Lieferung 18

Karl May

24. März 1883

Waldröschen
oder
Die Rächerjagd rund um die Erde.

Großer Enthüllungsroman
über die
Geheimnisse der menschlichen Gesellschaft

von

Capitain Ramon Diaz de la Escosura.


// 409 //

»Zwei Stunden vor Mitternacht.«

»Wo?«

»Unter den Oelbäumen am Bache.«

»Ich komme!«

Als der Abend hereingebrochen war, versammelte man sich im Speisesaale, wo wahrhaft riesige Vorräthe auf die Tische getragen wurden. Auch die beiden Indianerhäuptlinge waren da; der Graf jedoch ließ sich nicht sehen. Er hatte sich bereits nach den Oelbäumen geschlichen, in deren Nähe das Wasser so vertraulich rauschte und plauderte. Um die angegebene Zeit kam die Indianerin. Er umfaßte sie und zog sie zu sich nieder. Sie zeigte sich schweigsamer, als er sie bisher kannte.

»Was hast Du, meine Süße?« fragte er. »Liebst Du mich nicht mehr?«

»Ja doch, obgleich ich Dich nicht mehr lieben sollte,« sagte sie.

»Warum nicht?«

»Weil Du Dich nicht freust, daß ich gerettet worden bin.«

»Ah! Wie kommst Du auf diesen Gedanken?«

»Hättest Du sonst meine Retter so beleidigt?«

»Sie gehören hinaus auf die Weide, nicht aber in die Estancia.« Sie schüttelte den schönen Kopf.

»Du bist nicht edel, Alfonzo.«

»O doch, aber ich hasse alles Häßliche.«

»Ist dieser Donnerpfeil häßlich?«

»Donnerpfeil? Der große Reiter und Rastreador? Den habe ich ja noch gar nicht gesehen!«

»Du hast ihn gesehen. Helmers ist es.«

»Verdammt! Nun begreife ich auch die Forderung!«

»Wirst Du Dich mit ihm schlagen?«

»Fällt mir nicht ein! Er ist mir nicht ebenbürtig!«

Sie liebte ihn, und sie hatte Angst um ihn, darum sagte sie:

»Daran thust Du Recht.«

»Recht? Wieso?«

»Du wärst verloren.«

Es ist nicht angenehm für einen Mann, von der Geliebten zu hören, daß sie einen Andern für stärker und tapferer hält, darum meinte er:

»Du täuschest Dich. Sahst Du mich einmal schießen?«

»Nein.«

»Oder fechten?«

»Nein.«

»Nun, so kannst Du auch nicht urtheilen. Ein Ritter, ein Graf muß in solchen Dingen jedem Jäger überlegen sein. Du wirst mich erst kennen lernen, wenn ich Dich zu meiner Gemahlin erhoben habe.«

»O, das wird nie geschehen!«

»Warum zweifelst Du?«

»Ich ahne es.«

»So glaubst Du allen meinen Versicherungen und Schwüren nicht?«


// 410 //

»O, Alfonzo, ich möchte so gern glauben. Ich liebe Dich, und wir würden glücklich sein.«

»Wir werden es, aber ob bald oder später, das kommt auf Dich an, mein süßes Herz.«

»Inwiefern?«

»Kennst Du nicht die Bedingung, die ich Dir gesagt habe?«

»Sie ist hart!«

»Nein, sie ist leicht.«

»Sie verlangt, daß ich meinen Schwur breche, daß ich zur Verrätherin an meinem Volke werde.«

»Der Schwur bindet Dich nicht, denn Du gabst ihn als Kind, und Dein Volk ist kein Volk mehr. Wenn Du mich liebst und die Meinige werden willst, so ist nur mein Volk das Deinige. Ich bin jetzt nach der Hacienda del Erina gekommen, um mir Gewißheit zu holen. Muß ich auch dieses Mal ohne Dich abreisen, so gehe ich nach Spanien, und wir sind getrennt für immer.«

»Du bist grausam.«

»Nein, ich bin nur vorsichtig. Ein Herz, welches keine Opfer zu bringen vermag, kann nicht wirklich lieben.«

»O,« rief sie, ihn umschlingend, »ich liebe Dich unendlich! Glaube es mir doch!«

»So beweise es mir!«

»Muß es wirklich sein?«

»Ja. Wir brauchen die Schätze der Königshöhle, um dem Vaterlande einen neuen Herrscher zu geben. Und die erste That dieses Herrschers wird sein, Dich in den Adelstand zu erheben, damit Du Gräfin Rodriganda werden kannst.«

»Das wird wirklich geschehen?«

»Ich schwöre es Dir zum tausendsten Male!«

»Und Du wirst meinem Bruder niemals verrathen, daß ich es war, welche Dir das Geheimniß mittheilte?«

»Niemals. Er wird gar nicht erfahren, wer die Schätze geholt hat.«

Alfonzo fühlte die Indianerin nachgiebig werden, und seine Brust schwoll vor Entzücken. Er heuchelte ihr nur Liebe, um ihr das Geheimniß zu entlocken. Er hätte ihr jetzt Alles, Alles versprochen, um sie nur zum Reden zu bringen.

»Nun gut, Du sollst erfahren, wo sich der Königsschatz befindet.«

»Ah, endlich!« jubelte er.

»Aber nur unter einer Bedingung.«

»Sage sie!«

»Du erfährst es am Tage unserer Verlobung.«

»Das geht nicht,« sagte er enttäuscht.

»Warum, Alfonzo?«

»Du erhältst den Adel nur in Folge des Schatzes, und eher darf nach den Gesetzen des Landes unsere Verlobung nicht sein.«

»Dies ist wirklich wahr?« fragte sie.

Er umschlang sie, drückte sie an sich und küßte sie zärtlich auf die schwellenden Lippen.


// 411 //

»Es ist so, glaube es mir doch, meine liebe, liebe Karja. Du weißt ja, daß ich ohne Dich nicht leben kann! Du bist zwar ein Fürstenkind, aber das gilt nach spanischen Gesetzen nicht als Adel. Meinem Herzen bist Du theuer und ebenbürtig, vor der Welt aber ist dies anders. Magst Du mir denn nicht vertrauen, mein Leben?«

»Ja, Du sollst es erfahren,« sagte sie, deren Widerstand unter seinen Zärtlichkeiten zusammenschmolz. »Aber dennoch wirst Du mir eine ganz kleine Bedingung erlauben?«

»Welche? Sprich, mein Leben!«

»Du giebst mir vorher eine Schrift, in welcher Du sagst, daß ich gegen Ueberantwortung des Schatzes Deine Frau werden soll.«

Diese Bedingung war ihm höchst fatal; aber sollte er jetzt, so nahe am Ziele, einer Albernheit wegen zaudern? Nein. Diese Indianerin war nicht die Person, mit einigen geschriebenen Worten irgend welche Ansprüche rechtfertigen zu können; darum antwortete er bereitwillig:

»Gern, sehr gern, meine Karja! Ich thue ja damit nur das, was ich selbst von ganzem Herzen wünsche. Also sag, wo liegen die Schätze?«

»Erst die Schrift, lieber Alfonzo!«

»Ach so! Aber sie ist ja noch nicht fertig!«

»So warten wir.«

»Wie lange?«

»Wie es Dir gefällt.«

»Schön! Ich werde sie bis morgen Mittag anfertigen.«

»Und Dein Siegel darunter setzen!«

»Jawohl!« versetzte er, obgleich ihm dies nicht willkommen war.

»So werde ich Dir am Abend den Ort beschreiben.«

»Warum erst am Abend?«

»Früher noch?«

»Ja. Die Schrift ist ja bereits am Mittage fertig. Darf ich da zu Dir kommen?«

»Nein. Ich muß jeden Augenblick gewärtig sein, daß Emma oder eine der Dienerinnen zu mir kommt. Man könnte uns sehr leicht überraschen.«

»So kommst Du zu mir.«

»Ich zu Dir?« fragte sie zögernd.

»Fürchtest Du Dich?«

»Nein. Ich werde kommen.«

»Ich kann mich darauf verlassen?«

»Ja, gewiß!«

Da nahm er sie abermals an sich und küßte sie, obgleich ihm diese Zärtlichkeit eine gewisse Ueberwindung kostete. Sein Herz war zwar weit, aber eine Indianerin war doch nicht nach seinem Geschmacke. Er liebte - wenigstens für jetzt - eine Andere, und diese Andere war Emma Arbellez, wegen der er so oft von Mexiko nach der Hazienda kam, Emma Arbellez, die ihn doch stets so kalt und schroff zurückwies und ihm noch heute ihre Verachtung in so deutlichen Ausdrücken zu verstehen gegeben hatte.


// 412 //

Während diese Beiden unter den Oliven saßen, führte Helmers den Häuptling Tecalto nach seinem Lagerplatze im Grase der Weide. Er war seit langer Zeit die freie Gottesnacht gewöhnt und wollte, ehe er sich im Zimmer schlafen legte, noch eine Lunge voll frischer Luft sammeln. Darum ging er, als er sich von dem Häuptling verabschiedet hatte, noch nicht in die Hazienda zurück, sondern trat in den Blumengarten, wo er sich am Rande des künstlichen Bassins niederließ, in welchem eine Fontaine ihren belebenden Wasserstrahl zur Höhe schoß.

Er hatte noch nicht lange hier gesessen, als er den Schritt eines leisen Fußes hörte. Gleich darauf kam eine weibliche Gestalt langsam den Gang daher geschritten und grad auf die Fontaine zu. Er erkannte Emma und erhob sich, um nicht vielleicht für einen Lauscher gehalten zu werden. Sie erblickte ihn und zauderte, weiter zu gehen.

»Bitte, Sennorita, treten Sie getrost näher,« sagte er. »Ich werde mich sogleich entfernen, um Sie nicht zu stören.«

»Ach, Sie sind es, Sennor Helmers,« antwortete sie. »Ich glaubte, daß es ein Anderer sei, und dachte, Sie hätten die Ruhe bereits aufgesucht.«

»Das Zimmer ist mir noch zu unbequem und drückend; man muß sich erst daran gewöhnen.«

»Es ging mir ganz ebenso, darum suchte ich vorher noch den Garten auf.«

»So genießen Sie den Abend ungestört. Gute Nacht, Sennorita!«

Er wollte sich zurückziehen, sie aber nahm ihn bei der Hand, um ihn zurück zu halten.

»Bleiben Sie, wenn es Ihnen Bedürfniß ist,« sagte sie. »Unser Gott hat Luft und Duft und Sterne genug für uns Beide. Sie stören mich nicht.«

Er gehorchte und nahm neben ihr am Rande des Bassins Platz.

Unterdessen hatte sich der Häuptling der Miztekas hart an der Gartenpallisade nieder gelegt. Er blickte träumerisch gen Himmel und ließ seine Phantasie hinauf steigen in jene ewigen Welten, wo Sonnen rollen, die von seinen Ahnen verehrt worden waren. Dabei aber hatte er doch einen Sinn für das kleinste Geräusch seiner Umgebung.

Da war es ihm, als ob er im Innern des Blumengartens leise Schritte und dann auch unterdrückte Stimmen vernähme. Er wußte, daß der Graf sich bemühte, so oft wie möglich in die Nähe seine Schwester zu kommen, und er wußte ebenso, daß diese dem Bestreben des Grafen keinen Widerstand entgegensetzte. Sein Argwohn erwachte. Weder der Graf noch Karja waren seit einer Stunde in der Hazienda zu sehen gewesen; sollten sie ein Stelldichein im Garten verabredet haben? Er mußte das erfahren, das war nothwendig für ihn und sie.

Er erhob sich also und schwang sich mit echt indianischer Leichtigkeit über die Pallisaden in den Garten hinüber. Dort legte er sich auf den Boden und schlich mit solcher Unhörbarkeit näher, daß selbst das geschärfte, jetzt aber in Sicherheit gewiegte Ohr des Deutschen nichts vernahm. Er erreichte unbemerkt die andere Seite des Bassins und konnte nun jedes Wort der Unterhaltung verstehen.

»Sennor, ich sollte Ihnen eigentlich zürnen!« sagte Emma soeben.

»Warum?,«

»Weil Sie mir heute so große Angst verursacht haben.«


// 413 //

»Wegen der Pferde?«

»Ja.«

»Sie haben sich umsonst geängstigt, denn ich habe Pferde gebändigt, welche noch viel schlimmer waren. Der Rappe ist nun so fromm, daß ihn jede Dame unbesorgt reiten kann.«

»Ein Gutes hat der Vorgang doch gehabt.«

»Was?«

»Daß Sie Ihr Inkognito aufgegeben haben, Sie eitler Mann!«

»O,« lachte er, »eine eigentliche Eitelkeit war es nicht. Man muß zuweilen vorsichtig sein. Gerade dadurch, daß man mich für einen ganz gewöhnlichen und ungeübten Jäger hielt, habe ich oft die größten Vortheile errungen.«

»Aber mir konnten Sie es doch wenigstens sagen. Sie hatten mir doch bereits ein viel größeres Geheimniß anvertraut.«

»Ein Geheimniß, welches für mich wohl niemals einen Werth haben wird. Ich werde die Höhle des Königsschatzes niemals entdecken, obgleich ich mich hier in der Nähe befinden muß.«

»Ah, woraus schließen Sie das?«

»Aus der Bildung der Berge und dem Laufe der Wasser. Die Gegend, welche wir zuletzt durchritten, stimmt ganz genau mit einem Theile meiner Karte.«

»So haben Sie ja einen Anhalt gefunden und können weiter suchen!«

»Es fragt sich sehr, ob ich dies thue.«

»Warum?«

»Weil ich im Zweifel bin, ob ich ein Recht dazu habe.«

»Sie hätten doch jedenfalls das Recht des Finders. Ich überschätze den Werth des Goldes keinesfalls, aber ich weiß doch auch, daß der Besitz desselben Vieles gewährt, nach welchem selbst Tausende vergeblich streben. Suchen Sie, Sennor! Es sollte mich freuen, wenn Sie fänden!«

»Ja, die Macht des Goldes ist groß,« sagte er nachdenklich, »und ich habe in der Heimath einen armen Bruder, dessen Glück ich vielleicht machen könnte. Aber wem gehört dieser Schatz? Doch wohl den Nachkommen Derer, die ihn versteckten.«

»Wissen Sie nicht, von wem Ihre Karte stammt?«

»Von einem Jäger, wie ich Ihnen bereits sagte. Er war verwundet und starb, ehe er mir die nothwendigen mündlichen Aufklärungen geben konnte.«

»Und es steht kein Name darauf?«

»Nein. In der einen Ecke befindet sich ein räthselhaftes Zeichen, welches ich nicht zu erklären vermag. Ja, ich nehme es mir vor, ich werde suchen. Aber wenn ich den Schatz wirklich finden sollte, so werde ich ihn nicht berühren, sondern nach den rechtlichen Besitzern desselben suchen. Sollten diese nicht zu finden sein, so ist es noch immer Zeit, sich zu entschließen.«

»Sennor, Sie sind ein Ehrenmann!« sagte die Mexikanerin warm.

»Ich thue nur, was ich muß, und unterlasse alles Unrecht.«

»Ihr Bruder ist also arm?«

»Ja. Er ist ein Seemann, der es wohl nie zu einer Selbstständigkeit bringen kann, so lange er auf seine eigene Kraft angewiesen ist. Ich selbst besitze nur eine kleine Summe, welche ich aus dem Ertrage meiner Jagdstreifereien gelöst habe.«


// 414 //

»Sie besitzen mehr!« sagte sie.

»Da möchte ich doch fragen!«

»Sollte ein »Donnerpfeil« wirklich so arm sein? Giebt es nicht Reichthümer, welche mit dem Besitze des Goldes nichts zu thun haben?«

»Ja, es giebt solche Schätze! Ich kenne einen solchen Schatz, der kostbarer ist als alles Gold der Erde, und hätte ich tausend Leben, so würde ich sie alle opfern, um nach dem Besitze dieses Schatzes ringen zu dürfen. Ja, Sennorita, ich bin Itinti-ka, der Donnerpfeil; ich gehöre zu den gefürchtetsten Pfadfindern der Wildniß. Der Bösewicht zittert vor mir, mag er nun eine weiße oder eine rothe Haut tragen. Ich bin an Gefahren gewöhnt, aber, um diesen Schatz zu erobern, würde ich mit allen Weißen und Indianern des Westlandes kämpfen.«

»Darf man diesen Schatz kennen lernen?«

»Darf ich ihn denn nennen?« fragte er leise.

In seiner Stimme klang jene unbeschreibliche Modulation, welche nur eine Folge der ächten, wahren Liebe ist. Dieser Ton fand Wiederhall in ihrem Herzen. Sie antwortete:

»Sagen Sie es!«

»Sie - Sie selbst sind es ja!« sagte er, indem er ihre Hand ergriff. »Glauben Sie das?«

»Ich glaube es,« sagte sie einfach und innig. »Klingt das nicht wie eine Anmaßung, Sennor? Aber es ist die Wahrheit, denn auch ich fühle es, daß man ein Menschenherz höher schätzen kann als alle Reichthümer der Erde. Ich selbst kenne ja auch einen solchen Schatz.«

Es durchzitterte ihn in süßer, wonniger Ahnung bei diesen Worten, und er fragte:

»Welcher Schatz ist es, Sennora?«

»Soll ich ihn wirklich nennen?« sagte sie leise und verschämt.

»O, bitte, bitte!«

»Sie sind es - nein, Du bist es, Antonio!«

Bei diesen Worten schlug sie die Arme um seinen Nacken und legte das Köpfchen an seine Brust.

»Ist's wahr, ist's möglich?« fragte er, nicht laut, sondern in jenem leisen Tone, in welchem trotzdem das volle Orchester eines wonneerfüllten Herzens erklingt.

»Ja. Ich habe Dich bewundert von dem Augenblicke an, an welchem Du meine Fesseln zerschnittest und mich mit starker Hand auf Dein Pferd schwangst, und ich habe Dich geliebt von dem Augenblicke an, an welchem ich Dir dann in Dein gutes, treues Auge blicken konnte. Ich bin Dein, Du starker, Du lieber, Du guter Mann, und jeder Augenblick meines Lebens soll nur Dir allein gewidmet sein.«

Da legte auch er seine Arme um sie und flüsterte, fast betend:

»Herrgott, ich danke Dir! Das ist des Glückes fast zu viel für einen armen Jägersmann.«

Ihre Lippen suchten sich, und als sie sich in einem langen, seligen Kusse fanden, da hörten sie nicht, daß sich an der anderen Seite des Bassins Etwas zu


// 415 //

regen begann. Es war Mokashi-motak, der Häuptling Büffelstirn, welcher sich an die Pallisaden zurückschlich, um sich über dieselben hinüberzuschwingen und sich dann zur Ruhe zu legen. -

Um diese Zeit saß in einem abgelegenen Thale, vielleicht zwei Stunden von der Hazienda del Erina entfernt, eine Anzahl von vielleicht zwanzig Männern um ein Feuer. Es waren lauter wilde, verwegene Gestalten, deren Jeder man zutrauen könnte, daß sie einen Mord oder so etwas Aehnliches auf dem Gewissen habe. Das Viertel eines Kalbes briet am Spieße, und die Reste des Thieres, welche daneben lagen, bewiesen, daß man bereits seit längerer Zeit ganz tüchtig geschmaußt habe.

»Also wie wird's, Kapitano?« fragte Einer mit unmuthiger Stimme. »Warten wir noch länger?«

Der Gefragte lag neben ihm auf dem Ellbogen. Er hatte ein echtes Banditengesicht, und sein Gürtel strotzte von Waffen.

»Wir warten,« sagte er finster und bestimmt.

»Aber wie lange noch?«

»So lange es mir gefällt.«

»Oho, ich habe es satt!«

»Schweig!«

»Du wirst mir wohl erlauben, zu reden. Wir liegen bereits seit vier Tagen hier und wissen nicht, ob man uns nur für Narren hält.«

»Hältst Du Dich für einen Narren, so habe ich nichts dawider. Wie ich mit mir daran bin, das weiß ich glücklicher Weise ganz genau.«

»Aber wie wir mit diesem sogenannten Grafen daran sind, weißt Du das auch?«

»Auch das weiß ich.«

»Nun, wie denn?«

»Er bezahlt uns gut, und wir warten also, bis er erklärt, was wir thun sollen.«

»Das halte der Teufel aus! Was hätten wir während dieser Zeit thun und verdienen können!«

»Schweig!«

»Oho! Ich bin ein Mann und habe zu reden!«

»Und ich bin der Kapitano und verbiete es Dir!«

»Wer hat Dich zum Kapitano gemacht? Doch erst wir!«

»Richtig! Und weil ich es nun einmal bin, so weiß ich es auch zu sein. Iß Dein Fleisch und halte Dein Maul, sonst kennst Du die Gesetze!«

»Du willst drohen?« fragte der Andere, indem er an das Messer griff.

»Drohen? Nein, sondern handeln!«

Der Kapitano sagte dies im kalten, gleichgiltigen Tone, aber mit einem blitzesschnellen Griffe riß er die Pistole aus dem Gürtel und drückte ab. Der Schuß krachte, und der widersetzliche Sprecher stürzte mit zerschmettertem Kopfe zu Boden.

»So; das gehört dem Ungehorsam. Schafft ihn zur Seite!«

Mit diesen Worten begann der Kapitano, seine Pistole gleichmüthig wieder zu laden.


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Es erhob sich ein leises, mißbilligendes Gemurmel, doch verstummte es sofort, als der Hauptmann den Kopf erhob.

»Wer murrt?« fragte er. »Ich habe noch mehrere Kugeln. Was soll werden, wenn es keinen Gehorsam mehr giebt! Dieser Graf Rodriganda zahlt einem Jeden von uns ein Goldstück für den Tag. Ist dies nicht genug? Er läßt uns warten, ja, aber er wird uns schon noch Arbeit bringen, denn eine solche Summe giebt selbst ein Graf nicht umsonst aus!«

Die Leute beruhigten sich, und der Todte wurde zur Seite geschafft. Das Feuer warf seine ungewissen Schatten über die Gruppe. Man verzehrte den Rest des Fleisches, stellte eine Wache aus und hüllte sich dann in die Decken.

Schon begann der Schlaf sich über die Männer zu legen, als man den Hufschlag eines Pferdes hörte. Sofort erhoben sich Alle aus ihrer liegenden Stellung. Ein Reiter nahte.

»Wer da?« frug die Wache.

»Der Richtige!«

»Kann passiren.«

Der Angekommene gab sein Pferd der Wache und kam dann herbei. Es war Graf Alfonzo de Rodriganda. Er ließ sich neben dem Kapitano nieder, zog seinen Tabak hervor und drehte sich eine Cigarrita. Man sah ihm schweigend zu, als er aber die Cigarrita angebrannt hatte und noch immer schwieg, fragte der Hauptmann:

»Bringen Sie uns endlich Arbeit, Don Rodriganda?«

»Ja.«

»Was für welche? Wir thun Alles, was uns gut bezahlt wird.«

Er deutete dabei mit einer sprechenden Geberde auf seinen Dolch. Der Graf schüttelte den Kopf und antwortete:

»Es ist nichts Derartiges. Ihr sollt mir nur als Arrieros (Maulthiertreiber) dienen.«

»Als Arrieros?« sagte der Kapitano. »Sennor, wir sind keine solchen Lumpen!«

»Das weiß ich. Hört, was ich Euch sage!«

Die Männer rückten neugierig zusammen, und Graf Alfonzo begann:

»Ich habe Etwas nach Mexiko zu schaffen, wovon kein Mensch etwas erfahren darf; das ist es. Kann ich auf Euch rechnen?«

»Wenn Sie zahlen, ja!«

»Ihr sollt haben, was Ihr verlangt. Habt Ihr die bestellten Packsättel mit?«

»Ja.«

»Säcke und Kisten?«

»Ja.«

»Gut! Pferde nehmen wir uns von der Estanzia del Erina, so viele wir brauchen. Morgen um diese Zeit bin ich wieder hier, und mit Tagesgrauen brechen wir auf.«

»Wohin?«

»Das weiß ich jetzt selbst noch nicht. Ich werde Euch führen.«

»Was ist es, was wir zu transportiren haben?«

»Das geht auch Euch nichts an. Ich bringe meine zwei Diener mit, welche


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Euch irgendwo und irgendwann die Säcke und Kisten füllen. Dann geht es unter meiner Aufsicht nach Mexiko, und Ihr habt den Transport zu vertheidigen, wenn wir vielleicht belästigt werden sollten.«

»Das ist ein geheimnißvolles Ding, Don Rodriganda. Wir werden den Preis darnach richten müssen.«

»Thut es! Was verlangt Ihr?«

»Drei Goldstücke pro Mann und Tag.«

»Zugestanden!«

»Mir als Anführer aber sechs.«

»Auch das!«

»Die ganze Beköstigung und Verpflegung.«

»Versteht sich!«

»Und, wenn wir den Transport glücklich nach Mexiko bringen, dreihundert Goldstücke als Extrabelohnung.«

»Ihr sollt fünfhundert haben, wenn ich mit Euch zufrieden bin!«

»Hurrah, das klingt gut! Sennor, verlaßt Euch auf uns; wir gehen für Euch durch's Feuer!«

»Das hoffe ich. Hier ist übrigens eine kleine Aufmunterung zur Treue! Vertheilt es unter Euch.«

Er zog eine Geldrolle aus der Tasche und gab sie dem Kapitano. Dann ritt er davon.

Als der Hufschlag seines Pferdes verklungen war, wartete der vorsichtige Anführer noch ein Weilchen; dann öffnete er die Rolle.

»Gold!« sagte er. »Blankes, gelbes Gold!«

»Der ist splendid!« bemerkte Einer.

»Hm!« meinte der Kapitano, »da darf man seine Gedanken haben!«

»Was werden wir transportiren?«

»Niemand soll es wissen!«

»Auch wir selbst nicht?«

»Nur die beiden Diener zieht er in's Vertrauen!«

So gingen die Fragen und Meinungen herüber und hinüber. Einer meinte gar:

»Vielleicht ist es Menschenfleisch, was er verbergen will!«

»Oder Gold aus einer Estanzia!«

»Oder ein vergrabener Schatz der Aztekenkönige!«

Der Anführer winkte zur Ruhe und meinte:

»Jungens, zerbrecht Euch die Köpfe nicht! Er zahlt so gut, daß Das, was wir zu transportiren und zu vertheidigen haben, sicher nichts Gewöhnliches ist. Wir werden ihm zunächst in allen Stücken gehorsam sein, dann aber seid mir ein klein Wenig neugierig, und wenn wir Das, was wir geladen haben, auch gebrauchen können, so ist ein Graf ebenso gut eine Kugel werth wie ein gräflicher Diener oder zwei solche Kerls. Jetzt schlaft, und seid still!«

Es wurde um das Feuer ruhig, obgleich Mancher von den Männern nicht wirklich schlief, sondern zu errathen suchte, welcher Art die Last sei, die ihnen anvertraut werden sollte. -

Am anderen Morgen hatte sich Helmers kaum vom Lager erhoben, als der


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Haciendero bei ihm eintrat, um ihm einen guten Morgen zu wünschen. Trotz der kurzen Zeit ihres Beisammenseins hatte er den Deutschen bereits ganz herzlich liebgewonnen.

»Ich komme eigentlich mit einer Bitte,« sagte er.

»Die ich erfüllen werde, wenn ich kann,« meinte Helmers.

»Sie können es. Sie befinden sich hier in der Einsamkeit, wo Sie Ihre Bedürfnisse gar nicht befriedigen können, während ich von Allem einen Vorrath habe, da ich die Meinigen mit Dem, was sie brauchen, versehen muß. Wollen Sie sich mit Wäsche und einer neuen Kleidung versehen, so hoffe ich, daß Sie mit meinen Preisen zufrieden sein werden.«

Helmers wußte gar wohl, wie es gemeint war, aber einestheils konnte er den guten Haciendero doch nicht gut beleidigen, und anderentheils befand sich sein alter Jagdanzug in einem sehr tragischen Zustande. Er überlegte sich die Sache also kurz und sagte:

»Gut, ich nehme Ihr Anerbieten an, Sennor Arbellez, vorausgesetzt, daß Ihre Preise nicht gar zu hoch sind, denn ich bin, offen gestanden, Das, was man einen armen Teufel nennt.«

»Hm, eine Kleinigkeit wenigstens muß ich mir doch auch verdienen, obgleich die Zahlung nicht gerade gleich heute nothwendig ist. Kommen Sie, Sennor; ich werde Ihnen meine Vorrathskammer zeigen!«

Als eine Stunde später Helmers vor dem Spiegel stand, kam er sich selbst ganz fremd und vornehm vor. Er trug eine unten aufgeschlitzte, goldverbrämte mexikanische Hose, leichte Halbstiefel mit ungeheuren Rädersporen, ein schneeweißes Hemde, darüber eine kurze, vorn offene Jacke, die mit Gold- und Silberstücken besetzt war, auf dem Kopfe einen breitkrämpigen Sombrero und um die Taille einen Shawl von feinster chinesischer Seidengaze. Das Haar war ihm verschnitten, der Bart ausrasirt und zugestutzt, und so erkannte er sich in dieser kleidsamen, reichen Tracht kaum selbst wieder.

Als er zum Frühstücke in den Speisesaal trat, fand er Emma bereits anwesend. Sie erröthete vor Entzücken, als sie die Veränderung bemerkte, die mit ihm vorgegangen war. So männlich und so schön hatte sie sich ihn denn doch nicht ganz gedacht. Auch Karja, die Indianerin, schien erst jetzt zu sehen, welch' ein Mann der Deutsche war. Vielleicht stellte sie Vergleiche zwischen ihm und dem Grafen an. Die beiden Indianerhäuptlinge thaten natürlich, als bemerkten sie diese Veränderung gar nicht. Einer aber ärgerte sich fürchterlich darüber.

Das war der Graf. Die Hoffnung, bald in den Besitz des Schatzes zu gelangen, mochte ihn nachgiebig stimmen; er erschien zum Frühstücke, wäre aber fast wieder umgekehrt, als er Helmers erblickte. Kein Mensch sprach ein Wort mit ihm, und er mußte sehen, mit welcher mehr als schwesterlichen Herzlichkeit Emma mit dem Verhaßten verkehrte. Er knirschte heimlich mit den Zähnen und nahm sich vor, diesen Fremden unschädlich zu machen.

Nach dem Frühstücke bat Emma den Deutschen, noch zu bleiben. Er ahnte nicht im Geringsten, was sie beabsichtigte, aber als die Drei sich nun allein befanden, legte das schöne Mädchen den Arm um den Haciendero und sagte:


// 419 //

»Vater, wir haben gestern nachgesonnen, wie wir Sennor Helmers danken wollen.«

»Ja,« nickte er, »aber wir haben leider nichts gefunden.«

»O,« sagte sie, »ich habe dann später wieder nachgesonnen und das Richtige getroffen.«

»Was wäre dies denn, mein Kind?« fragte er.

»Soll ich Dir es zeigen?«

»Freilich!«

Da nahm sie den Deutschen beim Kopfe und küßte ihn.

»So meine ich es, Vater, und ich denke, daß er es werth ist!«

Die Augen des Haciendero leuchteten, und dann wurden sie feucht.

»Mein Kind, ist dies Dein Ernst?«

»Von ganzem Herzen, Vater!« versicherte sie.

»Und ist es Sennor Helmers zufrieden?«

»O, der liebt mich über Alles, und das macht mich ja so glücklich!«

»Hat er es Dir denn gesagt?«

»Jawohl!« lachte sie unter Thränen.

»Wann denn?«

»Gestern Abend.«

»Und wo denn?«

»Im Garten. Aber, Vater, mußt Du denn das Alles wissen? Ist es Dir denn nicht genug, daß ich glücklich bin, recht sehr, sehr glücklich?«

»Ja, ja, das ist mir genug, obgleich ich Dir sagen muß, daß Du auch mich ganz glücklich machst. Und Sie, Sennor Helmers, wollen Sie denn wirklich der Sohn eines so alten, einfachen Mannes sein?«,

Dem guten Deutschen liefen die Thränen in zwei hellen Bächen über die Wangen.

»O, wie gern, wie so gern!« antwortete er. »Aber ich bin arm, sehr arm, Sennor!«

»Nun, so bin ich desto reicher, und das hebt sich also auf. Kommt an mein Herz, Ihr guten Kinder. Gott segne uns Alle und lasse diesen Tag den Anfang eines recht frohen Lebens sein!«

Sie lagen sich in den Armen und hielten sich umschlungen lange, lange Zeit in tiefer Rührung und reinster Wonne, als sich die Thür öffnete und - der Graf wieder eintrat.

Er blieb ganz erstaunt stehen; er verstand, was hier vorging und wurde leichenblaß vor Grimm.

»Ich kam eines der Pferde wegen,« entschuldigte er sich; »aber ich sehe, daß ich störe!«

»Gehen Sie nicht eher,« sagte der Haciendero, »als bis Sie erfahren, daß ich meine Tochter Sennor Helmers verlobt habe!«

»Gratulire!«

Mit diesem wuthig herausgepreßten Worte verschwand er wieder. Petro Arbellez aber hatte nichts Eiligeres zu thun, als sein ganzes Gesinde zusammenrufen zu lassen, um ihnen zu erklären, daß heut Feiertag sei, da die Verlobung von Donna Emma


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gefeiert werde. Die Hacienda und ihre Umgebung hallte wieder von dem Jubel der Vaqueros und Indianer, welche im Dienste des Haciendero standen. Sie alle hatten ihre Herrschaft lieb und hatten gestern ja auch den Deutschen als einen Mann kennen gelernt, dem man die schöne Tochter Arbellez' gönnen konnte.

Als Helmers einmal hinaus auf die Weide trat, kam ihm der Häuptling der Miztecas entgegen.

»Du bist ein tapferer Mann,« sagte er; »Du besiegst den Feind und eroberst die schönste Squaw des Landes. Wahkonta gebe Dir seinen Segen. Das wünscht Dein Bruder!«

»Ja, es ist ein großes Glück,« antwortete der Deutsche. »Ich war ein armer Jäger und werde nun ein reicher Haciendero sein.«

»Du warst nicht arm; Du warst reich!«

»Ja,« lächelte Helmers. »Ich schlief im Walde und deckte mich mit Sternen zu.«

»Nein,« sagte der Indianer ernst, »Du warst reich, denn Du hattest die Karte zur Höhle des Königsschatzes.«

Der Deutsche trat erstaunt einen Schritt zurück.

»Woher weißt Du das?«

»Ich weiß es! Darf ich die Karte sehen?«

»Ja.«

»Sogleich?«

»Komm!«

Er führte ihn in sein Zimmer und legte ihm das alte abgegriffene Papier vor. Tecalto warf einen Blick in die Ecke des Planes und sagte:

»Ja, Du hast sie! Das ist das Zeichen von Toxertes, welcher der Vater meines Vaters war. Er mußte das Land verlassen und kehrte nie wieder zurück. Du bist nicht arm. Willst Du die Höhle des Königsschatzes sehen?«

»Kannst Du sie mir zeigen?«

»Ja.«

»Wem gehört der Schatz?«

»Mir und Karja, meiner Schwester. Wir sind die einzigen Abkömmlinge der Könige der Miztecas. Soll ich Dich führen?«

»Ich gehe mit!«

»So sei bereit heut zwei Stunden nach Mitternacht. Dieser Weg darf nur im Dunkel der Nacht angetreten werden.«

»Wer darf davon wissen?«

»Niemand. Aber dem Weibe Deines Herzens magst Du es anvertrauen.«

»Warum ihr?«

»Weil sie weiß, daß Du den Schatz suchtest.«

»Ah, woher weißt Du das?«

»Ich habe jedes Wort gehört, welches Ihr gestern im Garten geredet habt. Du hattest die Karte und wolltest dennoch nichts nehmen. Du wolltest erst forschen, ob der Erbe vorhanden sei. Du bist ein ehrlicher Mann, wie es unter den Bleichgesichtern wenige giebt. Darum sollst Du den Schatz der Könige sehen.«

Und eine Stunde später, zur Zeit des Mittagsmahles, als die Andern beim


// 421 //

Nachtische saßen, schlüpfte die Indianerin in das Zimmer des Grafen. Er empfing sie mit vollster Zärtlichkeit und zog sie auf das Sopha.

»Hast Du das Papier geschrieben?« fragte sie.

»Kannst Du lesen?«

»Ja,« antwortete sie stolz.

»Hier ist es.«

Er gab ihr einen Bogen Papier, auf welchem folgende Zellen zu lesen waren:

»Ich erkläre hiermit, daß ich nach Empfang des Schatzes der Könige der Miztecas mich als Verlobten von Karja, der Nachkömmlingin dieser Könige betrachten und sie als meine Gemahlin heimführen werde.
               Alfonzo
Graf de Rodriganda y Sevilla.«

»Ist es so recht?« fragte er.

»Die Worte sind gut, aber das Siegel fehlt!«

»Das ist ja nicht nothwendig!«

»Du hast es mir versprochen.«

»Gut, so magst Du es haben,« sagte er, seinen Unwillen verbergend.

Er brannte den Wachsstock an und drückte sein Siegel über die Worte.

»Hier, meine Karja! Und nun halte auch Du Dein Wort!«

»Ich halte es.«

»Nun?«

»Kennst Du den Berg El Reparo?«

»Ja. Er liegt vier Stunden von hier gegen Westen.«

»Er sieht fast aus wie ein lang gezogener, hoher Damm.«

»Das stimmt.«

»Von ihm fließen drei Bäche in das Thal. Der mittelste ist der richtige. Sein Anfang bildet keinen offenen Quell, sondern er tritt gleich voll und breit aus der Erde heraus. Wenn Du in das Wasser trittst und da, wo er aus dem Berge kommt, Dich bückst und hinein kriechst, so hast Du die Höhle vor Dir.«

»Ah, das wäre doch recht einfach!«

»Sehr einfach.«

»Braucht man Licht?«

»Du wirst Fackeln rechts vom Eingange finden.«

»Das ist Alles, was Du mir zu sagen hast?«

»Alles.«

»Und der Schatz befindet sich wirklich noch vollständig dort?«

»Vollständig.«

»So habe Dank, mein gutes Kind! Du bist jetzt meine Verlobte und wirst nun bald mein Weibchen sein. Jetzt aber geh. Man könnte uns hier überraschen!«

»Sehe ich Dich heut Abend?«

»Ja.«

»Wo?«

»Wieder am Bache unter den Oliven.«

Sie ging. Sie hatte ein Opfer gebracht, aber dieses Opfer lag ihr mit Zentnerschwere auf der Seele. Sie mußte Theil nehmen an der heutigen Festlich-


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keit, doch war es ihr bei der allgemeinen Freude, als ob sie bittre Thränen weinen möchte.

Der Graf blieb in seinen Gemächern und ließ sich gar nicht sehen. Am Nachmittage kam eine Estafette an ihn. Er erhielt einen Brief aus der Hauptstadt Mexiko, welcher ihm nur allein eingehändigt werden durfte. Als er ihn geöffnet und gelesen hatte, blickte er erst starr vor sich hin, dann aber sprang er auf und murmelte:

»Es mag ein Verbrechen sein, pah! Ich heiße es gut, denn es bringt mir eine Grafenkrone. Wie gut, daß ich bereits zur Abreise gerüstet bin. Ich bringe einen Reichthum mit, um den mich Könige und Kaiser beneiden werden!«

Der Brief lautete folgendermaßen:

      »Lieber Neffe!
Dein Vater hat geschrieben. Du mußt nach Rodriganda. Zuvor jedoch stirbt der alte Ferdinando, ganz so, wie es verabredet wurde. Komm! Der Kapitän Landola wartet bereits im Hafen.
      Dein Oheim
                        Pablo Cortejo.«

Wenn es Einen gab, dessen Beifall die Verlobung Helmers mit der Mexikanerin nicht ganz hatte, so war dies Bärenherz, der Häuptling der Apachen. Er hatte den Deutschen sehr lieb gewonnen, wenn er es sich bei seiner schweigsamen Natur auch nicht merken ließ. Er hatte geglaubt, noch lange Zeit mit ihm durch Wald und Prairie streifen zu können, und mußte nun diese Hoffnung aufgeben. Darum fühlte er sich unmuthig und vereinsamt. Er fing sich also eines der halbwilden Pferde, setzte sich darauf und jagte in die Weite hinaus.

Dort trieb er sich einige Stunden lang im tollen Jagen herum, bis er endlich doch daran dachte, daß man ihn vermissen und suchen werde. Er kehrte also zurück. Dabei suchte er sich aber nicht etwa den gradesten und bequemsten Weg aus, sondern er folgte den Thälern, Schluchten und Gründen, wie sie ihm gerade in die Richtung kamen, bis er, in einer Vertiefung reitend, plötzlich zankende Stimmen vernahm. Gleich darauf ertönte ein Schuß und ein Schrei.

Ein solches Vorkommniß ist verdächtig, besonders einem vorsichtigen Indianer. Er stieg ab, band sein Pferd an, griff zur Büchse und bürschte sich vorsichtig der Gegend zu, in welcher der Schuß gefallen war. Es war nicht weit. Er kroch eine Böschung empor, deren Höhe mit wilder Myrthe besetzt war. Als er diese Büsche erreichte, erblickte er zwischen diesen hindurch ein kleines, aber tiefes Thälchen, in welchem sich um ein abgebranntes Feuer herum achtzehn Männer und zwei Leichen befanden. Dabei lagen eine Menge Kisten, Säcke und Packsättel auf einem Haufen. Einer der Männer hatte ein Pistol in der Hand, welches er lud.

»Es bleibt dabei,« sagte er; »wer widerspricht, der wird einfach erschossen.«

»Werden uns die Schüsse nicht verrathen?« fragte ein Anderer schüchtern.

»Schwachkopf, wer wird sich an uns wagen!«

Bärenherz verstand das Gemisch aus Spanisch und Indianisch, welches an der Grenze gesprochen wird, sehr gut; diese Leute aber redeten rein Spanisch, welches er nicht verstand. Er hielt diese Leute für eine Jagdtruppe, deren Mitglieder unter einander in Streit gerathen waren und auf sich geschossen hatten.


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Das kommt in Mexiko häufig vor, ohne daß es groß beachtet wird. Er zog sich also leise wieder zurück, bestieg sein Pferd und ritt nach der Estanzia.

Dort hatte man ihn allerdings vermißt, und als er nun anlangte, mußte er sofort an der Tafel erscheinen, wo er keine Zeit fand, der Begegnung mit den Fremden zu gedenken.

Der Freudentag verlief ungestört, zumal sich der Graf ganz und gar nicht sehen ließ; doch ermüdet die Freude den Menschen ebenso wie der Schmerz, und man legte sich zeitig schlafen.

Nun erst verließ der Graf sein Zimmer und ging zu den Olivenbäumen, wo er die Indianerin bereits seiner wartend fand. Nicht die Sehnsucht der Liebe führte ihn zu ihr, aber er mußte ihr Vertrauen wenigstens so lange aufrecht erhalten, bis er den Schatz gehoben hatte. Er heuchelte also Zuneigung und Zärtlichkeit, suchte aber so bald wie möglich von ihr fortzukommen.

»Warum willst Du schon gehen?« fragte sie ihn.

»Weil ich einen Ausflug unternehme.«

»Wohin?«

»Nach der Höhle des Schatzes.«

»Willst Du ihn schon holen?«

»Nein. Ich will nur sehen, ob er wirklich noch da ist.«

»Er ist noch da. Mein Bruder hat es vor Kurzem erst gesehen.«

»Ich muß mich dennoch selbst überzeugen. Diese Sache ist ja zu wichtig für mich.«

»Wann kommst Du wieder?«

»Noch vor Abend.«

»So schlafe wohl!«

Sie umschlang ihn, küßte ihn zum Abschiede und ging dann fort. Er folgte ihr langsam. Als er seine Zimmer erreichte, waren da bereits seine beiden Diener beschäftigt, diejenigen seiner Sachen einzupacken, welche er mitzunehmen hatte. Es war nicht viel, und darum kamen sie bald zu Ende damit.

»Tragt es leise hinab und sattelt die Pferde. Draußen bei der großen Ceder treffen wir uns!«

Er ging hinab, um langsam voranzuschreiten. Dabei bemerkte er ein helles Licht, welches aus dem Fenster von Emma's Schlafzimmer drang. Ah, das war die Braut, die schöne, die ihn verstoßen hatte! War vielleicht der Bräutigam bei ihr? Er mußte das wissen; die Eifersucht packte ihn. Er wußte, daß an den Pallisaden mehrere lange, starke Stangen lagen. Er holte eine derselben, lehnte sie an die Mauer und kletterte daran in die Höhe. Sie war so lang, daß er neben das offene Fenster kam und einen Blick hineinwerfen konnte.

Emma hatte sich entkleidet und ein fast durchsichtiges Negligee angelegt, bereit, das weiche Lager aufzusuchen. Sie war so bezaubernd, so sinnberückend schön, daß er nicht widerstehen konnte. Er setzte den Fuß auf die Fensterbrüstung und schwang sich hinein. Sie hörte das Geräusch, drehte sich um und stieß einen Schrei des Schreckens aus.

»Was wollen Sie?« frug sie entsetzt, indem sie sich bemühte, ihre Blößen zu decken.


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»Liebe!« stammelte er, völlig berauscht von ihrer Schönheit.

Ihr Auge blitzte auf. In ihrem Zimmer befand sich keine Waffe, aber sie war muthig und entschlossen.

»Liebe?« fragte sie. »Liebe nicht, aber Verachtung und Blut!«

Mit einem schnellen Griffe riß sie ihm das Messer aus dem Gürtel und zückte es gegen ihn.

»Augenblicklich verlassen Sie mich wieder!« gebot sie.

»Dich verlassen, Du Herrliche? Nein, nein, und tausendmal nein!« sagte er.

Er griff zu und faßte ihr Handgelenk, so, daß sie nicht stechen konnte. Sie rangen um den Besitz des Messers. Er war stärker als sie, aber die Scham und die Verzweiflung gaben ihr Kraft genug, den Griff der Waffe festzuhalten. Er hatte den anderen Arm um sie geschlungen und drückte sie an sich. Ihr Busen wogte an seiner Brust; sie fühlte seinen Athem und seine Küsse auf ihrem Nacken und auf ihren Wangen. Sie erkannte, daß sie unterliegen müsse, wenn sie aus Scham länger schweige. Darum rief sie um Hilfe, ein, zwei, drei Male.

Da nahte draußen ein schneller, leichter Schritt.

»Um Gotteswillen, was rufst Du?« erklang die Stimme der Indianerin, deren Wohnung neben derjenigen Ernma's lag und die also den Hilferuf zuerst gehört hatte.

Der Graf drückte Emma fester an sich und versuchte, ihr den Mund zuzuhalten, es gelang aber nicht.

»Rufe die Leute herbei, der Graf hat mich überfallen! Schnell, schnell!«

»Der Graf? Ah!«

Sie klinkte an der Thür, fand sie aber verschlossen. Eine lange Minute verging unter dem fortgesetzten heißen Ringen zwischen dem halb entblößten Mädchen und dem begierigen Wüstling. Da hörte man die leichten Füße Karja's zurückkehren; ein Schuß krachte, und die Thür flog auf. Wie der Engel der Rache stand die Indianerin vor derselben, die rauchende Büchse noch in der Hand. Sie hatte das Schloß mit der Kugel geöffnet. Auch sie war nur halb bekleidet und nach ihrer Weise ebenso schön wie Emma.

»Lügner! Treuloser!« rief sie.

Er ließ Emma los, als er aber sah, daß die Büchse nur einen Lauf hatte, lachte er und wollte das Mädchen wieder packen; da aber faßte ihn die Indianerin und schleuderte ihn mit solcher Gewalt gegen die Wand, daß er zu Boden sank. Zugleich ertönten laute Stimmen. Man hatte den Schuß gehört und eilte zur Hilfe herbei.

Da sprang der Graf, der seiner Sinne kaum mächtig gewesen war und erst jetzt wieder zu sich kam, auf den Fensterstock zurück, faßte die Stange und ließ sich hinab. Einen Augenblick später hörten ihn die beiden Mädchen mit noch mehreren Pferden fortgaloppiren.

»Heilige Madonna, wer schießt, was giebt es hier oben?« erschallte die Stimme des Haciendero, welcher mit der Dienerschaft herbeigeeilt kam.

Zu gleicher Zeit aber ertönte in der Ferne ein Schuß und noch einer, worauf zwei Schreie erfolgten.

»Gott, Gott, was ist das?« fragte Arbellez, der jetzt eintrat.


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»Der Graf überfiel mich, Vater!«

»Der Graf! Was wollte er?« fragte er ganz verblüfft, besann sich aber und fügte hinzu: »Hattest Du denn nicht zugeschlossen?«

»Er kam durch das Fenster.«

»Durch das Fenster? Wie ein Dieb! O mein Gott! Und wer schoß denn?«

»Ich!« sagte die Indianerin mit bleichen Lippen. »Ich hätte ihn erschossen, wenn ich zwei Läufe gehabt hätte. Ich holte die Büchse aus dem Waffenschrank.«

»Ah! Und wer schoß da unten?«

»Ich weiß es nicht.«

»Zieht Euch an, Kinder, und kommt in den Saal. Das muß besprochen werden.«

Nach kurzer Zeit waren sämmtliche Bewohner des Hauses versammelt; auch Bärenherz trat ein. Er hatte zwei noch blutende Scalpe am Gürtel hängen.

»Was ist das?« fragte der Haciendero schaudernd.

»Zwei Kopfhäute,« antwortete der Indianer einfach.

»Woher?«

»Ich konnte noch nicht schlafen und ging hinaus in die Nacht.

Da hörte ich meine weiße Schwester um Hilfe rufen. Ich war weit fort, aber das Fenster war offen, und ich hörte es. Ich eilte herbei und sah einen Mann davonspringen; ich sprang ihm nach. Zwei Andere warteten auf ihn. Sie ritten davon. Ich erhob mein Gewehr. Es war sehr dunkel, aber ich schoß Zwei von den Pferden und nahm ihre Scalpe. Es sind die Diener des Grafen.«

»So ist er entkommen?«

»Ja.«

»Und die Unschuldigen sind erschossen!«

»Pshaw! Wer mit dem Grafen reitet, ist nicht unschuldig.«

Mit diesen Worten verließ der Apache das Zimmer, kehrte aber sofort wieder um und fragte:

»Wo ist Donnerpfeil, mein weißer Bruder?«

»Ja, wo ist Sennor Helmers, daß er nicht kommt, wo sein Schutz nöthig ist?« fragte Arbellez.

»Er ist fort,« antwortete Emma.

»Fort? Wohin?«

»Mit Tecalto.«

»Wohin, frage ich!« sagte Arbellez ängstlich.

»Ich darf es nicht sagen.«

»Mit meinem Bruder? Wirklich?« erkundigte sich die Indianerin.

»Ja. Er sagte es.«

Der Apache schüttelte den Kopf.

»Meine weiße Schwester mag ihre Lippen öffnen,« sagte er. »Was will der Graf bei ihr in ihrem Wigwam? Nicht weit von hier lagern viele böse Weiße mit Sätteln, Kisten und Säcken; auch waren Todte dabei. Und meine tapferen Brüder sind fort. Das ist eine große Gefahr. Meine Schwester mag ja sprechen!«

»Aber er hat es mir verboten!«

»So hat er nicht gewußt, was geschieht, wenn er fort ist!«


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»O Gott, so rede doch!« drängte der Estanciero. »Er befindet sich in Lebensgefahr!«

»So muß ich reden. Er wird es mir verzeihen. Er ist mit Tecalto nach dem Schatze der Könige.«

»Nach dem Schatze der Könige?« fragte Karja erschrocken.

»Ja.«

»Und der Graf ist auch hin. Und Männer waren in der Nähe mit Säcken und Kisten?«

»Ja,« antwortete der Apache.

»Wie viele?«

»Zweimal fünf und acht.«

»O, das ist Gefahr, das ist Gefahr!« rief da die Indianerin. »Der Graf, der Lügner, der Verräther, will den Schatz der Könige stehlen. Er wird Sennor Helmers und meinen Bruder dort finden und sie tödten. Sennor Arbellez, blast in das Nothhorn. Laßt Eure Vaqueros und Ciboleros kommen. Sie müssen nach der Höhle des Schatzes, um die Zwei zu retten!«

Jetzt gab es ein Wirrwarr von Fragen und Antworten, bei dem nur der Apache seine Ruhe behauptete. Er hörte die einzelnen Fragen und Entgegnungen, und sagte dann:

»Wer weiß, wo die Höhle liegt?«

»Ich,« antwortete Karja.

»Kann man reiten?«

»Ja.«

»So gebt mir dieses Mädchen und zehn Ciboleros und Vaqueros mit.«

»Ich gehe auch mit!« rief Arbellez.

»Nein!« entschied der Apache. »Wer will die Hacienda beschützen? Wer weiß, was hier kommen kann? Man rufe alle Männer, man gebe mir zehn von ihnen. Die Anderen beschützen die Hacienda.«

Dabei blieb es. Der Haciendero stieß in das Horn, und auf dieses Zeichen kamen die Wächter der Heerden und sonstige Bedienstete herbeigesprengt. Der Apache suchte sich zehn von ihnen aus; sie wurden bewaffnet. Auch Karja stieg zu Pferde; dann ritten sie ab, während die Anderen, gut Wache haltend, zurückblieben. Die Verwirrung war Schuld, daß bis zum Abreiten der kleinen Truppe doch eine ziemliche Zeit vergangen war. - -

Kurz nachdem sich die festliche Versammlung getrennt hatte, um zur Ruhe zu gehen, trat Büffelstirn in das Zimmer des Deutschen.

»Gedenkst Du noch Deines Wortes?« fragte er.

»Ich werde Euch führen!«

»Ja.«

»Du reitest mit?«

»Ja.«

»So komme!«

Helmers bewaffnete sich und folgte dem Indianer. Unten standen heimlich bereits drei Pferde bereit, zwei mit Reitsätteln und das dritte mit einem Packsattel.

»Was soll dieses hier?« fragte der Deutsche, auf das Letztere zeigend.

»Ich habe gesagt, daß Du nicht arm bist. Du hast den Schatz der Könige


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nicht berauben wollen; darum sollst Du Dir davon nehmen dürfen so viel, wie ein Pferd zu tragen vermag.«

»Nein. Wo denkst Du hin!« rief Helmers erstaunt.

»Rede nicht, sondern steige auf und folge mir!«

Der Indianer bestieg sein Pferd, nahm das Packthier beim Zügel und ritt fort. Helmers konnte nicht anders, als ihm folgen. Es war finstere Nacht, aber der Indianer kannte seinen Weg genau, und die halbwilden Pferde Mexiko's sehen während des Nachts wie die Katzen. Der Deutsche konnte sich der Führung Büffelstirn's gut anvertrauen. Schnell freilich kamen sie nicht vorwärts, denn es ging tief zwischen unwegbare Berge hinein.

Büffelstirn sprach kein Wort. Man hörte in der schweigsamen Nacht nichts als den Schritt und das zeitweilige Schnauben der Pferde. So verging eine Stunde, noch eine und noch eine dritte. Da rauschte Wasser; man kam an den Lauf eines Baches, dem man folgte. Dann thürmte sich ein wallartiger Berg vor ihnen auf, und als sie denselben beinahe erreicht hatten, stieg der Indianer ab.

»Hier warten wir, bis der Tag kommt,« sagte er.

Helmers folgte seinem Beispiele, ließ sein Pferd grasen und setzte sich neben Büffelstirn auf einem Felsenstücke nieder.

»Die Höhle ist hier in der Nähe?« fragte er.

»Ja. Sie ist da, wo dieses Wasser aus dem Berge kommt. Man steigt in den Bach, bückt sich und kriecht in das Loch, so befindet man sich in einer Höhle, deren Größe und Abtheilungen Niemand kennt als Büffelstirn und Karja.«

»Ist Karja schweigsam?«

»Sie schweigt!«

Helmers dachte an das, was ihm Emma erzählt hatte, und sagte daher:

»Aber es giebt Einen, der das Geheimniß des Schatzes von ihr erfahren will.«

»Wer ist es?«

»Der Graf Alfonzo.«

»Ugh!«

»Du bist mein Freund, und darum darf ich Dir sagen, daß sie ihn liebt.«

»Ich weiß es.«

»Und wenn sie ihm nun Euer Geheimniß verräth?«

»So ist Büffelstirn da. Er wird nicht den kleinsten Theil des Schatzes erhalten.«

»Ist dieser Schatz groß?«

»Du wirst ihn sehen. Nimm alles Gold, welches Mexiko heut besitzt, zusammen, so reicht es noch nicht an den zehnten Theil dieses Schatzes. Es hat einen einzigen Weißen gegeben, der ihn gesehen hat, und -«

»Ihr habt ihn getödtet?«

»Nein. Er brauchte nicht getödtet zu werden, denn er ist wahnsinnig geworden, wahnsinnig vor Freude und Entzücken. Der Weiße vermag den Anblick des Reichthums nicht zu ertragen, nur der Indianer ist stark genug dazu!«

»Und mir willst Du den Schatz zeigen?«

»Nein. Du wirst nur einen Theil desselben sehen. Ich habe Dich lieb, und


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Du sollst nicht auch wahnsinnig werden. Gieb mir Deine Hand und zeige mir Deinen Puls.«

Er faßte die Hand des Deutschen und prüfte dessen Puls.

»Ja, Du bist sehr stark,« sagte er. »Der Geist des Goldes hat Dich noch nicht ergriffen; bis Du in die Höhle trittst, so wird Dein Blut gehen wie der Fall des Wassers vom Felsen.«

Das Gespräch verstummte nun. Es war dem Deutschen so eigenthümlich wie noch nie zu Muthe. Da begann sich der Himmel zu färben. Der blasse Schimmer des Ostens wurde stärker, und bald konnte man die einzelnen Gegenstände mit Genauigkeit unterscheiden.

Helmers erblickte den Berg El Reparo vor sich, dessen schroffer Hang zumeist mit Eisenbäumen bestanden war. Ganz am Fuße desselben trat ein Wasser aus dem Felsen, welches sofort wenigstens drei Fuß breit und vier Fuß tief war.

»Dies ist der Eingang?« fragte er.

»Ja,« antwortete Büffelstirn. »Aber noch treten wir nicht hinein. Wir wollen erst die Pferde verstecken. Der Besitzer eines Schatzes muß vorsichtig sein.«

Sie führten die Pferde längs des Berges hin, bis der Indianer ein Gebüsch auseinanderbog. Hinter demselben befand sich eine enge, niedrige Schlucht, wo die Thiere Platz fanden. Dann kehrten sie an den Bach zurück, wo sie nach Indianer-Art ihre Spuren verwischten, bis sie an den Felsen gelangten, aus dessen Oeffnung das Wasser floß.

»Nun komm!« sagte Büffelstirn.

Mit diesen Worten stieg er in das Wasser, zwischen dessen Oberfläche und dem Felsen ein Fuß tief Raum war, so daß man mit dem Kopfe hindurch gelangen konnte. Die Kleider wurden freilich naß. Sie gelangten nun in einen dunklen Raum, dessen Luft trotz des Baches außerordentlich trocken war.

»Reiche mir Deine Hand!« sagte der Indianer.

Er führte ihn aus dem Wasser heraus auf das Trockene und befühlte dann seinen Puls.

»Dein Herz ist sehr stark,« sagte er. »Ich darf die Fackel anbrennen.«

Er ging einige Schritte von Helmers fort. Ein matter, phosphorischer Blitz durchzuckte den Raum, ein lautes Prasseln ertönte, und dann flammte eine Fackel auf.

Aber, was ging nun vor! Nicht die eine, sondern tausende von Fackeln schienen zu brennen. Als befände sich der Deutsche inmitten einer ungeheuren, Gold und Demant blitzenden Sonne, so strahlten Millionen von Lichtern und Reflexen in sein geblendetes Auge, und in dieses unendliche Schimmern, Schillern und Brilliren hinein erklangen die Worte des Indianers:

»Das ist die Höhle des Königsschatzes! Sei stark und halte Deine Seele fest

In der Höhle des Königsschatzes

Es verging eine geraume Zeit, ehe der Deutsche seine Augen an diese Pracht gewöhnen konnte. Die Höhle bildete ein sehr hohes Viereck von vielleicht sechzig Schritten in der Länge und Breite, durch welches der mit Steinplatten bedeckte Bach floß. Sie war vom Boden an bis hinauf an die gewölbte Decke angefüllt mit Kostbarkeiten, deren Glanz allerdings die Sinne auch des nüchternsten Menschen verwirren konnte.


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Da gab es Götterbilder, welche mit den kostbarsten Edelsteinen geschmückt waren, besonders die Bilder des Luftgottes Quetzalcoatl, des Schöpfers Tetzkatlipoka, des Kriegsgottes Hultzilopochtli und seiner Gemahlin Teoyaniqui, nebst seines Bruders Tlakahuepankuexkotzin, der Wassergöttin Chalchiukueje, des Feuergottes Ixcozauhqui und des Weingottes Cenzontotochtin. Hunderte von Hausgötterfiguren standen auf Wandbrettern; sie waren entweder aus edlen Metallen getrieben oder in Krystall geschliffen. Dazwischen standen goldene Kriegspanzer von ungeheurem Werthe, goldene und silberne Gefäße, Schmucksachen in Demant, Smaragden, Rubinen und anderen Edelsteinen, Opfermesser, deren Griffe, die funkelnden Steine gar nicht gerechnet, nur einen Alterthumswerth nach Hunderttausenden hatten, Schilde von starken Thierhäuten, die mit massiven Goldplatten besetzt waren. Von dem Mittelpunkte der Decke hing gleich einem Lüstre eine Königskrone herab; sie hatte die Gestalt eine Mütze, war aus massivem Golddraht gefertigt und ganz ausschließlich nur mit Diamanten besetzt. Ferner sah man da ganze Säcke voll Goldsand und Goldstaub, Kisten, welche mit Nuggets (Goldkörnern) angefüllt waren, welche die Größe einer Erbse bis zu der eines Hühnereies hatten. Man sah ganze Haufen gediegenes Silber, gleich in großen Stücken aus an zu Tage getretenen Adern gebrochen. Auf köstlichen Tischen standen leuchtende Modelle der Tempel von Mexiko, Cholula und Teotihuakan, der prachtvollen Mosaiken von Muscheln, Gold, Silber, Edelsteinen und Perlen gar nicht zu denken, welche am Boden und in den Ecken lagen.

Der Anblick dieser Reichthümer brachte auf den Deutschen einen wahrhaft berauschenden Eindruck hervor. Es war ihm, als sei er ein Märchenprinz aus »Tausend und eine Nacht«. Er gab sich Mühe, ruhig zu bleiben, aber es gelang ihm nicht. Er fühlte das Blut an seinen Schläfen pochen, und es war ihm, als ob große Feuer- und leuchtende Demanträder vor seinen Augen wirbelten. Es kam eine Art von Rausch über ihn, und in demselben sah er ein, daß solche Reichthümer eine Macht ausüben, ein wahnsinniges Verlangen erwecken können, welches selbst vor dem fürchterlichsten Verbrechen nicht zurückschrecken würde.

»Ja, das ist die Höhle des Königsschatzes,« wiederholte der Indianer. »Und dieser Schatz gehört nur allein mir und meiner Schwester Karja.«

»So bist Du reicher als irgend ein Fürst der Erde!« antwortete Helmers.

»Du irrst! Ich bin ärmer als Du und jeder Andere. Oder willst Du den Enkel eines Herrschers beneiden, dessen Macht vergangen ist und dessen Reich in Trümmern liegt. Die Krieger, welche jene Rüstungen, Schilde und Waffen trugen, wurden von ihrem Volke geliebt und verehrt; ein Wort von ihnen gab Leben oder Tod. Ihre Schätze sind noch vorhanden, aber die Stätte, wo man ihre Gebeine niederlegte, ist von den Weißen entweiht und zertreten worden, und ihre Asche wurde in alle Winde zerstreut. Ihre Enkel irren durch die Wälder und Prairien, um den Büffel zu tödten. Der Weiße kam; er log und trog, er mordete und wüthete unter meinem Volke um dieser Schätze willen. Das Land ist sein, aber es liegt verödet und der Indianer hat die Schätze dem Dunkel der Erde übergeben, damit sie dem Räuber nicht in die Hände fallen. Du aber bist nicht wie die Anderen; Dein Herz ist rein vom Verbrechen. Du hast meine Schwester aus den Händen der Comanchen errettet, Du bist mein Bruder, und darum sollst Du von


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diesen Schätzen so viel haben, wie ein Pferd zu tragen vermag. Doch nur Zweierlei steht Dir zu Gebote. Hier sind Goldkörner, ganze Säcke voll, und hier sind Ketten, Ringe und anderer Schmuck; wähle Dir aus, was Dir gefällt. Das Andere aber ist heilig; es soll nie wieder beschienen werden von der Sonne, die den Untergang der Miztecas gesehen hat.«

Helmers sah die Nuggets und das Geschmeide, ihm wurde fast schwindelig.

»Ist dies Dein Ernst?« fragte er.

»Ich scherze nicht.«

»Aber das sind ja Hunderttausende von Dollars, die Du mir schenkst!«

»Nein; es werden sogar Millionen sein.«

»Ich kann es nicht annehmen!«

»Warum? Willst Du die Gabe eines Freundes verachten?«

»Nein, aber ich kann nicht dulden, daß Du Dich meinetwegen beraubst!«

Der Indianer schüttelte stolz den Kopf.

»Es ist kein Raub. Ich bringe kein Opfer. Was Du hier siehst, ist nur ein Theil der Schätze, welche der Berg El Reparo verbirgt. Es giebt hier noch weitere Höhlen, von denen nicht einmal Karja, meine Schwester, Etwas weiß. Nur ich kenne sie, und wenn ich einst sterbe, so wird kein menschlicher Gedanke mehr in diese Tiefen dringen. Ich werde jetzt gehen, um die andern Höhlen zu besuchen. Siehe Dir die Schätze an, und lege zur Seite Alles, was Du für Dich auswählst. Wenn ich zurückkehre, beladen wir das Pferd damit und kehren heim nach der Estanzia.«

Er steckte die Fackel in den Boden und schritt nach der hintersten Ecke, in welcher er verschwand.

Der Deutsche stand allein inmitten dieser unermeßlichen Reichthümer. Welch' ein Vertrauen mußte der Indianer zu ihm haben! Wie nun, wenn Helmers heimlich zurückkehrte, um sich weiter zu bereichern? Wie nun, wenn er den Indianer tödtete, um Herr des Ganzen zu werden, von dem er nur einen kleinen Theil erhalten sollte? Aber kein einziger solcher Gedanke kam dem ehrlichen Manne. Er fieberte fast schon darüber vor Wonne, daß er eine ganze Pferdelast Geschmeide und Nuggets mitnehmen durfte. -

Graf Alfonzo war der Büchse des Apachen glücklich entkommen. Er hatte bemerkt, daß seine beiden Diener stürzten, aber er hielt nicht an, um zu sehen, ob sie todt oder nur verwundet seien. Die Angst vor den Folgen seiner Unbesonnenheit trieb ihn vorwärts. Er war zwar der Sohn des eigentlichen Gebieters der Hacienda, hatte aber ja erfahren, was dies galt, und dazu wußte er, daß hier, so nahe an der indianischen Grenze, ganz andere Anschauungen und Gebräuche herrschten als in der Hauptstadt und ihrer Umgebung. Der Umstand, daß man auf ihn schoß, sagte ihm, mit welchen Leuten er es zu thun bekomme, falls er sich angreifen ließ, und so hatte er nur den einen Gedanken: fort, nach der Höhle des Königsschatzes und dann heim nach Mexiko.

Er ließ sein Thier so rasch ausgreifen, als es bei der Dunkelheit ohne Gefahr möglich war, und minderte diese Schnelligkeit auch nicht eher, als bis er das Thal erreichte, in welchem seine Helfershelfer lagerten. Er wurde wieder wie gestern an-


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gerufen und gab dieselbe Antwort. Nun durfte er an das Feuer treten, welches man schürte, damit man besser zu sehen vermöge.

»Seid Ihr fertig?« fragte er.

»Wir sind bereit,« antwortete der Anführer.

»Und Pferde?«

»Die haben wir von den Heerden Sennor Arbellez' eingefangen.«

»Wie viele?«

»Achtzehn für uns und dreißig für Sie.«

»Sind sie gesattelt?«

»Ja.«

»So laßt uns aufbrechen!«

»Und Ihre beiden Diener, die dabei sein sollen?«

»Die kommen nicht.«

»Ah! Wer wird es da sein, der Sie bedient?«

»Das wird sich finden,« antwortete er kurz.

Erst jetzt fiel ihm ein, in welcher Verlegenheit er sich befand. Er konnte diese wüsten Menschen doch unmöglich mit in die Höhle nehmen. Sie hätten dieselbe ausgeräumt, nicht für ihn, sondern für sich. Doch hoffte er, daß sich wohl im rechten Augenblicke ein Ausweg finden lassen werde. Die Männer holten ihre Pferde herbei und saßen auf. Er setzte sich mit dem Anführer an ihre Spitze, und man brach auf.

Alfonzo kannte den Berg, welchen die Indianerin ihm genannt hatte, aber von dieser Seite aus hatte er ihn noch nicht besucht. Er war also mit den Einzelnheiten des Weges nicht vertraut; er kannte nur die Richtung, und darum kam man bei der Vorsicht, welche geboten war, nur langsam weiter.

Erst als der Morgen zu dämmern begann, konnte man die Pferde besser ausgreifen lassen, und nun dauerte es auch nicht lange, so tauchte die dunkle Masse des El Reparo vor ihnen auf.

Sie erreichten den Berg von seiner Südseite und ritten an seinem östlichen Abhange hin. Der erste Bach wurde überschritten, und als dann Alfonzo merkte, daß der zweite in der Nähe sei, ließ er halten. Bis an die Höhle wollte er sie nicht mitnehmen. Es galt ja überhaupt zunächst, sich von dem Dasein derselben auch wirklich zu überzeugen.

»Was nun?«   fragte der Anführer.

»Ihr wartet!«

»Ah, Sie werden uns verlassen?«

»Ja, für kurze Zeit.«

»Was ist es denn eigentlich, was wir zu laden haben?«

»Darum habt Ihr Euch gar nicht zu kümmern; das ist ja so ausbedungen, wie Ihr wißt.«

Er ritt langsam davon. Der Anführer wandte sich zu seinen Leuten:

»Jetzt haben wir sein Geheimniß in der Nähe. Was thun wir?«

»Ihn belauschen,« antwortete Einer.

»Das ist vielleicht das Beste. Wartet hier!«

Er stieg ab und folgte dem Grafen zu Fuße. Es gab Felsen und Buschwerk


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genug, welches ihm Deckung gewährte, so daß Alfonzo, auch wenn er sich umdrehte, ihn nicht sehen konnte.

So ging es eine Strecke weiter, bis der Graf den Bach erreichte. Hier stieg er ab, band sein Pferd an den Stamm eines Eisenbäumchens und verschwand hinter den Büschen. Der Anführer wartete eine Weile, da der Graf aber nicht zurückkehrte, so eilte er, seine Leute wieder aufzusuchen. Er fand sie noch an derselben Stelle, wo er sie verlassen hatte.

»Er ist im Gebüsch verschwunden,« sagte er. »Dort hat er sein Geheimniß. Was will er thun, wenn wir Etwas näher reiten! Vorwärts!«

Sie setzten sich abermals in Bewegung, gegen das Buschwerk zu, welches den Bach besäumte, drangen aber nicht weiter vor, sondern blieben hier halten. Nun befanden sie sich zwar am Bache, aber noch nicht am Austritte desselben aus dem Berge. Zwischen diesem und ihnen gab es noch eine von Buschwerk bestandene Windung, so daß sie den Eingang zur Höhle nicht zu sehen vermochten. Ebenso erblickten sie nicht das Pferd des Grafen, da er es seitwärts von ihrem Standorte angebunden hatte.

Er hatte den Austritt des Wassers untersucht und gefunden, daß es möglich sei, hinein zu gelangen. Er stieg also in die kalte Fluth, bückte sich und kroch hinein. Noch aber hatte er nicht ganz den Punkt erreicht, wo die Höhle sich zu wölben begann, so gewahrte er einen hellen Lichtschein vor sich.

Was war das? War das Fackellicht? Oder war es der Schein des Tages, welcher durch irgend eine Oeffnung der Höhle hereindrang? Es schien das Erstere zu sein. An das Zurückweichen dachte der Graf nicht; er schob sich langsam und vorsichtig weiter, jedes Geräusch vermeidend, um nicht bemerkt zu werden.

Da plötzlich brach ein goldenes und diamantenes Blitzen und Flimmern in sein Auge. Er erschrak förmlich und fuhr empor. Er stand innerhalb der Höhle und erblickte die Schätze, welche hier eingeschlossen waren. Er zitterte. Der Teufel des Goldes packte ihn mit aller Macht. Seine Augen verdunkelten und erweiterten sich abwechselnd; er hätte laut aufschreien mögen vor wonnigem Schreck; aber das ging nicht, denn - dort, kaum fünf Schritte vor ihm kniete ein Mann am Boden und ordnete eine Partie kostbares Geschmeide, welches er auf einer Mosaikplatte aufgehäuft hatte. Wer war dieser Mensch? Ah, jetzt bog er sich seitwärts; sein Profil war zu sehen, und der Graf erkannte ihn.

»Der Deutsche!« murmelte er zwischen den Zähnen. »Der Bräutigam, der mich vertrieben hat! Wer hat ihm die Höhle verraten? Ist er allein hier, oder hat er Begleitung mit?«

Sein Auge irrte suchend durch den Raum; er sah, daß Helmers allein war; er hatte keine Ahnung davon, daß Büffelstirn sich in einer nebenan liegenden Abtheilung befand.

»Ah, es ist Niemand hier außer ihm!« dachte er mit grimmiger Freude. »Er soll nicht eine Erbse groß von diesem Golde erhalten. Ich werde Rache nehmen. Er muß sterben!«

Er stieg leise aus dem Wasser. Nicht weit von ihm lehnte eine Kriegskeule. Sie war vom festesten Eisenholze gefertigt und mit spitz geschliffenen Krystallstücken


Ende der achtzehnten Lieferung - Fortsetzung folgt.



Karl May: Waldröschen

Karl May - Leben und Werk