Lieferung 75

Karl May

19. April 1884

Waldröschen
oder
Die Rächerjagd rund um die Erde.

Großer Enthüllungsroman
über die
Geheimnisse der menschlichen Gesellschaft

von

Capitain Ramon Diaz de la Escosura.


// 1777 //

»Erstens ist er zu theuer und zweitens sollte er bis zum Freudenfeste aufgehoben werden.«

»Ah, ich kenne das. Der Wirth meint das Juarezfest; er ist ein treuer Anhänger des Präsidenten. Also Wein trinkt Ihr vielleicht gern?«

»Sehr, Sennorita. Ein Jäger bekommt von dieser Sorte Getränk so äußerst selten einen Schluck, daß man fast den Namen desselben vergessen möchte.«

»Nun, so wollen wir ein Fläschchen - - -«

»Um Gottes willen!« fiel er ein. »Alles, nur dieses nicht, Sennorita.«

»Warum nicht?«

»Fünfundsiebenzig Franken die Flasche.«

»Ja, er ist sehr theuer; aber beruhigt Euch! Er kostet mich keinen Pfennig.«

»Ist es auch wahr?«

»Ja. Er ist ein Geschenk.«

»Aber meinetwegen dürft Ihr doch keine Flasche anreißen! Ich bin nicht der Kerl darnach.«

»Warum nicht? Ihr seid ein Anhänger von Juarez, also mein Freund, und für einen Freund hat man stets ein Fläschchen Wein zu Hause.«

»Hm, wenn es so ist, dann lasse ich mir allerdings die Freundschaft gefallen.«

Sie schellte mit der Glocke, und bald stand ein feuriger Tokayer vor ihnen. Sie schenkte ein und er trank, langsam und nur leise nippend.

»Wie ist er?«

»Besser, viel besser als unser Pfälzer Gewächs.«

»Ah, Ihr seid aus der Rheinpfalz?«

»Ja, Sennorita.«

»Nun, da mögt Ihr recht haben mit dem »Gewächs«. Rathet einmal, welch eine Sorte wir da trinken.«

»O, ich verstehe mich verdammt wenig auf das, was man Sorten nennt.«

»Es ist Tokayer.«

»Alle Teufel!«

»Aus dem Keller des Kaisers.«

»Max?« fragte er erstaunt.

»Ja, des Kaisers Max. Wundert Euch nicht, daß sogar der Wein des Kaisers sich bis an diesen entlegenen Punkt verirrt. Diese Herren Franzosen wissen für sich zu sorgen. Max hat selbst große Noth um eine Flasche guten Weines. Dieser Kaiser ist ein herzlieber, braver Mann, der sich zu seinem Unglücke dem Kaiser Napoleon anvertraut hat. Napoleon ist ein Emporkömmling, und er wird ganz gewiß als ein solcher enden. Er hat Vieles auf seinem Gewissen. Gebe Gott, daß er nicht auch noch diesen Kaiser von Mexiko darauf bekommt. Doch nun vor allen Dingen zu unserer Angelegenheit, Sennor. Ihr wolltet wissen, wie ich Euch kenne?«

»Ja. Ich kann mir das gar nicht erklären.«

»Nun, das ist sehr einfach. Juarez ist ein sehr vorsichtiger Mann. Er pflegt nach dem Grundsalze zu handeln: Zwei sind besser als Einer. Er sandte Euch nach Chihuahua, um zu recognosciren, da er Euch aber nicht so genau


// 1778 //

kannte wie zum Beispiel den schwarzen Gérard, so sandte er einige Stunden vor Euch einen Apachen an mich mit der Meldung, daß ein Jäger, der kleine André genannt, in die Nähe von Chihuahua kommen werde; ich solle ihn unterstützen, wenn er vielleicht in die Lage käme, meiner Hilfe zu bedürfen.«

»Das erklärt fast Alles. Aber, Sennorita, einen Apachen nach Chihuahua.«

»Was ist da weiter?«

»Ist das nicht eine Tollkühnheit?«

»Lernt erst einen Apachenspäher kennen!«

»O, ich kenne sie.«

»Nun, so werdet Ihr auch wissen, daß so ein Mann mit der Gefahr spielt. Ich habe lange Zeit nur durch solche Leute mit Juarez verkehrt. Sie kennen meine Wohnung und kommen zu mir, ohne jemals entdeckt worden zu sein.«

»Aber wie erkanntet Ihr mich?«

»Ihr wart mir sehr genau beschrieben worden.«

»Ah, und klein bin ich; das hat gestimmt.«

»Ich höre, Ihr werdet Euch nur bis heute Abend hier aufhalten?«

»Allerdings; ich muß wieder fort.«

»Warum so schnell?«,

»Ich hoffe, man darf zu Euch mit vollem Vertrauen sprechen?«

»Natürlich. Wenigstens hoffe ich, daß Ihr kein Mißtrauen in mich setzt!«

»Nach Dem, was mir Gérard sagte, seid Ihr sicherer als jeder Andere.«

»Ah, Ihr habt mit Gérard selbst gesprochen?« fragte sie erfreut.

»Ja. Er wäre an meiner Stelle gekommen, aber er mußte nach Fort Guadeloupe, um die Vertheidigung dort zu übernehmen.«

»Ja, Juarez schätzt ihn hoch und schenkt ihm sein vollstes Vertrauen. Wie wird es mit dem Fort stehen? Habt Ihr noch nichts gehört?«

»Kein Wort. Ich bin jedoch vollständig überzeugt, daß die Franzosen abermals aufgerieben werden. Sie waren ja ahnungslos, das Fort vertheidigt zu finden und gar mit Juarez und seinen Apachen zusammen zu treffen. Uebrigens gab es außerdem dort Leute, welche so tapfer und kriegserfahren sind, daß ein Einziger von ihnen zwanzig Franzosen aufwiegt.«

»Etwa weiße Jäger?«

»Ja.«

»Wer ist es?«

Er erzählte ihr sein Zusammentreffen mit Sternau und dessen Begleitern. Sie hörte ihm aufmerksam zu und sagte dann:

»Hier scheint ja ein förmlicher Roman im Begriff zu stehen, sich abzuspinnen.«

»Allerdings. Uebrigens bin ich überzeugt, daß Sie diese Leute sehen werden.«

»Wann?«

»Vielleicht baldigst. Nach meiner Berechnung wird Benito Juarez entweder bereits heute oder spätestens morgen mit seinen Leuten hier in der Nähe eintreffen.«

»Ah! So bald?«

»Ja.«

»Habt Ihr ein sicheres Rendezvous verabredet?«


// 1779 //

»Das versteht sich. Ich habe zwei Stunden am Flüßchen abwärts auf die Truppe zu warten.«

»Daß er bald kommt, ist mir lieb. Wißt Ihr schon, daß der Commandant eine bedeutende Anzahl von Bürgern gefangen gesetzt hat?«

»Der Wirth erzählte es mir.«

»Für diese Leute ist Alles zu fürchten.«

»Ihr meint doch nicht etwa, daß sie sich in Todesgefahr befinden?«

»Grad dies meine ich.«

»Das ist nur schwer zu glauben. Sie haben doch nicht offen revoltirt.«

»Allerdings nicht; darum hatte ich für sie bis vor zehn Minuten nicht die mindeste Sorge. Seit dieser Zeit aber hat sich die Lage bedeutend geändert. Habt Ihr gemerkt, daß vorhin französische Truppen in der Stadt eingezogen sind?«

»Ja. Der Wirth bekam Einquartierung, einen Unteroffizier, welcher partout Wein trinken wollte anstatt der Pulque, welche er erhielt.«

»Nun, der Commandant dieser Truppen ist Oberst Laramel, einer der grausamsten Offiziere der französischen Armee. Er hat sich durch zahlreiche Todesvollstreckungen geradezu berüchtigt gemacht und wird die gegenwärtige Gelegenheit mit Freuden ergreifen, sein trauriges Andenken zu befestigen.«

»Ohne Recht und Gericht kann er doch nicht handeln.«

»Welcher Franzose hat in Mexiko nach dem Rechte oder der Gerechtigkeit gefragt? Ich sage Euch, mein guter Sennor André, daß ich fest glaube - -«

Sie wurde unterbrochen. Die Zofe trat herein und überbrachte ein in ein zierliches Couvert eingeschlossenes Kärtchen, worauf sie sich wieder entfernte. Emilia öffnete das Couvert und las. Die Karte enthielt folgende Worte:

     »Theure Sennorita.
Zu Ehren meines soeben hier eingetroffenen Herrn Kameraden, des Obersten Laramel und seines Offiziercorps, stehe ich im Begriff, heute Abend eine glanzvolle Tertullia zu geben. Da zu derselben die hervorragendsten Sterne des hiesigen Damenhimmels geladen werden, so hege ich die beglückende Erwartung, daß Sie, als die Sonne dieses glänzenden Firmamentes, von welcher jene Planeten ja erst ihr Licht erhalten, mir Ihre Gegenwart nicht versagen werden, zumal der Herr Oberst mit größter Ungeduld die Gelegenheit herbeisehnt, Sie kennen zu lernen.
                                
Der Kommandant.«

Emilia ließ ein unbeschreiblich stolzes, geringschätzendes Lächeln über ihre schönen, vollen Lippen spielen. Dann fragte sie den neben ihr sitzenden Jäger:

»Könnt Ihr Französisch lesen?«

»Ja, so leidlich, Sennorita,« antwortete er. »Mein Heimathsort lag so nahe an der französischen Grenze, daß ich wenigstens diese Fertigkeit profitirt habe.«

»Nun, so lest einmal!«

Sie gab ihm die Karte und er las sie.

»Donnerwetter!« sagte er dann. »Dieser Kerl von Kommandant hat aber recht!«

»Womit?«


// 1780 //

»Daß Ihr die Sonne seid! Dabei blickte er ihr mit so aufrichtiger, treuherziger Bewunderung in die Augen, daß es ihr unmöglich wurde, seinen Enthusiasmus zu belächeln. Vielmehr sagte sie sehr ernst:

»Ich weiß es, daß ich ungewöhnlich schön bin, Sennor. Dies mag aus meinem Munde unsinnig klingen, aber ich sage Euch, daß gerade diese Schönheit stets mein Unglück gewesen ist.«

»Das ist ja gar nicht möglich.«

»O, wie so leicht möglich!« sagte sie jetzt beinahe traurig.

»Ich habe ganz im Gegentheile stets geglaubt, daß die Schönheit eine Dame nur glücklich machen müsse. Ich kann nicht denken, daß ich mich da irre.«

»Und dennoch irrt Ihr. Habt Ihr einmal geliebt, Sennor?«

»Hm, ja! Das Ding, welches damals hinter meinen Rippen rumorte, wird wohl die Liebe gewesen sein, anders ist es nicht gut möglich.«

»Und wurdet Ihr wieder geliebt?«

»Ich dachte es, aber der Kukuk hole die Weiber und Mädchen! Ich bin bald eines Anderen belehrt worden, und das hat mich in die weite Welt hinausgetrieben.«

»Nun seht, so ist es mir grad auch gegangen.«

Sie hatte sich erhoben und schritt in sichtlicher Erregung im Zimmer hin und her. Er folgte ihren Bewegungen mit glänzendem Auge und sagte:

»Wie, Ihr seid Einem wirklich gut gewesen, Sennorita?«

»Ja,« antwortete sie kurz und rauh.

»Und dieser Kerl hat Euch einen Korb gegeben?«

»Ja.«

Da sprang er auf und rief:

»Da schlage doch sogleich das Wetter drein! Lebt dieser Urian vielleicht noch?«

»Er lebt noch.«

»Bitte, Sennorita, sagt mir seinen Namen, aber sogleich, sogleich, auf der Stelle!

»Wozu?«

»Damit ich ihm eine Kugel durch den verrückten Schädel jagen kann. Wer Euch nicht liebt, wer Euch einen Korb giebt, der ist verrückt und hat es mit mir zu thun!«

Er hatte seine Pistole gezogen und spannte den Hahn ganz so, als ob er den Betreffenden gerade vor sich habe. Dies entlockte ihr denn doch ein leises Lächeln.

»Ich danke Euch, Sennor!« sagte sie, ihm begütigend die Hand auf den Arm legend. »Ich sehe soeben, daß Ihr doch nicht geliebt habt.«

»Nicht? Ah, ich war ja ganz weg! Ich habe mich dieser famosen Liebe wegen mit meinem eigenen Bruder entzweit. Als sie mich nicht wollte, war ich so traurig, so sehr traurig, als ob ich anstatt der Eingeweide ein ganzes Sargmagazin sammt Todtengräber und Leichenfrau im Leibe hätte. Und da sagt Ihr auch noch, ich wäre nicht verliebt gewesen? Da kennt Ihr die Liebe schlecht!«


// 1781 //

»Nein, Ihr kennt sie nicht. Die wahre Liebe kann niemals zürnen.«

Er zog die Augenbrauen empor und sagte dann:

»Hm, es ist wirklich etwas Wahres daran!«

»Nicht wahr? Habt Ihr das auch erfahren?«

»Ja. Erst war ich ganz fuchsteufelswild auf das Mädchen. Ich wollte sie erschießen, aber ich hatte damals kein Gewehr. Dann wollte ich sie in's Wasser stürzen, aber es war kein Teich in der Nähe. Sodann hätte ich sie gern vergiftet, aber ich hatte nichts als einen Viertelbogen Fliegenpapier, das reichte nicht zu. Aufhängen, das war zu umständlich.«

Ueber das Gesicht Emilia's flog ein halb unterdrücktes Lächeln. Er sprach mit einer solchen Lebhaftigkeit, als ob er die Lieblosigkeit seines Mädchens soeben erst erfahren hätte. Jetzt war er es, der im Zimmer auf und nieder schritt.

»Ich befand mich in einer unendlichen Wuth, in einem Jammer, gegen den der größte Katzenjammer die reine Lappalie ist,« fuhr er fort. »Ich wollte das Mädchen umbringen; da dies aber in keiner Weise klappte, so gab es kein Mittel, meinen Zorn zu kühlen, als mich selbst aus der Welt zu schaffen.«

»Ihr wolltet Euch tödten?« lachte sie.

»Ja. Aber lacht nicht, Sennorita! Mir war es damals auch nicht wie Lachen. Ich ging darum in die Apotheke und kaufte mir für zwei Gulden Rattengift.«

»Pfui Teufel, Rattengift!«

»Rattengift oder Insectenpulver, das ist Alles Eins, wenn man einmal sterben will. Der Apotheker sah mich prüfend an und fragte mich, was ich mit dem Zeuge wolle. Er mochte ahnen, was ich vorhatte. Ich sagte ihm, daß wir den Keller voll Ratten hätten, und darauf gab er mir für zwei Gulden Gift. Es war eine Düte, so groß, daß eigentlich zwanzigtausend Ratten daran hätten sterben können. Ich ging nach Hause und aß das Zeug löffelweise und machte dabei mein Testament.«

»Wie schmeckte es?«

»Süß, wie jedes Rattengift. Nach dem letzten Löffel legte ich mich in das Bett und erwartete den Tod. Darüber schlief ich ein. Als ich erwachte, hatte ich Bauchweh, denn ich hatte mir den Magen gründlich verdorben. Der Apotheker hatte mir den reinen gestoßenen Zucker gegeben. Die zwei Gulden waren zum Teufel, aber ich nicht.«

»Seid froh!« sagte sie mit mühsam unterdrücktem Kichern.

»Froh? Das war ich damals nun allerdings nicht. Ich beschloß, in das Wasser zu springen, da konnte mich kein Apotheker betrügen.«

»Das ist wahr; aber Ihr sprangt nicht?«

»O, ich sprang doch!«

»Aber Ihr lebt ja noch!«

»Allerdings; aber was kann ich dafür? Ich holte sehr weit aus, um einen tüchtigen Sprung hinüber in das Wasser zu thun. Am Ufer standen Bäume. Ich blieb mit dem Fuße an einer Wurzel hängen und schlug mit dem Kopfe so gewaltsam gegen einen Baumstamm, daß mir der Verstand abhanden kam. Als ich aufwachte, weiß Gott, da lag ich wieder im Bette! Man hatte mich gefunden


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und nach Hause geschafft. Einige Tage brummte mir der Kopf gewaltig, so daß ich das Bett hüten mußte. Als ich dann aufstand, traf ich einen Bekannten, der in die weite Welt ging und mir so lange zuredete, bis ich mich ihm anschloß. Ihr seht also, Sennorita, daß auch ich weiß, was Liebe ist. Jetzt würde es mich dauern, wenn ich damals das Mädchen erschossen und mich selbst vergiftet hätte.«

Jetzt brach Emilia mit einem hellen Lachen heraus.

»Ihr seht also, daß die Liebe keine Rache kennt,« sagte sie.

»Ja,« antwortete er sehr ernsthaft. »Es ist ganz dasselbe, wie in Tharandts heiligen Hallen, dort kennt man die Rache auch nicht. Also wollen wir ihn leben lassen, der Euch einen Korb gegeben hat. Aber begreifen kann ich den Kerl nicht. Ich könnte für einen Händedruck, für ein freundliches Wort von Euch durch's Feuer gehen!«

Es war ihm sehr ernst mit dieser Versicherung; das sah sie ihm an. Darum reichte sie ihm ihr schönes, volles Händchen entgegen und sagte:

»Ich danke Euch, Sennor! Man weiß nicht, vielleicht kann einmal die Gelegenheit kommen, in der Ihr mir Eure Ergebenheit unumstößlich beweisen könnt.«

Er drückte, ganz hingerissen von ihrer Freundlichkeit, ihre Hand mit beiden Händen und sagte im überzeugendsten Tone:

»Ich wollte, diese Gelegenheit käme jetzt gleich. Ich würde mein Leben für Euch geben!«

»Das fordere ich nicht. Das Leben eines braven Mannes ist sehr viel werth. Darum bitte ich Euch auch, Euch zu schonen. Habt Ihr ein besonderes Zimmer da drüben in der Venta genommen?«

»Nein. Der Wirth hat mir eins angeboten.«

»So nehmt sein Anerbieten an, er meint es sehr gut mit Euch. Am Abend werden jedenfalls viele Franzosen dort zusammenkommen, was nicht ohne Gefahr für Euch ist, wenn Ihr Euch im allgemeinen Gastzimmer befindet.«

»O, am Abend werde ich ja bereits fort sein.«

»Nein. Ihr werdet noch in Chihuahua sein.«

»Wieso?«

»Weil ich Euch ersuche, zu bleiben.«

»Ah, das ist etwas Anderes. Aber wenn unterdessen Juarez kommt?«

»So bleibt Euch immer noch Zeit, während der Nacht zu ihm zustoßen. Ihr habt diese Einladung gelesen. Ich werde zur Tertullia gehen, und es ahnt mir, daß ich dort etwas erfahren werde, was dem Präsidenten von großem Vortheil ist.«

»Jetzt begreife ich, warum ich bleiben soll. Wann kommt Ihr aber nach Hause?«

»Um Mitternacht.«

»Dann komme ich zu Euch?«

»Ja. Nachdem wir gesprochen haben, könnt Ihr die Stadt verlassen.«

»Gut; dabei mag es bleiben, Sennorita.«

»Giebt es früher etwas Wichtiges, so werde ich es Euch sagen lassen. Auf


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jeden Fall aber werde ich schon kurz nach Mitternacht auf Euch warten. Adios, Sennor!«

»Adieu, Sennorita!«

Er nahm die Hand, welche sie ihm entgegengestreckt, und drückte einen Kuß darauf. Zu einer solchen Galanterie hatte er sich in seinem ganzen Leben noch nicht verstiegen.

Als er drüben in das Gastzimmer trat, befand sich der Wirth noch allein in demselben. Er nickte dem Jäger verständnißinnig zu und fragte:

»Nun, habt Ihr mit ihr gesprochen?«

André nahm Platz, nickte mit dem Kopfe und antwortete:

»Ja.«

Das war ein sehr einfaches Wort, aber sein Auge glänzte dabei so hell, als habe er von einem außerordentlichen Glücke zu sprechen.

»So gesteht mir einmal, daß Ihr ein Bote des Präsidenten seid.«

»Nun meinetwegen! Die Sennorita hat mir gesagt, daß man sich auf Euch verlassen kann und so will ich Euch denn nicht länger belügen.«

»Also doch? Juarez hat Euch gesandt?« fragte der Wirth sehr leise, aber mit einem Gesichte, in welchem sich die lebhafteste Freude spiegelte.

»Ja,«

»Wo befindet er sich? Noch in Paso del Norte?«

»Nein. Als ich ihn verließ, zog er nach Fort Guadeloupe, um dort die Franzosen zu empfangen, welche ausgezogen sind, das Fort zu nehmen.«

»So haben wir doch richtig vermuthet, als wir ahnten, daß dieser Zug abermals gegen das Fort gerichtet sei. Aber wird es Juarez gelingen?«

»Es ist ihm jedenfalls bereits gelungen. Jetzt befindet er sich wieder unterwegs.«

»Wohin, Sennor?«

»Nach Chihuahua.«

Der Wirth sprang vor Freude empor, nahm aber sofort wieder Platz und fragte:

»Nach hier? Ist das wahr, Sennor?«

»Ja.«

»Gott sei Lob und Dank! Endlich geht diese Noth zu Ende. Wann wird er kommen?«

»Vielleicht morgen oder übermorgen schon.«

»So bald? Sennor, Ihr bereitet mir da eine Freude, für welche ich Euch nicht genug danken kann. Ich werde eine Flasche von meinem Festwein holen.«

»Ich danke Euch. Ich habe soeben Wein getrunken.«

»Bei der Sennorita. Ah, Ihr sollt nicht sagen, daß ich dem Präsidenten weniger ergeben bin, als sie. Ich werde zwei Flaschen holen. Aber hier können wir sie unmöglich trinken. Wollt Ihr wirklich nun hier bleiben?«

»Die Sennorita hat mir gerathen, ein separates Zimmer zu nehmen.«

»Das ist klug. Da können wir unbeobachtet sprechen und trinken. Leider bleibt Ihr nur bis zum Abende hier. Ich wollte, Eure Zeit erlaube es, daß -«

»Ich werde länger dableiben,« unterbrach ihn der Kleine.

»Ah, wirklich?«

»Ja. Ich habe nach Mitternacht noch eine Unterredung mit der Sennorita.«


// 1784 //

»Das ist gut. Ich werde Euch bis dahin so gut unterbringen, daß kein Mensch etwas von Eurer Anwesenheit ahnt, mein lieber Sennor André.«

»Aber mein Pferd - -?«

»O, nach dem wird kein Franzose fragen und es soll gut abgewartet werden. Wollt Ihr die Güte haben, mir zu folgen? Wir sind grad jetzt unbeobachtet.«

Es gab über dem Stalle eine kleine, ziemlich verborgene Stube, nach welcher sich die Beiden begaben. Der Wirth brachte zwei Flaschen seines Festweines herbei, und so plauderten sie beim Glase, bis die Nachricht kam, daß sich die Gaststube nach und nach mit französischen Gästen fülle.

»Jetzt muß ich leider fort,« meinte der Mexikaner. »Es thut mir herzlich leid, Euch so einsam hier zurücklassen zu müssen.«

»Darüber betrübt Euch ja nicht, Master,« lachte der Jäger. »Unsereiner weiß sich sehr gut zu unterhalten.«

»Aber Ihr habt doch keinen Gesellschafter hier.«

»O doch und zwar einen höchst guten und anständigen.«

»Wen denn?«

»Na, mich selbst. Ich werde mich mit diesem Kerl sehr gut unterhalten. Ich werde nämlich schlafen und er mag indessen wachen. Aber ich bitte Euch, dafür zu sorgen, daß ich die Mitternacht nicht verschlafe.«

»Habt keine Sorge. Ich werde zur rechten Zeit kommen, um Euch zu wecken.«

Sie trennten sich.

Die Sonne war eben im Untergehen. André blickte zum Fenster hinaus und murmelte:

»Dem heutigen Tage geht es ganz so, wie hier unserer zweiten Flasche: er und sie wird alle. Hinunter mit dem letzten Tropfen! Mir ist ganz eigenthümlich zu Muthe, ganz anders, als damals, wo ich in die Apotheke ging um mir das Rattengift zu holen. Im Kopfe ist es, als ob ich eine Pferdeheerde drin hätte, welche im Kreise herum galoppirt und in den Beinen - ah, die werden immer krümmer und krümmer und immer dünner und dünner. Emilia, Sennorita Emilia, entweder bin ich verliebt oder - oder - oder betrunken.«

Er schwankte, nachdem er die Thür verriegelt hatte, zum Lager, welches aus Heu bestand, legte sich nieder und war bald entschlafen. Der ungewohnte Wein war bald Herr des wackern Jäger geworden, welcher in einem Zuge fortschlief, bis ihn ein Klopfen an der Thür erweckte.

»Sennor, Sennor!« rief es halblaut draußen.

Er richtete sich auf. Es war vollständig dunkel um ihn, doch besann er sich augenblicklich, wo er sich befand. Er erhob sich, schritt zur Thür und fragte:

»Wer ist da?«

»Ich. Macht auf!«

Er erkannte die Stimme des Wirthes und öffnete. Der Letztere trat ein, eine kleine Laterne in der Hand, und fragte:

»Habt Ihr gut geschlafen, Sennor André?«

»Ausgezeichnet, bis jetzt. Welche Zeit haben wir jetzt?«

»Soeben ist Mitternacht vorüber.«

»Sind Eure Gäste fort?«


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»Ja. Es hat eine arge Prügelei gegeben; aber das thut nichts. Der Präsident ist in der Nähe und dann werden wir diese Gäste los. Wollt Ihr mir folgen?«

»Ja. Aber - hm, wollt Ihr nicht vorher so gut sein und mir das Heu ein Wenig von dem Habit putzen? Ihr wißt, wenn man zu einer Dame geht -!«

»Weiß, weiß es, Sennor!«

Er reinigte seinen kleinen Freund von den Halmen, und führte ihn dann bis auf die Gasse.

»Drüben ist die Thür geöffnet,« sagte er leise, indem er die Laterne verlöschte.

»Ob sie bereits daheim sein wird?«

»Ja. Ich habe aufgepaßt. Sie ist vor fünf Minuten zurückgekehrt.«

»So muß ich mich beeilen.«

»Ja, geht. Ich werde in der Gaststube Eure Rückkehr erwarten.«

André schritt über die dunkle Gasse hinüber. Als er in den Flur trat, wurde die Thür sofort hinter ihm geschlossen.

»Wer ist da?« fragte er betroffen.

»Ein Freund,« antwortete es. »Ich bin es, der Hausmeister. Ich mußte Euch erwarten.«

Zu gleicher Zeit wurde ein Zündholz angebrannt und mit demselben eine Kerze. Jetzt erkannte André den Alten, welcher ihn nach oben brachte, wo ihn dieselbe Zofe erwartete, welche ihn abermals in das Zimmer führte, wo er bereits gewesen war.

Dort saß Emilia.

Er stand wie geblendet vor ihr.

Sie trug noch den Anzug, in welchem sie zur Tertullia gewesen war. Der brave André hatte noch nie eine Dame in solcher Toilette gesehen. Er stand wie geblendet, wie bezaubert vor ihr, die ihm ihre Hand entgegenreichte.

»Da seid Ihr wieder,« sagte sie. »Was habt Ihr unterdessen angefangen?«

»Geschlafen,« antwortete er.

Das war ein höchst prosaisches Wort, während es ihm doch so hochpoetisch zu Muthe war. Sie lächelte gütig und meinte mit einem bezaubernden Kopfnicken:

»Daran habt Ihr sehr recht gethan, da Ihr die Nacht zum Ritte braucht.«

»So meint Ihr also, daß ich jetzt fortreiten kann?«

»Ja, Ihr müßt sogar.«

Sie sagte dies in einem so ernsten Tone, daß er sofort fragte:

»Es ist etwas passirt, Sennorita?«

»Ja, etwas sehr Schlimmes.«

»Sagt schnell, was? Betrifft es den Präsidenten?«

»Direct jetzt glücklicher Weise nicht, sondern die vierzig Gefangenen.«

»Alle Teufel! Will man ihnen an das Leben?«

»Grad dieses ist's. Ihr habt es errathen. Seht, das ist der einzige Vortheil, den mir meine Schönheit bringt. Man kann mir nicht widerstehen, wenn ich Etwas erfahren will. So habe ich heute gehört, daß dieser Oberst Laramel der Ueberbringer eines Befehles ist, daß jeder Republikaner als Bandit zu behandeln sei und sofort erschossen werden soll, nachdem man seiner habhaft geworden ist.«

»Das ist ja unmöglich,« rief André.


// 1786 //

»Nein, das ist wirklich, Sennor.«

»Aber das ist grausam; es ist unmenschlich; es ist gegen das Völkerrecht.«

»Das ist richtig. Aber der Befehl ist da und er gilt.«

»Wer hat ihn gegeben?«

»Das Generalkommando, also Bazaine.«

»Ah, diese Franzosen.«

»Irrt Euch dieses Mal nicht. Dieser Befehl konnte nur in Folge eines Dekretes gegeben werden, welches Kaiser Max erlassen hat und in welchem er jeden Republikaner für vogelfrei erklärt.«

»Er? Der Kaiser selbst? Max soll das Dekret erlassen haben?«

»Ja.«

»Es ist unglaublich. Er muß beredet, gezwungen worden sein. Anders ist es nicht möglich.«

»Dem sei, wie ihm wolle; das Dekret ist eine Thatsache; der Befehl Bazaines existirt. Er ist heute dem Kommandanten überbracht worden und morgen, kurz vor Tagesanbruch werden in Folge dessen vierzig Familienväter von Chihuahua ermordet werden.«

Der kleine, aber sonst so kühne Mann war bleich geworden.

»Mein Gott, wer kann, wer soll das verantworten,« sagte er.

»Das geht uns nichts an. Für uns ist vielmehr die Frage, wie wir es verhüten können. Kennt Ihr den Weg, den Juarez kommen wird?«

»Ja, sehr genau.«

»Ihr glaubt, daß er heute oder morgen eintreffen muß?«

»Ja, wenn nichts Störendes eingetreten ist.«

»Nichts Störendes? Ihr scherzt, Sennor. Während eines solchen Zuges können tausend Störungen eintreten. Hört und merkt Euch genau, was ich Euch sage!«

»Sprecht, Sennorita. Ich thue Alles, was Ihr wollt.«

»Von morgen Vormittag an werden die Verurtheilten heimlich, ohne daß es ein Bewohner der Stadt oder einer ihrer Angehörigen ahnt, zum Tode vorbereitet. Nachts zwei Uhr werden sie dann in aller Stille vor die Stadt geführt und erschossen. Kann Juarez bis dahin eingetroffen sein?«

»Ja, möglich ist es.«

»Ob aber wahrscheinlich?«

»Sennorita, ich werde sofort reiten und ihm Alles mittheilen.«

»Sollte er nicht am Rendezvous eingetroffen sein, so reitet Ihr ihm entgegen?«

»Ja.«

»Gut. Ich werde warten bis nächste Mitternacht. Habe ich bis dahin noch keine Nachricht von dem Präsidenten, so werde ich die Armen auf andere Weise zu retten suchen.«

»Wie wollt Ihr dies anfangen?«

»Ich werde in aller Eile ihre Verwandten und alle treuen Anhänger des Präsidenten aufsuchen. Wir haben zwei Stunden Zeit. Dies genügt, um so viele bewaffnete Männer zusammen zu bringen, als nöthig sind, die Executionstruppe zu bewältigen.«


// 1787 //

»Wie stark ist diese?«

»Nur eine Compagnie. Aber alle in Chihuahua anwesenden Offiziere sind dabei. Sie wollen freiwillige Zeugen dieses Exempels sein, welches statuirt wird.«

»Wenn Juarez nicht eintreffen kann, wäre es da nicht besser, Ihr suchtet diese Hilfe zusammen zu bringen?«

»Nein. Ich muß so lange wie möglich warten, ehe ich die Bürger in offene Empörung und Blutvergießen stürze. Juarez kann ja noch im letzten Momente kommen.«

»Ihr habt recht. Ich werde sofort aufbrechen.«

»Thut dies, Sennor, und denkt daran, daß das Leben von vierzig Männern an Eurer Zuverlässigkeit hängt. Bedürft Ihr vielleicht Etwas?«

»Nein, ich danke, Sennorita. Darf der Wirth wissen, um was es sich handelt?«

»Nein. Er ist treu; aber diese Angelegenheit ist zu wichtig. Nur wir Beide, Ihr und ich, dürfen von ihr wissen. Erfährt es ein Dritter, so ist es möglich, daß es weiter gesprochen wird, und das schrecklichste Blutvergießen würde die Folge sein.«

»Ich werde meine Pflicht thun. Verlaßt Euch auf mich.«

Sie streckte ihm zum Abschiede die Hand entgegen und sah ihm mit einem eigenthümlichen Blicke in das wetterharte, aber aufrichtige Gesicht.

»Ihr sagtet mir heute, daß Ihr für mich durchs Feuer gehen könntet. Ist dies wahr, Sennor?« fragte sie.

»Ja, es ist wahr,« betheuerte er.

»Nun, so geht einmal für mich, wenn auch nicht durchs Feuer, sondern durch Bäche und Flüsse, über Berg und Thal, um Juarez herbeizuschaffen. Ich kann es Euch, der Ihr so anspruchslos seid, nicht lohnen - ah, und doch. Bringt Ihr mir rechtzeitige Hilfe zur Stelle, so werde ich Euch den Dienst bezahlen.«

»Sennorita,« sagte er eifrig, »ich würde jede Bezahlung zurückweisen.«

»O diejenige, welche ich im Sinne habe, vielleicht nicht. Oder dennoch?«

»Was meint Ihr?«

»Bringt Ihr Juarez zur rechten Zeit, so gebe ich Euch hier in diesem Zimmer drei Küsse, so herzlich, so innig, als ob ich Eure Braut oder Eure Frau wäre.«

Da leuchteten seine Augen auf und über seine ehrlichen, angenehmen Züge verbreitete sich ein freudiges Glänzen.

»Ist dies wahr, Sennorita?« fragte er schnell.

»Ja. Ich gebe Euch mein Wort und das werde ich halten.«

»So werde ich mir die Küsse holen, selbst wenn Juarez in Kalifornien wäre. Hilfe wird geschafft, also spätestens bis Mitternacht?«

»Bis Mitternacht,« nickte sie.

»Gut! Adios, Sennorita!«

Ehe sie antworten konnte, war er zur Thür hinaus. Draußen stürzte er an der Zofe vorüber und flog förmlich die Treppe hinunter.

»Schnell, um Gotteswillen schnell!« rief er dem Hausmeister zu, welcher herbeikam, um die Thür zu öffnen.


// 1788 //

In gleicher Eile ging es über die Straße hinüber und in das Gastzimmer der Venta. Dort saß der Wirth ganz allein bei der trüben Flamme eines Talglichtes.

»Nun?« fragte er. »Bleibt Ihr da?«

»Nein.«

»Ihr geht fort?«

»Ja, und zwar augenblicklich.«

»Habt Ihr noch etwas Neues erfahren?«

»Nur wenig. Wurde mein Pferd gefüttert?«

»Freilich.«

»Und gehörig getränkt?«

Er sprach diese Fragen in fliegender Hast aus.

»Natürlich,« antwortete der Wirth. »Aber was habt Ihr? Ihr seid ja ganz echauffirt, ganz und gar außer Athem.«

»Ich muß fort, schnell, schnell. Mein Pferd!«

Er riß dem Wirthe das Licht aus der Hand und eilte mit demselben nach dem Hofe.

»Wo ist das Pferd?« fragte er.

»Im Stalle,« antwortete der nacheilende Mexikaner.

André sprang nach dem Stalle.

»Um der heiligen Jungfrau willen, Ihr werdet mir den Stall anzünden!« rief der Wirth.

»Schadet nichts! Er mag wegbrennen. Wenn ich nur mein Pferd habe.«

Er setzte das Licht nieder. Im Nu war der Gaul gesattelt und gezäumt und vor die Thür in den Hof gezogen.

»Was für ein Teufel ist denn in Euch gefahren, Sennor?« fragte der Wirth.

»Der Reitteufel. Weshalb, das werdet Ihr später erfahren. Hier ist die Zeche.«

Er griff in die Tasche und zog den Beutel.

»Unsinn,« meinte der Mexikaner. »Ich werde von Euch nichts nehmen.«

»Ah! Da!«

Bei diesen Worten drückte er ihm Etwas in die Hand und gab dem Pferde die Sporen, daß es hoch aufbäumte und dann über den Hof, durch die Flur und zum Thore hinaus auf die Straße Schoß. Als der nachspringende Wirth an das Thor kam, verklangen die Galoppschläge des Pferdes bereits in der nächsten Straße.

»Was war das?« murmelte er. »Hatte dieser Mann Eile. Er kann sich und dem Pferde in dieser Dunkelheit den Schädel einrennen. Da muß etwas ganz Neues und Besonderes passirt sein.«

Jetzt hielt er die Hand an das Licht.

»O, Santa Madonna; ein Nugget, so groß wie eine Haselnuß. Das ist unter Brüdern zwanzig Duros werth. Der Mann hat Gold. Gott behüte ihn heute Nacht, daß er nicht den Hals bricht und die Beine dazu.«

Dieser fromme Wunsch war ganz und gar nicht ohne Berechtigung. Der kleine Mann flog, sobald er die Stadt hinter sich hatte, wie der wilde Jäger ent-


// 1789 //

lang des Chihuahua-Flusses dahin. Ein Glück war es, daß er während der Streifereien der letzten Tage die Gegend genau kennen gelernt hatte.

Das Rendezvous, zwei Wegstunden von der Stadt gelegen, erreichte er in kaum einer halben Stunde. Hier hielt er an und ließ einige Mal den lauten Ruf der Baumeule erschallen. Es ertönte keine Antwort.

»Sind sie noch nicht da. Vorwärts! Ihnen entgegen.«

Er ritt in ganz derselben Eile weiter, immer am Flusse hin. Gegen zwei Uhr begann es wenigstens so klar zu werden, daß er weiter als vorher blicken konnte. Eine Stunde später erreichte er die Stelle, an welcher der Fluß sich in den Rio Conchos ergießt. Hier hielt er an.

»Hier ist der verabredete Uebergang. Ich muß nachsehen,« sagte er.

Er untersuchte, so gut es das Dunkel gestattete, die Umgebung.

»Noch nicht dagewesen,« lautete das Ergebniß.

Er stieg wieder auf, ritt durch den Rio Conchos hindurch nach dem anderen Ufer und schlug dann eine Richtung ein, welche zwischen diesem Flusse und dem Orte Chiricote nach Nordnordosten führt. Dann brach der Tag an.

Jetzt konnte er die Ebene, durch welche er kam, genau beobachten. Er bemerkte nicht die geringste Spur der Gesuchten. So ritt er fort, bis in die späteren Stunden des Vormittags, still und einsam. Nur zuweilen flüsterte er:

»Drei Küsse! Ah, ich muß sie erhalten.«

Sein Pferd war dem Zusammenbrechen nahe. Es fand kaum noch Athem. Er merkte, daß es dem Tode nahe sei, daß es umstürzen werde, sobald er im Ritte einhalten werde, darum spornte er es immer von Neuem an.

Jetzt näherte er sich den Vorbergen, hinter denen der Rio Brande del Norte fließt. Da sah er eine lange, dunkle Linie, welche aus einem Thale zwischen zwei Bergen sich hervorschlängelte. Er erhob sich in den Bügeln, um besser sehen zu können.

»Sie sind es, sie sind es!« rief er jauchzend.

Zu gleicher Zeit drückte er dem armen Pferde die Sporen tief, tief in die Weichen; es galloppirte nicht mehr, sondern es Schoß vielmehr dahin.

Die Linie wurde deutlicher, kam immer näher. Jetzt waren die einzelnen Gestalten genau zu erkennen.

Voran ritten die Häuptlinge Büffelstirn, Bärenauge und Bärenherz als Eclaireurs, dann, eine Strecke weiter zurück folgte Juarez, welcher soeben mit Sternau in ein ernstes Gespräch vertieft war. Hinter ihnen die weißen Jäger und rothen Indianerin einer langen, langen schlangengleichen Gänsemarschlinie.

Man hatte den Reiter längst bemerkt.

»Wer mag es sein?« hatte Juarez gefragt.

»Uff!« rief Bärenherz. »Der kleine Mann!«

Sternau blickte schärfer hin und stimmte bei:

»Ja, wirklich, es ist der kleine André, welchen Sie nach Chihuahua sendeten, Sennor.«

»Was will er hier? Warum kommt er uns entgegen?« fragte Juarez.

»Es muß etwas Wichtiges passirt sein.«

»Jedenfalls. Man wird es sogleich hören.«


// 1790 //

Jetzt war der kleine Mann ganz nahe. Die Zunge hing seinem Pferde lang aus dem Maule; die Augen des Thieres waren mit Blut unterlaufen; es stöhnte wie eine Locomotive und schnellte sich nur noch in einzelnen, convulsivischen Sätzen vorwärts. Da, ganz nahe vor Juarez, that es seinen letzten Satz.

»Um Gottes willen, herunter!« rief dieser.

Aber der kleine André hatte den Sattel bereits verlassen. Er sprang mit unglaublicher Kühnheit seitwärts zur Erde, während sein Pferd sich überschlug und dann liegen blieb. Er zog kaltblütig seine Pistole und jagte dem zu Tode gehetzten Thiere eine Kugel durch das brechende Auge.

»Was fällt Euch ein, Sennor André?« fragte der Präsident. »Das muß ja ein wahrer Höllenritt gewesen sein.«

»Allerdings, Sennor,« antwortete der kleine Jäger. »Aber in einigen Minuten wird unsere ganze Truppe einen ähnlichen Ritt beginnen.«

»Wieso?«

»Sennorita Emilia sendet mich. Vor neun Stunden ritt ich von Chihuahua ab.«

»Unmöglich.«

»Seht mein Pferd an. Ich habe es zu Tode geritten.«

»So sagt den Grund.«

Die weißen Jäger hatten schnell einen Kreis gebildet, während die Indianer gleichmüthig von Weitem hielten.

»Kaiser Max hat ein Decret erlassen, daß ein jeder Republikaner als Räuber zu behandeln und zu tödten sei - - -« sagte André.

Die Augen des Präsidenten leuchteten auf.

»Ist dies wahr?« fragte er.

»Ja, Sennor.«

»Das ist Wahnsinn. Er hat damit sein eigenes Todesurtheil unterschrieben.«

»Aber zunächst dasjenige anderer Leute. Gestern kam nach Chihuahua der Befehl von Bazaine, alle gefangenen Republikaner zu tödten - - -«

»Ah, sind Gefangene da?« fragte Juarez schnell.

»Ja, vierzig Familienväter.«

»Weiter! Weiter!«

»Diese vierzig Familienväter sollen nächste Nacht zwei Uhr erschossen werden.«

»Mein Gott! Was ist da zu thun? Sie müssen gerettet werden! Aber wie? Die Zeit ist ja viel zu kurz.«

»Darum darf eben keine Zeit verloren werden, Sennor Juarez,« sagte Sternau schnell. »Wollen Sie mir die Fragen und das Weitere überlassen?«

»Ja, gern. Ich bin kein Jäger wie Sie.«

Da wendete Sternau sich an den kleinen André:

»Bitte, kurze und bestimmte Antwort. Heute Nacht zwei Uhr werden sie erschossen?«

»Ja.«

»Wo?«

»Vor der Stadt, am Flusse jedenfalls.«

»Wie lange seid Ihr geritten?«

»Neun Stunden.«


// 1791 //

»So brauchen wir elf Stunden, wenn wir die Pferde nicht grad todt reiten wollen. Wie viele Truppen kommen zur Execution?«

»Eine Compagnie und außerdem sämmtliche Offiziere.«

»Ah, das ist gut. Es geschieht im Geheimen?«

»Ja. Nur Sennorita Emilia weiß es.«

»Sie ist's, die Euch gesandt hat?«

»Ja.«

»Wenn Ihr uns nun nicht zur rechten Zeit getroffen hättet?«

»Sie will warten bis Mitternacht, dann aber die Republikaner allarmiren.«

»Das würde ein großes Blutbad hervorbringen, denn diese guten Sennores von Chihuahua scheinen keine großen Helden zu sein. Wie weit liegt unser Rendezvous vor der Stadt?«

»Zwei Stunden.«

»Könnt Ihr den Ritt zurück aushalten?«

»Ja, Sennor Sternau.«

»Gut! Hört, Sennores, was ich Euch als das Beste, was zu thun ist, vorschlage.«

Sie drängten sich Alle um ihn, und er begann:

»Zunächst muß Sennorita Emilia schleunigst benachrichtigt werden, daß Hilfe kommt, damit sie keinen Stadtaufruhr erregt. Sodann müssen die schnellsten unserer Reiter sich beeilen, noch vor zwei Uhr vor der Stadt anzulangen, um die Execution zu verhindern. Und endlich kommen die Andern nach, um sich mit diesen zu vereinigen. Die Botschaft an die Sennorita wird Sennor André übernehmen, und weil sie so wichtig ist und ihm leicht Etwas zustoßen kann, werde ich selbst ihn begleiten. Kennt mein Bruder Bärenauge Chihuahua?«

»Mein Auge kennt das ganze Land,« antwortete der Häuptling.

»Nun, so mag mein Bruder unter Hilfe der andern Häuptlinge die schnellsten Krieger bis vor Mitternacht an die Stadt bringen, wo ich sie am Wasser treffen werde. Die Andern, welche nicht so schnelle Pferde haben, werden unter der Anführung von Sennor Juarez nachkommen.«

»Nein!« rief Juarez. »Das kann ich nicht zugeben.«

»Warum?« fragte Sternau.

»Sie wollen, ich soll mich schonen; ich soll nicht mit kämpfen?«

»Allerdings. Ihr Leben ist zu kostbar, als daß es einer Kugel ausgesetzt werden darf.«

»Und dennoch reite ich mit dem ersten Trupp. Vielleicht wirkt mein bloßes Erscheinen mehr als alle Kugeln.«

»Das ist möglich, und darum mag es sein. Uebrigens bleibt uns vor der Stadt noch immer Zeit, uns zu besprechen. Wer den letzten Trupp anführen soll, mag noch bestimmt werden. Ich habe keine Zeit dazu; ich muß fort. Hier, Sennor André, nehmt mein Handpferd. Es ist noch frisch und wird den Ritt gut aushalten.«

André hatte seinem todten Pferde bereits Sattel und Zügel abgenommen und begann sogleich, dies dem angebotenen Pferde anzulegen.

Da drängte Juarez sein Pferd an dasjenige Sternau's heran.


// 1792 //

»Sennor,« sagte er halblaut, »könnten Sie mir eine Bitte erfüllen?«

»Reden Sie, Sennor.«

»Ich möchte nicht so ungewarnt über die Franzosen herfallen - -«

»Ah, Sie sind edler als sie selbst!«

»Ich achte das Völkerrecht. Sie kommen eher als ich nach Chihuahua. Wollen Sie dies mit übernehmen?«

»Sie meinen, ich soll den Commandanten aufsuchen?«

»Ja.«

»Als Ihr Abgesandter?«

»Natürlich.«

»Wird man mich als solchen respectiren?«

»Ich hoffe es.«

»Was soll ich sagen?«

»Ich schlage ihnen freien Abzug vor. Alles Andere überlasse ich Ihnen.«

»Gut. Aber soll ich verrathen, daß wir von der Execution wissen, welche stattfinden soll?«

»Nein, kein Wort.«

»Und wie nahe wir sind?«

»Noch viel weniger.«

»So begreife ich meine Instruction vollständig, und ich hoffe, daß Sie mit mir zufrieden sein werden.«

»Ich bin überzeugt davon. Aber, Sennor Sternau, gesetzt den Fall, den Sie erwähnten, daß man Sie nicht respectirt. Was dann?«

»Bah, das wird sich finden.«

»Wenn man Sie festnimmt, gefangen hält?«

»Das macht mir keine Sorge. Sollte mir aber dennoch so Etwas passiren, so kann ich mich auf meine Freunde verlassen. Adieu, Sennores.«

Er gab seinem Rosse die Sporen und galoppirte davon, an seiner Seite André.

Diese Beiden boten einen eigenthümlichen Anblick dar, Sternau, der hohe, breite, riesenhafte Mann neben dem kleinen Jäger; aber es war sich ein Jeder seines Werthes bewußt und achtete den Andern.

Da sie Beide Deutsche waren, so sprachen sie in der heimathlichen Weise mit einander; doch wurde nur das Nöthigste besprochen. Als sie bereits einige Minuten geritten waren, drehte Sternau sich um und bemerkte den Trupp der Besserberittenen, welcher ihnen bereits folgte.

»Jetzt ist es Vormittags zehn Uhr,« sagte er. »Elf Stunden reiten wir; also werden wir Abends neun Uhr in Chihuahua sein. Das genügt. Wissen Sie den Platz genau, auf welchem die Execution vorgenommen werden soll?«

»Nein,« antwortete André.

»Aber man wird ihn erfahren können?«

»Die Sennorita wird es wissen.«

»Ich gehe mit zu ihr. Ich hätte Sie manches in Beziehung auf die Heimath zu fragen, aber es ist nicht Zeit dazu. Bei der ungeheuren Schnelligkeit unseres Rittes ist es gerathen, zu schweigen. Reiten wir hintereinander.«

So ging es fort, genau denselben Weg zurück, welchen André herwärts ge-


// 1793 //

kommen war. Der Vormittag verging, die Sonne erreichte den Zenith; sie senkte sich wieder, ohne daß die beiden Reiter ihren Pferden Ruhe gönnten. Es war gewiß, daß die beiden Thiere vollständig zu Schanden geritten wurden, aber darauf durfte man heut nicht sehen.

Es wurde Abend, und erst als die Beiden den Rio Conchos erreichten, hielten sie an, um die Pferde verschnaufen zu lassen und sie nicht so heiß in die Fluth zu treiben. Dann aber ging es galoppirend weiter.

Als sie sich in der Nähe der Stadt befanden, fragte Sternau:

»Giebt es hier einen sicheren Versteck für die Pferde?«

»Ja. Aber wollen wir zu Fuße die Stadt erreichen?«

»Ja. Es ist besser, wir kommen möglichst unbemerkt.«

»So ist dort rechts ein Wald, in welchem wir die Thiere anbinden können.«

Dies wurde gethan. Dann ergriffen die beiden Männer ihre Waffen und schritten der Stadt entgegen, welche sie an derselben Straße erreichten, in welcher gestern André ein- und ausgeritten war.

Dieser bog schweigend in die Seitengasse ein, und Sternau folgte ihm.

»Hier links ist die Venta, in welcher ich abstieg, Sennor,« flüsterte der kleine Mann.

»Und das Haus der Sennorita?«

»Hier rechts, das hohe, breite Gebäude.«

»Man sieht kein Licht, doch lassen Sie uns eintreten.«

»Die Zimmer haben Läden, welche des Abends verschlossen zu werden scheinen.«

Es war sehr dunkel auf der Gasse. Die beiden Männer waren bisher keinem Menschen aufgefallen. Sie fanden das Thor des Hauses zwar zugeklinkt, aber nicht verschlossen und traten ein. Im Flur war es vollständig finster, aber ihr Eintritt wurde doch bemerkt, denn eine halblaute Stimme fragte:

»Wer kommt?«

»Wer ist da?« gegenfragte der kleine Jäger.

»Der Hausmeister.«

»Ich bin es, André.«

»O, Gott sei Dank, Sennor. Wir haben mit Schmerzen auf Euch gewartet. Habt Ihr das Thor wieder zugemacht?«

»Ja.«

»So kann ich das Licht anbrennen. Ich habe hier, auf Euch wartend, seit Anbruch des Abends gestanden und glaubte bereits, Ihr würdet nicht kommen.«

»Ist die Sennorita daheim?«

»Ja. Sie befindet sich in einer beinahe fieberhaften Aufregung.«

Jetzt flammte das Licht auf, und der Alte beleuchtete die Beiden.

»Ah, noch ein Sennor!« sagte er. »Ich soll nur Euch bringen, Sennor André.«

»Dieser Sennor ist ein guter Freund. Er hat mit der Sennorita zu sprechen.«

»So folgt mir nach oben.«

Er führte die Beiden die Treppe empor. Als sie in das Vorzimmer traten,


// 1794 //

in welchem sich die Zofe befand, öffnete sich die gegenüberliegende Thür und Emilia erschien in derselben. Sie hatte die Schritte vernommen und ihre Ungeduld trieb sie an, den Kommenden entgegen zu eilen.

André hatte Sternau den Vortritt gelassen; sie erblickte daher zunächst diesen Letzteren allein. Als ihr Auge auf die hohe Gestalt mit dem männlich schönen, ernsten Gesichte und dem prächtigen, bis herab auf den Gürtel reichenden Bart fiel, blieb sie halb erstaunt und halb überwältigt stehen.

»Wer ist das?« fragte sie. »Wer kommt? Ein Fremder!«

Sternau verbeugte sich leicht und antwortete:

»Ja, ein Fremder, Sennorita; hier aber ist Einer, welcher mich entschuldigen wird.«

Bei diesen Worten trat er zur Seite. Jetzt erblickte sie seinen Gefährten.

»Sennor André!« rief sie erfreut und tief aufathmend. »Willkommen, tausendmal willkommen. Tretet ein. Nur schnell herein zu mir.«

»Erlaubt zuvor, Euch diesen Herrn vorzustellen!« sagte er. »Es ist Sennor Sternau, von welchem ich Euch bereits gestern erzählt habe.«

»Sennor Sternau? Ah, auch Ihr seid mir willkommen. Tretet ein.«

Sie führte die beiden Männer in das Zimmer, in welchem sie gestern André zweimal empfangen hatte. Dasselbe war viel heller erleuchtet als das Vorzimmer und hier konnte man sich deutlich sehen.

Sternaus Auge ruhte halb bewundernd und halb wehmüthig auf den beinahe unvergleichlichen Reizen dieses wunderschönen Mädchens. Sie aber erblickte ihn erst jetzt vollständig in seiner ganzen mächtigen Erscheinung, welche durch die reiche, mexikanische Tracht hervorgehoben wurde. Die helle Bewunderung leuchtete aus ihren Augen; doch beherrschte sie sich bald und bat ruhig:

»Nehmt Platz, Sennores und sagt mir, welche Botschaft Ihr mir bringt.«

»Es ist eine gute,« antwortete André, um ihre Besorgniß sogleich mit einem Male zu zerstreuen.

»Gott sei Dank!« sagte sie, die Hände zusammenschlagend. »Also Juarez kommt?«

»Ja.«

»Wann?«

»Jedenfalls noch vor der Execution.«

»Hat er genug Leute bei sich?«

»Mehr als genug. Die Verurtheilten sind gerettet.«

»Das haben sie Euch zu verdanken, mein guter Sennor André. Denkt Euch, welche Todesangst, welche Schrecken und Qualen diese Aermsten ausgestanden haben und noch ausstehen. Sie wissen nicht anders, als daß sie dem sicheren Tode entgegen gehen, daß es keine Rettung giebt, daß sie still und heimtückisch hingemordet werden, ohne ihre Angelegenheiten ordnen, ja, ohne die Ihrigen noch sehen zu können. Aber ist es auch sicher, daß die Rettung kommen wird?«

»So sicher, als ich mich hier bei Euch befinde.«

»Befand sich Juarez bereits auf dem Rendezvous?«

»Nein, ich mußte ihm entgegenreiten.«

»Wohl weit?«


// 1795 //

»Es war eine ziemliche Strecke,« sagte der kleine Mann bescheiden.

Da aber ergriff Sternau, welcher noch nicht gesprochen hatte, das Wort:

»Ich muß Euch sagen, was unter dieser ziemlichen Strecke zu verstehen ist, meine schöne Sennorita,« sagte er. »Sennor André traf uns am Rio grande del Norte, also beinahe fünfzehn geographische Meilen von hier, und diese Strecke ist er in neun Stunden, meist bei Nacht, geritten, worauf er sie mit mir in elf Stunden retourwärts abermals zurückgelegt hat. Das ist eine schier übermenschliche Leistung. Als er uns erreichte, brach sein Pferd unter ihm zusammen. Er hat sich um die Verurtheilten den größten Dank erworben. Ohne diese Leistung wären wir nicht im Stande, Hilfe zu bringen.«

Sie hatte den Sprecher ruhig angehört. Jetzt streckte sie André beide Hände entgegen.

»Ich danke Euch, Sennor,« sagte sie, indem ihre Augen feucht schimmerten. »Ihr habt bewiesen, daß ein kleiner Mann ein großes Herz haben kann. Ich werde Euch dies niemals vergessen. Aber nun, darf ich vielleicht fragen, welche Anstalten zur Rettung der Bedrängten getroffen werden müssen?«

Sternau antwortete:

»Zunächst sind wir Beide vorausgeritten, um Euch zu sagen, daß die Hilfe naht. Das Uebrige muß sich aus den Umständen ergeben. Ist Euch der Platz genau bekannt, an welchem die Hinrichtung stattfinden soll?«

»Ja.«

»Wo liegt er?«

»Wenn Ihr von der Straße aus, durch welche Ihr in die Stadt getreten seid, dieselbe verlaßt und an der Stadtgrenze hin rechts nach dem Flusse geht, so macht dieser Letztere eine Biegung, welche einem Halbkreise gleicht. Das Feld also bildet an dieser Stelle des Flusses eine Art Halbinsel und diese ist es, auf welcher die Leute erschossen werden sollen.«

»Ist der Fluß dort tief?«

»Tief und reißend. Daher beabsichtigen die Franzosen, die Leichen der Erschossenen einfach in das Wasser zu werfen, um sie fortschwemmen zu lassen.«

»Ist es Wirklichkeit, was Sennor André uns von dem Decret erzählte?«

»Es ist volle Wahrheit.«

»So ist also für die Gefangenen keine Gnade, keine Nachsicht zu hoffen?«

»Nicht die mindeste, zumal Oberst Laramel anwesend ist.«

»Oberst Laramel? Welch ein Mann ist dieser Offizier?«

»Er ist berüchtigt wegen seiner Grausamkeit und Erbarmungslosigkeit. Er findet ein wahres Vergnügen an der Ermordung der Feinde; er giebt niemals Pardon und könnte mit Recht der Henker der Republikaner genannt werden.«

»Das genügt!«

Er sagte nur diese beiden Worte, aber aus seinem Tone klang Etwas, was sie aufhorchen und fragen ließ:

»Wie meint Ihr das, Sennor?«

»Ich meine, daß ich diesen Mann sehen und sprechen werde.«

»Natürlich nach dem Kampfe, wenn er ihn überlebt?«

»Wahrscheinlich auch vor dem Kampfe.«


// 1796 //

»Das wird wohl unmöglich sein, Sennor.«

»Warum! Wird er nicht beim Commandanten zu treffen sein?«

»Gewiß. Ich hatte heut alle Ursache, mich genau zu informiren und habe gehört, daß die sämmtlichen Offiziere beim Commandanten sitzen, um die Stunde der Hinrichtung bei ihm zu erwarten.«

»Ah, das ist gut! Ich werde sie also alle beisammen sehen.«

»Wie? Ihr wollt doch nicht etwa hin?« fragte sie, auf's Heftigste erschrocken.

»Allerdings,« antwortete er ruhig.

»Das dürft Ihr nicht! Ihr wärt ja verloren!«

»Das glaube ich nicht. Ich komme als Beauftragter von Juarez und darf also freies Geleit erwarten.«

»Ihr täuscht Euch, Sennor! Man wird Euch sagen, daß Juarez ein Verräther sei und Ihr in Folge dessen auch. Man wird Euch sagen, daß man weder mit Juarez noch mit einem Vertreter von ihm unterhandeln könne, da er ein Republikaner, ein Bandit sei. Ihr liefert Euch selbst an das Messer!«

Da erhob er sich langsam von seinem Sitze, blickte an sich herab und fragte:

»Sennorita, sehe ich etwa aus wie Einer, nach dem man nur die Hand auszustrecken braucht, um ihn festnehmen und erschießen zu können?«

Ihr Blick ruhte in aufrichtiger Bewunderung auf ihm indem sie antwortete:

»O nein! Ihr kommt mir vor, wie eine jener Gestalten, von denen uns die alten Heldensagen erzählen. Aber was ist der stärkste Riese gegen eine kleine, heimtückische Flinten- oder Pistolenkugel?«

»Solche Bedenken können mich jetzt nicht beeinflussen. Ich habe Juarez mein Wort gegeben, zum Commandanten zu gehen, und das werde ich halten.«

»Aber man wird Euch festnehmen!«

»Ich werde mich wehren.«

»Man wird Euch mit erschießen!«

»Meine Freunde werden dies zu verhindern wissen.«

»Man wird Euch vielleicht sofort tödten!«

»Meine Freunde werden mich rächen. Uebrigens werden erst viele Feinde fallen, ehe es ihnen gelingt, mich zu erlegen.«

»So werdet Ihr wenigstens unser Vorhaben, die Verurtheilten zu befreien, verrathen, Sennor Sternau.«

»Habt keine Sorge! Ich werde nicht ein einziges Wort darüber fallen lassen.«

»So wird man es aus Eurer bloßen Gegenwart errathen!«

»Desto besser; so wird man die Hinrichtung unterlassen.«

»Man wird höchstens unterlassen, sie vor der Stadt zu vollziehen und anstatt dessen die Gefangenen in ihren Kerkern heimlich hinmorden.«

»Es werden sich auch hier Gegenmaßregeln finden lassen. Ich werde jetzt aufbrechen. Darf ich fragen, ob ich Euch später wieder aufsuchen darf?«

»Ich bitte Euch um alles Dessen willen, was Euch heilig und theuer ist! Bleibt zurück! Ihr geht wahrhaftig in den sichern Tod!«

»Sennorita, ein Mann muß unter allen Umständen sein Wort halten!«

Er sprach das so einfach, so ernst und bestimmt, daß sie fühlte, daß an seinem Entschlusse nichts mehr zu ändern sei. Darum sagte sie nach kurzem Nachdenken:


// 1797 //

»Ich sehe, daß Ihr meine Bitte nicht erfüllen könnt; aber gewährt mir wenigstens einen kleinen Wunsch, den ich jetzt aussprechen werde.«

»Gern, wenn er der Erfüllung meines Wortes nicht zuwider läuft.«

»Er läuft derselben nicht entgegen; er ist sogar geeignet, dieser Erfüllung einen großen Theil der Gefahr zu benehmen.«

»So sprecht ihn aus.«

»Begebt Euch unter den Schutz eines Bekannten von mir!«

»Wer ist dieser Mann?«

»Es ist kein hochgestellter Herr; es ist nur der alte Schließer des Stadthauses.«

Sternau ahnte sofort, was sie beabsichtigte. Er antwortete:

»Ist dieser Mann sicher und Euch ergeben?«

»O, er ist ein ehrliches, treues Gemüth,« meinte sie mit Wärme. »Er ist der Bruder meines Hausmeisters, ein unverbrüchlicher Anhänger des Präsidenten. Er sehnt den Augenblick herbei, an welchem Juarez Herr von Chihuahua ist und wird gern Alles thun, diesen Augenblick herbeizuführen. Er ist es auch, von dem ich gehört habe, daß die Offiziere beim Commandanten sitzen.«

»Ihr denkt, er könne mir sicheren Aus- und Eingang verschaffen?«

»Ja, gewiß. In seiner Hand befinden sich alle Schlüssel des großen Gebäudes.«

»Nun gut; es kann nichts schaden, wenn ich mit ihm spreche; aber dies müßte sehr bald geschehen, denn ich habe keine Zeit zu verlieren!«

»So erlaubt, daß ich vorher meinen Hausmeister rufen lasse!«

Sie gab den bezüglichen Befehl, auf welchen sich der Alte sogleich einstellte.

»Höre,« sagte sie zu ihm, »unser heißer Wunsch wird endlich erhört. Heute Nacht kommt Juarez, um die Stadt zu nehmen.«

Da schlug der Alte die Hände zusammen und fragte:

»Ist dies wahr, Sennorita? Gewiß und wahrhaftig wahr?«

»Ja. Dieser Sennor Sternau ist der Gesandte, den der Präsident zu uns schickt.«

Da ergriff der alte Mann Sternaus Hand und sagte mit Thränen im Auge:

»Sennor, das vergelte Euch Gott! Nun gehe ich ruhig dem Tode entgegen, denn der Gedanke, daß mein Vaterland frei ist, wird mir den Tod erleichtern. Aber nicht wahr, diese Botschaft ist jetzt noch ein Geheimniß?«

»Ja,« antwortete Emilia.

»O, wenn es mein Bruder wissen dürfte!«

»Vielleicht könnte er es erfahren - - -«

»Wirklich?«

»Ja. Vielleicht dürftest Du es ihm selbst mittheilen, wenn er bereit sein wollte, mir einen Wunsch zu erfüllen.«

»Einen Wunsch? O, Sennorita, alle, alle Wünsche würde er Euch erfüllen, die er Euch erfüllen kann, da ja jetzt sein höchster selbst in Erfüllung geht!«

»Nun gut! Sennor Sternau muß jetzt mit dem Commandanten sprechen.«

»O, das ist höchst gefährlich!«


// 1798 //

»Allerdings. Man muß gewärtig sein, er wird gefangen genommen und gar getödtet!«

»Das darf nicht geschehen!«

»Auf keinen Fall.«

»Muß der Sennor wirklich zum Commandanten?«

»Ja, auf alle Fälle.«

»Auch, obgleich sich bei dem Letzteren sämmtliche Offiziere befinden?«

»Er muß trotzdem hin, denn er hat sein Wort gegeben.«

»So muß er es auch halten. Aber festnehmen dürfen sie ihn doch nicht!«

Der Alte sann ein wenig nach und sagte dann zu Sternau:

»Sennor, Ihr scheint sehr kräftig zu sein?«

Der Gefragte lächelte leise und antwortete:

»Ja, ich bin wohl nicht ganz schwach.«

»Mit wie vielen Franzosen nehmt Ihr es auf, wenn es gilt, sich Bahn bis zu einer nahen Thüre zu brechen? Vorausgesetzt natürlich, daß sie nicht schießen.«

»Hm, ein Dutzend fürchte ich nicht!«

»Wirklich nicht? Nun, das ist günstig. Wollt Ihr mit dem Commandanten allein oder in Gegenwart der Andern sprechen?«

»Es ist mir lieb, wenn die Anderen dabei sind.«

»Nun gut. Es giebt im Hause eine Seitenthür, durch welche Ihr eintreten könnt. Ihr geht durch einige Zimmer und gelangt gerade nach dem Corridor, in welchen die Thür mündet, hinter welcher sich die Offiziere befinden. Die beiden Thüren liegen einander gerade gegenüber.«

»Dieser Vorschlag hat sein Bedenkliches, mein lieber Freund.«

»Wieso, Sennor?«

»Ich wünsche, wenn ich fort bin, nicht, daß man glaube, ich sei noch immer im Gebäude versteckt. Man soll überhaupt keine Ahnung davon haben, daß ich mit den Baulichkeiten vertraut bin. Vielleicht kann ich aus diesem Umstande bedeutenden Nutzen ziehen. Vielleicht ist es mir gar möglich, diese Herren Offiziers in ihrem Zimmer gefangen zu nehmen.«

»Das ist möglich, o, das ist sehr leicht möglich, wenn Ihr nur dann auch genug Truppen hättet, die Soldaten in Schach zu halten,« rief der Hausmeister ganz begeistert.

»Man wird sich das überlegen. Auf keinen Fall aber darf ich das thun, ohne daß ich vorher mit dem Commandanten gesprochen habe. Zu dieser Unterredung werde ich frei und offen gehen. Aber im Falle, daß man mich festhalten möchte, würde es mir lieb sein, einen Weg zu kennen, auf dem ich schnell verschwinden könnte.«

»Dieser Weg ist da, Sennor,« sagte der Hausmeister.

»Gut! Aber wo?«

»Ihr tretet also offen in das Haus ein und verfügt Euch offen zum Commandanten?«

»Ja.«


// 1799 //

»Ihr sprecht mit ihm, seht aber immer darauf, daß Euch der Weg zur Thür nicht verlegt wird, sondern frei bleibt.«

»Das wird nicht schwer fallen.«

»Greift man Euch an, so springt Ihr zur Thür hinaus und dreht hinter Euch den Schlüssel um, so daß man Euch nicht folgen kann. Dann tretet Ihr zu der gerade gegenüberliegenden Thür in eine Reihe von Stuben, aus denen Euch eine Treppe an eine Thür führt, welche an der anderen Seite des Hauses liegt. Während man also vorn nach Euch ruft und sucht, entkommt Ihr hinten unbemerkt.«

»Das wäre außerordentlich günstig. Könnte ich diese Zimmer vorher betreten?«

»Um Eures Weges sicher zu sein? Ja, gewiß.«

»So muß ich mich also zu Eurem Bruder begeben?«

»Ja. Ich werde Euch begleiten. Zur größeren Sicherheit könnten wir es auch so machen: Ich halte am hinteren Ausgange Wache und bringe Euch ganz glücklich wieder bis hierher. Mein Bruder aber hält Euch das Zimmer offen, durch welches Ihr verschwinden sollt. Da Ihr die Offiziere einschließt, so öffnet er ihnen dann die Thür und sagt, daß er Euch auf der vorderen Treppe begegnet sei. Ist es Euch so recht, Sennor?«

»Ja, so ist es am Allerbesten. Wollen wir gehen?«

»Wenn es Euch gefällig ist, ja, Sennor!«

Jetzt wendete sich Sternau an Emilia.

»Ist es Euch noch immer Angst um mich, Sennorita?« fragte er.

»Immer noch, wenn auch nicht so sehr wie vorher,« antwortete sie.

»Und darf ich wiederkommen?«

»Ich bitte Euch darum.«

»Ich danke Euch! Es wird dies mit aller Vorsicht geschehen, denn es ist besser, die Franzosen erfahren nicht, daß Ihr im Herzen eine Republikanerin seid. Ihr könnt dem Präsidenten vielleicht noch anderweitige wichtige Dienste leisten.«

»Ihr nehmt doch Eure Waffen mit, Sennor?«

»Nur die kleinen: Messer, Tomahawk und die Revolver. Die Büchse aber werde ich hier zurücklassen, wenn Ihr es mir erlaubt.«

»Herzlich gern. Und wollt Ihr mir noch versprechen, Euch möglichst zu schonen?«

»Gewiß! Ich bin das mir und noch anderen Leuten schuldig.«

Er ging und Emilia blickte ihm nach, bis er hinter der Eingangsthür zum Vorzimmer verschwunden war. Dann wandte sie sich wieder zurück, wo der kleine Andre saß.

»Welch ein schöner Mann!« rief sie bewundernd aus.

»Ja,« antwortete er neidlos. »Ich habe nie einen ähnlichen gesehen.«

»Wenn er gefangen oder gar getödtet würde!«

»O, habt um diesen keine Angst, Sennorita! Der quetscht zehn Franzosen nur mit den Händen todt. Und bei dieser Stärke so gewandt. Er ist die ganze Strecke vom Rio Grande del Norte aus bis hierher mit mir in einem Athem geritten.«


// 1800 //

»Aber Ihr habt den doppelten Weg gemacht, Sennor!« sagte sie, jetzt nun auch an ihn denkend. »Seid Ihr denn nicht krank davon?«

»O nein, Sennorita,« antwortete er. »Uebrigens hat das gar nicht so viel zu bedeuten. Sennor Sternau hat viel mehr Wesens davon gemacht, als was es eigentlich werth ist. Mein Ritt ist gar nicht so etwas Großes.«

»Wirklich nicht?« fragte sie, seine Bescheidenheit bewundernd.

»Nein. Wenn so ein kleiner Kerl, wie ich bin, auf dem Pferde sitzt, so läuft das Thier ja, als ob es gar Keinen zu tragen hätte. Man wird nur so nebenbei mit fortgeschleppt, das ist Alles.«

»So, das ist Alles? Hört, Sennor André, Ihr seid ein sonderbarer Kauz! Erstens seid Ihr gar nicht so klein, wie Ihr Euch macht. Ich zum Beispiel bin höchstens um einen halben Zoll länger als Ihr. Und Zweitens weiß ich ganz genau, was Ihr geleistet habt. Wißt Ihr noch, was ich Euch versprochen habe?«

Der wetterfeste Jäger erröthete wie eine Nähmamsell.

»O, Sennorita, das war ja nur Euer Spaß,« sagte er.

»Nein, ich versichere Euch, daß es mein Ernst war.«

»Aber die Rettung ist ja noch gar nicht da!«

»Sie ist in der Nähe und wird sicher kommen. Ich halte mein Wort. Ihr sollt den versprochenen Lohn haben.«

Er wich einen Schritt zurück, streckte die Hände vor und sagte:

»Ihr seid so außerordentlich lieb und gut, Sennorita; aber ich darf eine solche Güte unmöglich annehmen!«

»Warum nicht?« fragte sie, auf ihn zutretend.

»Seht mich an und Euch dagegen!«

»O, das Kleid thut nichts, Sennor; auf das Herz kommt es an. Und Euer Herz ist wohl besser und reiner als das meinige.«

Sie streckte die Hand nach ihm aus, wie um die seinige zu erfassen, da aber wich er erschrocken abermals einen Schritt zurück.

»Mein Gott, Sennorita!« rief er.

Unterwegs hatte er sich zugeschworen, daß er die drei Küsse erhalten müsse. Er hatte bei dem wilden Jagen Leben und Gesundheit gewagt; er hatte ein Pferd todt, und das andere zu Schanden geritten. Und nun er das Ersehnte erhalten sollte, schien es ihm ganz und gar unmöglich, es in Empfang zu nehmen.

»Wollt Ihr mich beleidigen?« fragte sie.

»O nein, gewiß nicht!« betheuerte er.

Da blickte sie ihn mit einem halb lustigen, halb forschenden Ausdrucke an und fragte:

»Ah, Sennor André, Ihr habt wohl noch niemals geküßt?«

»Hols der Teufel, niemals!« antwortete er.

»Auch Diejenige nicht, wegen der Ihr Euch das Rattengift kauftet?«

»Auch die nicht!«

»Und seid auch nicht geküßt worden?«

»Von meiner Mutter einige Male, weiter wüßte ich Niemand.«

»Drum ist Euch so angst und bange dabei!« lachte sie. »Jetzt werde ich


Ende der fünfundsiebzigsten Lieferung - Fortsetzung folgt.



Karl May: Waldröschen

Karl May - Leben und Werk