen Schmerz, als bis zum Schäumen gekitzelt zu werden. Er wird diese Augenblicke niemals vergessen können. Aber ich denke, wir brechen auf, Herr Hauptmann. Nicht?«

»Ja. Sie setzen sich mit der Gräfin und Ihrer Mutter und Schwester in den einen Wagen, und ich werde in dem anderen mir Mühe geben, mit Alimpo und Elvira meine drei übrig gebliebenen Worte Französisch zu radebrechen. Kommen Sie!«

Die Effecten, welche Sternau mitgebracht hatte, wurden auf den Leiterwagen verladen; er berichtigte die Zeche; dann stieg man auf und fuhr vom Hotel ab.


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Eben fuhren sie durch eine der Hauptstraßen, da gab der Hauptmann seinem Kutscher ein Zeichen, neben dem Wagen Sternau's zu fahren. Auf diese Weise kam er zu diesem in eine Stellung, daß er mit ihm sprechen konnte.

»Cousin,« sagte er, blicken Sie einmal rechts hinüber nach dem Trottoire!«

»Ja.«

»Sehen Sie den Menschen mit dem grauen Ueberrocke?«

»Mit dem Regenschirme über dem Arme?«

»Ja.«

»Wer ist es?«

»Der großherzoglich hessische Polizei-Commissar.«

»Ah, den muß ich mir genauer ansehen!«

»Er wird uns natürlich bemerken, und ich möchte wetten, daß wir ihn nun bald wieder auf der Oberförsterei sehen, denn er wird sofort schließen, daß Sie der erwartete Doktor Sternau sind.«

Wirklich blieb der Mann, als sie an ihm vorüber fuhren, stehen. Er rückte die Brille zurecht, und als sie an ihm vorüber waren, drehte er sich mit einem höhnischen Lachen um und eilte der Gegend zu, in welcher die Amts- und Gerichtsgebäude liegen.

Sie aber fuhren, unbekümmert um ihn, weiter und langten nach kurzer Zeit auf Rheinswalden an, wo ihre Zimmer in bester Ordnung auf sie warteten, denn Sternau's Mutter hatte an Frau Helmers den Auftrag gegeben, Alles auf die Ankunft der Gäste gehörig vorzubereiten.

Der Schluß des Tages wurde benutzt, sich gehörig einzurichten, und am Abend saßen die Freunde beisammen, um die spanischen Abenteuer ausführlicher zu besprechen, als es beim ersten Male möglich gewesen war. Dabei fehlten Alimpo und seine Elvira, denn diese saßen im Vorzimmer der Gräfin und bei ihnen war der kleine Kurt, der sehr schnell ein außerordentliches Wohlgefallen an den beiden dicken Leuten gewonnen hatte. Er hatte bereits längere Zeit von dem Rheinswaldener Lehrer Unterricht im Französischen und Englischen erhalten und freute sich königlich, in der ersteren dieser Sprachen mit Alimpo und dessen Frau reden zu können.

Man ging erst sehr spät schlafen und stand in Folge dessen am anderen Morgen nicht sehr früh auf. Der Hauptmann war der Erste, welcher auf dem Schloßhofe erschien. Er fand Ludewig mit dem Füttern der Hunde beschäftigt und trat näher.

»Eins - zwei - vier - sechs - sieben - acht Hunde,« zählte er. »Es fehlt ja einer! «

Ludewig stellte sich in militärische Positur.

»Herr Hauptmann, es ist - ich - ich - -!«

Es war ihm so himmelangst zu Muthe, daß ihm der Satz im Munde stecken blieb.

»Nun, was ist's?« fragte Rodenstein in strengem Tone.

»Ich - es - - es fehlt einer!«

»Das habe ich bereits gesehen! Welcher denn?«

»Die Waldina.«

»Wo ist sie?«


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»Sie ist - hm, sie ist - todt.«

»Todt? Bist Du gescheidt!«

»Ja, sie ist todt, Herr Hauptmann.«

Die dicken Schweißtropfen standen ihm auf der Stirn. Es war ihm, als ob er gerädert werden solle.

»Todt? Donnerwetter! An was ist sie denn gestorben? Sie war ja gesund!«

»Sie ist - sie hat - -«

»Nun, was hat sie denn? Hat sie sich etwa überfressen?«

»Ja, das hat sie, Herr Hauptmann.«

»Sapperlot! An was hat sie sich denn überfressen?«

Seine Stirn legte sich in drohende Falten, denn er glaubte, daß Ludewig ihn belügen wolle.

»An - einer - - an einer Kugel, Herr Hauptmann,« lautete die Antwort.

Die Falten verzogen sich langsam wieder, und der Oberförster sagte:

»Dummer Schnack! Ein Hund frißt doch keine Kugeln!«

»So stirbt er an dem Grase, in das er beißen muß. Herr Hauptmann, ich bin ein Esel!«

»Das merke ich bald! «

»Ja, ein großer Ochse und Esel, vielleicht gar ein Rhinoceros! Denn die Kugel war von mir.«

»Der Teufel mag Dich verstehen! Rede doch deutlicher!«

»Es will nicht heraus, aber es muß! Ich habe die Waldina gestern erschossen.«

»Alle tausend Granaten! Warum denn? War sie vielleicht plötzlich toll geworden?«

»Nein, sondern ich war toll, ich hatte die Hundswuth; darum schoß ich auf den Hund, anstatt auf den Fuchs. Der Teufel soll mich holen, wenn ich das begreife!«

»Ja, der alte Jäger erschoß den Hund, und der kleine Junge erlegte unterdessen den Fuchs!«

»So wissen Sie es schon, Herr Hauptmann? Ja, es war ein Sauschuß. Ich bin meiner Seele nichts Anderes werth, als daß Sie mich aus dem Dienste jagen! «

»Das wäre auch geschehen, Dummkopf, aber ich habe mein Ehrenwort gegeben, daß ich Dich nicht einmal auszanken will.«

»Ah! Wem haben Sie es gegeben, Herr Hauptmann?«

»Dem Kurt.«

»Dem Kurt? Alle Wetter, das ist doch ein braver Junge dahier! Das werde ich ihm nicht vergessen!«

»Das hoffe ich auch. Er konnte sich etwas Anderes erbitten, aber er dachte nur daran, Dir den Denkzettel zu ersparen, den Du verdient hattest. Wo ist die Waldina?«

»Ich habe sie im Garten begraben, mit allen Ehren, Herr Hauptmann; sie war es werth dahier!«

Rodenstein hätte den Jäger gern noch ein Wenig geängstigt, aber er wurde


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unterbrochen, denn es kam ein Wagen auf den Hof gefahren, und in demselben saßen - der Polizei-Commissar und drei Gendarmen, welche ihre Gewehre bei sich trugen und also sich auf den Transport eines Gefangenen vorbereitet zu haben schienen. Er wandte sich ab und ging, ohne sie zu beachten, nach seinem Zimmer. Er wußte ja, daß sie zu ihm kommen würden; sie waren ihm gewiß genug. Wirklich trat nach kurzer Zeit Ludewig bei ihm ein, um den Commissar zu melden.

»Er mag hereinkommen,« sagte der Oberförster. »Wo sind die Gendarmen?«

»Sie halten die Ausgänge besetzt, Herr Hauptmann.«

»Ah! Schön! Warte draußen vor der Thür!«

Der Jäger ging und ließ den Commissar herein.

»Besten guten Morgen, Herr Oberförster!« grüßte dieser mit höhnischer Höflichkeit.

»Guten Morgen,« antwortete dieser höflich. »Sehen Sie, was eine gute Lehre zu bedeuten hat! Sie haben bereits ganz hübsch grüßen gelernt. Fahren Sie nur so weiter fort, Männchen!«

»Vielleicht gebe ich Ihnen heute auch eine Lehre!«

»Soll mich freuen! Ob ich sie aber befolgen werde, das wird sich doch erst noch zeigen müssen.«

»Ich bin bereits überzeugt, daß Sie sie befolgen werden. Erlauben Sie mir zunächst die Frage, ob Sie mich heute wirklich mit Hunden vom Schlosse forthetzen lassen werden?«

»Ja, ganz sicher, wenn Sie sich nicht legitimiren können!

»Ich habe für eine genügende Legitimation gesorgt. Hier, wollen Sie dieselbe lesen!«

Er zog ein Papier hervor, welches er dem Hauptmann zusammengeschlagen hinreichte.

»Ah, ich bin Ihr Diener nicht, Männchen. Machen Sie das Ding gefälligst selber auf!«

Der Polizist öffnete, und nun las der Oberförster den Inhalt.

»Schön,« sagte er dann. »Das gilt; das ist vom Staatsanwalt. Er bittet mich darin, ihnen Auskunft zu geben und allen Vorschub zu leisten.«

»Sie werden das thun?«

»Ja, allen Vorschub, aber keinen Vorspann, allenfalls aber einige Nachhilfe. Was wollen Sie?«

»Ist Doktor Sternau hier?«

»Ja.«

»Wann ist er gekommen?«

»Gestern. Sie haben ihn ja gesehen.«

»Hat er irgend welche Personen mitgebracht?«

»Ja.«

»Wen?«

»Hm, einen gewissen Alimpo.«

»Wen noch?«

»Eine gewisse Elvira.«

»Wen noch?«


Ende der elften Lieferung - Fortsetzung folgt.



Karl May: Waldröschen

Karl May - Leben und Werk