Zitate aus Karl Mays Erzählwerk
Wer in der Wüste schmachtet, der lernt den Wert des Tropfens erkennen, der dem
Dürstenden das Leben rettet. Und auf wem das Gewicht des Leides und der Sorge lastete,
ohne daß eine Hand sich helfend ihm entgegenstreckte der weiß, wie köstlich die Liebe
ist, nach der er sich vergebens sehnte.
[Durchs wilde Kurdistan, Freiburg 1892, S. 633]
Auch der Indianer ist Mensch und steht im Besitze seiner Menschenrechte; es ist eine
schwere Sünde, ihm das Recht, zu existieren, abzusprechen und die Mittel der Existenz
nach und nach zu entziehen.
[Ein Ölbrand, in: Das Neue Universum, Stuttgart 1882, S. 3]
"Einen Weißen? ... Aber das ist fürchterlich!" - "Nicht
fürchterlicher, als wenn man einen Schwarzen verkauft. Mensch ist Mensch."
[Waldröschen, Dresden 1883, S. 189]
Ein jedes Volk hat das Recht, sich selbst zu regieren.
[Waldröschen, Dresden 1884, S. 1670]
Ist der Mensch ein Material, an welchem man Experimente macht?
[Die Liebe des Ulanen, Dresden 1884, S. 822]
... die beste, fürchterlichste Waffe ist die Lächerlichkeit. Sie siegt
über Alles, selbst über die Wissenschaft, die Schönheit, den Ruhm. Wer die Liebe eines
Weibes gewinnen will, kann Alles wagen, Alles thun; aber er muß sich hüten, sich
lächerlich zu machen.
[Der verlorne Sohn, Dresden 1885, S. 1235]
Der rote Mann kämpft den Verzweiflungskampf; er muß unterliegen;
aber ein jeder Schädel eines Indianers, welcher später aus der Erde geackert wird, wird
denselben stummen Schrei zum Himmel stoßen, von dem das vierte Kapitel der Genesis
erzählt.
[Der Sohn des Bärenjägers, Stuttgart 1890, S. 78]
Bilder, bei deren Anblick sich das Menschenherz empört, soll man weder mit dem Pinsel
noch mit der Feder malen.
[Winnetou II, Freiburg 1893, S. 389]
Es ist besser, ein Unrecht erleiden, als eins begehen.
[Winnetou II, Freiburg 1893, S. 592]
Vor allen Dingen bin ich Mensch, und wenn ein andrer Mensch sich in Not befindet und
ihm helfen kann, so frage ich nicht, ob seine Haut eine grüne oder blaue Farbe hat.
[Old Surehand I, Freiburg 1894, S. 242]
Geht mir mit einer Civilisation, die sich nur vom Länderraub ernährt und
nur im Blute watet! Wir wollen da gar nicht etwa nur von der roten Rasse reden, o nein.
Schaut in alle Erdteile, mögen sie heißen, wie sie wollen! Wird da nicht überall und
allerwärts grad von den Civilisiertesten der Civilisierten ein fortgesetzter Raub, ein
gewaltthätiger Länderdiebstahl ausgeführt, durch welchen Reiche gestürzt, Nationen
vernichtet und Millionen und Abermillionen von Menschen um ihre angestammten Rechte
betrogen werden?
[Old Surehand III, Freiburg 1896, S. 127]
Soll ein Buch seinen Zweck erreichen, so muß es eine Seele haben,
nämlich die Seele des Verfassers. Ist es bei zugeknöpftem Rock geschrieben, so mag ich
es nicht lesen.
[Old Surehand III, Freiburg 1896, S. 342]
Die Klugheit ist stärker als die Gewalt, und die Milde mächtiger als der
Mord.
[Satan und Ischariot III, Freiburg 1897, S. 466]
Wer Tiere quält, taugt nichts; wer aber Menschen unnütz wehe tut, der
ist noch viel weniger wert.
[Der schwarze Mustang, Stuttgart 1899, S. 192]
Wer auf seine Verstorbenen verzichtet, der ist nicht wert, daß sie für ihn gelebt
haben.
[Und Friede auf Erden!, Freiburg 1904, S. 37]
Aber ich klage die ganze sich "zivilisiert" nennende Menschheit an, daß sie
trotz aller Religionen und trotz einer achttausendjährigen Weltgeschichte noch heutigen
Tages nicht wissen will, daß dieses "Zivilisieren" nichts anderes als ein
"Terrorisieren" ist!
[Und Friede auf Erden!, Freiburg 1904, S. 278]
Jeder Mensch will glücklich werden; das ist falsch. Jeder Mensch soll glücklich
machen; das ist richtig.
[Und Friede auf Erden!, Freiburg 1904, S. 551]
Wie man den Krieg führt, das weiß jedermann; wie man den Frieden führt,
das weiß kein Mensch. Ihr habt stehende Heere für den Krieg, die jährlich viele
Milliarden kosten. Wo habt ihr eure stehenden Heere für den Frieden, die keinen einzigen
Para kosten, sondern Millionen einbringen würden?
[Ardistan und Dschinnistan I, Freiburg 1909, S. 17]
Diese ausgewählten Zitate stammen aus der Broschüre "Wer sich die Rose wünscht" von Hansotto Hatzig, Ubstadt 1976.